90er-Jahre: Wiedervereinigung und Katastrophen

Die 90er-Jahre stehen im Zeichen der Wiedervereinigung Deutschlands, die am 3. Oktober 1990 feierlich besiegelt wird. Zwei spektakuläre Kriminalfälle halten Öffentlichkeit und Polizei im Atem: der Kaufhauserpresser "Dagobert" und die Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma. Traurige Berühmtheit erlangt der Rostocker Stadtteil Lichtenhagen, wo Rechte unter dem Applaus der Anwohner Brandsätze gegen Ausländer werfen. Auch zwei folgenschwere Katastrophen prägen das Jahrzehnt: In Eschede entgleist ein ICE, 101 Menschen sterben; vor Amrum verliert ein havarierter Frachter Treibstoff und löst eine Ölpest aus.

Ende der DDR und Deutsche Einheit

Als die Wiedervereinigung perfekt war

Knapp ein Jahr nach dem Mauerfall war die Wiedervereinigung 1990 vollendet: Am 3. Oktober trat die DDR der Bundesrepublik bei. Seitdem wird er als Tag der Deutschen Einheit gefeiert. mehr

Das Ende der hässlichen Grenze

Nach Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989 werden die Sperranlagen allmählich abgebaut. Ein Hobbyfilmer dokumentiert den Fall eines Beobachtungsturms bei Lauenburg. mehr

Die DDR hat die freie Wahl

Als am 18. März 1990 die erste und letzte freie Wahl in der DDR stattfindet, ist die Wahlbeteiligung rekordverdächtig hoch: 93 Prozent. Das Ergebnis aber überrascht und läutet das Ende der DDR ein. mehr

Die D-Mark kommt: Silvesterstimmung im Juli

Für viele Ostdeutsche erfüllen sich mit dem 1. Juli 1990 lang gehegte Wünsche: Die Wirtschafts- und Währungsunion tritt in Kraft und die D-Mark kommt endlich ins Portemonnaie. mehr

Das Ende der NVA

Mit der DDR hörte am 3. Oktober 1990 auch die Nationale Volksarmee auf zu existieren. Die Bundeswehr galt nun als "Armee der Einheit". Etliche ehemalige NVA-Stützpunkte wurden geschlossen. mehr

Spannung bei erster freier Landtagswahl

Am 14. Oktober 1990 wählen die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern den ersten freien Landtag. Die Stimmung im Land ist schwer berechenbar, der Ausgang bis zuletzt offen. mehr

Schwerins harter Kampf um den Hauptstadt-Titel

Am 27. Oktober 1990 fällt die Entscheidung: Schwerin wird Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Monatelang war zuvor zwischen Rostock und Schwerin um den Status gerungen worden. mehr

1991: Die Brockenbahn dampft wieder

Schon vor mehr als 100 Jahren zuckelte eine Schmalspurbahn auf den Brocken im Harz. Doch nach dem Mauerbau 1961 war damit Schluss. Erst seit 1991 rollen die Züge wieder. mehr

1994: Russische Jets verlassen Pütnitz

Mit dem Abzug der Jagdflieger aus Ribnitz-Damgarten geht im April 1994 die Ära der sowjetischen Besatzung in Ostdeutschland zu Ende. Die Spuren des Militärs sind bis heute sichtbar. mehr

Unglücke und Katastrophen

Wie das ICE-Unglück von Eschede geschah

Am 3. Juni 1998 kommt es im niedersächsischen Eschede zum schwersten Unfall in der Geschichte der Hochgeschwindigkeitszüge. 101 Menschen sterben, 105 Reisende werden verletzt. mehr

1998: "Pallas"-Havarie löst Ölpest aus

Südwestlich von Amrum ragt ein Schiffswrack aus der Nordsee - die Reste der "Pallas". Der Frachter geriet am 25. Oktober 1998 in Brand und löste eine Umweltkatastrophe aus. mehr

Der Untergang der "Jan Heweliusz"

Es war eines der schwersten Schiffsunglücke der Nachkriegszeit in der Ostsee: Am 14. Januar 1993 sank die polnische Fähre "Jan Heweliusz" vor der Küste Rügens. 55 Menschen kamen um. mehr

1991: Nicola stirbt auf der Stresemannstraße

Am 5. September 1991 wird Nicola S. beerdigt: Die Neunjährige stirbt, nachdem ein Lkw sie auf der Stresemannstraße in Hamburg überfahren hat. Auf ihren Tod folgen wochenlange Proteste. mehr

Rechte Gewalt und Terror

Mölln 1992: Neonazis ermorden drei Menschen

Beim Brandanschlag in Mölln am 23. November 1992 sterben drei Türkinnen. Es ist der erste rassistische Anschlag im wiedervereinten Deutschland, bei dem Menschen getötet werden. mehr

Lichtenhagen: Wo sich der Fremdenhass entlud

Rechte werfen Brandsätze, Anwohner applaudieren: Tagelang halten die Übergriffe auf Ausländer in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 an. Politik und Polizei sind überfordert. mehr

August 1992: Bombenleger terrorisiert Hannover

Zwei Bomben gehen 1992 in Hannovers Altstadt hoch. 25 Menschen werden verletzt. Wochenlang leben die Hannoveraner in Angst vor der nächsten Explosion - dann schnappt die Soko den Täter. mehr

Unaufklärbar? Das tödliche Versagen von Bad Kleinen

Am 27. Juni 1993 starben bei einem missglückten Einsatz auf dem Bahnhof Bad Kleinen der RAF-Terrorist Wolfgang Grams und ein GSG9-Beamter. Bis heute steht der Fall für das Versagen von Behörden. mehr

März 1994: Anschlag auf Lübecker Synagoge

Vier junge Männer verüben am 25. März 1994 einen Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge. Am Folgetag demonstrieren 4.000 Menschen in der Hansestadt unter dem Motto "Lübeck hält den Atem an". mehr

Lübeck 1996: Kein Nazi-Anschlag - oder doch?

Zehn Menschen sterben am 18. Januar 1996 bei einem Feuer in einem Lübecker Asylbewerberheim. Bis heute ist die Brandstiftung nicht aufgeklärt. Vier verdächtige Neonazis wurden nie angeklagt. mehr

Polizistenmord: "In seinem Gesicht war nur Hass"

Vor 20 Jahren, am 23. Februar 1997, erschießt ein Neonazi bei einer Routinekontrolle im Kreis Herzogtum Lauenburg einen Polizisten. Der Täter zeigte damals keine Reue. mehr

Verbrechen

33 Tage im Kellerverlies - der Fall Reemtsma

Am 25. März 1996 verschleppen Entführer den Hamburger Millionär Reemtsma. Nach 33 Tagen kommt er gegen ein Millionen-Lösegeld frei. Bis heute ist ein Großteil der Beute verschollen. mehr

Als die Säurefass-Morde Hamburg erschütterten

Zwei Frauen tötet Lutz R. bestialisch und löst sie in Salzsäure auf, eine dritte lässt er frei. Ab dem 1. Dezember 1992 wird das Ausmaß dieses grausamen Hamburger Kriminalfalls bekannt. mehr

Jagd auf Kaufhaus-Erpresser "Dagobert"

Im Juni 1992 explodiert eine Rohrbombe in einer Hamburger Karstadt-Filiale. Dahinter steckt ein Erpresser namens "Dagobert". Gut zwei Jahre dauert die Jagd nach ihm. mehr

Erste Tätersuche per Massen-Gentest

Nach der Tötung eines Mädchens aus dem Landkreis Cloppenburg ruft die Polizei am 9. April 1998 zum ersten Massen-Gentest in Deutschland auf. Auch der Täter gibt eine Probe ab. mehr

Flucht mit dem Porsche aus dem Celler Knast

Eine spektakuläre Geiselnahme hält im Mai 1995 ganz Niedersachsen in Atem: Zwei Häftlinge sind aus dem Celler Hochsicherheitsgefängnis geflohen und haben einen Wärter im Schlepptau. mehr

Politik und Gesellschaft

Wie eine Ausstellung die Deutschen spaltete

Bilder von Gräueltaten deutscher Soldaten schockieren vor 25 Jahren die Öffentlichkeit. Sie sind Teil einer Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht. Es kommt zu heftigen Protesten. mehr

Eine Frau erobert die Kirche

Am 4. April 1992 wird in Hamburg eine neue Zeit eingeläutet. Maria Jepsen wird erste Bischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche. Dabei war der Widerstand im Vorfeld groß. mehr

Gebeugte Wahrheit: Björn Engholms Rücktritt

Im Mai 1993 Jahren tritt Björn Engholm als Kieler Ministerpräsident und SPD-Vorsitzender zurück. Eine Lüge vor dem Untersuchungsausschuss zur Barschel-Affäre bringt ihn zu Fall. mehr

Als Heide Simonis eine Männerbastion enterte

Sie ist die erste Frau an der Spitze eines Bundeslandes: Am 19. Mai 1993 übernimmt Heide Simonis in Schleswig-Holstein das Ruder. 2005 endet ihre politische Karriere spektakulär. mehr

Heiße Fracht: Der erste Castor-Transport

Für die Gegner der Atomkraft ist es der "Tag X": Am 25. April 1995 erreicht der erste Castor-Behälter das Zwischenlager Gorleben im niedersächsischen Wendland - unter massiven Protesten. mehr

Musik und Kultur

Heavy Metal auf der Wiese: Wacken Open Air

Mit 800 Besuchern beginnt 1990 das, was heute als bekanntestes Heavy-Metal-Festival der Welt gilt: das Wacken Open Air. Ein Blick auf den ersten Sommer - und was dann alles kam. mehr

Besuch bei Freunden: Udo Lindenberg in der DDR

Nach dem Mauerfall geht für Rockstar Udo Lindenberg ein lang ersehnter Traum in Erfüllung: Im Januar 1990 startet er eine er seine Tournee durch die DDR. mehr

Aller Welt Feind, doch des Zuschauers Freund

Was 1993 mit persönlichem Engagement begann, ist inzwischen ein Publikumsmagnet und Wirtschaftsfaktor auf der Insel Rügen: die Störtebeker-Festspiele in Ralswiek. mehr

März 1994: "St. Georg" fährt wieder über die Alster

Mehrfach wechselt der 1876 gebaute Dampfer seinen Namen. Seit 1994 schippert die "St. Georg" wieder regelmäßig über ihr Heimatrevier: die Hamburger Alster. mehr

Flanieren übers Meer: Seebrücke Heringsdorf

Mit 508 Metern gilt sie als das längste Bauwerk dieser Art in Deutschland: die Seebrücke Heringsdorf auf Usedom. Am 3. Juni 1995 wurde sie eröffnet. mehr

DVB-T: Das Comeback der Antenne

Experten zwischen Hamburg und Braunschweig haben in den frühen 90er-Jahren das digitale Antennenfernsehen entworfen. Seitdem breitet sich das "ÜberallFernsehen" rasant aus. mehr

Der "Alte Schwede" wird Hamburger

Als Bagger 1999 die Elbe in Hamburg vertiefen, stoßen sie auf einen riesigen Findling - einen der größten Deutschlands. Seitdem muss der "Alte Schwede" viel über sich ergehen lassen. mehr

Ein Nationalpark für die Boddenlandschaft

Zwei Tage vor der Wiedervereinigung im Oktober 1990 lässt die DDR-Volkskammer von Darß bis Rügen eine Schutzzone einrichten: Der Nationalpark Boddenlandschaft ist geboren. mehr

Sport

Wimbledon 1991: Stichs Triumph für die Ewigkeit

Am 7. Juli 1991 ist Michael Stich auf dem Tennis-Olymp angekommen. Der Norddeutsche feiert in Wimbledon seinen größten Triumph - ausgerechnet gegen Boris Becker. mehr

Das Messerattentat auf Seles am Rothenbaum

Der 30. April 1993 verändert die Tennis-Welt. Am Hamburger Rothenbaum wird Monica Seles von einem psychisch gestörten Mann niedergestochen. Sie hat noch Glück im Unglück. mehr

Norddeutsche Geschichte