Stand: 15.08.2018 05:58 Uhr  | Archiv

Die "Europa": In viereinhalb Tagen über den Atlantik

Die Europa am 15. August 1928 bei ihrem Stapellauf in Hamburg. © dpa - picture alliance Foto: akg-images
1928 läuft die "Europa" in Hamburg vom Stapel. Sie kann rund 2.000 Passagier befördern, darunter knapp 700 in der 1. Klasse.

Hochmodern, luxuriös und sehr schnell: Am 15. August 1928 läuft bei der Hamburger Werft Blohm + Voss das Passagierschiff "Europa" vom Stapel. Die Reederei Norddeutscher Lloyd will das elegante Schiff mit seinen charakteristischen niedrigen Schornsteinen als schnelles Passagierschiff auf der Transatlantikroute nach New York einsetzen. Neun Passagierdecks für rund 2.000 Passagiere stehen zur Verfügung, ein Ballsaal und ein Wintergarten sollen für eine kurzweilige Überfahrt sorgen.

Großbrand zerstört das fast fertige Schiff

Doch kurz bevor die "Europa" in Dienst gestellt wird, bricht am 26. März 1929 an Bord ein Großfeuer aus. Fast 20 Stunden steht das Schiff in Flammen, es dringt so viel Löschwasser ein, dass es auf Grund sinkt. Die "Europa" ist fast vollständig zerstört, doch Werft und Reederei beschließen, das Schiff wieder instand zu setzen. Die Arbeiten dauern nur elf Monate, die Brandursache wird nie geklärt.

Das Katapultflugzeug der "Europa" auz einer Aufnahme von 1930. © Bundesarchiv, Bild 102-10309 / CC-BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons
Von Bord kann ein Flugzeug starten, das Briefe und andere Post noch vor dem Schiff ans Ziel bringt.
In viereinhalb Tagen von Europa nach New York

Am 19. März 1930 läuft das Schiff zur Jungfernfahrt nach New York aus. In nur vier Tagen, 16 Stunden und 48 Minuten fährt die "Europa" von Cherbourg in Frankreich nach New York. Damit ist sie noch etwas schneller als ihr Schwesterschiff "Bremen", bricht den Rekord für die schnellste Atlantiküberquerung und erhält dafür das "Blaue Band". Die Auszeichnung muss sie allerdings später wieder an die "Bremen" abtreten.

Beginn der Luftpost mit "Schleuderflügen"

Eine Besonderheit der "Europa" befindet sich auf dem oberen Deck zwischen den Schornsteinen: ein Katapult, das Wasserflugzeugen den Start ermöglicht. Von dort starten Flugzeuge mit Post beladen bereits mehrere Hundert Kilometer vor dem Eintreffen des Schiffes im Zielhafen. Die sogenannten Schleuderflüge verkürzen den Postweg um ein bis zwei Tage.

MS "Europa" liegt in Rostock vor Anker © picture alliance Foto: Peter Neumann
Die 1999 erbaute "MS Europa" ist eine Nachfolgerin des 1962 abgewrackten Schiffs.
Truppentransporter und Flüchtlingsschiff

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs dient das luxuriöse Schiff nicht mehr als Passagierschiff, sondern als Unterkunft für deutsche Marinesoldaten. Später wird die "Europa" zum Truppentransporter umgebaut. Im März 1945, kurz vor Kriegsende, bringt das Schiff Flüchtlinge von Swinemünde in die Lübecker Bucht und nach Kiel. Nach dem Krieg beschlagnahmen die USA die "Europa" und übergeben das Schiff später als Reparationsleistung an Frankreich. Dort wird es umgebaut und verkehrt als "Liberté" noch bis 1961 für eine französische Reederei zwischen Le Havre und New York. 1962 wird das Schiff im norditalienischen La Spezia abgewrackt.

"MS Europa": luxuriöse Nachfolgerin

Die 1928 vom Stapel gelaufene "Europa" war das dritte Schiff dieses Namens des Norddeutschen Lloyd. Es folgten drei weitere gleichnamige Passagierschiffe. Das sechste in der Reihe, die 1999 erbaute Kreuzfahrtschiff "MS Europa", fährt bis heute für Hapag-Lloyd Cruises über die Meere, die 2011 erbaute "Europa 2" gilt als eines der luxuriösesten Schiffe der Welt.


15.08.2018 14:31 Uhr

Hinweis der Redaktion: In der ersten Version dieses Beitrages ist uns ein Fehler unterlaufen. Der Großbrand, der die "Europa" fast zerstörte, ereignete sich nicht 1919, sondern am 26. März 1929. Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung.

 

VIDEO: Made in Norddeutschland - Hapag-Lloyd (43 Min)

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