Stand: 19.11.2019 10:11 Uhr  - Nordtour

Lübeck: Steinernes Märchen an der Trave

von Irene Altenmüller, NDR.de

Lübeck entkommt man nicht. Selbst wer die Stadt an der Trave nie besucht hat, kennt zumindest einige ihrer Wahrzeichen: das weltbekannte Marzipan oder die berühmte Stadtsilhouette mit den sieben Türmen, die zum Frühstück vom Marmeladenglas grüßt. Oder auch das Holstentor, das auf vielen deutschen Zwei-Euro-Münzen prangt. 1987 erklärte die UNESCO das einzigartige Lübecker Altstadt-Ensemble mit seinen rund 1.800 denkmalgeschützten Gebäuden, den verwinkelten Gängevierteln und historischen Gassen zum Weltkulturerbe.

Lübecks Backsteingotik

Nordtour -

Nirgendwo in Norddeutschland gibt es noch so viele Häuser aus dem Mittelalter zu sehen, wie in Lübeck. 80 Prozent der Altstadt gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

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Wer die Altstadt vom Bahnhof im Westen aus betritt, passiert zunächst das Holstentor. Mit seinen zwei trutzig anmutenden Wehrtürmen zählt es zu den imposantesten Stadttoren Deutschlands. Hinter dem mächtigen Backsteinbau führt eine Brücke über die Trave auf die Altstadtinsel. Dort ragen die Türme von St. Marien, St. Petri, St. Aegidien und des Lübecker Doms auf, allesamt bedeutende Kirchen der Backsteingotik.

Lübecks Rathaus: Ein steinernes Märchen

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Imposante Backsteinkirchen prägen das Bild der Lübecker Altstadt.

Von der 50 Meter hoch gelegenen Aussichtsplattform auf dem Turm der Petrikirche kann man sich einen guten Überblick über die Altstadt verschaffen. Von dort schweift der Blick über ein Meer aus roten Dachziegeln und Backstein - bei schönem Wetter bis nach Travemünde und zur Ostsee. Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Petri schwer zerstört und erst 1987 vollständig wieder aufgebaut. Seither dient die Kirche als Kulturstätte für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte.

Nur wenige Schritte entfernt liegt Lübecks Marktplatz mit dem Rathaus. Es gilt als eines der schönsten und ältesten Rathäuser Deutschlands und ist eigentlich ein Ensemble verschiedener Bauteile, von denen die ältesten noch aus dem 13. Jahrhundert stammen. Auffallend ist die spätgotische Schauwand mit ihren runden Löchern und der später angebauten Renaissancelaube auf der Marktseite. Ein historischer Reisebericht bezeichnete das Lübecker Rathaus einmal als "steinernes Märchen".

Machtsymbole in Backsteinform

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Die Lübecker Marienkirche steht auf dem höchsten Punkt der Altstadtinsel. Der Turm kann auf Führungen besichtigt werden.

Macht und Selbstbewusstsein des Lübecker Bürgertums fanden ihren sichtbaren Ausdruck aber nicht nur im Rathaus, sondern auch in der direkt neben Markt und Rathaus erbauten Marienkirche. Mit ihrem fast 40 Meter hohen Hauptschiff und den beiden 125 Meter hohen Türmen ist sie die drittgrößte Kirche Deutschlands und die erste, bei der die gotische Formensprache in Backstein statt Naturstein umgesetzt wurde. Die monumentale Ratskirche sollte ein sichtbares Gegengewicht zum romanischen Dom am Südzipfel der Altstadtinsel darstellen, der die Macht des Bischofs verkörperte und die Marienkirche in der Höhe noch um einige Meter übertrifft.

Die Aegidienkirche, die Kirche der Handwerker und Kämmerer, und die Jakobikirche runden das Ensemble imposanter Backsteinarchitektur ab. Als Kirche der Schiffer und Seefahrer beherbergt St. Jakobi in einer Seitenkapelle das Wrack eines Rettungsbootes des 1957 gesunkenen Segelschulschiffes "Pamir". Nur sechs der 86 Seemänner überlebten die Katastrophe.

Lübecks stille Hinterhof-Oasen

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In den Gängevierteln lebten früher arme Leute. Heute sind Wohnungen in den stillen Hinterhöfen begehrt.

Trotz der geballten Ladung Backsteinpracht wirkt Lübecks Altstadt nie museal. Das verdankt die Stadt einer städtebaulichen Besonderheit, die einst aus einer Zwangslage entstand: Mit dem Aufstieg zur mächtigen Hansestadt nahm auch die Bevölkerung stark zu. Der Bauplatz innerhalb der Stadtmauern verknappte sich und so entstanden für die ärmere Bevölkerung auf den hinteren Teilen der Grundstücke in Höfen und Gängen schmale, niedrige Häuser, sogenannte Buden. In diesen Gängevierteln, die oft nur durch niedrige Torbögen zu erreichen waren, herrschte früher drangvolle Enge. Typische Beispiele für diese Gänge finden sich rund um die Engelsgrube. Sie verdankt ihren Namen nicht etwa den himmlischen Heerscharen, sondern den englischen Schiffen, die am unteren Ende der Straße festmachten.

Frühe Sozialfürsorge: die Stiftshöfe

Um einiges komfortabler waren die Häuser der Stiftshöfe, die reiche Bürger für Handwerker-, Schiffer- oder Kaufmannswitwen in den Hinterhöfen einrichteten. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Füchtingshof, benannt nach einem Ratsherrn im 17. Jahrhundert. Heute sind die kleinen Häuser der Gänge und Höfe liebevoll restauriert. Viele Fassaden sind mit Efeu oder Kletterrosen bewachsen, vor den Eingängen laden Holzbänke zwischen Pflanzkübeln mit Margeriten und Hortensien zum Träumen ein - stille, verwunschene Oasen inmitten der Stadt.

Buddenbrookhaus und Thomas Mann

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Das Buddenbrookhaus in Lübeck gehörte einst den Großeltern von Thomas Mann.

Anders als die ärmere Bevölkerung wohnten die wohlhabenden Bürger in eleganten Häusern mit gotischen, barocken und klassizistischen Fassaden direkt an den Straßenfronten. Ein Beispiel ist das Buddenbrookhaus in der Mengstraße. In dem repräsentativen klassizistischen Bau, der den Großeltern des Literaturnobelpreisträgers Thomas Manns gehörte, spielen wesentliche Szenen des berühmten Romans. Heute ist das Haus ein Museum. In der Ausstellung erfahren Besucher Wissenswertes über die berühmte Schriftsteller-Familie und ihren bekanntesten Sohn, Thomas Mann.

Günter Grass und Willy Brandt - zwei weitere Nobelpreisträger

Spurensuche

Auf den Spuren Willy Brandts durch Lübeck

Lübeck ist Willy Brandts Geburtsstadt. Viele Stationen seiner Kindheit und Jugend sind bis heute zu sehen. mehr

Die Hansestadt Lübeck hat noch zwei weitere Nobelpreisträger hervorgebracht. Das Günter-Grass-Haus in der Glockengießerstraße widmet sich dem bekannten Schriftsteller und zeigt unter anderem Druckgrafiken und Skulpturen des 2015 verstorbenen Literaturnobelpreisträgers.

Nur wenige Schritte weiter, in der Königstraße, vermittelt das Willy-Brandt-Haus Eindrücke vom Leben und Wirken des 1992 verstorbenen früheren Bundeskanzlers, der 1971 den Friedensnobelpreis erhielt.

Lebendiges Lübeck: Museen und Konzerte

Etliche weitere Museen warten in Lübeck auf einen Besuch. Gemälde und Plastiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert, darunter Werke von Caspar David Friedrich und Edvard Munch, sind in den klassizistischen Kaufmannshäusern Behnhaus und Drägerhaus ausgestellt.

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Kunst, Literatur, Hanse: Lübecks Museen

Lübeck hat nicht nur eine sehenswerte Altstadt, sondern auch viele interessante Museen wie das Hansemuseum oder das Buddenbrookhaus. mehr

Das Museumsquartier St. Annen beschäftigt sich mit der Geschichte der Hansestadt vom Mittelalter bis heute und zeigt bedeutende Kunstgegenstände aus verschiedenen Epochen. Speziell der Hansezeit ist das Europäische Hansemuseum gewidmet. In dem modernen Neubau ist eine archäologische Grabungsstätte integriert, die Reste der alten Lübecker Burg zeigt. Außerdem zählt eine sanierte mittelalterliche Klosteranlage zum Museum.

Mit der Natur und Geologie der Region beschäftigt sich das Museum für Natur und Umwelt direkt hinter dem Dom. Ein Highlight sind die über zehn Millionen alten Walskelette.

Lübecks lebendige Musikszene

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In prominenter Lage direkt an der Trave liegt die 2008 eröffnete Musik- und Kongresshalle.

Dass Lübeck eine höchst lebendige Großstadt und nicht etwa ein zu Stein erstarrtes Freilichtmuseum ist, zeigt auch seine rege Musikszene. Klassische und moderne Konzerte finden regelmäßig in der Musik- und Kongresshalle, der MuK, statt. In dem Konzertsaal findet traditionell das Eröffnungskonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals statt.

Traditionsrestaurant "Schiffergesellschaft"

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Die Geschichte Lübecks ist eng mit der Seefahrt verbunden. Das beweist auch das Haus der Schiffergesellschaft.

Bei allem Augen- und Ohrenschmaus sollte bei einem Stadtrundgang aber auch der Magen nicht zu kurz kommen. Wer sich nicht bereits mit Lübecker Marzipan den Bauch vollgeschlagen hat, findet im der "Schiffergesellschaft" regionale Küche und maritime Atmosphäre. Es befindet sich im ehemaligen Versammlungshaus der Seefahrer. Am Eingang des Backsteingebäudes aus dem Jahr 1535 fällt der Blick auf zwei Medaillons mit zwei Schiffen - eins im Wind, eins gegen ihn. Darunter steht die in Lübeck gern zitierte Maxime: "Allen zu gefallen, ist unmöglich". Die eigentliche "Schiffergesellschaft", die das Restaurant verpachtet, gibt es noch heute. Aufgenommen wird, wer das "Kapitänspatent auf Großer Fahrt" besitzt.

Travemünde - Lübecks maritimer Stadtteil

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Travemünde: Langer Strand und dicke Pötte

Das bekannte Seebad hat den größten Fährhafen an der Ostsee und das höchste Leuchtfeuer Europas. Gäste schätzen Travemündes langen Sandstrand sowie die moderne Promenade. mehr

Kulturell und kulinarisch bestens gesättigt, kann der Besucher zum geruhsamen Teil des Städtetrips übergehen. Nur etwa zehn Kilometer entfernt bietet sich das Dummersdorfer Ufer für einen Verdauungsspaziergang mit Blick aufs Wasser an.

Von dort ist man schnell in Travemünde, Lübecks Badewanne und Bühne zur Ostsee. Die lange Strandpromenade lädt zum Flanieren ein. Vom Strandkorb aus blickt man den großen Fähren hinterher, die in Richtung Skandinavien auslaufen oder von dort kommen - Travemünde ist einer der größten Fährhäfen Europas. Und so klingt der Besuch Lübecks und seiner "schönsten Tochter", wie Reiseführer das Ostseebad Travemünde gern nennen, ganz entspannt aus.

Lübecker Impressionen

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Süße Stadtführung durch Lübeck

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Auf der süßen Stadtführung können Interessierte die Hansestadt Lübeck entdecken und deren kulinarische Köstlichkeiten kennenlernen: Cupcakes, Schokolade, Liköre. Video (03:45 min)

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Der Lübecker Schulgarten

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Der historische Schulgarten in Lübeck ist nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt. Die Besucher schätzen die beruhigende Atmosphäre, die Blütenpracht und das kleine Café "Culinarium". Video (03:13 min)

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Stand-up-Paddeln in Lübeck

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Emissionsfrei unterwegs, heißt es für Kiteprofi Mario Rodwald und Stand Up Paddler Michael Walther. Los geht es am Mühlenteich in Lübeck. Video (05:02 min)

März 1942: Lübeck brennt im Bombenhagel

In der Nacht zum 29. März 1942 prasseln stundenlang britische Bomben auf Lübeck nieder. Hunderte Zivilisten werden Opfer einer neuen Kriegstaktik: Angriffe auf Innenstädte. mehr

Wie Lübecks Arbeiter lebten

Abseits der prächtigen Altstadt schufteten Arbeiter im 20. Jahrhundert in den Lübecker Vororten - etwa im Hochofenwerk. Das Industriemuseum Herrenwyk erinnert an diese Zeit. mehr

1980: Andy Warhol bringt die Pop-Art nach Lübeck

Es ist eine kleine Sensation: Am 13. November 1980 eröffnet der US-Künstler eine Ausstellung in der Hansestadt und präsentiert sein neuestes Werk - das "Holstentor". mehr

Karte: Die Lübecker Altstadt

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 28.09.2019 | 18:00 Uhr

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