Stand: 12.04.2019 12:13 Uhr

Vögel in Norddeutschland beobachten

Die Küsten und Gewässer Norddeutschlands sind im Frühjahr ein wahres Eldorado für Vogelfreunde. Viele Vögel kehren ab April aus den Winterquartieren zurück und beginnen zu brüten. Andere rasten für einige Wochen an Nord- und Ostsee, bis sie weiter nach Norden fliegen. Je nach Zielgebiet und Witterung ziehen sie bis etwa Mitte Mai wieder ab. Wo kann man jetzt welche Arten gut beobachten?

Gänse und Enten

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Nonnengänse erkennt man gut an ihrem schwarzen Hals und den weißen Wangen.

Vor allem Gänse sind im Frühjahr in großer Zahl vertreten. Zu Zehntausenden versammeln sich im April die Weißwangengänse - auch Nonnengänse genannt - an der Nordseeküste und auf den Inseln. Die größte Anzahl befindet sich meist bei Westerhever südlich von Husum. Aber auch entlang der Ostseeküste, etwa auf Fehmarn, auf dem Darß und in der Geltinger Birk, fressen sich die Gänse bis Anfang Mai satt. Dann erst ziehen sie weiter nach Norden.

Graugänse bleiben den Sommer über in unserer Region und ziehen hier ihre Brut groß. Im Vorland der Elbe bei Hitzacker besetzen die Graugänse in diesen Tagen ihre Reviere und beginnen zu brüten, berichtet Oliver Schuhmacher vom NABU Elbtalaue. Eine große Vielfalt von Entenarten hält sich derzeit vor allem in den Feuchtwiesen und Koogen entlang der Küsten, aber auch an Seen und Flüssen auf.

Ein besonderes, wiederkehrendes Ereignis sind die Ringelganstage auf den Halligen. Vom 21. April bis zum 13. Mai finden Wanderungen, Führungen und Vorträge statt. Bis zu 50.000 dunkelbäuchige Ringelgänse legen sich auf den saftigen Wiesen der Halligen Energiereserven für den langen Flug in die sibirischen Brutgebiete zu. Ab Mitte Mai ziehen sie weiter.

Seeadler, Kraniche und Reiher

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Mit seiner Flügelspannweite von bis zu 2,60 Metern gibt der Seeadler ein prächtiges Bild.

Wer Seeadler beobachten möchte, sollte an die Ostsee fahren. Vor allem rund um Rügen und den Darß sind die imposanten Vögel in größerer Zahl vertreten. Im Binnenland sind die Mecklenburgische Seenplatte, die großen niedersächsischen Seen und die Elbtalaue Adlerreviere. Hier können Greifvogelliebhaber außerdem Rotmilane, Schwarzmilane und mit etwas Glück einen Wanderfalken sehen.

Kraniche brüten bereits im April. Gut sichtbar sind sie in den Pevestorfer Wiesen in der Elbtalaue. Am Darßer Ort kann man sie zumindest hören, das hohe Gras verdeckt nämlich meist die brütenden Tiere. Brutpaare gibt es zudem auf Rügen. Die flachen Binnengewässer im Küstenhinterland sind oft auch ideale Gebiete für Graureiher, Silberreiher und Schwäne.

Watvögel - die klassischen Wattbewohner

Die große Familie der Watvögel ist überall dort anzutreffen, wo es flache Wasserflächen gibt. Viele von ihnen sind bereits eingetroffen, andere werden in den kommenden Wochen folgen.

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Mit ihren leuchtend roten Schnäbeln und Beinen sind die Austernfischer gut zu erkennen.

Große Brachvögel, Austernfischer, Uferschnepfen, Säbelschnäbler, Rotschenkel, Grünschenkel und Knutts nutzen beispielsweise die guten Bedingungen in den nordfriesischen Koogen, im Katinger Watt, in den Boddengewässern Vorpommerns, im Dollart und Rheiderland bei Emden, im Rantumbecken auf Sylt, auf der Insel Kirr oder im Wasservogelreservat Wallnau auf Fehmarn. "Sandregenpfeifer lassen sich hier von Hütten aus ganz toll beobachten", verrät Nikola Vagt vom NABU Wallnau. Sie empfiehlt außerdem einen Spaziergang auf dem Grünen Brink an der Nordküste Fehmarns. Die Zugvögel ziehen über diese Landzunge, um möglichst wenig über dem offenen Meer zu fliegen.

Spektakuläre und seltene Gäste

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Ein seltener Anblick: Im April 2018 kehrt ein Schwarzbrauen-Albatros zum wiederholten Mal nach Sylt zurück.

Ein spektakulärer Gast auf Sylt ist derzeit ein Schwarzbrauen-Albatros. Die großen Vögel, die eine Spannweite von bis zu zweieinhalb Metern haben, leben normalerweise auf der Südhalbkugel. Warum dieser Albatros sich hierher verirrt hat, wisse man nicht, sagt Biologe Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer. Die Versuche des Albatros', Kontakt zu anderen Vögeln wie den Basstölpeln auf Helgoland aufzunehmen, seien bislang gescheitert.

Künstlich angelegte Brutinseln sollen Vögeln wie der seltenen Flussseeschwalbe die Fortpflanzung erleichtern. In diesem Frühjahr laufen Versuche mit einer Floßinsel im Nonnensee auf Rügen sowie mit einer Kiesinsel und versenkten Strohballen in der Geltinger Birk. Hier hat man bereits gute Erfahrungen mit Brutinseln gemacht. In diesen von Wald und Schilf geschützten Feuchtgebieten besteht die Chance, andere seltene Arten wie den Rothalstaucher, verschiedene Seeschwalben und Singvögel zu entdecken. Aber auch Möwen, Komorane, Enten und Taucher wissen diese Reviere zu schätzen.

Störche im Storchendorf Wahrenberg

Wer Störche beobachten möchte, hat in der Elbtalaue gute Chancen. Rund 50 Horste sind bereits besetzt, erzählt Oliver Schuhmacher. Allein im sogenannten Storchendorf Wahrenberg haben sich schon zwölf bis fünfzehn Paare niedergelassen. Verstreut nisten Störche in ganz Norddeutschland - unter anderem auf Rügen, in Sankt-Peter-Ording und rund um den Dümmer. Im Naturpark um Niedersachsens zweitgrößten See sind außerdem Fischadler zuhause.

Lummensprung auf Helgoland

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Trottellummen brüten auf einem Fels auf Helgoland. Im Frühsommer wagen die Jungtiere den Sprung ins Wasser.

Einzigartig ist der Lummensprung auf Helgoland. Eine große Trottellummen-Kolonie brütet in den Felsen der Nordseeinsel. Wenn die noch flugunfähigen Küken im Juni ihre Nester verlassen, lassen sie sich in Scharen von den Klippen ins Meer fallen. Dort werden sie weiter von ihren Eltern versorgt.

Vogelkundliche Führungen - Fernglas nicht vergessen

Nationalpark-Ranger und ehrenamtliche Naturschützer bieten regelmäßig vogelkundliche Wanderungen an. In vielen Gebieten unterhalten die Organisationen Aussichtstürme und Informations-Hütten. Zum Schutz der Vögel, insbesondere der Bodenbrüter, sollten Besucher die Wege nicht verlassen und ihre Hunde unbedingt anleinen. Da sich die Tiere oft in größerer Entfernung aufhalten, darf ein Fernglas nicht fehlen.

Weitere Informationen

Tipps zum Kauf von Ferngläsern

Wer Tiere in freier Natur beobachten möchte, benötigt ein Fernglas. Doch die Auswahl ist riesig. Wer einige Kriterien beachtet, findet das richtige Exemplar. mehr

Insel Kirr: Besuch im Vogelparadies

Südlich des Ostseebads Zingst liegt ein fast unbekanntes Paradies: die Vogelinsel Kirr. Dort brüten viele seltene Küstenvogelarten. Besucher dürfen Kirr auf geführten Touren betreten. mehr

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NDR Fernsehen

Die schönsten Küsten im Norden

NDR Fernsehen

Wilde Brandung, weites Wattenmeer, kämpfende Kegelrobben und rastende Zugvögel: NDR Reporter Jo Hiller zeigt, wie abwechslungsreich die Küsten der Nord- und Ostsee sind. Video (88:58 min)

Vereine und Nationalparks informieren

Die regionalen Untergruppen der norddeutschen Nationalparks und Naturschutzvereine informieren auf ihren Websites über Aktionen, Führungen und Vorträge. Interessierte finden hier Hintergrundinformationen zum Vogelzug und zu einzelnen Vogelarten.

NABU Niedersachsen
NABU Mecklenburg-Vorpommern
NABU Hamburg
NABU Schleswig-Holstein
Verein Jordsand e.V.
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Müritz Nationalpark
Nationalpark Wattenmeer
Schutzstation Wattenmeer

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Die schönsten Küsten im Norden | 20.01.2019 | 20:15 Uhr

Urlaubsregionen im Norden

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