VIDEO: Tausende Kraniche bevölkern die Diepholzer Moorniederung (3 Min)

Kraniche beobachten: Die besten Plätze im Norden

Stand: 10.10.2021 11:18 Uhr

Zehntausende Kraniche legen auf ihrem Weg nach Süden im Herbst einen Stopp in Norddeutschland ein. Wir verraten, wo sich die imposanten Vögel gut beobachten und fotografieren lassen.

Lautes Trompeten kündigt sie an: Die charakteristischen Rufe der Kraniche liegen im Herbst in Norddeutschland in der Luft. Derzeit rasten die majestätischen Vögel vor ihrem Weiterflug nach Süden an vielen Orten in Mecklenburg-Vorpommern: im Müritz-Nationalpark, im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sowie auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Auch in Niedersachsen lassen sich die Tiere gut beobachten, etwa im Tister Bauernmoor oder bei Diepholz. Auf seiner Website informiert der NABU aktuell über den Zug der Tiere.

Kraniche tanken Energie für Flug in den Süden

Auf abgeernteten Mais- und Getreidefeldern fressen sich die Vögel Energiereserven für ihren langen Weiterflug an. Ein faszinierendes Naturschauspiel ist der allabendliche Einflug der Kraniche von der Futtersuche zu den Schlafplätzen. Dann sind manchmal Hunderte Tiere im Flug zu sehen, ihre durchdringenden Rufe weithin zu hören. Die Überwinterungsgebiete der Vögel liegen in Frankreich, Spanien und Nordafrika.

Regionen Darß-Zingst und Rügen sind Hotspots

Kraniche fliegen über einem Feld. © picture alliance/dpa Foto: Bernd Wüstneck
In den Abendstunden fliegen die Kraniche zu ihren Schlafplätzen.

In Deutschland leben etwa 9.000 Brutpaare, im Herbst kommen Zehntausende Kraniche aus Skandinavien sowie dem Baltikum und Weißrussland hinzu. Mehrere Zehntausend Tiere versammeln sich allein in der Region zwischen der Halbinsel Darß-Zingst und Rügen. Die Zahl schwankt jährlich mit den Bruterfolgen und den Rastbedingungen.

Regeln beachten: Kraniche behutsam beobachten

Wer die scheuen Tiere an ihren Rastplätzen beobachten möchte, sollte darauf achten, sie keinesfalls zu stören. Bei jeder Flucht verbrauchen die Tiere Energie, die sie für ihren Weiterflug dringend benötigen. Laute Geräusche, helle Kleidung und Blitzlichter beunruhigen die Kraniche und können sie vertreiben. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat einige Verhaltensregeln für die Kranichbeobachtung zum Herunterladen zusammengestellt.

Beobachtungsplätze, geführte Touren und Schiffsausflüge

Vielerorts gibt es auch geführte Touren zu den Rastplätzen der Kraniche. So können Naturliebhaber die Tiere an der Müritz mit einem sogenannten Kranich-Ticket (Erwachsene: 16, Euro, Kinder von 8-15 Jahre 8 Euro) beobachten, das es beim Nationalparkservice in Federow und im Müritzeum Waren gibt. Es beinhaltet eine rund vier Kilometer lange abendliche Wanderung zu den Rastplätzen im Nationalpark.

Pramort nur eingeschränkt zugänglich

Ein beliebter Beobachtungspunkt ist auch der Kranichrastplatz am Pramort auf der Halbinsel Zingst. Um die Tiere nicht zu stören, ist der Zutritt zu den Sundischen Wiesen bis Anfang November stark eingeschränkt. Die Nationalpark-Card, die erforderlich ist, um den abendlichen Kranicheinflug zu beobachten, ist online buchbar. Sie kostet 10 Euro und stellt einen Beobachtungsplatz mit Plätzen für jeweils maximal zwei Erwachsene und zwei Kinder aus einem Haushalt in den Hütten am Pramort sicher.

Kranichzentrum in Groß Mohrdorf bietet Führungen an

Kraniche vor dem Kranorama, einer Beobachtungsplattform aus Holz. © imago images Foto: Karina Hessland
Von der Beobachtungsplattform "Kranorama" aus lassen sich die Vögel gut beobachten.

Unter anderem von Prerow, Zingst, Barth sowie von Schaprode auf Rügen starten zudem abendliche Schiffsfahrten zu den Schlafplätzen der Kraniche. Detaillierte Informationen sowie eine große Anzahl an Exkursionen zu den Kranichen bietet das Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf nordwestlich von Stralsund an. Zu dem Zentrum gehört eine hölzerne Beobachtungsstation, das "Kranorama" am Günzer See. Es bietet auch eine Live-Übertragung der Kraniche vom Feld auf einen großen Bildschirm.

Wo Kraniche in Norddeutschland rasten

Auf eigene Faust lassen sich Kraniche auch in anderen Regionen Norddeutschlands beobachten. So etwa am Schaalsee, am Galenbecker See östlich von Neubrandenburg, in der Lewitz und im Naturpark Mecklenburgische Schweiz.

In Niedersachsen rasten die Vögel bevorzugt im Tister Bauernmoor bei Sittensen im Landkreis Rotenburg (Wümme) sowie in der Diepholzer Moorniederung, etwa am Rehdener Geestmoor nahe Diepholz. Dort kann man die Tiere von Beobachtungstürmen aus besonders gut sehen. In Schleswig-Holstein sind sie unter anderem in der Hohwachter Bucht zu beobachten, in Hamburg im Duvenstedter Brook.

Hier können Sie Kraniche beobachten (Termine 2021)

Müritz Nationalpark
Exkursionen mit dem Kranich-Ticket
täglich bis Ende Oktober, Treffpunkt: Nationalpark-Informationsstelle Federow
Tickets in Waren an der Tourist-Information, Wanderung etwa vier Kilometer, Dauer drei Stunden

Kranich-Informationszentrum Groß Mohrdorf
verschiedene Exkursionen zu den Schlaf- und Nahrungsflächen
bis Ende Oktober, Start am Informationszentrum
Anmeldung unter Tel. (038323) 805 40

Schiffstouren:
ab Zingst: 15.9.-23.10 jeweils Mi, Fr, Sa
ab Schaprode: 14.9.-19.10 jeweils dienstags
Anmeldung unter Tel. (03831) 26 81 0

Kranichfahrten zu den Sundischen Wiesen (mit Filmvorführung)
ab 13.9. bis Ende Oktober immer Di und Do
Start: 16 Uhr ab Zingst, 17 Uhr ab Barth
Anmeldung unter Tel. (038234) 239

Kranichfahrten Prerow Strom - Bülten
bis Ende Oktober täglich
Start: 16.30 Uhr ab Prerow
Anmeldung unter Tel. (038234) 239

Freie Beobachtung ohne Führung
Beobachtungstürme und Fotohütten stehen in folgenden Gebieten:
- Pramort/Ostzingst auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst (nur mit Nationalpark-Karte)
- bei Bisdorf/Groß Mohrdorf in der Nähe des Kranich-Informationszentrums
- Tankow auf Ummanz vor Rügen
- an den Lewitzer Fischteichen (Mecklenburg)
- in Flemendorf am Barther Bodden
- Kranorama am Günzer See (Vorpommern)
- Zarrentin am Schaalsee
- "Kranichkieker" bei Neuenkirchen nahe Zarrentin
- am Galenbecker See (Mecklenburgische Seenplatte)
- bei Sittensen am Tister Bauernmoor
- bei Diepholz am Rehdener Geestmoor

Karte: Auf der Spur der Kraniche

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