Kraniche beobachten: Die besten Plätze im Norden

Stand: 25.09.2020 14:53 Uhr

Tausende Kraniche legen auf ihrem Weg nach Süden im Herbst einen Stopp in Norddeutschland ein. Wir verraten, wo sich die imposanten Vögel gut beobachten und fotografieren lassen.

Lautes Trompeten kündigt sie an: Die charakteristischen Rufe der Kraniche liegen im Herbst in Norddeutschland in der Luft. Derzeit rasten die majestätischen Vögel vor ihrem Weiterflug nach Süden an vielen Orten in Mecklenburg-Vorpommern: im Müritz-Nationalpark, im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sowie auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Auch in Niedersachsen lassen sich die Tiere gut beobachten, etwa im Tister Bauernmoor oder bei Diepholz. Auf seiner Website informiert der NABU aktuell über den Zug der Tiere.

Brutpaare ziehen weniger Nachwuchs auf

Besonders in Mecklenburg-Vorpommern hat die große Trockenheit den Vögeln in diesem Jahr stark zu schaffen gemacht: Feuchtgebiete, die sonst als Brut- oder Schlafplätze dienen, trockneten aus. Die heimischen Brutpaare konnten vielerorts nur ein Drittel des sonst üblichen Nachwuchses aufziehen.

Kraniche tanken Energie für Flug in den Süden

Auf abgeernteten Mais- und Getreidefeldern fressen sich die Vögel Energiereserven für ihren langen Weiterflug an. Ein faszinierendes Naturschauspiel ist der allabendliche Einflug der Kraniche von der Futtersuche zu den Schlafplätzen. Dann sind manchmal Hunderte Tiere im Flug zu sehen, ihre durchdringenden Rufe weithin zu hören. Die Überwinterungsgebiete der Vögel liegen in Frankreich, Spanien und Nordafrika

Regionen Darß-Zingst und Rügen sind Hotspots

In Deutschland leben etwa 9.000 Brutpaare, im Herbst kommen Zehntausende Kraniche aus Skandinavien sowie dem Baltikum und Weißrussland hinzu. Mehrere Zehntausend Tiere versammeln sich allein in der Region zwischen der Halbinsel Darß-Zingst und Rügen. Die Zahl schwankt jährlich mit den Bruterfolgen und den Rastbedingungen.

Regeln beachten: Kraniche behutsam beobachten

Wer die scheuen Tiere an ihren Rastplätzen beobachten möchte, sollte darauf achten, sie keinesfalls zu stören. Bei jeder Flucht verbrauchen die Tiere Energie, die sie für ihren Weiterflug dringend benötigen. Laute Geräusche, helle Kleidung und Blitzlichter beunruhigen die Kraniche und können sie vertreiben. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat einige Verhaltensregeln für die Kranichbeobachtung zum Herunterladen zusammengestellt.

Beobachtungsplätze, geführte Touren und Schiffsausflüge

Vielerorts gibt es auch geführte Touren zu den Rastplätzen der Kraniche. So können Naturliebhaber die Tiere an der Müritz mit einem sogenannten Kranich-Ticket beobachten, das es beim Nationalparkservice in Federow und im Müritzeum Waren gibt. Es beinhaltet eine rund vier Kilometer lange abendliche Wanderung zu den Rastplätzen im Nationalpark.

Ein beliebter Beobachtungspunkt ist auch der Kranichrastplatz am Pramort auf der Halbinsel Zingst. Um die Tiere nicht zu stören, ist der Zutritt zu den Sundischen Wiesen bis Anfang November stark eingeschränkt: Corona-bedingt sind die Plätze in den Beobachtungshütten in diesem Jahr streng limitiert. Karten sind im Kurhaus Zingst erhältlich.

Unter anderem von Prerow, Zingst, Barth sowie von Schaprode auf Rügen starten zudem abendliche Schiffsfahrten zu den Schlafplätzen der Kraniche.

Eine Kranich-Beobachtungsstation aus Holz © Dr. Günter Nowald, www.nabu-wwf-kranichzentrum.de Foto: Dr. Günter Nowald
Vom" Kranorama" aus lassen sich die Kraniche sowohl am Bildschirm als auch in der Natur beobachten.

Detaillierte Informationen sowie eine große Anzahl an Exkursionen zu den Kranichen bietet das Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf nordwestlich von Stralsund an. Zu dem Zentrum gehört eine hölzerne Beobachtungsstation, das "Kranorama" am Günzer See. Von einer Plattform aus lassen sich dort die Vögel aus der Nähe beobachten. Zusätzlich bietet das Kranorama eine Live-Übertragung der Kraniche vom Feld auf einen großen Bildschirm.

Wo Kraniche in Norddeutschland rasten

Kraniche fliegen übers Wasser © Dr. Günter Nowald, www.nabu-wwf-kranichzentrum.de Foto: Dr. Günter Nowald
Kraniche sind sehr scheu. Wer sie beobachten will, sollte die Tiere nicht stören.

Auf eigene Faust lassen sich Kraniche auch in anderen Regionen Norddeutschlands beobachten. So etwa am Schaalsee, am Galenbecker See östlich von Neubrandenburg, in der Lewitz und im Naturpark Mecklenburgische Schweiz.

In Niedersachsen rasten die Vögel bevorzugt im Tister Bauernmoor bei Sittensen im Landkreis Rotenburg (Wümme) sowie in der Diepholzer Moorniederung, etwa am Rehdener Geestmoor nahe Diepholz. Dort kann man die Tiere von Beobachtungstürmen aus besonders gut sehen. In Schleswig-Holstein sind sie unter anderem in der Hohwachter Bucht zu beobachten, in Hamburg im Duvenstedter Brook.

Hier können Sie Kraniche beobachten (Termine 2020)

Müritz Nationalpark
Exkursionen mit dem Kranich-Ticket
täglich bis Ende Oktober, Treffpunkt: Nationalpark-Informationsstelle Federow
Anmeldung erbeten, Wanderung etwa vier Kilometer, Dauer drei Stunden

Kranich-Informationszentrum Groß Mohrdorf
verschiedene Exkursionen zu den Schlaf- und Nahrungsflächen
bis Ende Oktober, Start am Informationszentrum
Anmeldung unter Tel. (038323) 805 40

Schiffstouren ab Schaprode, Zingst, Barth und Prerow
Kranichfahrten zu den Werder-Inseln (mit Bildershow)
bis 20.10.2020 jeden Dienstag ab Schaprode
Start: im September 16.30 Uhr, im Oktober 16.10 Uhr
Anmeldung unter Tel. (03831) 268 10

Kranichfahrten zu den Schlafplätzen am Pramort (Maskenpflicht an Bord)
bis 23.10.2020 immer Mittwoch, Freitag und Sonnabend ab Zingst
Start: im September 16.30 Uhr, im Oktober 16 Uhr
Anmeldung unter Tel. (03831) 268 10

Kranichfahrten zu den Sundischen Wiesen (mit Filmvorführung)
bis Ende Oktober immer Dienstag und Donnerstag
Start: 16 Uhr ab Zingst, 17 Uhr ab Barth
Anmeldung unter Tel. (038234) 239

Kranichfahrten Prerow Strom - Bülten
bis Ende Oktober täglich
Start: 16.30 Uhr ab Prerow
Anmeldung unter Tel. (038234) 239

Freie Beobachtung ohne Führung
Beobachtungstürme und Fotohütten stehen in folgenden Gebieten (bitte vorab über Corona-bedingte Einschränkungen informieren):
- Pramort/Ostzingst auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst
- bei Bisdorf/Groß Mohrdorf in der Nähe des Kranich-Informationszentrums
- Tankow auf Ummanz vor Rügen
- an den Lewitzer Fischteichen (Mecklenburg)
- in Flemendorf am Barther Bodden
- Kranorama am Günzer See (Vorpommern)
- Zarrentin am Schaalsee
- "Kranichkieker" bei Neuenkirchen nahe Zarrentin
- am Galenbecker See (Mecklenburgische Seenplatte)
- bei Sittensen am Tister Bauernmoor
- bei Diepholz am Rehdener Geestmoor

Karte: Auf der Spur der Kraniche
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