Stand: 05.06.2018 15:58 Uhr  | Archiv

Radeln auf der Spur der Ochsen

Der Ochsenweg führt durch schöne Naturlandschaften, teilweise aber auch über Straßen.

Dumpfes Schnauben aus dampfenden Nüstern, Zehntausende Hufe schwerer Tiere, die den weichen Boden in tiefen Schlamm verwandeln, lautes Rufen angestrengter Hirten, die versuchen, die riesige Herde in der Spur zu halten: Dieses Schauspiel hat sich vor rund 400 Jahren alljährlich im März zwischen Jütland und der Elbe abgespielt. Bis zu 50.000 Ochsen wurden dann von ihren dänischen Weidegründen nach Norddeutschland getrieben, um die Städte mit Fleisch zu versorgen.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie im 19. Jahrhundert verlor der Ochsenweg seine wirtschaftliche Bedeutung weitgehend. Heute bietet die in beiden Richtungen ausgeschilderte Route Wanderern und Radfahrern die Möglichkeit zur historischen Entdeckungsreise durch eine abwechslungsreiche Natur.

245 Kilometer zum Radeln oder Wandern

Die Tour im Überblick

Länge: 245 Kilometer
Start: Wedel bei Hamburg
Ziel: Flensburg
Orte an der Strecke: Uetersen, Rendsburg, Schleswig
Markierung: grünes Schild mit den Umrissen Schleswig-Holsteins und Teilen Dänemarks sowie der Aufschrift "Ochsenweg"
Besonderheiten: Zwischen Uetersen und Rendsburg teilt sich der Weg in eine östliche und eine westliche Variante. Einige Abschnitte führen über unbefestigte Wege oder viel befahrene Straßen.

Da nicht mehr alle Abschnitte der Originalroute befahrbar sind oder inzwischen zu Schnellstraßen ausgebaut wurden, führt der heutige touristische Weg streckenweise parallel zum ursprünglichen Ochsenweg. Der Radwanderweg auf den Spuren des historischen Ochsenweges beginnt in Wedel, westlich von Hamburg, und führt zunächst bis Uetersen. Dort teilt sich die Strecke in eine östliche und eine westliche Route, die bei Rendsburg wieder zusammenkommen.

Diese Teilung in zwei Strecken gab es auch schon vor 400 Jahren. Der Grund war die Konkurrenz verschiedener Hafenstädte und Grenzübergänge. Über Schleswig führt der Ochsenweg schließlich auf dem Geestrücken weiter bis Flensburg und an die deutsch-dänische Grenze bei Padborg. In Dänemark setzt sich die historische Route als beschilderter Radweg "Hærvejen" (Heerweg) 240 Kilometer weiter nach Norden bis Viborg fort.

Spurensuche am Wegesrand

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Ein Info-Pavillon informiert auf dem Gelände des Arnkiel-Parks über die Geschichte der Steingräber.

Der Radwanderweg auf der Grundlage des historischen Ochsenweges wurde 1998 eingeweiht. Seitdem finden alljährlich die sogenannten Ochsentouren statt, regionale Sternfahrten, die Hunderte Radler auf den Ochsenweg locken. Die Strecke bietet unterwegs viele Möglichkeiten zur historischen Spurensuche. Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass der Ochsenweg seine Ursprünge in der Bronzezeit hatte. Wikinger, Pilger und Soldaten hinterließen dort im Laufe der Jahrtausende ebenso ihre Spuren wie die Ochsentreiber. 1690 entdeckte der Probst Troels Arnkiel bei Munkwolstrup ein Großsteingrab aus der Jungsteinzeit. Auf der Grundlage seiner exakten Aufzeichnungen konnte die 5.500 Jahre alte Stätte im Jahr 2000 Stein für Stein rekonstruiert werden und steht Besuchern jetzt als Arnkiel-Park offen.

Kultur erleben, Natur genießen

Der Poppostein bei Sieverstedt im Kreis Schleswig-Flensburg ist ein Hünengrab aus der Jungsteinzeit.

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich der Poppostein, ein Hünengrab, das aus der gleichen Epoche stammt. Hier soll der Schleswiger Bischof Poppo im 10. Jahrhundert bekehrte Heiden getauft haben, unter anderem im Jahr 960 den dänischen König Blauzahn. So wie an der Treene im Kreis Schleswig-Flensburg, gibt es im gesamten Verlauf des Ochsenweges zahlreiche historisch und archäologisch bedeutsame Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Der Ochsenweg ist aber nicht nur wegen seiner historischen Bedeutung eine Reise wert. Der Weg führt durch etliche Naturschutzgebiete und Naturerlebnisräume und bietet abseits der großen Verkehrswege zwischen Geestrücken und Marschland die Möglichkeit, Natur und Landschaft zu genießen.

Karte: Auf dem Ochsenweg durch den Norden
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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 19.02.2018 | 19:30 Uhr

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