Polizeifoto der legendären Bankräuberin Gisela Werler - genannt Banklady. © Volkskundemuseum Schleswig Foto: Volkskundemuseum Schleswig

1968: "Banklady" Gisela Werler vor Gericht

Stand: 27.12.2023 05:00 Uhr

Gisela Werler gilt als erste Bankräuberin der Bundesrepublik - mit 19 Überfällen. Elegantes Auftreten und ihre höfliche Art, um Geld zu "bitten", verschaffen ihr den Namen "Banklady". Am 27. Dezember 1968 beginnt ihr Prozess.

von Janine Kühl

Als erste Bankräuberin der Bundesrepublik beflügelt die Hamburgerin Gisela Werler Mitte der 1960er-Jahre die Fantasie der Menschen. Doch wer steckt hinter beziehungsweise unter der blonden Perücke, dem hellen Mantel und der großen Sonnenbrille? Die Verhaftung der damals 32-jährigen Gisela Werler am 15. Dezember 1967 bringt Ernüchterung. Die vermeintliche "femme fatale" ist eine eher unscheinbare, einfache Frau aus dem Hamburger Arbeitermilieu, die mit 30 Jahren noch bei ihren Eltern wohnt und vor Gericht angibt, "aus Liebe" gehandelt zu haben.

Von der Geliebten zu Komplizin

Werler, geboren am 18. August 1934 in Altona, wächst mit zwei jüngeren Schwestern in ärmlichen Verhältnissen auf. Sie beginnt ihre kriminelle Laufbahn 1964. Ihr Bekannter Hugo Warncke will ihren Kleiderschrank in der elterlichen Wohnung als Beuteversteck nutzen. Gisela willigt ein. Warncke hat zusammen mit Hermann Wittorf alias Peter Werler eine Bank ausgeraubt. Gisela Werler verliebt sich in den verheirateten Taxiunternehmer Wittorf - und wird seine Geliebte und Komplizin.

Die als fleißig und zuverlässig geltende Fabrikarbeiterin tritt am 29. Juli 1965 selbst in den Fokus der Öffentlichkeit - allerdings in eleganter Verkleidung. Als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik überfällt sie eine Bank, nämlich die Filiale Elbgaustraße der Hamburger Volksbank. Der kriminelle Akt bringt ihr 3.100 DM Beute und mediale Berühmtheit als "Banklady".

Großes Geld und kleine Freuden

Insgesamt verübt Werler zusammen mit Wittorf 19 Banküberfälle in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die beiden - teilweise in Begleitung eines oder zweier Komplizen - gehen stets nach dem gleichen Muster vor. Zumeist begibt sich das Gangster-Paar freitags kurz vor Geschäftsschluss mit einem gestohlenen Wagen zur zuvor ausgekundschafteten Bank. Während Wittorf Angestellte und Kunden mit einer Maschinenpistole bedroht, sammelt Werler das Geld ein. Laut Zeugen ist sie dabei stets sehr höflich: "Würden Sie bitte das Geld einpacken?" Doch auch Werler agiert später mit vorgehaltener Waffe.

Rund 400.000 DM fallen in die Hände des Duos. Ein Leben in Saus und Braus führen sie nicht, das wäre wohl zu auffällig gewesen. Stattdessen gibt es neue Gardinen, Möbel und gutes Essen und arbeitet weiter in der Fabrik für Tapeten. Einen VW Käfer und Reisen in den Süden könne sie sich dank ihrer Sparsamkeit sowie der Gewinne ihres Freundes Wittorf im Kasino leisten, erklärt Werler ihren erstaunten Eltern.

Sackgasse Bad Segeberg

Der Überfall auf eine Bank im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg soll der letzte werden. Fast 100.000 DM erbeuten Werler und Wittorf am 15. Dezember 1967 in der Kreissparkasse. Doch dann geht alles schief: Vier junge Bankangestellte nehmen die Verfolgung der Täter auf und werden allesamt von Wittorf angeschossen. Die Flucht endet schließlich an einer geschlossenen Bahnschranke, wo die Polizei die Verbrecher festnehmen kann. Die Medien bejubeln die Polizisten als Helden.

Haben Frauen kriminelle Energie?

"Man muss sie sehen, die erfolgreichste Bankräuberbande der Nachkriegszeit und ihren Star, die 34-jährige Gisela Werler. 400.000 Mark in zweieinhalb Jahren." Originalkommentar Wochenschau zum Prozessauftakt

Die legendäre Bankräuberin Gisela Werler auf der Anklagebank in Kiel, neben ihr ihr Anwalt. © picture alliance Foto: Johannes Gewiess
Vor Gericht gibt Werler an, "aus Liebe" gehandelt zu haben. Sie wird zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Am 27. Dezember 1968 beginnt vor dem Kieler Landgericht der Prozess gegen das Duo. Dem konservativen Frauenbild der Zeit entspricht Werlers Begründung für ihre kriminelle Karriere: Sie habe aus Liebe gehandelt, gibt sie vor Gericht an. "Sie war ihm hörig", zitiert der "Spiegel" den Kriminalbeamten Hans Schliemann, der die Banklady unmittelbar nach ihrer Festnahme in Bad Segeberg verhörte hat. Sogar Wissenschaftler bezweifeln damals, dass Frauen aus eigenem Antrieb kriminelle Handlungen wie einen Bankraub begehen könnten.

Werler muss für neuneinhalb Jahre ins Gefängnis

Daher fällt auch Werlers Haftstrafe mit neuneinhalb Jahren geringer aus als die Wittorfs, der dreizehneinhalb Jahre einsitzen muss, wie das Gericht am 6. Februar 1969 urteilt. Dabei hatten die Vernehmungen ergeben, dass Werler nach eingehender Schulung durch ihren Geliebten eigenständig agierte. Sie kundschaftete Bankfilialen aus und bedrohte die Bankangestellten mit ihrer Waffe. Manch einer hat in der "Banklady" gar den Kopf der Bande gesehen. Im Gefängnis heiraten die beiden.

Nachdem er seine Haftstrafe abgesessen hat, überfällt Hermann Wittorff am 5. Dezember 1985 erneut eine Bank, die Elmshorner Bank für Gemeinwirtschaft. Doch er wird gefasst. Die Beute hätte seine Altersversorgung sein sollen, sagt er vor Gericht aus. Ob auch Gisela Werler dabei gewesen ist, bleibt unklar. Eine Tatbeteiligung kann ihr nicht nachgewiesen werden. Sie stirbt 2003 im Alter von 69 Jahren in Hamburg, Wittorf 2009.

"Banklady" mit Nadeshda Brennicke und Charly Hübner verfilmt

Gisela (Nadeshda Brennicke) auf einer Kostümparty. © NDR/Stefan Erhard
Im Film wird Nadeshda Brennicke als Gisela Werner vom Mauerblümchen zur mondänen Lady mit krimineller Energie.

Ihre Geschichte lebt jedoch weiter, wenn auch nur im Film - der mit Star-Besetzung glänzt: Nadeshda Brennicke gibt in der Produktion aus dem Jahr 2012 die "Banklady", Charly Hübner ihren Komplizen und Lebensgefährten. Heinz Hoenig versucht, den beiden als Hauptkommissar Kaminski auf die Schliche zu kommen und Heinz Strunk mimt den "Kunden Koenig".

Weitere Informationen
Die Hauptdarsteller des Films "Banklady" bei einer Pressekonferenz am Set in Hamburg. © NDR Foto: Sven Heine

Die "Banklady" erobert die Leinwand

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 11.12.2022 | 19:30 Uhr

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