Stand: 12.01.2015 09:58 Uhr

Was die Ernährungsmedizin alles kann

von Britta Probol

Essen kann krank machen - oder die Gesundheit stärken. Studien haben ergeben, dass rund 80 Prozent unserer Erkrankungen durch falsche Ernährung verursacht oder verschlimmert werden. Wie Lebensmittel auf unseren Körper wirken, das untersucht die moderne ernährungsmedizinische Forschung. Ernährungsmediziner versuchen, Krankheiten durch eine Umstellung der Nahrungsgewohnheiten zu heilen oder zu lindern. Bei schweren Krankheiten ist die ernährungsmedizinische Diät, also die Befolgung eines bestimmten Speiseplans, meist unterstützender Baustein einer Gesamttherapie.

Ernährungs-Doc © NDR

Was die Ernährungstherapie so wichtig macht

Die Ernährungs-Docs -

Matthias Riedl erklärt, wie diese Therapieform hilft und dass man damit auch gut vorbeugen kann. Zudem verdeutlicht der Experte den Unterschied zwischen Ernährungsberatung und -therapie.

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Was versteht man medizinisch unter Ernährung?

Ernährung umfasst Essen und Trinken. Es geht um die Versorgung des Organismus mit Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiß) und Mikronährstoffen (Vitamine und Spurenelemente).

Seit wann gibt es die Ernährungsmedizin?

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Unsere Nahrungsmittel sind voller Wirkstoffe. Die richtige Kombination von Speisen auf dem Teller hilft, unser Wohlbefinden erheblich zu steigern - zum Teil besser als Tabletten.

Das Wissen um die positive oder negative Wirkung einzelner Nahrungsmittel ist uralt. Schon die Steinzeitmenschen vertrauten der Heilkraft von Wildkräutern wie Brennnessel oder Kamille. In den vergangenen Jahrzehnten vertiefte die Forschung durch zahlreiche Studien ihr Verständnis über die Stoffwechselvorgänge im Körper. Zahlreiche Wirkungsmechanismen konnten biochemisch nachgewiesen werden. So zeigten beispielsweise Studien, dass eine bedarfsdeckende Ernährung vor einer Operation die Wundheilung verbessert oder wie die Ernährung die Funktionsfähigkeit des Immunsystems beeinflusst. Manche Forschungsergebnisse stützen überlieferte Heilmethoden, andere liefern neue Therapieansätze.

Wie läuft eine ernährungsmedizinische Therapie ab?

Ausgangspunkt einer solchen Therapie ist eine Befragung über die bisherigen Ernährungsgewohnheiten. Sie ergänzt die Befunde aus der körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls, nach einer Blutabnahme, die Laborwerte.

Betrachtet man alles zusammen, lässt sich ableiten, welche Nährstoffe dem Organismus fehlen und welche ihm im Überfluss zur Verfügung stehen. Daraus folgt, welche Zutaten künftig mit auf den Speisezettel gehören und welche lieber wegzulassen sind. Im Ernährungsplan werden zudem die Häufigkeit und Portionsgrößen der Mahlzeiten festgelegt. Die Umstellung erfolgt schrittweise, in enger Abstimmung mit dem Patienten. Dabei gilt es, den familiären und beruflichen Alltag zu berücksichtigen und Lösungen auch für diejenigen zu finden, die kaum Zeit zum Kochen haben.

Bedeutet die Ernährungstherapie vor allem Verzicht?

Nein, denn die Lebensqualität steht an vorderster Stelle dieser Therapie. Der Arzt wird Vorlieben erfragen und sie so weit wie möglich im Ernährungsplan beibehalten.

Wie schnell wirkt die Ernährungstherapie?

Das ist ganz unterschiedlich. Um eine systemische, also den ganzen Stoffwechsel betreffende Veränderung zu erreichen, braucht es in der Regel mindestens ein paar Wochen. Abnehm-Erfolge treten oft schon binnen Kurzem ein. Grundsätzlich zielt die ernährungsmedizinische Therapie jedoch darauf, die Ernährungsgewohnheiten dauerhaft umzustellen - über die kurzfristige Verbesserung hinaus geht es also um eine langfristige Ausbalancierung der Nährstoffzufuhr.

Was hat Einfluss auf den Therapieerfolg?

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Die Patienten der Ernährungs-Docs haben schon viele Therapieformen ausprobiert - über die medizinische Wirkung des Essens wissen sie aber fast nichts. Doc Fleck malt die Ernährungspyramide auf.

Wie so oft im Leben ist Erfolg eine Frage der Selbstdisziplin: Wie konsequent setze ich den Therapieplan um? In Stressphasen ist es wenig sinnvoll, mit einer Ernährungstherapie zu beginnen, denn da fallen die meisten Menschen leicht in gewohnte Verhaltensmuster zurück. Auf das süße Trostpflaster folgt dann das schlechte Gewissen - und darauf der Gedanke: Nun habe ich es eh verbockt, nun kann ich auch weitermachen wie bisher.

Eine Umstellung erfordert am Anfang schon allerhand Willenskraft. Wer die aufbringt und durchhält, wird aber schon bald positive Veränderungen wahrnehmen und stolz sagen: Ich kann mir selbst helfen! Ein beflügelndes Gefühl, das das Selbstbewusstsein stärkt und so wiederum den Therapieerfolg unterstützt.

Welche Krankheiten lassen sich ernährungsmedizinisch behandeln?

Besonders sinnvoll ist die Ernährungstherapie etwa bei Nahrungsmittel-Intoleranzen (Fruktose, Histamin, Laktose), bei den meisten Magen- und Darmerkrankungen (etwa Morbus Crohn, Zöliakie, Reizdarmsyndrom, Verstopfung, Sodbrennen etc.), bei Esstörungen, bei Übergewicht und damit verwandten Krankheiten wie Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Fettleber und Diabetes mellitus Typ 2 sowie bei chronischen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder der Nieren. Auch bei Gicht, Rheuma, Morbus Bechterew, Multiple Sklerose, Osteoporose, bei Neurodermitis und selbst bei Krebs leistet die Ernährungstherapie einen wertvollen Beitrag zur Behandlung.

Unsere Ernährung ist ein so zentraler Faktor für die Gesundheit, dass es kaum eine Erkrankung gibt, die sich durch geeignete Umstellungen im Speiseplan nicht zumindest lindern ließe.

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Schwerpunktpraxen Ernährungsmedizin

Der Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner listet auf seiner Homepage die rund 80 zertifizierten Praxen für Ernährungsmedizin in Deutschland. extern

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 09.01.2017 | 20:00 Uhr

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