Nierensteine: Vorbeugung, Symptome und richtige Behandlung

Stand: 13.01.2023 11:48 Uhr | vom Norddeutscher Rundfunk-Logo

In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Menschen an Nierensteinen, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Fälle mehr als verdreifacht.

Nierensteine können lange Zeit unbemerkt bleiben, aber auch schmerzhafte Nierenkoliken und Harnstau verursachen. Im schlimmsten Fall droht eine Blutvergiftung.

Nierenkolik durch Nierensteine: Symptome und Diagnose

Nierensteine entstehen meist im Nierenhohlsystem und wandern über das Nierenbecken in die Harnleiter. Wenn sie dort festklemmen, können die typischen kolik- und krampfartigen Schmerzen auftreten, weil der Körper versucht, die Steine durch Muskelkraft weiterzubewegen. Die Beschwerden äußern sich meist als krampfender Schmerz an den Flanken im Nierenbereich, Rücken oder Unterbauch. Auch Übelkeit und Erbrechen, Fieber und Blut im Urin können auftreten.

Durch den verstopften Harnleiter kann es zu einem behandlungsbedürftigen Harnstau kommen. Der Urin kann nicht mehr in die Blase abfließen und sammelt sich im Nierenbecken an. Dadurch drohen Nierenschäden. Bakterien können sich außerdem sehr schnell vermehren und zu einer Entzündung führen. In einigen Fällen steigen die Entzündungswerte so stark, dass eine Blutvergiftung droht.

Mit einer Ultraschalluntersuchung oder anderen bildgebenden Verfahren (CT, MRT) kann ein Urologe Nierensteine sicher nachweisen.

VIDEO: Nierensteine: Welche Rolle spielt die Ernährung? (6 Min)

Ursache von Nierensteinen: Ungesunde Ernährung

Die Entstehung von Kalziumoxalat- und Harnsäuresteinen in der Niere hängt eng mit der Ernährung zusammen. Ein Großteil der Erkrankungen ließe sich verhindern. Die Ursachen für die Entwicklung von Nierensteinen liegen in einer Kombination aus genetischer Veranlagung und dem Lebensstil. Oft entwickeln sich die Steine infolge von ungesunden Ernährungsgewohnheiten, unzureichender Flüssigkeitsaufnahme und Stoffwechselstörungen. Dadurch kristallisieren im Urin gelöste Salze oder Harnstoffe und verklumpen.

Fünf Faktoren können Nierensteine auslösen

Für mehr als die Hälfte der Nierenstein-Fälle sind laut einer Studie fünf Faktoren verantwortlich:

  • zu wenig Wasserkonsum
  • süße Getränke
  • falsche Ernährung (zum Beispiel viel rotes Fleisch und Wurst)
  • Übergewicht
  • zu wenig Kalzium in der Ernährung, aber auch Kalziumüberdosierung.

Eine Veränderung der Ess- und Lebensgewohnheiten kann das Risiko, dass sich ein Nierenstein bildet, um 40 Prozent reduzieren, wie Experten betonen.

Kalzium: Auf die Menge kommt es an

Etwa drei Viertel aller Nierensteine bestehen aus Kalzium und Oxalat. Deshalb galt eine zu hohe Kalziumzufuhr lange Zeit als steinfördernd und Betroffenen wurde empfohlen, sich kalziumarm zu ernähren. Mittlerweile haben Studien gezeigt, dass eine kalziumarme Kost das Risiko für Nierensteinrezidive erhöht. Ärzte und Ärztinnen empfehlen, zwischen 1.000 und 1.200 Milligramm Kalzium pro Tag über geeignete Lebensmittel (zum Beispiel Milchprodukte oder kalziumreiches Mineralwasser) zu sich zu nehmen.

Hochdosiertes Vitamin D erhöht Gefahr für Nierensteine

Nierensteine können auch in Folge einer übermäßig hohen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten entstehen. Vor allem im Internet werden teilweise Produkte mit sehr hohen Dosierungen pro Kapsel angeboten. Vitamin D ist an der körpereigenen Regulation des Kalziumhaushalts beteiligt. Zu viel Vitamin D führt auf Dauer zu einem überhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie), der die Bildung von Nierensteinen begünstigen kann.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, eine maximale Tagesdosis von 20 Mikrogramm, also 800 IE (internationale Einheiten). Ist aus medizinischer Sicht eine höhere Dosierung nötig, sollte die Einnahme nur unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle erfolgen. Als sichere Obergrenze für die tägliche Aufnahme von Vitamin D gibt die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene eine Dosis von 4.000 IE pro Tag an.

Art der Nierensteine für Behandlung wichtig

Für die Behandlung der Nierensteine ist deren Ursache und Art wichtig.

  • 75 Prozent aller Nierensteine sind sogenannte Kalziumoxalatsteine. Sie entstehen durch eine stoffwechselbedingte übermäßige Ausscheidung von Kalzium und Oxalat über den Urin.
  • Bei weiteren zehn Prozent aller Nierensteine handelt es sich um ernährungsbedingte Harnsäuresteine. Sie entstehen vor allem durch die übermäßige Aufnahme von tierischen Eiweißen und Alkohol sowie durch Fastenkuren.
  • Sogenannte Kalziumphosphatsteine werden vor allem durch Harnwegsinfekte verursacht.
  • Sehr selten sind Zystinsteine. Deren Ursache sind angeborene Stoffwechselstörungen, bei denen es zu einer erhöhten Konzentration der schwerlöslichen Aminosäure Cystein im Urin kommt. Betroffenen dieser Stoffwechselerkrankung fehlt ein Transport-Protein im Dünndarm, das bestimmte Stoffe aus dem Verdauungsprodukt herausfiltert (unter anderem Cystein/Zystin). Deshalb gelangt mehr Zystin als bei Gesunden in den Urin und reichert sich dort in 20- bis 30-fach höherer Konzentration an, sodass es auskristallisiert. 

Wann Nierensteine medizinisch behandelt werden müssen

Kleinere Steine gehen in den meisten Fällen spontan ab. Ihre Ausscheidung kann durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr und durch körperliche Aktivität gefördert werden.

Werden die Steine nicht spontan ausgeschieden, können sie mithilfe der sogenannten extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) oder mit einem endoskopischen Verfahren wie Ureterorenoskopie und Nephrolithotomie zerstört werden.

  • Bei der ESWL werden die Steine durch elektromagnetische Stoßwellen von außen zertrümmert. Die Bruchstücke werden mit dem Urin ausgeschieden. Die Behandlung kann ohne Narkose erfolgen, ist aber nicht schmerzfrei. Sie dauert je nach Größe und Lokalisation des Steins etwa eine Stunde.

  • Bei der Ureterorenoskopie wird eine Spiegelung des gesamten Harntraktes vorgenommen. Steine können so lokalisiert und schonend entfernt werden. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose.

  • Bei der perkutanen Nephrolithotomie erfolgt die Entfernung der Steine durch eine röntgen- oder ultraschallkontrollierte Punktion der betroffenen Niere durch die Haut. Auch dieser Eingriff erfordert eine Vollnarkose.

Nierensteine durch geeignete Ernährung verhindern

In bis zu 50 Prozent der Fälle treten Nierensteine wiederholt auf. Deshalb müssen die Steine analysiert werden. Die Zusammensetzung gibt Hinweise darauf, wie eine effektive Therapie oder Vorsorge aussehen kann. Sinnvolle prophylaktische Maßnahmen sind:

  • eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme von etwa zwei bis drei Litern pro Tag (bei Zystinsteinen mindestens 3,5 Liter). In einem Protokoll zu notieren, wie viel getrunken wird, ist empfehlenswert. Eine einfache Faustregel: Der Urin sollte hellgelb oder fast farblos sein. Ist er dunkelgelb, reicht die Trinkmenge nicht aus.
  • salzarme Kost: maximal 4 bis 5 Gramm Salz pro Tag
  • eine ausgewogene Ernährung mit sehr viel Gemüse, maßvoll Kalzium (1.000 bis 1.200 Milligramm), wenig Alkohol und nicht zu viel Fleisch
  • Lebensmittel weglassen, die viel Oxalat enthalten. Dazu gehören zum Beispiel Schokolade, Kakao, Rhabarber, Spinat, Petersilie, rote Bete, Spargel und grüne Bohnen
  • das Halten beziehungsweise Erreichen eines Normalgewichts

Regelmäßige körperliche Bewegung ist ebenfalls empfehlenswert.

Expertinnen und Experten zum Thema:

Prof. Dr. Axel S. Merseburger, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Direktor der Klinik für Urologie
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 500 43 600
www.urologie.uni-luebeck.de

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Visite | 17.01.2023 20:15

Schlagwörter zu diesem Artikel

Medizinische Therapie

Ernährung

Mehr Gesundheitsthemen

Die Zeichnung eines Gehirns liegt in zwei Händen vor türkisem Hintergrund. © IMAGO / Wirestock Foto: IMAGO / Wirestock

Parkinson: Symptome, Verlauf, Ursache und Behandlung

Die Parkinson-Krankheit ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Was hilft gegen das Zittern? mehr

Gesundheits-Themen

Ratgeber