VIDEO: Das Hebbel-Museum in Wesselburen (4 Min)

Wandern auf den Spuren des Dichters Friedrich Hebbel

Stand: 10.01.2022 09:56 Uhr

Eine Wanderung auf den Spuren des Dichters Friedrich Hebbel rund um seinen Heimatort Wesselburen verbindet Natur und Kultur.

Die weite Landschaft Dithmarschens war seine Heimat: In dem kleinen Ort Wesselburen nahe der Eidermündung wurde Friedrich Hebbel, einer der bekanntesten Dramatiker und Lyriker des 19. Jahrhunderts, geboren. Auf einem abwechslungsreichen Rundwanderweg können sich Besucher seinem Leben und Werk sowie wichtigen Stationen seiner Kindheit und Jugend nähern.

Kindheit und Jugend in Armut

Seine Herkunft aus einer bettelarmen Maurerfamilie prägten den 1813 geborenen Dichter Zeit seines Lebens. Als Friedrich Hebbel sechs Jahre alt ist, verliert die Familie aufgrund einer Bürgschaft ihr Haus, 1827 stirbt der Vater. Der Junge kommt in das Haus des Kirchspielvogts, des damals höchsten Verwaltungsbeamten, und verdingt sich dort seinen Lebensunterhalt mit Botengängen, später auch als Schreiber.

Hebbel-Museum in der ehemaligen Kirchspielvogtei

Das stattliche Backsteingebäude des Vogts beherbergt heute ein Hebbel-Museum. Es ist eine der Stationen des Hebbel-Rundwanderwegs. Zu besichtigen ist dort auch der armselige Schlafplatz Hebbels unter einer Treppe, den sich der Junge mit dem Kutscher teilen musste. Das Museum liegt nicht weit entfernt vom Marktplatz von Wesselburen. Auffälligstes Gebäude am Platz ist die Bartholomäuskirche, deren älteste Teile aus dem 12. Jahrhundert stammen.

Friedrich Hebbel über seine Heimat

"Kennst Du das Land, wo man die Eicheln frißt,
wo trocken Brot ein Sonntagsessen ist,
wo einem Pflug das saure Leben gleicht,
das langsam wie ein solcher vorwärts schleicht?
Wo Sorg’ und Arbeit wandern Hand in Hand?
Kennst Du es nicht? Es ist Dein Vaterland!"

Seine Heimat verließ Hebbel als 21-Jähriger - er kehrte nie zurück. Wie stark ihn die Landschaft und die Erfahrungen seiner Kindheit zeitlebens prägten, wird in einigen Gedichten und in seinen Tagebüchern deutlich. Dort berichtet Hebbel auch von einem Rundweg, auf dem er als Kind öfter unterwegs war, um, wie er es beschreibt, "Abstand von der kleinen Welt zu bekommen."

Typisch für die Landschaft: Weite Horizonte

Angelehnt an seine Beschreibungen zieht sich der Hebbel-Rundwanderweg durch die Landschaft. Sie lässt sich auf drei verschiedenen Dichterpfaden zwischen acht und elf Kilometern Länge erkunden. Die Aussicht, die sich den Spaziergängern dabei bietet, hat ihren Charakter seit Hebbels Zeiten nur wenig verändert. Weit schweift der Blick bis zum Horizont, vor dem sich die imposante Silhouette der Bartholomäuskirche mit ihrem barocken Zwiebelturm abhebt. Sie taucht auch in Hebbels Werk auf, etwa in seinem Gedicht "Bubensonntag".

Baumelbänke laden zum Nachsinnen ein

Ein Mann am Hebbelrundwanderweg auf einer sogenannten "Baumelbank". © Christine Raczka Foto: Christine Raczka
Auf seinen Wanderungen sollen Friedrich Hebbel einst einige seiner besten Ideen gekommen sein.

Auf Tafeln am Wegesrand können Wanderer Auszüge aus Hebbels Schriften lesen und mehr über sein Leben und Werk erfahren. Eine Besonderheit sind die Baumelbänke am Wegesrand: Sie laden dazu ein, über Hebbels Gedanken nachzusinnen und dabei buchstäblich Beine und Seele baumeln zu lassen, denn die Bänke sind besonders hoch, sodass die Füße den Boden nicht erreichen.

Hebbel: Später Dichterruhm

Für Hebbel ließ der ersehnte Durchbruch als Dichter und Dramatiker, nachdem er seine Heimat verlassen hatte, noch lange auf sich erwarten. Finanziell war er meist auf andere angewiesen. Erst spät erlangte Hebbel Anerkennung und avancierte mit Theaterstücken wie "Maria Magdalena“ oder "Die Nibelungen" zum meistgespielten Bühnenautor seiner Zeit. 1863, im Alter von nur 50 Jahren, starb er in Wien.

Eine Büste von Friedrich Hebbel vor dem Hebbelhaus in Wesselburen. © Christine Raczka Foto: Christine Raczka
AUDIO: 18. März 1813: Friedrich Hebbel wird geboren (15 Min)

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 07.01.2022 | 18:00 Uhr

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