90er-Jahre: Wiedervereinigung und Katastrophen

Die 90er-Jahre stehen im Zeichen der Wiedervereinigung Deutschlands, die am 3. Oktober 1990 feierlich besiegelt wird. Zwei spektakuläre Kriminalfälle halten Öffentlichkeit und Polizei im Atem: der Kaufhauserpresser "Dagobert" und die Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma. Traurige Berühmtheit erlangt der Rostocker Stadtteil Lichtenhagen, wo Rechte unter dem Applaus der Anwohner Brandsätze gegen Ausländer werfen. Auch zwei folgenschwere Katastrophen prägen das Jahrzehnt: In Eschede entgleist ein ICE, 101 Menschen sterben; vor Amrum verliert ein havarierter Frachter Treibstoff und löst eine Ölpest aus.

Ende der DDR und Deutsche Einheit

Eine Menschenmenge feiert am 3. Oktober 1990 vor dem Reichstagsgebäude in Berlin die deutsche Wiedervereinigung. © picture alliance / dpa Foto: Wolfgang Kumm

Als die Wiedervereinigung perfekt war

Vor 30 Jahren tritt die DDR der Bundesrepublik bei, die Wiedervereinigung ist vollendet. Um das Datum gab es viel Streit. mehr

Der letzte Wachturm fällt. © NDR

Das Ende der hässlichen Grenze

Nach Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989 werden die Sperranlagen allmählich abgebaut. Ein Hobby-Filmer dokumentiert den Fall eines Beobachtungsturms bei Lauenburg. mehr

Wahlwerbung wird plakatiert © dpa picture-alliance/Ulrich Haessler Foto: Ulrich Haessler

Die DDR hat die freie Wahl

Am 18. März 1990 findet die erste und letzte freie Wahl in der DDR statt. Das Ergebnis überrascht - und läutet das Ende der DDR ein. mehr

Ein junger Mann freut sich am 1. Juli 1990 über seine D-Mark-Banknoten. © dpa / picture-alliance Foto: Kai-Uwe Wärner

D-Mark für alle: Zwischen Silvester- und Katerstimmung

Für viele Ostdeutsche erfüllen sich mit dem 1. Juli 1990 lang gehegte Wünsche: Die Wirtschafts- und Währungsunion tritt in Kraft und die D-Mark kommt endlich ins Portemonnaie. mehr

Ein Bundeswehrangehöriger durchsucht auf einem ehemaligen NVA-Flugplatz ein ehemaliges DDR-Militärflugzeug. © picture-alliance / ZB / dpa - Report Foto: Matthias Hiekel

Das Ende der Nationalen Volksarmee in Mecklenburg-Vorpommern

Mit der DDR hörte am 3. Oktober 1990 auch die Nationale Volksarmee auf zu existieren. Die Bundeswehr galt nun als "Armee der Einheit". Etliche ehemalige NVA-Stützpunkte wurden geschlossen. mehr

Die Mitglieder der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern am 27. Oktober 1990 in Schwerin (v. l. n. r.): Klaus Gollert, Georg Diederich, Bärbel Kleedehn, Ulrich Born, Ministerpräsident Alfred Gomolka, Conrad-Michael Lehment, Petra Uhlmann, Martin Brick und Oswald Wutzke. © picture-alliance/ dpa - Report Foto: Zentralbild

Spannung bei erster freier Landtagswahl in MV

Kurz nach der Wiedervereinigung wählen die Bürger in MV den ersten freien Landtag. Der Ausgang ist bis zuletzt offen. mehr

Blick auf das Schloss in der Landeshauptstadt Schwerin in dem der Landtag tagt. © imago/BildFunkMV Foto: Norbert Fellechner

Schwerins harter Kampf um den Hauptstadt-Titel

Nach langem Ringen fällt die Wahl vor 30 Jahren auf die Residenzstadt als Sitz des Parlaments. Rostock zieht den Kürzeren. mehr

Menschen an der Strecke winken dem Sonderzug zum Brocken am 15.9.1991 zu. © Archiv Harzer Schmalspurbahnen Foto: Volker Schadach

1991: Die Brockenbahn dampft wieder

Schon vor mehr als 100 Jahren zuckelte eine Schmalspurbahn auf den Brocken im Harz. Doch nach dem Mauerbau 1961 war damit Schluss. Erst seit dem 15. September 1991 rollen die Züge wieder. mehr

Kinder winken 1994 auf dem Militärflugplatz Pütnitz in Ribnitz-Damgarten einer startenden MiG-29 der Westgruppe der russischen Streitkräfte zu. © picture-alliance Foto: Bernd Wüstneck

1994: Russische Jets verlassen Pütnitz

Mit dem Abzug der Jagdflieger aus Ribnitz-Damgarten geht im April 1994 die Ära der sowjetischen Besatzung in Ostdeutschland zu Ende. Die Spuren des Militärs sind bis heute sichtbar. mehr

Unglücke und Katastrophen

Die Unglücksstelle der ICE-Katastrophe bei Eschede am 3. Juni 1998 aus der Vogelperspektive. © picture alliance/Ingo Wagner/dpa Foto: Ingo Wagner

Wie das ICE-Unglück von Eschede geschah

101 Menschen sterben 1998 beim ICE-Unfall in Eschede. Die Rekonstruktion des Unglücks - und was die Verantwortlichen heute sagen. mehr

Wrack der "Pallas" in der Nordsee vor Amrum. © dpa /picture alliance Foto: Carsten Rehder

1998: "Pallas"-Havarie löst Ölpest aus

Südwestlich von Amrum ragt ein Schiffswrack aus der Nordsee - die Reste der "Pallas". Der Frachter geriet am 25. Oktober 1998 in Brand und löste eine Umweltkatastrophe aus. mehr

Die polnische Fähre "Jan Heweliusz" treibt nach der Havarie aufgrund des Orkans "Verena" kieloben in der Ostsee vor der Insel Rügen (Foto vom 14.01.93). © AP Foto: Rainer Klostermeier

Der Untergang der "Jan Heweliusz"

Es war eines der schwersten Schiffsunglücke der Nachkriegszeit in der Ostsee: Am 14. Januar 1993 sank die polnische Fähre "Jan Heweliusz" vor der Küste Rügens. 55 Menschen kamen um. mehr

Polizisten stehen vor einem Fahrrad, das auf der Straße liegt. © ullstein bild Foto: Solcher

1991: Nicola stirbt auf der Stresemannstraße

Am 5. September 1991 wird Nicola S. beerdigt: Die Neunjährige stirbt, nachdem ein Lkw sie auf der Stresemannstraße in Hamburg überfahren hat. Auf ihren Tod folgen wochenlange Proteste. mehr

Rechte Gewalt und Terror

Feuerwehrleute 1992 am Ort des Brandanschlags in Mölln © dpa Foto: Rolf Rick

Mölln 1992: Neonazis ermorden drei Menschen

Beim Brandanschlag in Mölln am 23. November 1992 sterben drei Türkinnen. Es ist der erste rassistische Anschlag im wiedervereinten Deutschland, bei dem Menschen getötet werden. mehr

Menschen vor einem brennenden Auto bei den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 © Reuters/Corbis Foto: Lutz Schmidt

Lichtenhagen: Wo sich der Fremdenhass entlud

Rechte werfen Brandsätze, Anwohner applaudieren: Tagelang halten die Übergriffe auf Ausländer in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 an. Politik und Polizei sind überfordert. mehr

Polizeibeamte sichern am 29.08.1992 in Hannover Spuren eines Bombenanschlags auf dem Altstadtfest. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Westphal

August 1992: Bombenleger terrorisiert Hannover

Zwei Bomben gehen 1992 in Hannovers Altstadt hoch. 25 Menschen werden verletzt. Wochenlang leben die Hannoveraner in Angst vor der nächsten Explosion - dann schnappt die Soko den Täter. mehr

Der Bahnhof in Bad Kleinen. Beim Festnahmeversuch am 27.6.1993 starben hier der mutmaßliche RAF-Terrorist Wolfgang Grams und der GSG9-Beamte Michael Newrzella. © picture-alliance/dpa Foto: Jens Büttner

Unaufklärbar? Das tödliche Versagen von Bad Kleinen

Am 27. Juni 1993 starben bei einem missglückten Einsatz auf dem Bahnhof Bad Kleinen der RAF-Terrorist Wolfgang Grams und ein GSG9-Beamter. Bis heute steht der Fall für das Versagen von Behörden. mehr

Das Gebäude der Lübecker Synagoge im Jahr 2014. © Picture-Alliance/dpa Foto: Jens Büttner

März 1994: Anschlag auf Lübecker Synagoge

Vier junge Männer verüben am 25. März 1994 einen Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge. Am Folgetag demonstrieren 4.000 Menschen in der Hansestadt unter dem Motto "Lübeck hält den Atem an". mehr

Menschen stehen 19. Januar 1996 vor der Ruine der ausgebrannten Flüchtlingsunterkunft in Lübeck. © dpa Foto: Rolf Rick

Lübecker Brandanschlag 1996: Kein Nazi-Anschlag - oder doch?

Zehn Menschen starben vor 25 Jahren bei einem Brandanschlag auf das Lübecker Wohnheim. Aufgeklärt wurde der Fall nicht. mehr

Blick auf die zerschossene Frontscheibe eines Polizeiwagens. © NDR

Polizistenmord: "In seinem Gesicht war nur Hass"

Vor 20 Jahren, am 23. Februar 1997, erschießt ein Neonazi bei einer Routinekontrolle im Kreis Herzogtum Lauenburg einen Polizisten. Der Täter zeigte damals keine Reue. mehr

Verbrechen

Jan Phillipp Reemtsma auf einem von den Entführern geschossenen Polaroidfoto. © picture-alliance / dpa Foto: DB

33 Tage im Kellerverlies - Der Fall Reemtsma

Am 25. März 1996 verschleppen Entführer den Hamburger Millionär Reemtsma. Nach 33 Tagen kommt er gegen ein Millionen-Lösegeld frei. Bis heute ist ein Großteil der Beute verschollen. mehr

Polizisten in Schutzkleidung tragen ein Säurefass. © ullstein bild Foto: Röhrbein

Als die Säurefass-Morde Hamburg erschütterten

Zwei Frauen tötet Lutz R. bestialisch und löst sie in Salzsäure auf, eine dritte lässt er frei. Ab dem 1. Dezember 1992 wird das Ausmaß dieses grausamen Hamburger Kriminalfalls bekannt. mehr

Ein Mann trägt einen Metallkoffer © panthermedia Foto: Viola B.

Jagd auf Kaufhaus-Erpresser "Dagobert"

Im Juni 1992 explodiert eine Rohrbombe in einer Hamburger Karstadt-Filiale. Dahinter steckt ein Erpresser namens "Dagobert". Gut zwei Jahre dauert die Jagd nach ihm. mehr

Polizeibeamter mit Speichelproben aus einem Massengentest. © dpa Foto: Ingo Wagner

Erste Tätersuche per Massen-Gentest

Nach der Tötung eines Mädchens aus dem Landkreis Cloppenburg ruft die Polizei am 9. April 1998 zum ersten Massen-Gentest in Deutschland auf. Auch der Täter gibt eine Probe ab. mehr

Polizeispezialisten untersuchen im Mai 1995 einen Fluchtwagen. Am 23. Mai 1995, hatte die Polizei eine Geiselnahme im Celler Hochsicherheitsgefängnis nach 51 Stunden unblutig beendet. © dpa Foto: Wolfgang Weihs

Flucht mit dem Porsche aus dem Celler Knast

Eine spektakuläre Geiselnahme hält ab dem 21. Mai 1995 für zwei Tage Niedersachsen in Atem: Zwei Häftlinge sind aus dem Celler Hochsicherheitsgefängnis geflohen und haben einen Wärter in ihrer Gewalt. mehr

Politik und Gesellschaft

Besucherin vor Fotos der Wehrmachtsausstellung in Hamburg 1999 © dpa /picture alliance Foto: Stefan Hesse

Wie eine Ausstellung die Deutschen spaltete

Bilder von Gräueltaten deutscher Soldaten schockieren vor 25 Jahren die Öffentlichkeit. Sie sind Teil einer Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht. Es kommt zu heftigen Protesten. mehr

4. April 1992: Bischof Peter Krusche gratuliert seiner Nachfolgerin Maria Jepsen. © picture-alliance / dpa

Eine Frau erobert die Kirche

Am 4. April 1992 wird in Hamburg eine neue Zeit eingeläutet. Maria Jepsen wird erste Bischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche. Dabei war der Widerstand im Vorfeld groß. mehr

Schleswig-Holstein Ministerpräsident Björn Engholm gibt im Mai 1993 seinen Rücktritt bekannt © picture-alliance / dpa Foto: Tim Brakemeier

Gebeugte Wahrheit: Björn Engholms Rücktritt

Im Mai 1993 Jahren tritt Björn Engholm als Kieler Ministerpräsident und SPD-Vorsitzender zurück. Eine Lüge vor dem Untersuchungsausschuss zur Barschel-Affäre bringt ihn zu Fall. mehr

Heide Simonis leistet 1993 den Amtseid als Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein. © picture-alliance / dpa

Als Heide Simonis eine Männerbastion enterte

Sie ist die erste Frau an der Spitze eines Bundeslandes: Am 19. Mai 1993 übernimmt Heide Simonis in Schleswig-Holstein das Ruder. 2005 endet ihre politische Karriere spektakulär. mehr

Polizeibeamte tragen im April 1995 eine Demonstrantin im niedersächsischen Dannenberg weg, die ein Schild mit der Aufschrift "Stopp Castor" hält. © dpa - Bildfunk Foto: Rick

Heiße Fracht: Der erste Castor-Transport

Für Atomkraft-Gegner ist es der "Tag X": Vor 25 Jahren, am 25. April 1995, erreicht der erste Castor-Transport das Zwischenlager Gorleben im niedersächsischen Wendland - unter massiven Protesten. mehr

Musik und Kultur

Wacken Open Air 1990: Beim Aufbau der Bühne legt die Crew eine Pause ein. © Wacken Open Air

Heavy Metal auf der Wiese: Wacken Open Air

Mit gerade einmal 800 Besuchern beginnt 1990 das, was heute als bekanntestes Heavy-Metal-Festival der Welt gilt: das Wacken Open Air. Ein Blick auf den ersten Sommer - und was dann alles kam. mehr

Udo Lindenberg - Der deutsche Rockersänger in den 80er-Jahren in Hamburg © picture-alliance / Jazz Archiv Foto: Hardy Schiffler

Besuch bei Freunden: Udo Lindenberg in der DDR

Nach dem Mauerfall geht für Rockstar Udo Lindenberg ein lang ersehnter Traum in Erfüllung: Im Januar 1990 startet er eine er seine Tournee durch die DDR. mehr

Stunts im Feuer von Kanonen © störtebeker-presse Foto: störtebeker-presse

Aller Welt Feind, doch des Zuschauers Freund

Was 1993 mit persönlichem Engagement begann, ist inzwischen ein Publikumsmagnet und Wirtschaftsfaktor auf der Insel Rügen: die Störtebeker-Festspiele in Ralswiek. mehr

Der Alsterdampfer "St. Georg" vor der Galerie der Gegenwart © dpa Foto: Maurizio Gambarini

März 1994: "St. Georg" fährt wieder über die Alster

Mehrfach wechselt der 1876 gebaute Dampfer seinen Namen. Seit 1994 schippert die "St. Georg" wieder regelmäßig über ihr Heimatrevier: die Hamburger Alster. mehr

Seebrücke Heringsdorf bei Nacht © www.usedom.de

Flanieren übers Meer: Seebrücke Heringsdorf

Mit 508 Metern gilt sie als das längste Bauwerk dieser Art in Deutschland: die Seebrücke Heringsdorf auf Usedom. Am 3. Juni 1995 wurde sie eröffnet. mehr

Ein Ehepaar sitzt in einem Strandkorb und empfängt digitales Fernsehen. © NDR / Gregor Schläger

DVB-T: Das Comeback der Antenne

Experten zwischen Hamburg und Braunschweig haben in den frühen 90er-Jahren das digitale Antennenfernsehen entworfen. Seitdem breitet sich das "ÜberallFernsehen" rasant aus. mehr

Ein riesiger Findling wird am 23. Oktober 1999 aus der Elbe an den Strand in Hamburg-Övelgönne gehoben, wo Zuschauer das Spektakel beobachten. © picture alliance Foto: Oliver Soulas

Der "Alte Schwede" wird Hamburger

Als Bagger 1999 die Elbe in Hamburg vertiefen, stoßen sie auf einen riesigen Findling - einen der größten Deutschlands. Seitdem muss der "Alte Schwede" viel über sich ergehen lassen. mehr

Sport

Michael Stich 1991 mit der Wimbledon-Trophäe © picture-alliance / Rolf Kosecki

Wimbledon 1991: Stichs Triumph für die Ewigkeit

Am 7. Juli 1991 ist Michael Stich auf dem Tennis-Olymp angekommen. Der Norddeutsche feiert in Wimbledon seinen größten Triumph - ausgerechnet gegen Boris Becker. mehr

Monica Seles (M.) nach der Messerattacke 1993 am Rothenbaum © Witters

Das Messerattentat auf Seles am Rothenbaum

Der 30. April 1993 verändert die Tennis-Welt. Am Hamburger Rothenbaum wird Monica Seles von einem psychisch gestörten Mann niedergestochen. Sie hat noch Glück im Unglück. mehr

Norddeutsche Geschichte