Stand: 22.01.2016 15:32 Uhr  | Archiv

Luxus auf See: Vom Beginn der Kreuzfahrt

Die Deckpromenade des Dampfers "Maria Theresia" aus der Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd um 1890/1900. © dpa/ picture-alliance
Kreuzfahrt-Passagiere verzichteten im 19. Jahrhundert auch an Bord nicht auf elegante Kleidung.

Am 22. Januar 1891 sticht in Cuxhaven an Bord der "Augusta Victoria" eine erlesene Gesellschaft in See. Die Reisenden wollen nicht - wie zu dieser Zeit üblich - mit dem Schiff den Atlantik überqueren. Sie nehmen vielmehr an einer Seefahrt teil, die ausschließlich ihrem Vergnügen dient. Viel Zeit und Geld müssen die Passagiere mitbringen, denn vor ihnen liegt eine zwei Monate lange Reise: über Southampton und Gibraltar, durch das Mittelmeer bis nach Syrien und Ägypten, zurück über Malta und Lissabon an die deutsche Küste. Die Tour geht später als erste Luxus-Kreuzfahrt in die Geschichte ein. Das Unternehmen Hapag-Lloyd erinnert im 125. Jubiläumsjahr an seine Wurzeln.

Ein Programm gegen die Winter-Flaute

Porträt des Hamburger Reeders Albert Ballin. © picture-alliance / dpa
HAPAG-Direktor Albert Ballin setzte seine Idee einer Luxus-Kreuzfahrt erfolgreich in die Tat um.

Veranstalter der Reise ist die angesehene Reederei "Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft" oder kurz Hapag. Ihr Direktor Albert Ballin sorgt sich um die Auslastung seiner Passagierschiffe, die erfolgreich auf der Nordamerika-Route verkehren. Im Winter bricht das Geschäft jedoch regelmäßig ein. Nur wenige Auswanderer, die einen großen Teil der Passagiere stellen, verlassen ihre Heimat in der kalten Jahreszeit. Ballin kommt auf die Idee, mit seinem erst zwei Jahre alten Schiff "Augusta Victoria" eine "Bildungs- und Vergnügungsreise" in wärmere Gegenden auszuschreiben. Schnell sind die 174 Plätze ausgebucht. An Bord der 145 Meter langen "Augusta Victoria" herrscht Luxus pur: Die Kabinen sind großzügig, erstklassige Köche sorgen für die Verpflegung und ein Unterhaltungsprogramm lässt keine Langeweile aufkommen. Insgesamt gehören 245 Mitarbeiter zur Crew. Auch Ballin selbst, der als charmanter Gesprächspartner gilt, lässt sich die Premiere nicht entgehen.

Landausflüge bis zu den Pyramiden

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. und seine Frau Auguste Viktoria auf einem Foto von 1907 © picture-alliance / akg-images
Nach ihr wurde das Schiff benannt - allerdings mit Schreibfehlern: Auguste Viktoria, Gattin von Kaiser Wilhelm II.

Nicht nur an Bord erfüllt die Reise die Erwartungen der betuchten Gäste. Bei 13 organisierten Ausflügen sammeln sie Eindrücke der exotischen Mittelmeer-Länder. Vom Hafen Alexandria aus organisiert Ballin sogar eine Tour nach Kairo und zu den Pyramiden. Die "Augusta Victoria" mit ihren drei mächtigen Schornsteinen erregt in allen Häfen Aufsehen. Sie ist mit 7.661 Bruttoregistertonnen das größte Passagierschiff, das bis dahin die Straße von Gibraltar durchfahren hat. Der zunächst skeptisch beobachtete Test Ballins wird zum vollen Erfolg und weiteren Standbein der Hapag. Dabei stört es auch nicht, dass die "Augusta Victoria" die Werft in Stettin mit einem "Geburtsfehler" verlassen hat: Sie sollte den Namen der Frau des deutschen Kaisers Wilhelm II. tragen, die jedoch Auguste Viktoria hieß.

Kreuzfahrtboom 100 Jahre später

Die Hapag setzt bald weitere Schiffe für Kreuzfahrten zum Nordcap und in die Karibik ein, die damals noch Westindien genannt wurde. Neben der Handels- und Passagierschifffahrt über den Atlantik etablierte sich so ein weiterer Geschäftszweig. Andere Reedereien folgen dem Vorbild. Vergnügungsreisen auf See entwickeln sich zu einem wichtigen Teil der Tourismus-Branche und erleben rund 100 Jahre später einen Boom. Im Reisemarkt ist das Kreuzfahrtsegment hart umkämpft. "Für jedes Portemonnaie und jeden Kunden gibt es das passende Schiff", sagt Karl J. Pojer, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd, wie das Unternehmen seit der Fusion mit den Norddeutschen Lloyd im Jahr 1970 heißt.

Neuer Name und neues Logo zum Jubiläum

Um an seine Wurzeln zu erinnern, hat der Kreuzfahrten-Anbieter nun die Jahreszahl 1891 in sein Logo aufgenommen. Und um die künftige Ausrichtung zu betonen, wurde die Firma umbenannt: "Hapag-Lloyd Kreuzfahrten" heißt nun "Hapag-Lloyd Cruises". Denn für 2016 hat sich Hapag-Lloyd vorgenommen, den Anteil internationaler Passagiere an Bord von derzeit sieben auf 12 bis 15 Prozent zu steigern. Dafür soll verstärkt in Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und Skandinavien geworben werden. Zur Flotte von "Hapag-Lloyd Cruises" zählen zurzeit vier Schiffe: die "MS Europa", die "MS Europa 2", die "MS Bremen" und die "MS Hanseatic" - und wie zu Zeiten von Direktor Ballin fänden die Gäste in ihren Kabinen immer frische Blumen, verspricht das Unternehmen.

Kreuzfahrer im Vergleich

Die "Augusta Victoria" im Vergleich mit den derzeit größten Kreuzfahrtschiffen der Welt, der "Allure of the Seas" und ihrem Schwesterschiff "Oasis of the Seas":

Baujahr: 1888 - 2009/2010
Länge: 145 Meter - 361 Meter
Breite: 17 Meter - 65 Meter
Geschwindigkeit: 19 Knoten - 22 Knoten
Passagiere: 240 - 5.400

Ein jähes Ende als Kriegsschiff

Die "Augusta Victoria" ist bis 1904 als Passagierschiff auf den Meeren unterwegs. Inzwischen setzen die Reedereien aber auf größere Schiffe und so verkauft die Hapag den 1897 in "Auguste Victoria" umbenannten Kreuzfahrer 1904 an die russische Armee. Umgebaut nimmt sie unter dem Namen "Kuban" am russisch-japanischen Krieg teil. 1907 kehrt das Schiff nach Stettin zurück und wird abgewrackt - nach weniger als 20 Jahren. Für die Reederei Hapag war schon 1905 eine Nachfolgerin vom Stapel gelaufen: die "Kaiserin Auguste Viktoria". Sie ist deutlich größer und wird auch auf der Nordamerika-Route eingesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.01.2016 | 16:00 Uhr

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