Stand: 25.01.2020 19:19 Uhr  - Die Ernährungs-Docs

Neurodermitis erkennen und behandeln

Die Neurodermitis (atopisches Ekzem) gehört heutzutage zu den häufigsten Hauterkrankungen: In Deutschland leiden 3,5 bis 5 Millionen Menschen unter den juckenden Hautrötungen - Tendenz steigend. Die Krankheit ist nicht ansteckend. Sie verläuft typischerweise in Schüben und tritt häufig zusammen mit Lebensmittelunverträglichkeiten auf. Besonders oft zeigt sich Neurodermitis im Säuglings- und Kleinkindalter, etwa jedes achte Vorschulkind ist betroffen. Bei den meisten Kindern verschwinden die Symptome bis zur Pubertät. Von den Erwachsenen leiden nur etwa drei Prozent an Neurodermitis.

Neurodermitis-Auslöser mit Ernährungstagebuch identifizieren

Die Ernährungs-Docs -

Charlotte K. leidet stark unter Juckreiz und rissiger Haut. Zucker und Weizen verschlimmern ihre Symptome. Das Vermeiden dieser Lebensmittel fällt ihr nicht leicht, aber lohnt sich.

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Ursachen für Neurodermitis

Formen der Neurodermitis

Milchschorf: gelblich-weiße Krusten, die gemeinsam mit nässenden Ekzemen auftreten und sich über größere Flächen besonders an Wangen und behaarter Kopfhaut ausdehnen können. Milchschorf tritt meist bei Säuglingen auf.
Beugenekzeme: Rötungen (im Kindes- und Jugendalter) und Flechtenbildungen (im Laufe der Jahre) an Kniekehle, Ellenbogen, Händen, Hals und Nacken.
Prurigo nodularis (lat. "von Knoten ausgehender Juckreiz"): am ganzen Körper auftretende, stark zerkratzte Knoten (meist bei Erwachsenen).

Durch eine vermutlich erblich bedingte Störung des Immunsystems reagieren Haut und Schleimhäute überempfindlich. Der Körper hält harmlose Stoffe wie Hausstaub, Pollen oder bestimmte Lebensmittel für gefährliche Fremdkörper und reagiert auf sie mit einer Entzündung: Er produziert übermäßig viel Immunglobulin E (IgE). Der aktiviert sogenannte Mastzellen in der Haut, vermehrt Histamine auszuschütten. Die verstärken die Entzündung und verursachen den charakteristischen Juckreiz. Zugleich bringen sie die Barrierefunktion der Haut durcheinander: Sie produziert zu wenig Talg und zu wenig Schweiß, der Säureschutzmantel leidet. Die Trockenheit der Haut erleichtert Bakterien und Viren das Eindringen - und dies fördert wiederum Entzündungen.

Bestimmte Auslöser, auch Schlüsselreize oder "Trigger" genannt, führen zum Ausbruch oder der Verschlechterung der Krankheit. Dazu zählen:

  • psychische Faktoren (Stress, Konflikte, Langeweile)
  • Umweltfaktoren (Pollen, Hausstaub, Chemikalien)
  • Ernährung (bestimmte Lebensmittel, Zusatzstoffe)
  • Klimafaktoren (überheizte Luft, Kälte, Schwüle),
  • mechanische Hautirritationen (Kratzen, zu enge, reibende Kleidung)
  • Tierhaare (Katze, Meerschweinchen, Hamster, Pferd) und Federn
  • Infekte

Symptome der Neurodermitis

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Die Hautkamera macht kleinste Entzündungen sichtbar.

Neurodermitis äußert sich durch eine trockene, raue und rissige Hautoberfläche, die häufig schuppt. Man unterscheidet zwei Stadien der Krankheit: Im akuten Entzündungsstadium ist die Haut angeschwollen, tiefrot, nässt und bildet stark juckende Bläschen. Im chronischen Stadium schuppt die Haut, hat ein vergröbertes Oberflächenrelief (Lichenifikation), ist gerötet und auch teils geschwollen. Außerdem juckt sie - Betroffene kratzen sich nicht selten blutig. Immerhin jucken blutende Stellen nicht mehr, weil dort kein Histamin mehr ausgeschüttet wird.

Der Hautarzt wird die Krankengeschichte und familiäre Vorbelastungen erfragen. Mit Haut- und Bluttests lassen sich Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Pollen- oder andere Allergien ergründen. Bei Pollen­allergien bestehen häufig Kreuzallergien mit bestimmten Lebensmitteln.

Kortisoncreme nur im Notfall verwenden

Obwohl Neurodermitis nicht heilbar ist, können Betroffene mit einigen Vorsichtsmaßnahmen ein ganz normales Leben führen - ohne oder mit ganz wenig Medikamenten. Da die Haut durch Kortisoncreme dünner wird und sich damit die Neurodermitis auf Dauer verschlimmert, sollte die Creme nur als Notanker zum Einsatz kommen. Betroffene Stellen können mit Weizenkeimöl betupft werden.

Behandlung von Fall zu Fall unterschiedlich

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Lecker, aber ungesund: All dies ist entzündungsfördernd.

Die Behandlungsansätze müssen individuell auf den einzelnen Betroffenen abgestimmt werden. Das gilt auch für die Ernährungstherapie. Immerhin gibt es einige allgemeine Regeln: So stärkt eine ausgewogene Ernährung den Körper gegen Infekte, die wiederum Schübe auslösen können. Alkohol, Kaffee und starke Gewürze können problematisch sein, weil sie die Durchblutung der Haut steigern, was den Juckreiz verschlimmert. Auch mit schnell resorbierbarem Zucker - wie in Süßigkeiten und Weißmehlprodukten - sparsam umgehen, denn er fördert generell entzündliche Prozesse im Körper. Honig und Dicksäfte sind übrigens keine Alternative zu gewöhnlichem Zucker, das belegen Studien. Denn sie bestehen ebenso wie Haushaltszucker auch vorwiegend aus Saccharose. Entzündungshemmend wirken dagegen Antioxidantien.

Meiden sollten Betroffene grundsätzlich nur Nahrungsmittel, gegen die eine Unverträglichkeit vorliegt. Denn wer aus Angst auf zu viele Nahrungsmittel verzichtet, der versorgt seinen Körper auf Dauer nicht mehr mit allen nötigen Nährstoffen - Mangelernährung droht. Ein Ernährungstagebuch kann helfen herauszufinden, auf welche Produkte man reagiert. Nach ein paar Tagen oder Wochen zeigen sich darin logische Zusammenhänge: etwa Alkohol oder viel Weißmehl am Wochenende - und Montag dann das Aufblühen der roten Stellen. Übrigens können Lebensmittelunverträglichkeiten im Laufe des Lebens durchaus wegfallen oder neu hinzukommen.

Einige Lebensmittel fördern Neurodermitis

Bestimmte Lebensmittel befeuern häufig eine Neurodermitis - seien Sie hier besonders wachsam: etwa Tomaten, Kiwi, Erdbeeren und saures Obst. Auch zu viel Fisch, Ei, Nüsse, Milch, Hartkäse oder Dauerwurst wie Salami können allergische Reaktionen auslösen. Ebenso Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe - daher lieber naturbelassene Lebensmittel einkaufen und viel frisch kochen.

Wer den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen will, der sollte neben der Ernährung unbedingt auf regelmäßige sportliche Aktivität und auf Entspannung setzen. Neurodermitis trifft meist sensible Menschen, die keine "dicke Haut" haben. Nicht von ungefähr heißt es: "Die Haut ist ein Spiegel der Seele". Yoga oder autogenes Training, Spaziergänge in der Natur, Musik - seien Sie achtsam sich selbst gegenüber und beobachten Sie, was Ihnen hilft.

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Die ausführlichen Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format

Bestimmte Nahrungsmittel können Hautreaktionen hervorrufen: die wichtigsten Fakten und Lebensmittel im Überblick. Download (108 KB)

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 27.01.2020 | 21:00 Uhr

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