Ein großes Feld mit Rotkohl, im Hintergrund stehen Windräder. © NDR Foto: Christine Raczka

Kohl und Küste: Dithmarschen

Stand: 04.11.2020 14:19 Uhr  | Archiv

Die flache Region zwischen Nordsee, Eider und Nord-Ostsee-Kanal ist Deutschlands bedeutendstes Kohlanbaugebiet und ideal zum Radfahren und Reiten. An der Küste locken attraktive Urlaubsorte.

Weite Kohlfelder, Windkrafträder und grüne Strände am Wattenmeer: Dithmarschen hat seinen ganz eigenen Charme. Fruchtbares Marschland hinter Deichen, Geestrücken mit Feldern sowie Waldgebiete prägen die schleswig-holsteinische Region, die auch ein beliebtes Urlaubsziel ist. Die Kreisstadt ist Heide, weitere bekannte Orte sind Meldorf, Brunsbüttel, Friedrichskoog und das Nordseebad Büsum.

Kohl, so weit das Auge reicht

Mehrere Kohlsorten auf einem Wagen © Christine Raczka Foto: Christine Raczka
Nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Kohl als in Dithmarschen.

Bekannt ist Dithmarschen über die Landesgrenzen hinweg als das bedeutendste Kohlanbaugebiet Deutschlands: Weißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Spitzkohl und Blumenkohl wachsen hier auf großen Flächen und werden überall zum Kauf angeboten. Der gute Marschboden begünstigt den Kohlanbau, alljährlich werden rund 80 Millionen Kohlköpfe geerntet. Jedes Jahr im September bestimmen die "Dithmarscher Kohltage" eine Woche lang das Geschehen. Dann gibt es überall deftige Kohlgerichte im Angebot und Veranstaltungen rund um das regionale Gemüse.

Heide: Der größte Marktplatz Deutschlands

4,7 Hektar groß ist der Mittelpunkt der Kreisstadt Heide - der Marktplatz. Er ist damit der größte unbebaute Platz Deutschlands. Seit mehr als 500 Jahren findet hier jeden Sonnabendvormittag der traditionelle Heider Wochenmarkt statt. Die gemütliche Fußgängerzone rundherum lädt ebenfalls zum Einkaufen und Einkehren in eines der Cafés oder Restaurants ein.

Die St.-Jürgen-Kirche am Markt wurde 1560 auf den Grundmauern einer zerstörten Kapelle erbaut. Das Gebäude aus verputzten Feldsteinen, das an ein Bauernhaus erinnert, eignet sich mit seiner Akustik besonders gut für Kammerkonzerte oder A-cappella-Darbietungen. In Heide steht auch das Stammhaus der Familie Brahms. Zwar hat der bekannte Komponist Johannes Brahms hier nicht gelebt, aber Ausstellung und Bibliothek informieren ausführlich über sein Leben.

Albersdorf: Ausflug in die Steinzeit

Einen interessanten Ausflug verspricht das Steinzeitdorf in Albersdorf, das etwa zehn Kilometer südöstlich von Heide liegt. Besucher können sich dort in einer rekonstruierten Siedlung aus der Jungsteinzeit mit mehreren Hütten ein Bild vom Leben unserer Vorfahren machen. Acht gut erhaltene Großsteingräber auf dem Gelände des Parks zeugen außerdem von den jungsteinzeitlichen Bewohnern der Region.

In Meldorf steht Dithmarschens Dom

Sankt-Johannis-Kirche in Meldorf © NDR Foto: Christine Raczka
Die St.-Johannis-Kirche - auch Meldorfer Dom genannt - ist eine der bedeutendsten Kirchen an der Westküste.

Meldorf ist die einzige mittelalterliche Stadt der Region. Egal aus welcher Richtung sich der Besucher der Stadt nähert, immer ist die mächtige St.-Johannis-Kirche mit ihrem 59 Meter hohen Turm zu sehen, der direkt im Zentrum am Marktplatz steht. Sie wird gern auch als Meldorfer oder Dithmarscher "Dom" bezeichnet, obwohl Meldorf nie Bischofssitz war. Dennoch ist die dreischiffige Basilika die größte und bedeutendste Kirche an der schleswig-holsteinischen Westküste. Ihre Geschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück, der bis heute erhaltene gotische Bau stammt allerdings aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Wesselburen: Heimat des Dichters Friedrich Hebbel

Eine Büste von Friedrich Hebbel vor dem Hebbelhaus in Wesselburen. © Christine Raczka Foto: Christine Raczka
Friedrich Hebbel wurde 1813 in Wesselburen geboren. Diese Büste erinnert an ihn.

Eine hübsche Kirche hat auch die Stadt Wesselburen zu bieten, die Urlauber auf dem Weg zum Eidersperrwerk und nach Eiderstedt passieren. Die mächtige St.-Bartholomäus-Kirche stammt aus der Barockzeit und ist die einzige mit einem Zwiebelturm in Schleswig-Holstein. Berühmtester Sohn Wesselburens ist der Dichter Friedrich Hebbel. Ein Museum in der Alten Kirchspielvogtei, in der Hebbel mehrere Jahre gelebt hat, informiert über sein Leben und Werk. Ein zweites Museum - das Kohlosseum - widmet sich dem Thema Kohl.

Büsum: Fischer- und Kurort an der Nordsee

Wattwanderer vor Büsum © dpa - Bildfunk Foto: Wulf Pfeiffer
Büsum ist ein idealer Ausgangspunkt für Wattwanderungen.

Mit seiner Küste ist Dithmarschen auch ein beliebtes Ziel für Strandurlauber. Bekanntester und größter Ort dort ist das Nordseebad Büsum. Im quirligen Fischerei-Hafen liegt eine der größten Krabbenkutter-Flotten Schleswig-Holsteins. Vom Hafen mit dem rot-weißen Leuchtturm starten in der Saison (März bis Oktober) täglich zahlreiche Schiffe zu Ausflugsfahrten durch den Hafen, zu den Seehundbänken, zum Krabbenfang oder nach Helgoland.

Typisch für Büsum ist der lange, grüne Deichstrand mit seinen vielen bunten Strandkörben. Von dort haben Urlauber einen tollen Blick auf die Nordsee und das Wattenmeer. Für Familien bietet der Ort eine geschützte Lagune mit Sandstrand.

Die Seehundstation in Friedrichskoog

Zwei Heuler schwimmen in einem Wasserbecken. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Reinhardt
Biologen der Station päppeln verletzte Tiere oder allein gelassene Jungtiere wieder auf.

Auf Sandbänken im Wattenmeer vor Dithmarschen bringen die Seehunde der Nordsee ihre Jungen zur Welt. Verletzte oder allein gelassene Jungtiere - die sogenannten Heuler - kommen in der Seehundstation in Friedrichskoog unter. Dort werden sie aufgepäppelt und wieder in die Nordsee zurückgebracht. Einige Seehunde, die in der freien Natur keine Überlebenschance hätten, leben ständig in der Anlage. Besucher können die Tiere an Land und im Wasser bebachten - vom Beckenrand aus oder durch Glaswände. Außerdem informiert die Seehundstation ausführlich über Biologie, Lebensräume und Gefährdung der Seehunde.

Brunsbüttel: Schleusen und Schiffe

Blick auf die Mündung des Nord-Ostsee-Kanals in die Elbe und die Schleusen in Brunsbüttel. © picture-alliance / akg-images
Beeindruckende Kulisse: Bei Brunsbüttel mündet der Nord-Ostsee-Kanal in die Elbe.

In Brunsbüttel mündet der Nord-Ostsee-Kanal, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt, in die Elbe. Nicht nur für Technikbegeisterte sind die gewaltigen Schleusen beeindruckend. Ein interessanter Rundweg bietet Besuchern die Möglichkeit, alles über die Funktionsweise der Schleusen zu erfahren. Auf Wunsch werden auch Führungen angeboten. Das nahe gelegene Schleusenmuseum Atrium illustriert die Geschichte des Kanals und der Schleusen umfassend. Lohnenswert sind auch ein Spaziergang oder ein Radausflug an der Elbe: Vom Deich bietet sich ein toller Blick über den Fluss und die großen Schiffe, die von Hamburg Richtung Nordsee oder umgekehrt fahren.

Unterwegs mit Rad, Pferd oder zu Fuß

Dithmarschen verfügt über ein großes Netz an Rad-, Reit- und Wanderwegen. Sie eignen sich für Tagestouren oder mehrtägige Reisen. Eine sehr schöne und einfache Fahrradstrecke ohne Steigungen verläuft entlang des Nord-Ostsee-Kanals. Sie ist allerdings nicht durchgehend ausführlich beschildert. Daher sind eine Karte oder eine Radwanderführer empfehlenswert.

Karte: Hier liegt Dithmarschen (ungefähre Fläche)

Weitere Informationen
Zwei fröhliche Damen sitzen auf einer sogenannten "Baumelbank" am Hebbelrundwanderweg bei Norddeich © Christine Raczka Foto: Christine Raczka

Wandern auf den Spuren des Dichters Friedrich Hebbel

Friedrich Hebbel wurde in Wesselburen in Dithmarschen geboren. Mehrere Rundwege erinnern dort an den berühmten Dichter. mehr

Schlacht bei Hemmingstedt, Nachstellung mit Zinnsoldaten © Dithmarscher Landesmuseum

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David gegen Goliath: In der Schlacht bei Hemmingstedt vernichten die Dithmarscher im Februar 1500 das Heer des dänischen Königs - mithilfe der Flut und ihrer Springstöcke. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 07.11.2020 | 18:00 Uhr

Frau wandert im herbstlichen Wald. © fotolia Foto: ruslan_khismatov

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