Gicht erkennen und behandeln

Stand: 25.10.2021 08:08 Uhr

Gicht war früher die "Krankheit der Könige", heute ist sie eine Volkskrankheit. Übergewicht und eine opulente Ernährungsweise fördern ihren Ausbruch. Die richtige Ernährung beugt Gichtanfällen vor.

Ein plötzlicher Schmerz im Gelenk, scharf wie Tausend Nadelstiche - so äußert sich ein Gichtanfall. Häufig fängt es in den Zehen an, aber auch Knie- oder Fingergelenke können betroffen sein. Schon die kleinste Berührung, zum Beispiel durch eine Daunendecke, wird für Betroffene zur Tortur. Bei Männern tritt der erste Anfall oft um das 40. Lebensjahr herum auf. Frauen trifft es eher erst nach der Menopause - das weibliche Geschlechtshormon Östrogen schützt vor dieser chronischen Stoffwechselstörung. Gicht (Arthritis urica) bezeichnet eine Reihe von Stoffwechselstörungen und deren Folgeerkrankungen.

Symptome der Gicht

Viele erfahren von ihrer Erkrankung durch den ersten Anfall. Sichtbare Anzeichen können vorher Veränderungen an den Gelenken sein. Auch in der Haut kommt es manchmal zu Kristallansammlungen, die als weißliche Knoten sichtbar werden. Oft macht sich Gicht aber wie aus heiterem Himmel durch furchtbare Gelenkschmerzen bemerkbar. Solche Gichtanfälle treten häufig am großen Zeh auf, aber auch in den Knien oder Fingern. Der Schmerz fühlt sich an, als ob kleine Scherbenbrösel im Gelenk knirschen. Rötung, Schwellung und teils Fieber kommen hinzu.

Gicht-Ursache ist eine purin- und fruchtzuckerreiche Ernährungsweise

Die genetische Veranlagung zu Gicht wird vererbt, für einen Ausbruch müssen allerdings verschiedene Bedingungen zusammenkommen. Wohlstandsbedingt ist Gicht heute eine Volkskrankheit. Früher hieß sie "die Krankheit der Könige", denn Übergewicht und eine fettreiche, opulente Ernährungsweise fördern den Ausbruch erheblich. Riskant sind insbesondere viel Fleisch mit Bratenkruste oder Fisch mit Haut wie Sprotten, Sardinen und Co. Auch wer viel Fruchtzucker konsumiert (enthalten zum Beispiel in Säften, Eis, Fertigprodukten), erhöht sein Risiko für einen Gichtanfall.

Bei Gicht ist zu viel Harnsäure im Körper

Schematische Darstellung: Harnsäurekristall © NDR
Ist zu viel Harnsäure im Körper, kann sie nicht mehr gelöst werden. Die Folge: Es bilden sich Kristalle.

Bei Gicht ist meist die Ausscheidungsfunktion der Nieren beeinträchtigt und/oder der Harnsäure-Stoffwechsel im Körper gestört. Bis zu 30 Prozent aller Männer haben erhöhte Harnsäurewerte (Hyperurikämie), aber nur etwa fünf Prozent aller Frauen sind betroffen.

Harnsäure entsteht beim Stoffwechsel aus Purinen. Da Purine in den Zellkernen vorkommen, sind besonders Lebensmittel, die viele Zellen enthalten, purinreich. Kurz gesagt befinden sich Purine im Eiweißanteil der Nahrung, denn Zellen liefern zugleich Proteine.

Harnsäure-Kristalle lagern sich in den Gelenken ab

Schematische Darstellung: Harsäurekristalle im Gelenk. © NDR
Harsäurekristalle reizen das Gelenk.

Normalerweise entfernt unser Körper überschüssige Harnsäure über die Nieren und den Darm. Bildet der Körper zu viel Harnsäure oder scheidet zu wenig aus, dann erhöht sich die Konzentration im Blut, Kristalle lagern sich in den Gelenken ab. Ein zu reichhaltiges Essen oder übermäßiger Alkoholkonsum kann dann einen Gichtanfall auslösen.

Unbehandelt kann Gicht zu Deformierungen und verminderter Gebrauchsfähigkeit der betroffenen Gelenke führen. Ein erhöhter Harnsäurespiegel fördert darüber hinaus die Arterienverkalkung und erhöht damit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Möglichkeiten der Diagnosestellung

Einen erhöhten Harnsäurespiegel erkennt der Arzt durch eine Untersuchung des Blutes: Die Obergrenze für Harnsäure im Blut ist 6,5 mg/dl. Nach einem Gichtanfall sind die Harnsäurewerte im Blut aber oft sogar normal. Zur Diagnosesicherung sollte akute Gicht von der rheumatoiden Arthritis abgegrenzt werden. Eine Hyperurikämie mit Gelenkbeschwerden bedarf immer einer fachärztlichen Abklärung.

Ein sicherer, aber stark eingreifender Weg ist dabei die Gelenkpunktion durch einen erfahrenen Rheumatologen oder Orthopäden, bei der Gelenkflüssigkeit entnommen wird. Werden darin Harnsäurekristalle gefunden, liegt Gicht vor.

Eine andere Möglichkeit ist ein Test mit dem Wirkstoff Colchicin (aus der Giftpflanze Herbstzeitlose): Dieses Medikament hindert die weißen Blutkörperchen daran, Harnsäure zu transportieren. So lässt sich ein akuter Gichtanfall beenden. Einen rheumatischen Schub dagegen würde Colchicin nicht positiv beeinflussen. Colchicin ist nicht zur Dauereinnahme geeignet, Nebenwirkungen wie Durchfall sind häufig.

Gicht vorbeugen und behandeln durch Ernährungsumstellung

Auch nur leicht erhöhte Harnsäurewerte müssen konsequent behandelt werden, sonst drohen erhebliche Folgekomplikationen. Medikamente, die die Harnsäure im Blut senken, sind aufgrund von Nebenwirkungen auf Dauer keine Lösung. Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung einer Gicht ist eine Ernährungsumstellung der primäre Therapieansatz:

  • purinarm essen und trinken
  • Fruchtzucker meiden
  • Normalgewicht anstreben - der Bauch muss weg

Bei Crash-Diäten drohen Gichtanfälle

Bei Gicht muss das Abnehmen langsam erfolgen - bei allzu rapidem Gewichtsverlust drohen erneute Anfälle. Bewegung unterstützt die Gewichtsreduktion und stärkt die muskulären Strukturen um die Gelenke.

Wann Gicht mit Medikamenten behandelt werden muss

Nur wenn sich kein Erfolg einstellt und die Harnsäurekonzentration über 9 mg/dl liegt oder Komplikationen wie Nierensteine (Harnsäuresteine) vorliegen, sollten begleitend Medikamente zum Einsatz kommen. Sogenannte Urikosurika fördern die Harnsäureausscheidung, sie können die Neubildung von Gichtknoten verhindern und zum Teil sogar vorhandene abbauen. Urikostatika hemmen den Aufbau von Harnsäure im Körper.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 25.10.2021 | 21:00 Uhr

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