Stand: 23.12.2019 12:07 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Friedrichskoog: Zu Gast bei den Heulern

Bild vergrößern
Diese kleine Kegelrobbe muss noch an Gewicht zulegen, bevor sie wieder in die Natur entlassen wird.

Sie heißen Ole, Pepe, Moritz oder Lara. Allen gemeinsam sind die schwarzen Kulleraugen, das weiche Babyfell - und die Tatsache, dass sie auf die Hilfe von Menschen angewiesen sind, um zu überleben. Alljährlich landen zwischen 200 und 300 Robbenbabys in der Seehundstation in Friedrichskoog. Meist handelt es sich um Jungtiere, die von ihrer Mutter getrennt wurden oder um verletzte Seehunde, die an den schleswig-holsteinischen Nordseestränden gefunden wurden.

Mehrmonatige Modernisierungsarbeiten

Besucher sind normalerweise willkommen. Allerdings schließt die Seehundstation ab dem 6. Januar voraussichtlich bis Juni für Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen. Der Besucherbereich mit den Ausstellungsräumen wird dabei komplett neu gestaltet. Neue hilfsbedürftige Heuler werden auch während der Schließung weiter aufgenommen.

Erst Brei, dann Frischfisch

In der Station ziehen Pfleger die kleinen Seehunde zunächst mit einem der Muttermilch ähnlichen Brei groß, bis die Tiere ihre ersten Heringe vertilgen können. Nach etwa zwei bis drei Monaten, wenn sie ein Gewicht von mindestens 25 Kilogramm erreicht haben, entlassen die Biologen ihre Schützlinge wieder in die freie Wildbahn. Die aufgepäppelten Seehunde sind dann um einiges schwerer als ihre in der Natur lebenden Altersgenossen - die Extra-Fettreserven benötigen sie für einen guten Start in der Natur. Denn vor ihrer Auswilderung haben die Jungtiere noch nicht gelernt, selbstständig zu jagen.

Heuler bleiben in der Station unter sich

Damit sich die jungen Seehunde nicht zu sehr an Menschen gewöhnen und möglichst naturnah betreut werden können, herrscht im Aufzuchtbereich der Station Besuchsverbot. Allerdings dürfen Gäste die Fütterung der Heuler vom Seminarraum der Station aus beobachten.

Bild vergrößern
In den Meerwasserbecken tummeln sich sowohl Kegelrobben als auch Seehunde.

Fünf bis zehn Seehunde und Kegelrobben leben ständig in der Anlage, weil sie in der Nordsee nicht überleben würden. Dazu zählen etwa Seehund Mareike, die im Hamburger Hafen gefunden wurde und der eine Kralle fehlt. Kegelrobbe Nemirseta stammt von der litauischen Ostseeküste und kam nach Friedrichskoog, da sie sich nicht selbstständig ernähren konnte. Die Tiere dürfen Besuch empfangen und lassen sich gern dabei zuschauen, wie sie in den Meerwasserbecken um die Wette tauchen. Über ein großes Unterwasserfenster können Besucher sie dabei beobachten.

Kegelrobben und Seehunde gemeinsam

Dass Seehunde und Kegelrobben gemeinsam gehalten werden, ist eine Besonderheit der Station in Friedrichskoog - und bietet Besuchern eine gute Gelegenheit, beide in Deutschland heimischen Robbenarten zu beobachten.

Seehundstation Friedrichskoog

An der Seeschleuse 4
25718 Friedrichskoog
Tel. (04854) 13 72

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website der Station

Die Bezeichnung Heuler für die verwaisten Seehundbabys kommt übrigens von den charakteristischen Rufen - einem Mitleid erregend klingenden Heulen - an denen die Mutter ihr Junges erkennt. Die Seehundstation in Friedrichskoog ist die einzige Einrichtung ihrer Art in Schleswig-Holstein und besteht seit 1985. Eine weitere Seehund-Aufzuchtstation gibt es im niedersächsischen Norddeich.

Robben-Baby gefunden, was tun?

Wichtig: Nicht jedes scheinbar verlassene Robben-Jungtier ist tatsächlich verwaist. Meist ist die Mutter auf Jagd oder wurde durch Störungen zeitweise von ihrem Jungtier getrennt. Das sogenannte Heulen, das Seehundbabys (im Gegensatz zu Kegelrobbenbabys) von sich geben, ist ein Laut, mit dem das Jungtier seine Mutter ruft. Es bedeutet nicht unbedingt, dass das Tier verlassen ist.

Folgende Verhaltensregeln sind daher zu beachten:
- Nicht anfassen!
- Auf keinen Fall das Jungtier ins Wasser bringen!
- Mindestens 200 Meter Abstand halten!
- Den Weg zum Wasser freihalten, damit die Mutter das Jungtier erreichen kann.
- Hunde fernhalten!
- Polizei, Seehundjäger oder Seehundstation verständigen (Rufnummern hängen an Tafeln am Strand aus). Nur Experten können beurteilen, ob das Tier Hilfe benötigt.

Seeheilbad am Wattenmeer

Neben der Seehundstation ist Friedrichskoog für seine Lage am Wattenmeer bekannt. Weitläufige Grünstrände und ein Hafen prägen das kleine Nordseeheilbad, das auch ein guter Ausgangspunkt für ausgedehnte Radtouren durch das flache Marschland nördlich der Elbmündung ist.

Weitere Informationen
02:45
Schleswig-Holstein Magazin

Umbau der Seehundstation gestartet

Schleswig-Holstein Magazin

Für knapp sechs Millionen Euro soll die Seehundstation in Friedrichskoog modernisiert und erweitert werden. Reporter Nikolai Hotsch war bei der Grundsteinlegung dabei. Video (02:45 min)

Gute Saison für Seehundstation Friedrichskoog

Der Sommer 2019 war für die Seehundstation Friedrichskoog äußerst erfolgreich: Mehr als 300 Tiere wurden aufgenommen und 95 Prozent der Seehund-Heuler konnten erfolgreich aufgepäppelt werden. mehr

Hilfe für verwaiste Seehundbabys

Ende Mai kommen an der Nordsee die ersten Seehundbabys zur Welt. Nicht alle schaffen es in freier Natur. Warum ist das so und was passiert mit den Tieren? mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 16.12.2019 | 19:30 Uhr

Meereswelten an Nord- und Ostsee

Urlaub am Meer macht fast jeder mal. Aber was verbirgt sich unter der Wasseroberfläche? Aquarien und Erlebniswelten zeigen, was in Nord- und Ostsee los ist. mehr

Mehr Ratgeber

19:24
NDR Fernsehen
30:03
NDR Info