VIDEO: Die Wismarer Bucht (44 Min)

Welterbestadt Wismar: Hafenflair und Backsteingotik

Stand: 18.08.2021 12:12 Uhr

Imposante Backsteinkirchen, schön restaurierte Giebelhäuser und ein geschäftiger Hafen, in dem Ausflugsboote, Fischkutter und Jachten festmachen - so präsentiert sich die UNESCO-Welterbestadt Wismar.

Anziehungspunkt in der Altstadt mit ihren vielen schönen Bürgerhäusern ist der quadratische Marktplatz, einer der größten in Norddeutschland. In seiner Mitte befindet sich die "Wasserkunst", ein auffälliges Brunnenbauwerk aus dem 17. Jahrhundert. Bis 1897 diente es der Trinkwasserversorgung der Stadt. Rund um den Platz gruppieren sich repräsentative Giebelhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten. Fast die gesamte Nordseite des Platzes nimmt das mächtige klassizistische Rathaus ein.

Durch Wismars Altstadt: Vom Rathaus zum Schabbellhaus

Wer den Platz am Rathaus vorbei in nordwestlicher Richtung verlässt, steht schon bald vor dem ersten Karstadt-Kaufhaus. Im Erdgeschoss des Stammhauses, das auch nach der Schließung vieler Karstadt-Filialen im Norden erhalten bleibt, erinnert ein kleines Museum an den Gründer Rudolph Karstadt und die Anfangsjahre des Unternehmens im späten 19. Jahrhundert.

Über die Straßen Hinter dem Rathaus, Altböterstraße und ABC-Straße geht es zum Schabbellhaus. In dem prächtigen Renaissancebau, der nach einem früheren Bürgermeister benannt wurde, ist das stadtgeschichtliche Museum untergebracht.

An der Grube entlang bis zum Hafen von Wismar

Gewölbe an der Runden Grube in Wismar © Tourismuszentrale Wismar
Über dem Wasserlauf Grube liegt das sogenannte Gewölbe. Dort konnte das Wasser aufgestaut werden - etwa, um Brände zu löschen.

Vor dem Schabbellhaus verläuft die Mühlengrube, auch Runde Grube genannt. Sie ist einer der ältesten künstlichen Wasserläufe in einer deutschen Stadt und verbindet den Schweriner See mit der Ostsee. Im Mittelalter diente das Wasser der Grube zum Trinken, Waschen und Löschen und trieb zahlreiche Mühlräder an. Heute bietet der kleine Kanal Besuchern eine gute Orientierung und führt an vielen sehenswerten Gebäuden vorbei bis zum Hafen.

Auf der dem Schabbellhaus gegenüber liegenden Seite der Grube erhebt sich mit der Nikolaikirche eine der drei monumentalen gotischen Sakralbauten Wismars. Über die sogenannte Schweinsbrücke mit ihren kleinen, metallenen Schweineskulpturen gelangen Besucher an dieser Stelle über den Wasserlauf.

Prachtvolle Backsteingotik: Wismars Kirchen

Blick auf St. Georgen in Wismar aus der Luft © Tourismuszentrale Wismar
Die Georgenkirche wurde erst nach 1990 wiederaufgebaut. Sie wurde im Krieg stark beschädigt.

Neben St. Nikolai prägen der Turm der Marienkirche und die Kirche St. Georgen das Panorama der alten Hansestadt. Die Georgenkirche ist die größte und gleichzeitig die jüngste unter ihnen. Der mächtige Backsteinbau erhebt sich hoch über die Dächer der Altstadt. Der Turm an der Westfassade ist unvollendet.

Im Zweiten Weltkrieg wurden St. Georgen und St. Marien weitgehend zerstört. Von der Marienkirche ist bis heute nur der Turm erhalten, St. Georgen wurde nach der Wende wieder aufgebaut - neben der Dresdner Frauenkirche das größte Wiederaufbauprojekt in Ostdeutschland. Heute dient die Kirche in den Sommermonaten als Spielstätte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Ein Aufzug führt auf den 36 Meter hohen Turm mit einer Aussichtsplattform, die einen schönen Blick auf Stadt und Ostsee bietet.

Konzerte im früheren Heiligen-Geist-Hospital

Konzerte finden auch in der Heiligen-Geist-Kirche in der Lübschen Straße statt. Sie gehörte früher zu einem mittelalterlichen Hospital. Der Durchgang vom sogenannten Siechenhaus zum Kirchenraum, der auch als Herberge für Pilger und Obdachlose diente, war geöffnet - die Kranken sollten am Gottesdienst teilhaben dürfen.

Sehenswert: Das Welt-Erbe-Haus

In zwei mittelalterlichen Giebelhäusern in der Nähe (Lübsche Straße 23) befindet sich das Welt-Erbe-Haus. Im Inneren informiert eine Ausstellung über Wismars Geschichte und den Weg der Hansestadt zum UNESCO-Welterbe. Seit 2002 trägt die Altstadt - gemeinsam mit der Altstadt von Stralsund - den Welterbe-Titel. Beim Besuch der Ausstellung lohnt auch ein Blick in das sogenannte Tapetenzimmer mit wertvollen Papierdrucken aus dem Jahr 1823, die Szenen aus der griechischen Mythologie zeigen.

Spuren der Schwedenzeit: Die Schwedenköpfe

Schwedenköpfe vor dem Baumhaus im Hafen von Wismar © NDR Foto: Irene Altenmüller
Die Schwedenköpfe sind barocke Herkulesbüsten. Sie standen im 17. Jahrhundert in der Hafeneinfahrt.

Von 1648 bis 1803 gehörte Wismar zum schwedischen Königreich. Die Schweden ließen die Stadt zu einer der größten Seefestungen Nordeuropas ausbauen. An ihre Herrschaft erinnern heute noch die hölzernen "Schwedenköpfe" vor dem Baumhaus im Alten Hafen. Sie sind originalgetreue Kopien der Köpfe aus dem 17. Jahrhundert, die einst auf Dalben in der Hafeneinfahrt standen. Das Baumhaus selbst war Sitz der sogenannten Bohmschlüter: Sie bewachten die Hafeneinfahrt, die nachts mit einem quergelegten Baumstamm abgesperrt wurde.

Alter Hafen und Hansekogge "Wismara"

Zur Hansezeit wurden im Alten Hafen Salz, Getreide, Wolle, Fische und vieles mehr umgeschlagen. Bis heute hat sich die Form des historischen Hafens nicht verändert, allerdings ist er nicht mehr von wirtschaftlicher Bedeutung, sondern ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen.

Die Kogge Wissemara im Alten Hafen in Wismar © NDR Foto: Fred Vorfahr aus Schwerin
Die Kogge "Wissemara" an ihrem Liegeplatz im Alten Hafen.

Mit etwas Glück ist im Hafen auch die Hansekogge "Wissemara" zu sehen, ein Nachbau der sogenannten Poeler Kogge aus dem 14. Jahrhundert, einem Schiffswrack, das 1997 vor der Insel Poel entdeckt wurde. Interessenten können auch mitsegeln: Der Verein Poeler Kogge bietet regelmäßig Törns auf die Ostsee an (Tel. 03841/30 43 10).

Heringstage und Hafenfest

Kurz vor Ostern feiert die Stadt alljährlich dir Heringstage. Dann wird der frische Hering vom Alten Hafen zum Marktplatz gebracht, wo er, verschiedenartig zubereitet, probiert werden kann. Im Juni steht dann beim viertägigen Hafenfest der Alte Hafen selbst im Mittelpunkt - mit Live-Musik, Fahrgeschäften und abendlichem Feuerwerk.

Naturwissenschaftliches Museum Phantechnikum und "Wonnemar"

Zwei Mädchen testen das Propellerkarussell im Phantechnikum Wismar. © phanTECHNIKUM Wismar Foto: Peter Lück
Nicht nur für Kinder ein Spaß: Eine Fahrt im Propellerkarussel des Phantechnikums.

Etwas außerhalb der Innenstadt befindet sich das Erlebnismuseum Phantechnikum. Besucher können dort an zahlreichen Stationen naturwissenschaftliche und technische Phänomene hautnah selbst erleben - ein interessantes Ausflugsziel nicht nur für Familien mit Kindern.

Anziehungspunkte für Familien: Spaßbad und Tierpark

Ein weiteres beliebtes Familienausflugsziel ist das Erlebnisbad "Wonnemar" mit Rutschen, Wellenbad und großem Saunabereich. Am Stadtrand lockt der Tierpark mit vielen exotischen und einheimischen Tieren, einem Abenteuerspielplatz, mehreren Trampolinen, einer Wasserbobbahn sowie einer Bootsanlage mit Tretbooten.

Strände und Ostseebäder bei Wismar

Im Stadtteil Wendorf bietet Wismar einen kleinen Strand mit Seebrücke. Von der Altstadt ist er etwa fünf Kilometer entfernt. Wer etwas weiter fährt, kann zwischen verschiedenen größeren Seebädern wählen: Nordwestlich etwa liegt das Ostseebad Boltenhagen mit schöner Dünenpromenade und Kurpark. Nordöstlich von Wismar - zwischen Ostsee und Salzhaff - befindet sich Rerik. Das kleine Seebad ist ein gutes Revier für Segler und Surfer.

Ausflugsziele Insel Poel und Ostseebad Rerik

Weitere Informationen
Der Hafen von Timmendorf auf der Insel Poel. © TMV/Grundner

Insel Poel: Ostsee-Urlaub ohne Hektik

Kleine Häfen, lange Strände: Die Insel Poel in der Wismarer Bucht bietet Erholung und Natur abseits der großen Badeorte. mehr

Lohnend ist zudem ein Ausflug auf die nahegelegen Insel Poel mit viel Grün und naturbelassenen Stränden. Die Insel lässt sich bestens per Fahrrad erkunden. Eine 20 Kilometer lange Strecke führt einmal um die Insel und bietet dabei immer einen freien Blick aufs Wasser.

Radfahren an der Küste

Wer gern mit dem Rad unterwegs ist, kann von Wismar aus auf dem Ostseeküstenradweg über Kühlungsborn bis nach Warnemünde fahren. Die Strecke lässt sich entweder in zwei Etappen von etwa 45 und 25 Kilometern teilen oder als längere Tagesetappe von etwa 70 Kilometern planen. In Warnemünde empfiehlt sich für die Weiterfahrt nach Rostock die S-Bahn oder das Schiff (Dauer eine Stunde), da es keine attraktive Radroute in die Stadt gibt.

Karte: Wismar und seine Sehenswürdigkeiten

Weitere Informationen
Der Marktplatz von Wismar mit der Wasserkunst und historischen Giebelhäusern. © imago/Panthermedia
58 Min

Leben im Weltkulturerbe - Wismar und Stralsund

Wie lebt es sich inmitten eines Welterbes? Die Menschen erzählen von ihrer Verbundeneheit zu Wismar und Stralsund. 58 Min

Eine Frau sitzt auf einem Liegefahrrad.
3 Min

Auf den Rädern durch die Natur um Wismar

Olaf Reinike verleiht Dreiräder, manche haben sogar einen Elektromotor. Seine Gäste können damit zwischen Neubukow und Wismar zu Ausflügen und Rundtouren starten. 3 Min

der Ohlerich Speicher in Wismar.
4 Min

Der Ohlerich Speicher in Wismar

Einst diente der Ohlerich Speicher als Getreidespeicher, jetzt beherbergt er Gästewohnungen. 4 Min

Das Holstentor in Lübeck, ein Wahrzeichen der Stadt © Tourismusamt Lübeck Foto: Torsten Krüger

Norddeutschlands UNESCO-Welterbe entdecken

Alte Hansestädte oder die Wikingersiedlung Haithabu: Zehn norddeutsche Standorte stehen offiziell auf der UNESCO-Welterbe-Liste. mehr

Dieses Thema im Programm:

mareTV | 19.08.2021 | 21:00 Uhr

Ein Wanderweg in der Lüneburger Heide im Morgenlicht. © Photocase Foto: rohulya

Ausflugstipps: Entdecke den Norden

Radtour, Wanderung oder Stadtbummel: Der Norden bietet viele Ziele. Einfach Wunschkriterien auswählen und Tipps bekommen. mehr

In einem Klassenraum stehen die Stühle auf den Tischen. © imago images / stpp

So geht der Norden 2021/22 in die Schulferien

Die Ferientermine der norddeutschen Bundesländer auf einen Blick. mehr

Urlaubsregionen im Norden