Stand: 30.06.2020 11:16 Uhr

Seehundstation: Die Kinderstube der Heuler

Der Heuler "Lea" liegt in der Seehundstation Norddeich auf dem Boden. © Seehundstation Norddeich
Die Betreuungsstation zieht pro Jahr 80 bis 150 Seehunde auf.

Jedes Jahr ab Juni füllt sich die Seehundstation im ostfriesischen Norddeich mit Dutzenden Heulern. Die jungen Seehunde haben in freier Wildbahn den Kontakt zu ihrer Mutter verloren. Oft ist dafür der Mensch verantwortlich: Sportboote, die zu schnell und zu nah an die Seehundbänke heranfahren, nicht geführte Wattwanderungen oder Tierfreunde, die ein Foto mit dem Seehund machen wollen. Natürliche Katastrophen für einen jungen Seehund sind zum Beispiel der Tod der Mutter, starke Stürme und heftige Sommergewitter.

Seehundstation Norden. © NDR Foto: Bernd Drechsler
AUDIO: Schorse unter Heulern (3 Min)

60 Tage bis zur Freiheit

Wegen solchen äußerlichen Einflüssen sind verwaiste Jungtiere auf die Hilfe des Menschen angewiesen. In Norddeich werden die Jungen dann im Schnitt 60 Tage sorgsam aufgepäppelt, bis sie genug Fett und Muskulatur angesetzt haben, um in die Freiheit entlassen zu werden.

Informationen bei den Fütterungen

Was ist ein Heuler?

Ein Heuler ist ein Seehunds-Jungtier, das seine Mutter endgültig verloren hat. Das verwaiste Tier "heult" dann, um seine Mutter zu rufen. Wichtig: Nicht alle scheinbar allein gelassenen Jungtiere sind tatsächlich dauerhaft verlassen. Meist ist die Mutter in der Nähe oder auf Futtersuche und kehrt zu ihrem Jungen zurück. Deshalb sollten Spaziergänger stets großen Abstand (mindestens 300 Meter) zu dem Tier halten und im Zweifelsfall eine Seehundstation informieren.

1971 begann die Arbeit mit einer kleinen Station am Schwanenteich. Sie ist - neben der Einrichtung in Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen - die einzige offizielle Aufnahmestation an der deutschen Nordseeküste. Jährlich nimmt die Station in Norddeich bis zu 150 verwaiste Tiere auf. Die Seehundbabys bekommen anfangs täglich rund ein halbes Dutzend Mahlzeiten in Form einer Lachsemulsion. Nach etwa einer Woche wird die Nahrung nach und nach auf Fisch umgestellt. Bei den täglich stattfindenden Fütterungen informieren die Tierpfleger die Besucher über die Heuler der Station.

Wenig Kontakt zu Menschen

Ein Seehund schaut durch eine Scheibe aus einem Becken in der Seehundstation Norddeich. © Seehundstation Norddeich
Durch große Scheiben können Besucher die Tiere im Becken beobachten.

Da die Tiere wieder ausgewildert werden sollen, ist es wichtig, dass sie sich nicht zu stark an Menschen gewöhnen. Nur Pfleger dürfen in die Außenanlage. Besucher der Seehundstation können die Tiere durch große Glasscheiben beim Schwimmen und bei den Fütterungen beobachten. In den Wintermonaten sind in den Schwimm- und Aufzuchtbecken manchmal auch Kegelrobben unter den tierischen Gästen.

Zu den Aufgaben der Station gehören neben der Aufzucht und Auswilderung der Tiere auch Projekte zur Seehundforschung. Außerdem informiert eine Ausstellung, die auch für Kinder konzipiert ist, ausführlich über Seehunde und ihren Lebensraum - das Wattenmeer.

Mehr Meer im Waloseum

Pottwalskelett in der Ausstellung des Waloseums in Norddeich © Seehundstation Norddeich
Hingucker im Waloseum ist das riesige Skelett eines Pottwals.

Weitere Einblicke in die Meereswelten bietet das Waloseum auf der Warft Osterloog, etwa fünf Kilometer von der Aufzuchtstation entfernt. Zu sehen ist dort unter anderem das 15 Meter lange Skelett eines 2003 vor der Insel Norderney verendeten Pottwals. Es schwebt an Stahltrossen befestigt in einem Ausstellungsraum. Eine Evolutionslinie vom Dinosaurier bis in die Gegenwart veranschaulicht die Entwicklungsgeschichte der Wale.

Ebbe und Flut in 15 Minuten

Im Waloseum geht aber nicht nur um Wale: Bereits in der Eingangshalle des Museums erwartet die Besucher ein Modell des niedersächsischen Wattenmeeres. Im 15-Minuten-Takt werden dort Ebbe und Flut simuliert. Meerwasseraquarien und Spielbereiche für Kinder sind ebenfalls vorhanden. Im Obergeschoss des Gebäudes geht es um die Vogelwelt der niedersächsischen Nordseeküste. Zum Waloseum gehört auch eine Quarantänestation für junge Robben. Dort werden von ihren Müttern getrennte Jungtiere betreut, bis sie zu ihren Artgenossen in die Seehundstation kommen.

Seehundstation Nationalpark-Haus

Dörper Weg 24
26506 Norden-Norddeich
Tel. (04931) 973330

Ausstellung Waloseum
Osterlooger Weg 3
26506 Norden

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise siehe Website der Station

Karte: Seehundstation Norddeich und Waloseum

Weitere Informationen
Jungtier in der Seehundstation Friedrichskoog. © dpa Foto: Horst Pfeiffer

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 30.06.2020 | 11:20 Uhr

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