Stand: 12.08.2012 12:20 Uhr  | Archiv

Vor zehn Jahren: Die Jahrhundertflut 2002

von Alina Stiegler

Zehn Jahre sind mittlerweile vergangen seit jenen Augusttagen im Sommer 2002, an denen die Elbe über ihre Ufer trat. Das neue Jahrhundert hatte gerade erst begonnen und schon sollten diese unkontrollierbaren Wassermassen als Jahrhundertflut in die Geschichte eingehen. Was von der Flut blieb, war ein Gesamtschaden von zirka 8,6 Milliarden Euro - und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Katastrophenalarm in Lüneburg und Lüchow-Dannenberg

Starke Regenfälle im Erz- und Riesengebirge lösten die Flutkatastrophe aus, die zunächst für schlimme Zerstörungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt sorgte. Das volle Ausmaß dieser Naturgewalt wurde anfangs unterschätzt: Nachdem in Dresden ein Pegelstand von 9,40 Metern gemessen wurde, begann das Bangen schließlich auch elbabwärts in Niedersachsen. Am 18. August lösten die Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg Katastrophenalarm aus. Tausende Helfer fanden sich damals in den gefährdeten Gebieten ein. Unter großem Zeitdruck liefen die Vorbereitungen entlang der Elbe und deren Nebenflüssen für die große Flutwelle: Sandsäcke und Folien sollten vor allem die Deiche stärken, wie in Amt Neuhaus, wo Helfer eilig den viel zu niedrigen Deich provisorisch erhöhten.

Einwohner mussten in Notunterkünfte ausweichen

Ein schwarzes Metallschild hängt an einer Steinwand. Darauf steht "Das Alte Zollhaus in der Elbe". © NDR Foto: Alina Stiegler
Schilder erinnern an die Flut: "Das Alte Zollhaus in der Elbe - Hochwasserstand am 24. August 2002".

Währenddessen erreichte die Flutwelle am 21. August Norddeutschland. In Gartow-Laasche brach ein Deich und überflutete die Ortschaft. Zahlreiche weitere Gemeinden wurden überschwemmt. Während viele Menschen evakuiert wurden und in Notunterkünften ausharrten, weigerten sich andernorts Einwohner, ihre Häuser zu verlassen. Die Stadt Hitzacker an der Elbe, dessen Altstadtinsel zusätzlich von der Jeetzel umflossen wird, war den Wassermassen schutzlos ausgeliefert. Kein Deich schützte die historische Altstadt, die an einigen Orten bis zu 1,50 Meter in Wasser versank.

Schnell wird die Naturkatastrophe für viele Menschen zur persönlichen Katastrophe. Geflutete Keller und Wohnbereiche hinterlassen Schäden, auf denen die Hochwasseropfer meist sitzen blieben. Denn Versicherungen kommen in solchen Fällen selten für die Schäden auf.

Betroffene helfen sich gegenseitig

Das Flutereignis schweißt Einwohner und Helfer eng zusammen. Von Resignation ist damals wie heute wenig spürbar. Auch zehn Jahre später wird die große Flut in Hitzacker als ein besonderes Ereignis angesehen. "Die Menschen rückten einfach näher zusammen", erinnert sich der Museumsdirektor des Alten Zollhauses Klaus Lehmann. Beinahe wie Klein-Venedig erschien ihm Hitzacker im Sommer 2002, "und abends saß man mit seinen Nachbarn auf den provisorischen Stegen zusammen". 

Auch die Wirtin der "Drawehnertor Schenke" Michaela Krüger berichtet ihren Gästen gerne von den Tagen, an denen das Wasser bis zur Tischkante im Gastraum stand. "Ich rede beinahe täglich mit den Menschen über das Hochwasser, es besteht ein großes Interesse bei den Gästen, aus ganz unterschiedlichen Gründen", erzählt Krüger. Einige Gäste interessieren sich vor allem für die Schutzmaßnahmen, die nach der verheerenden Flut 2002 in Hitzacker getroffen wurden.

Neue Schutzwand soll Schäden in Zukunft verhindern

Mit einem Bauvolumen von 63 Millionen Euro entstanden seit dem Frühjahr 2006 rund um die Altstadtinsel von Hitzacker ein Sielbauwerk, eine Hochwasserschutzwand und ein Schöpfwerk, um vor allem den Rückstau des Elbehochwassers in die Jeetzel zu verhindern. Im Herbst 2008 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Seitdem ist Hitzacker von vergleichbaren Flutkatastrophen wie aus dem Jahr 2002 verschont geblieben.

Knapp eine Woche stand das Wasser vor zehn Jahren über Hitzacker und Umgebung, dann konnten die Aufräumarbeiten beginnen. Das Land Niedersachsen zahlte den Hochwasseropfern damals eine Soforthilfe von 5.000 Euro. Vielerorts wurde in den Jahren nach der Katastrophe der Hochwasserschutz ausgeweitet.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 12.08.2012 | 19:30 Uhr

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