Auf einer historischen Schwarz-Weiß-Aufnahme sind die Löscharbeiten an dem explodierten Güterzug zu sehen. © picture alliance/dpa

Zwölf Menschen sterben 1969 bei Explosion in Hannover

Stand: 24.06.2024 09:30 Uhr

Bei der Explosion eines Güterwaggons, der mit Granaten beladen ist, sterben am 22. Juni 1969 zwölf Menschen in Hannover-Linden. 40 werden verletzt. Es ist eines der schwersten Unglücke nach dem Krieg.

Es ist Sonntagmorgen, als die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Der 22. Juni 1969, leicht bewölkt. Um kurz nach 8 Uhr geht ein Notruf bei der Feuerwehr in Hannover ein: Im Bahnhof Linden brennt ein Güterwagen. Dass es sich bei dem Zug um einen Munitionstransport für die Bundeswehr handelt, wissen die Einsatzkräfte da noch nicht. 216 Granaten für Panzerhaubitzen liegen im Wagen Nummer 35. Er gehört der Belgischen Staatsbahn SNCB. Wenig später, als die Rettungskräfte gerade eintreffen, beginnt das Inferno. Die Ladung dieses Waggons mit einem Gesamtgewicht von 15 Tonnen explodiert.

Granatsplitter und Eisenteile sowie Schotter aus dem Gleisbett fliegen umher und durchlöchern die Feuerwehrfahrzeuge. Der Einsatzleitwagen wird in die Luft geschleudert, Gleise und Oberleitung werden beschädigt. Ein im Bahnhof stehender Autozug kippt zum Teil um. Zwei Güterwagen werden vollständig zerstört, 71 zum Teil schwer beschädigt.

Zwölf Tote, 40 Verletzte

Zwölf Menschen, acht Feuerwehrleute und vier Bundesbahner, sterben. Ein Feuerwehrmann überlebt, weil er während eines Schichtwechsels hinter einem Fahrzeug gerade seine Schuhe gegen Feuerwehrstiefel tauscht. Ein weiterer bückt sich gerade zufällig, sodass auch er mit dem Leben davon kommt. 40 Menschen werden verletzt. Der Sachschaden liegt bei 40 Millionen D-Mark.

Techniker überrascht von hohen Temperaturen

Das Gelände sehe aus wie eine "Kraterlandschaft", schreibt die "Frankfurter Rundschau". Die Suche nach der Ursache fördert kein eindeutiges Ergebnis zutage. Die Waggons sind zerstört, die Ermittlungen kompliziert. Wahrscheinlich hatte eine nicht gelöste Bremse das Feuer verursacht. Bei der Bundesbahn hatten die Techniker nicht damit gerechnet, dass durch eine gezogene Bremse solch hohe Temperaturen entstehen könnten. Über einen nachgestellten Versuch in Minden (Nordrhein-Westfalen) berichtet "Die Zeit" im Jahr 1970, es seien dabei Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius gemessen worden. "Das haben wir bis heute selbst nicht gewusst", zitiert die Zeitung einen Sprecher des Materialprüfungsamtes. Die Granaten explodierten bereits bei einer Temperatur von knapp über 200 Grad.

"Öffentlichkeit in die Irre geführt"

Drei Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen einen brennenden Güterwaggon auf einer historischen Schwarz-Weiß-Aufnahme © NDR
Die Ursache für den Unfall war vermutlich eine nicht gelöste Bremse. (Screenshot)

Das Krisenmanagement von Bahn und Bundeswehr führt zu massiver Kritik. "Mit derlei Bildern wurde die westdeutsche Öffentlichkeit nach der Katastrophe tagelang in die Irre geführt. Allenthalben meldeten Sprengstoffexperten und Zeitungen, wie harmlos doch jener Sprengstoff sei, der am Sonntagmorgen Menschen und Material zerfetzt hatte", schreibt "Der Spiegel" am 30. Juni 1969.

Vor der Explosion hatten bereits mehrere Streckenposten gemeldet, dass ein Wagen des Zuges Funken sprühe. Beim Halt in Linden brannte der Wagen schon. Für den Transport von Munition per Bahn gelten nach der Tragödie neue Regeln: Schutzbleche am Waggonboden und Warnzeichen werden eingeführt.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 22.06.2019 | 19:30 Uhr

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