Das Wrack des am 6. September 1971 bei Hasloh verunglückten Charterflugzeuges vom Typ "BAC 1-11" der Chartergesellschaft Paninternational © picture-alliance / dpa Foto: DB

Ein Wartungsfehler mit tragischen Folgen

Stand: 07.07.2021 16:00 Uhr

Freudig warten Dutzende Urlauber am 6. September 1971 in Hamburg auf ihren Flug. Für 22 Menschen wird es eine Reise in den Tod. Kurz nach dem Start muss die Maschine notlanden.

Als die 115 Passagiere am 6. September 1971 in Hamburg-Fuhlsbüttel auf ihren Flug in Richtung Südspanien warten, dürften sich die meisten von ihnen auf einen entspannten Urlaub freuen. Doch in Málaga kommen sie nie an. Kurz nach dem Start um 18.19 Uhr an diesem Montag fangen die Triebwerke des vollbesetzten Charterflugzeugs vom Typ British Aerospace 1-11 Feuer. Der Flugzeug-Kapitän der Münchner Gesellschaft Paninternational reagiert schnell und setzt zur Notlandung an - auf der im Bau befindlichen A7 bei Hasloh wenige Kilometer nördlich von Hamburg an.

Paninternational-Flug 112: Beide Triebwerke explodieren

"In dem Moment, als das Kerosin in das Triebwerk kam, explodierten gleichzeitig beide Triebwerke. Das ging bang, bang. Beide Triebwerke waren praktisch ohne Schub", erinnert sich der damalige Kapitän Reinhold Hüls später in einem Interview mit dem Schleswig-Holstein Magazin an die schrecklichen Minuten. "Nach dem Ausfall der Triebwerke war die verbleibende Zeit nur noch 42 Sekunden bis zum Aufsetzen. Ich war mir ziemlich sicher, dass die Notlandung durchaus machbar war. Ich hatte keine Zweifel, dass mir das auch gelingen würde", so Hüls.

Flugzeug BAC 1-11 zerschellt an Brücke

Die beschädigte Autobahnbrücke auf der A7 bei Hasloh und Trümmerteile der BAC 1-11 nach der Notlandung des Flugzeugs am 6. September 1971. © picture-alliance Foto: Lothar Heidtmann
An dieser Autobahnbrücke der A7 zerschellte die BAC 1-11 bei der Notlandung.

Unglücklicherweise steht dabei eine Brückenüberführung des im Bau befindlichen Autobahn-Teilstücks im Weg. Die Maschine prallt gegen die Brückenpfeiler. Hülst selbst verliert durch den Aufprall sein Bewusstsein. Erst nach Minuten kommt er wieder zu sich. Das Flugzeug gerät sofort in Brand. Der Rauchpilz ist bis in die Hamburger Innenstadt zu sehen. Ein Crew-Mitglied und 21 Passagiere kommen in den Flammen ums Leben. "Wenn man 22 Tote auf dem Gewissen hat, ist das nicht leicht wegzustecken", sagt Hüls später. Doch durch sein waghalsiges Mannöver rettet er den übrigen 99 Insassen das Leben.

99 Menschen überleben das Flugzeugunglück

Von den 99 Überlebenden werden 45 zum Teil schwer verletzt. Rund 60 Krankenwagen, elf Feuerwehren, zwei Unfalldienste sowie Hubschrauber der Polizei und Bundeswehr werden zum Unfallort beordert. Mehr als 280 Polizisten, davon 230 aus Schleswig-Holstein, sind im Einsatz. Experten des Luftfahrtbundesamtes in Braunschweig treffen noch am Abend an der Absturzstelle ein. Das Flugzeugwrack wird anschließend nach Braunschweig gebracht. Dort wird das Triebwerk zerlegt und untersucht.

Die BAC 1-11

Kerosin irrtümlich in Tanks gefüllt

Bereits wenige Tage nach dem verheerenden Flugzeugunglück wird der Grund für den Triebwerksbrand bekannt: Die Ermittlungen ergeben, dass statt destilliertem Wasser irrtümlich eine mit brennbarem Kerosin gemischte Flüssigkeit in die Zusatztanks der One-Eleven gefüllt worden war. Destilliertes Wasser wird bei schwierigen Wetterverhältnissen und voller Beladung eingesetzt, um die Schubkraft der Maschine zu erhöhen, was in Hamburg für den Start des Flugzeugs nötig war. Aufgrund der falschen Betankung überhitzten die Flugzeugtriebwerke und gerieten in Brand.

Nach zwei langwierigen Prozessen verurteilte das Landgericht Kiel 1976 einen Elektriker und einen Flugzeugmechaniker von Paninternational, die den verhängnisvollen Fehler begangen hatten, zu je 1.500 Mark Geldstrafe.

Die Fluggesellschaft, die bereits vor dem Unglück in wirtschaftliche Schieflage geraten war, stellte noch 1971 den Betrieb ein.

Weitere Informationen
Das Flugzeugwrack an der Absturzstelle in der Nähe des Flughafens Berlin-Schönefeld (DDR). Am 12. Dezember 1986 wurden bei dem Absturz eines sowjetischen Verkehrsflugzeugs des Typs Tupolew 134 kurz vor der Landung 72 Menschen getötet - darunter 20 Schüler aus Schwerin. © picture-alliance Foto: Chris Hoffmann

Flugzeugabsturz 1986: Tödliche Klassenfahrt

12. Dezember 1986: Eine Aeroflot-Maschine stürzt vor Berlin ab. 72 Menschen kommen ums Leben, darunter 20 Schüler aus Schwerin. Sie waren auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt nach Minsk. mehr

In der Nähe des Spreehafens im Stadtteil Wilhelmsburg im Hamburger Hafen stürzt am 02.07.2006 ein Wasserflugzeug ab. © picture-alliance/ dpa Foto: Ulrich Perrey

Als der "Himmelsschreiber" in den Tod flog

Der Rundflug über den Hamburger Hafen am 2. Juli 2006 ist ein Geburtstagsgeschenk für einen Zwölfjährigen. Doch das Wasserflugzeug stürzt kurz nach dem Start ab. mehr

Trümmer des ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" liegen auf den Gleisen bei Eschede. © dpa - Bildfunk Foto: Ingo Wagner

ICE-Unglück von Eschede: Ein Superzug rast in die Katastrophe

Am 3. Juni 1998 sterben bei Eschede 101 Menschen, mehr als 100 weitere werden teils schwer verletzt. Ein Dossier. mehr

Dieses Thema im Programm:

Unsere Geschichte | 20.01.2013 | 12:30 Uhr

Mehr Geschichte

Westberliner stehen auf Leitern und Stühlen und versuchen, über die die Sperrmauer an der Bernauerstraße hinweg Kontakt zu Verwandten und Freunden auf der Ostberliner Seite aufzunehmen, aufgenommen am 30. Okotber 1961. © picture-alliance/ dpa | dpa

60 Jahre Mauerbau: Packende Historie in der ARD-Mediathek

Mit dem Mauerbau besiegelte die DDR die deutsche Teilung. Das Erste widmet dem Ereignis einen Themenabend - zu sehen schon jetzt in der ARD-Mediathek. mehr

Norddeutsche Geschichte