Weißwangen- oder Nonnengänse in Rickelsbüller-Koog © Dieter Tönder Foto: Dieter Tönder

Vögel in Norddeutschland beobachten

Stand: 22.04.2022 12:18 Uhr

Die Küsten und Gewässer Norddeutschlands sind im Frühjahr ein wahres Eldorado für Vogelfreunde. Viele Zugvögel kehren ab April aus ihren Winterquartieren zurück und beginnen zu brüten.

Andere Vogelarten rasten für einige Wochen an Nord- und Ostsee und tanken dort Energie, bis sie weiter nach Norden fliegen. An den norddeutschen Küsten finden sie viel frisches Gras zum Fressen. Je nach Zielgebiet und Witterung ziehen sie bis etwa Mitte Mai wieder ab. Wo kann man jetzt welche Arten gut beobachten?

Nonnengänse an Nord- und Ostseeküste

Eine Nonnengans mit ausgebreiteten Flügeln auf einer Wiese. © imago/imagebroker
Nonnengänse erkennt man gut an ihrem schwarzen Hals und den weißen Wangen.

Vor allem Gänse sind im Frühjahr in großer Zahl im Norden zu beobachten. An der Nordseeküste und auf den Inseln versammeln sich im April Zehntausende Weißwangengänse - auch Nonnengänse genannt. Die größte Anzahl findet sich meist bei Westerhever nördlich von St. Peter-Ording. Aber auch entlang der Ostseeküste - etwa auf Fehmarn, auf dem Darß und in der Geltinger Birk - fressen sich die Gänse bis Anfang Mai satt. Dann erst ziehen sie weiter nach Norden.

Graugänse und Enten brüten in Fluss- und Küstennähe

Graugänse bleiben den Sommer über in Norddeutschland und ziehen hier ihre Brut groß. Im Vorland der Elbe bei Hitzacker besetzen sie im Frühjahr ihre Reviere und beginnen zu brüten. Auch verschiedene Entenarten halten sich in den Feuchtwiesen und Koogen entlang der Küsten sowie an Seen und Flüssen auf.

Ein besonderes, wiederkehrendes Ereignis ist die Rast der Ringelgänse. Bis zu 50.000 der dunkelbäuchigen Vögel legen sich auf den saftigen Wiesen der Halligen Energiereserven für den langen Flug in die sibirischen Brutgebiete zu. Ab Mitte Mai ziehen sie weiter. Die Region feiert das Naturschauspiel mit den Ringelganstagen. Vom 23. April bis zum 15. Mai finden Wanderungen, Führungen und Vorträge statt.

Seeadler an der Ostsee beobachten

Seeadler mit ausgebreiteten Flügeln vor einem wolkenfreiem Himmel © Friedrich Neujahr Foto: Friedrich Neujahr
Mit Flügelspannweiten über zwei Metern bieten fliegende Seeadler einen imposanten Anblick.

Wer Seeadler beobachten möchte, sollte an die Ostsee fahren. Vor allem rund um Rügen und den Darß sind die imposanten Vögel in größerer Zahl vertreten. Im Binnenland sind die Mecklenburgische Seenplatte, die großen niedersächsischen Seen und die Elbtalaue Adlerreviere. Hier können Greifvogelliebhaber außerdem Rotmilane, Schwarzmilane und mit etwas Glück einen Wanderfalken sehen.

Kraniche und Reiher in Ostseenähe

Kraniche brüten bereits im April. Gut sichtbar sind sie auf den Pevestorfer Wiesen in der Elbtalaue. Am Darßer Ort kann man sie zumindest hören, das hohe Gras verdeckt nämlich meist die brütenden Tiere. Brutpaare gibt es zudem auf Rügen. Die flachen Binnengewässer im Küstenhinterland sind oft auch ideale Gebiete für Graureiher, Silberreiher und Schwäne.

Watvögel mögen flache Gewässer

Zwei Austernfischer © NDR Foto: Eckhard Wolfgramm aus Salow
Mit ihren leuchtend roten Schnäbeln und Beinen sind die Austernfischer gut zu erkennen.

Die große Familie der Watvögel ist überall dort anzutreffen, wo es flache Wasserflächen gibt. Sie treffen zwischen März und Mai ein. Große Brachvögel, Austernfischer, Uferschnepfen, Säbelschnäbler, Rotschenkel, Grünschenkel und Knutts nutzen die guten Bedingungen in den nordfriesischen Koogen, im Katinger Watt, in den Boddengewässern Vorpommerns, im Dollart und Rheiderland bei Emden, im Rantumbecken auf Sylt, auf der Insel Kirr oder im Wasservogelreservat Wallnau auf Fehmarn. Dort lassen sie sich von Beobachtungshütten auch Sandregenpfeifer hervorragend entdecken. Bei einem Spaziergang auf dem Grünen Brink an der Nordküste Fehmarns kann man zudem zahlreiche Zugvögel erleben, die über diese Landzunge hinwegziehen, um möglichst wenig über dem offenen Meer zu fliegen.

Störche in der Elbtalaue beobachten

Wer Störche beobachten möchte, hat in der Elbtalaue gute Chancen. Dort finden sich viele Horste. Allein im sogenannten Storchendorf Wahrenberg haben sich in den vergangenen Jahren bis zu 18 Paare niedergelassen. Verstreut nisten Störche in ganz Norddeutschland, unter anderem auf Rügen, in St. Peter-Ording und am Dümmer. In dem Naturpark rund um Niedersachsens zweitgrößten See sind außerdem Fischadler zu Hause.

Lummensprung auf Helgoland

Eine Gruppe von Trottellummen steht auf einem Felsvorhang. © picture-alliance / OKAPIA KG, Germany
Trottellummen brüten auf Helgolands Felsen. Im Frühsommer wagen die Jungtiere den Sprung ins Wasser.

Ein einzigartiges Naturschauspiel ist im Juni der Lummensprung auf Helgoland. Eine große Trottellummen-Kolonie brütet in den Felsen der Nordseeinsel. Wenn die noch flugunfähigen Küken ihre Nester verlassen, stürzen sie sich in Scharen von den Klippen ins Meer. Dort werden sie weiter von ihren Eltern versorgt.

Vogelbeobachtung mit Rücksicht

Zum Schutz der Vögel, insbesondere der Bodenbrüter, sollten Interessierte bei ihren Vogelbobachtungen die Wege nicht verlassen und ihre Hunde unbedingt anleinen. Da sich die Tiere oft in größerer Entfernung aufhalten, empfiehlt es sich, ein Fernglas mitzubringen.

Vereine und Nationalparks informieren

Die regionalen Untergruppen der norddeutschen Nationalparks und Naturschutzvereine informieren auf ihren Websites über Aktionen, Führungen und Vorträge. Interessierte finden hier Hintergrundinformationen zum Vogelzug und zu einzelnen Vogelarten.

NABU Niedersachsen
NABU Mecklenburg-Vorpommern
NABU Hamburg
NABU Schleswig-Holstein
Verein Jordsand e.V.
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Müritz Nationalpark
Nationalpark Wattenmeer
Schutzstation Wattenmeer

VIDEO: Seeadler hautnah (29 Min)

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