Neubrandenburg: Vier Tore und der Tollensesee

Stand: 18.02.2021 14:28 Uhr

Vier mittelalterliche Stadttore und eine mächtige Konzertkirche: Neubrandenburg ist ein beliebtes Ziel für Kulturfreunde. Weiteres Plus: die reizvolle Lage am Tollensesee.

Mecklenburg-Vorpommerns drittgrößte Stadt nach Rostock und Schwerin, steht touristisch ein wenig im Schatten der Hansestädte wie Wismar und Greifswald. Dabei bietet Neubrandenburg neben historischen Gebäuden mit dem Tollensesee auch eine landschaftliche Attraktion. Der See mit gut 17 Quadratkilometern Wasserfläche gehört zu den zehn größten Gewässern Mecklenburg-Vorpommerns.

Ideal für Wassersport und zum Baden

Klares und stilles Wasser eines Sees © NDR Foto: Werner Bayer aus Neubrandenburg
Der Tollensesee bietet klares Wasser und viel Platz für Freizeitskipper.

Malerisch liegt er in einer hügligen Waldlandschaft, meist säumen Bäume und Schilf das Ufer. Wegen der intakten Natur wird der Tollensesee von Wassersportlern, Tauchern und Badelustigen gleichermaßen geschätzt. Radfahrer umrunden das Gewässer am besten auf einem 34 Kilometer langen Weg, der auch den See Lieps südlich des Tollensesees erschließt. Wer nicht die ganze Runde radeln möchte, kann mit einem Linienschiff zurück fahren, das an mehreren Stationen hält.

Strände und Boote am Nordufer

Am Nordufer des etwa zehn Kilometer langen und zwei Kilometer breiten Tollensesee gibt es mehrere Badestellen wie das Augustabad, wo bereits Theodor Fontane 1897 den Blick über das Wasser genoss. Seit vielen Jahren weht die Blaue Flagge über dem Strand und bescheinigt nicht nur die gute Wasserqualität, sondern auch gepflegte Anlagen am Ufer. An Bootsanlegern schaukeln Segelboote und im Sommer laden Fahrgastschiffe zu Rundfahrten ein. Erfahrene Taucher können mit ortskundiger Begleitung die Ruine einer Torpedo-Versuchsanlage aus der Nazi-Zeit erkunden.  

Durch den Park ins Zentrum

Das Friedländer Tor in Neubrandenburg. © fotolia Foto: Neppomuk
Ein gemauerter Gang verbindet am Friedländer Tor das Vortor mit dem Haupttor auf der Stadtseite im Hintergrund.

Der Kulturpark verbindet den See mit der Altstadt. Der weitläufige Park wurde in den 1970er-Jahren angelegt und bietet Raum für sportliche Aktivitäten, Liegewiesen, ein Tiergehege und mit der Stadthalle auch ein Veranstaltungszentrum. Neubrandenburgs Beiname "Viertorestadt" bezieht sich auf vier Tore in der mittelalterlichen Wallanlage, die das Zentrum umschließt. Die heutigen Backsteinbauten entstanden am Anfang des 14. Jahrhunderts und lösten hölzerne Bollwerke ab. Die älteste und größte Toranlage ist das Friedlänger Tor im Nordosten der Altstadt. Noch bis 1863 gab es in der Stadt Torzwang: Abends wurden die Pforten geschlossen und erst am nächsten Morgen wieder geöffnet.

Grüne Wallanlagen

Blühender Löwenzahn an der Stadtmauer von Neubrandenburg © NDR Foto: Werner Bayer aus Neubrandenburg
Die alte Stadtmauer wird von sogenannten Wiekhäusern durchbrochen. Sie waren einst Sitz der Wachen.

Sehenswert sind auch die sogenannten Wiekhäuser. Die ehemaligen Wachhäuser in der Stadtmauer werden heute als Läden, Galerien oder Gaststätten genutzt und sind so für Besucher zugänglich. Die Wallanlage bildet einen steinernen Doppelring um den Stadtkern. Zwischen den Mauern hat sich ein 20 bis 30 Meter breiter, üppiger Grünstreifen gebildet, geprägt von bis zu 300 Jahre alten Eichen. Dort steht auch ein Denkmal, das an einen der großen Söhne der Stadt erinnert - den Dichter und plattdeutschen Bestsellerautor Fritz Reuter.

Konzertkirche: Neuer Klang in alten Mauern

Impressionen vom Eröffnungskonzert der Festspiele MV 2013 in der Konzertkirche Neubrandenburg. © NDR Foto: Julia Reich
Alte Mauern, moderne Technik: Die Marienkirche wurde zum Konzertsaal umgebaut.

Größtes Baudenkmal der Stadt und eine architektonische Attraktion ist die Konzertkirche Neubrandenburg - wie die ehemalige Pfarrkirche St. Marien seit 2001 heißt. Die dreischiffige Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut, mehrmals durch Brände in Mitleidenschaft gezogen, wiederaufgebaut und im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern und Teile des Turmes zerstört. Mitte der 1970er-Jahre begann der Wiederaufbau: Dach, Turm und Außenhülle mit dem imposanten Ostgiebel im Stil der norddeutschen Backsteingotik wurden wiederhergestellt.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands entschied man sich, neue Wege zu gehen, und schrieb 1996 einen internationalen Architekturwettbewerb aus, um die Kirche in einen Konzertsaal umzuwandeln. In die Backstein-Hülle integrierte der finnische Architekt Pekka Salminen einen modernen Glasbau. So entstand ein Konzerthaus mit mobilen Bühnenelementen, das aufgrund von Materialien und Bauweise eine hervorragende Akustik aufweist und Konzertbesucher begeistert. Die Konzertkirche ist heute eine der Spielstätte der Neubrandenburger Philharmonie und der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Im Turm der Kirche wird die Dauerausstellung "Wege zur Backsteingotik" gezeigt.

Traditionsreiche Mühlen 

Eine wichtige Rolle für Neubrandenburg spielten in der Vergangenheit Mühlen. Ihre Geschichte lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Ein imposantes und gut erhaltenes Exemplar ist die Vierradmühle vor dem Treptower Tor. Sie wurde 1271, kurz nach der Stadtgründung, erstmals in einer Urkunde erwähnt und entwickelte sich zu einer der größten Mühlen Mecklenburgs. Der Oberbach, ein 860 Meter langer Kanal, trieb ihre vier Wasserräder an. Dazu musste der Wasserspiegel des Tollensesees um etwa einen Meter steigen. Dies gelang, indem sein natürlicher Abfluss am Nordufer versperrt wurde. Heute beherbergt der mehrgeschossige Backsteinbau mit Fachwerk-Anbau Gaststätten und kulturelle Einrichtungen.      

Brehmshöhe: Blick über See und Stadt 

Belvedere © NDR Foto: Detlef Meier aus Ducherow
Ein Hauch Antike: Vom Belvedere blickt man auf den Tollensesee.

Am Ostufer des Tollensesees bietet sich vom Aussichtsturm Brehmshöhe ein schöner Blick über das Gewässer und die Stadt. 111 Stufen führen zur Aussichtsplattform des 34 Meter hohen, viereckigen Bauwerks. Er steht ebenso unter Denkmalschutz wie eine lange Liste weiterer Bauwerke in Neubrandenburg. Dazu gehören neben ganzen Straßenzügen in der Altstadt mit ihrem rechtwinkligen Grundriss auch der Bahnhof, Kirchen und das Franziskanerkloster. Am nordwestlichen Seeufer steht hoch über dem See das Belvedere, ein Schmuckbau, der an einen griechischen Tempel erinnert.

Durch das Tollensetal in Richtung Norden

Blick auf das Tollensetal an der Fundstätte aus der Luft © Universität Greifswald Foto: Dr. Fred Ruchhöft
Archäologen untersuchen seit vielen Jahren das Schlachtfeld im Tollensetal.

Naturfreunde sollten der Tollense, einem Flüsschen, das sich aus dem gleichnamigen See speist, in nördlicher Richtung folgen. Die abschmelzenden Gletscher der jüngsten Eiszeit haben vor rund 10.000 Jahren das Tollensetal geformt. 1996 wurden dort Spuren einer Schlacht in der Bronzezeit entdeckt. An seinen Rändern wechseln sich Höhenzüge und Hügel ab, der kleine Fluss zieht sich in vielen Windungen durch das Tal. Paddler nutzen das weitgehend naturbelassene Gewässer für Ausflüge. Besucher können sich auf Burg Klempenow über Angebote in der Region informieren und dort auch Kanus leihen. Nach knapp 70 Kilometern mündet die Tollense bei Demmin in die Peene.

Ausflugstipp: Rodelbahn und Folterkammer

Weitere Ausflugsziele in der Nähe von Neubrandenburg sind die Alte Burg Penzlin und Burg Stargard mit einer Sommerrodelbahn. Ein Lift zieht die Schlitten aufwärts, dann folgt eine rasante gut 700 Meter lange Abfahrt in einer Metallrinne. In der Alten Burg informiert ein Museum anschaulich über mittelalterliche Hexenverbrennungen. Besucher können eine Folterkammer und unterirdische Verliese besichtigen.

Karte: Ausflugsziele rund um Neubrandenburg

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

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