"Ein Wikingerueberfall" - Nach dem Gemaelde von Ferdinand Leeke (1859-1937). © picture-alliance / akg-images
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AUDIO: "Ich hab's! Ich habe eine Idee": 50 Jahre der Serie "Wickie" (2 Min)

Wie die wilden Wikinger den Norden beherrschten

Stand: 31.01.2024 13:25 Uhr

Von Skandinavien aus brachen die Wikinger im 8. Jahrhundert in fremde Länder auf und verbreiteten Angst und Schrecken. Haithabu an der Schlei war von etwa 770 bis 1066 die wichtigste Siedlung der heidnischen Nordmänner.

Vielen fällt beim Gedanken an die Wikinger sofort die Zeichentrickserie "Wickie und die starken Männer" ein, die am 31. Januar 1974 erstmals in Deutschland im Fernsehen ausgestrahlt wurde. 2009 und 2011 fanden die Abenteuer des kleinen, intelligenten Wikinger-Jungen als filmische Umsetzung den Weg ins Kino.

Die "starken Männer" wie Chef Halvar, Tjure, Snorre, Urobe, Gorm, Ulme und Faxe kamen auf ihren Beutezügen immer fröhlich-lustig daher. Ihr Dauerfeind "Der schreckliche Sven" machte ihnen zwar Angst, aber unbesiegbar war er nicht.

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Nordmänner waren berühmt und gefürchtet

Die Realität war im Mittelalter aber tatsächlich schrecklich. Im 8. Jahrhundert brachen die wilden Seefahrer aus Skandinavien in fremde Länder auf: die Nordmänner, wie die Wikinger auch genannt wurden, waren berühmt und gefürchtet. In ganz Europa verbreiteten sie Angst und Schrecken, wenn ihre Segel am Horizont erschienen. Mit ihren schnellen, seetüchtigen Booten erreichten sie Russland, England, Frankreich und sogar Amerika. Auch im Norden Deutschlands hinterließen sie ihre Spuren.

Die Wikinger waren gefürchtete Krieger. Oft überfielen sie Handelsorte, raubten wertvolle Güter und verschwanden wieder. So erging es im Jahre 845 auch dem jungen Hamburg. Wikinger erschienen auf der Elbe, plünderten die Stadt und brannten sie nieder. Der Bischof Ansgar musste fliehen. Er ging nach Bremen und übernahm das dortige Bistum. Bremen erlebte als Sitz des Hamburger Bischofs eine bedeutende Aufwertung. Ansgars Nachfolger förderten die Stadt und bauten sie aus.

Haithabu: Die Stadt der Wikinger

Blick aus der Vogelperspektive auf das Gelände mit nachgebauten Wikingerhäusern von Haithabu. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder
Mindestens 1.000 Einwohner lebten damals in Haithabu.

Doch die wichtigste Siedlung jener Zeit entstand um 770 an der Schlei: Haithabu, die Stadt der Wikinger (aus heiðr = Heide und býr = Hof). Bis heute ist der Ort, einst das größte Handelszentrum von Nordeuropa, gut zu erkennen. Seit Sommer 2018 zählt die ehemalige Wikingersiedlung zum UNESCO-Welterbe.

Durch die Schlei war Haithabu mit der Ostsee verbunden, und am Danewerk entlang waren auch die Treene und die Nordsee leicht zu erreichen. In seiner Blütezeit war Haithabu eine Stadt, die sich mit dem damaligen Köln messen konnte: Eine Fläche von 24 Hektar wurde im 10. Jahrhundert mit dem halbkreisförmigen Wall gesichert. Selbst der Hafen war gegen Angriffe von See her geschützt.

Mindestens 1.000 Einwohner lebten hier, und hinzu kamen die Gäste der Stadt, vor allem Händler aus der Fremde. Der Hafen, in der Grenzregion zwischen dem dänischen und dem fränkischen Reich, wurde auch von friesischen und slawischen Händlern besucht. Die Holzhäuser mit den seitlichen Stützen entsprachen der Bauweise, die die Wikinger aus Skandinavien gewöhnt waren. Doch immer wieder passten sie sich geschickt neuen Lebensumständen an und ergriffen sich bietende Chancen. Sie waren nicht nur gefürchtete Krieger und Eroberer, auch als Handwerker und Kaufleute hatten sie Erfolg.

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Ein älterer Herr mit grauem Wuschelbart blickt nachdenklich durch seine Brille in die Kamera. Im Hintergrund sind Wasser und die Elbphilharmonie zu sehen. Die Sonne scheint, der Himmel ist Blau und hängt volle Wolken. Der Wind kommt von rechts und lässt den Bart nach links wehen. © NDR Foto: Andreas Rehmann

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Berühmte Schmiedekunst

So wurde Haithabu ein quirliges Tor zur Welt des Mittelalters. Die Amulettgießer stellten germanische Thorshämmer ebenso her wie christliche Kreuze - für alles fanden sie Abnehmer, ebenso wie andere Handwerker und Händler. Die Schmiede unter den Wikingern waren im gesamten Nord- und Ostseeraum berühmt. Sie schmiedeten gefürchtete Waffen, mit den einfachen Mitteln jener Zeit. Ein Wikingerschwert gehörte zum Wertvollsten, was man damals besitzen konnte. Die besten Stücke waren an Knauf und Parierstange mit Silber verziert - und manchmal war die Klinge sogar mit höheren Weihen versehen.

Die Normannen und Waräger unter den Wikingern

Langschiff im Wikinger Museum Haithabu © picture-alliance / dpa Foto: Stefan Hesse
Die Wikinger bauten mächtige Schiffe. Ein in Teilen rekonstruiertes ist im Museum Haithabu ausgestellt.

Im Schlick des Hafens von Haithabu fanden die Archäologen ein Schiff, das seither aus seinen Einzelteilen wieder zusammengesetzt wird. Die Rekonstruktion verdeutlicht seine ungewöhnliche Länge: mehr als 30 Meter. Vermutlich war es das Schiff eines Wikingerfürsten. Mit solchen Langschiffen erreichten die Leute aus dem Norden alle Küsten der alten Welt. In Nordfrankreich gründeten sie das Herzogtum der Normandie, von dort aus eroberten sie als Normannen Teile Englands und Sizilien. Über die Flüsse Russlands gelangten sie - Waräger genannt - bis zum Schwarzen Meer: Sie wurden Mitbegründer des russischen Reiches. Und sie setzten sich Denkmäler: Runensteine, auf denen die Helden ihrer Seereisen verewigt sind, in altnordischer Sprache.

Schleswig beerbt Haithabu

Im Jahr 1066 endete die Geschichte von Haithabu mit einer Katastrophe. Schon mehrfach hatten feindliche Wikinger die Stadt angegriffen und gebrandschatzt. Der Handelsplatz verlor zunehmend an Bedeutung, denn Handel braucht Frieden und Sicherheit. Nun wurde Haithabu erneut von Angreifern niedergebrannt. Die Siedlung musste vollständig aufgegeben werden. Eine andere Siedlung, nur drei Kilometer entfernt, übernahm Haithabus Erbe: Schleswig.

Die Wikinger verschwanden als Volk der Geschichte. Aber sie leben in ihren Nachfahren weiter: in Island und Grönland, auf den Shetland-Inseln, in Russland, Skandinavien und auch in Schleswig-Holstein.

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NDR Info | Kultur | 31.01.2024 | 05:55 Uhr

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