Eine Gruppe Radfahrer an der Kirche in Großenwörden © Martin Elsen / Tourismusverband Landkreis Stade

Mit dem Rad auf dem Mönchsweg pilgern

Stand: 05.05.2020 15:30 Uhr

Auf den Pfaden christlicher Missionare führt der 530 Kilometer lange Mönchsweg von Bremen über Glückstadt bis nach Fehmarn. An der Radroute liegen zahlreiche Kirchen und Klöster.

Mehr als 400 Jahre hat es gedauert, die Norddeutschen zum Christentum zu bekehren. Bei ihrem Marsch haben die Mönche viele Spuren hinterlassen. Wer ihnen folgen möchte, braucht dafür heute nur noch ein paar Tage - und ein Fahrrad. Der 530 Kilometer lange Mönchsweg führt auf landschaftlich reizvollen Wegen von Bremen über Wischhafen und Glückstadt an der Elbe bis nach Puttgarden auf Fehmarn. An der Strecke liegen rund 100 alte Feld- und Backsteinkirchen sowie mehrere Klöster.

Ein offenes Fenster weist den Weg

Wegweiser mit dem blauen Logo des Mönchswegs © Mönchsweg e.V.
Das offizielle Logo des Mönchswegs zeigt den Blick durch ein Fenster auf eine Kirche.

Ein eigenes Logo dient als Wegweiser. Es ist blau-weiß, trägt den Schriftzug Mönchsweg und zeigt die Silhouette einer Kirche in einem geöffneten Fenster. Damit ähnelt es dem Logo, das in Touristenregionen für geöffnete Kirchen wirbt. Der Pilgerweg eignet sich ideal für einen mehrtägigen Radurlaub. Aber auch Teilstrecken für Tages- oder Wochenendausflüge bieten sich an. Ein Überblick.

Startpunkt Bremer Dom

Der Mönchsweg beginnt am Dom in Bremen und führt rund 190 Kilometer durch Niedersachsen zur Elbfähre in Wischhafen. Dabei orientiert er sich an der Route, die christliche Missionare im 9. Jahrhundert genommen haben, um ihren Glauben im Norden zu verbreiten. Bremen wurde bereits im Jahr 787 Sitz eines Missionsbistums.

Von Bremen verläuft die Radroute zunächst 70 Kilometer bis nach Zeven. Unterwegs lohnt ein Stopp in der Künstlerkolonie Fischerhude oder dem historischen Ortskern von Wilstedt mit der Kirche St. Petri. In Gyhum steht eine der ältesten Feldsteinkirchen der Region. Am Etappenziel in Zeven informiert das Museum Kloster Zeven über die Geschichte des ehemaligen Benediktinerinnenklosters.

Die Tour im Überblick

Länge: 530 Kilometer
Start: Bremen
Ziel: Puttgarden auf Fehmarn
Orte an der Strecke: Zeven, Harsefeld, Stade, Glückstadt, Itzehoe, Kellinghusen, Bad Bramstedt, Bad Segeberg, Eutin, Grömitz, Heiligenhafen
Markierung: blaues Logo mit Kirchensymbol und der Aufschrift "Mönchsweg"

Durch die Geest nach Harsefeld

Der 35 Kilometer lange Abschnitt von Zeven nach Harsefeld führt durch die Stader Geest. Mächtige Findlinge am Wegesrand zeigen, mit welcher Kraft sich einst Gletscher über das Land ausgebreitet und die Felsbrocken transportiert haben. Die leicht erhöhten Geestrücken sorgen für ein sanftes Auf und Ab. In Harsefeld können Radler bei einem Stopp im gepflegten Klosterpark oder dem Garten der Steine entspannen.

Durch Norddeutschlands Obstgarten

Die Etappe von Harsefeld nach Stade durchquert das Alte Land, das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands. Allein hier stehen 16 Kirchen. Im Alten Land wurden die Türme traditionell neben die Kirchen gebaut, da der weiche Untergrund die Last sonst nicht hätte tragen können. Der 35 Kilometer lange Abschnitt führt über die Samtgemeinde Horneburg unmittelbar an die Elbe und von dort nach Stade, wo mehrere Museen und die Kirchen St. Wilhadi und St. Cosmae und Damiani einen Besuch lohnen.

Über das Weihnachtsmann-Dorf zur Fähre

Erster größerer Ort auf der Schlussetappe ist Himmelpforten, bekannt für sein Weihnachtspostamt und das Haus des Weihnachtsmanns. Kurz vor Hemmoor trifft der Mönchsweg auf die Oste. Wer einen kurzen Abstecher in Kauf nimmt, kann die Schwebefähre über den Fluss bestaunen. Einen Besuch lohnt auch die Kirche St. Petri in Osten, eine im Norden seltene Barockkirche.

Der Radweg wendet sich nun nach Norden, Dutzende Entwässerungskanäle prägen die flache Moorlandschaft. Das letzte Gotteshaus vor dem Ziel des 50-Kilometer-Abschnitts ist die St.-Dionysius-Kirche in Wischhafen. Von dort verkehrt eine Fähre über die Elbe nach Glückstadt.

Der Mönchsweg in Schleswig-Holstein

Der schleswig-holsteinische Teil des Mönchswegs beginnt in Glückstadt, führt über Itzehoe, Bad Bramstedt und Bad Segeberg, durch die Holsteinische Schweiz (Eutin, Plön) an der Lübecker Bucht entlang und endet in Puttgarden auf Fehmarn. Die Route folgt den Spuren des Missionars Vicelin aus Hameln (1090-1154), der das Land vor rund 850 Jahren christianisiert hat. Der überwiegend asphaltierte Weg überschneidet sich auf einigen Abschnitten mit dem Ochsenweg und dem Ostseeküstenradweg. Auf der meist ebenen Strecke gibt es nur in der Holsteinischen Schweiz einige Steigungen.

Kirchliche Highlights an der Strecke

An der Route liegen rund 50 Kirchen, die einen guten Einblick in die schleswig-holsteinische Kirchengeschichte geben. Von Glückstadt mit einer schönen Altstadt und dem Hafen schlängelt sich der Mönchsweg entlang der Stör nach Itzehoe. Dort stehen Reste des 1256 gegründeten Zisterzienser-Klosters.

Klosterhof hinter der Laurentii-Kirche in Itzehoe © NDR Foto: Irene Altenmüller
Idylle im Stadtzentrum: der Klosterhof und die Kirche St. Laurentii in Itzehoe.

Nach der Reformation wurde das Kloster in einen Damenstift umgewandelt, das bis heute besteht. Sehenswert ist der gotische Kreuzgang, in der Mitte der Anlage lädt ein Teich zum Verweilen ein. An das Klostergelände schließt sich die St. Laurentii-Kirche an. Nach zweimaliger Zerstörung wurde das Gotteshaus 1718 im barocken Stil wieder aufgebaut. Die Orgel stammt von dem berühmten norddeutschen Orgelbauer Arp Schnittger - die Front ist im Original erhalten.

Ein Besuch in Kloster Nütschau

Eine Statue aus Stein steht vor dem Klostergebäude auf einem Sockel. © NDR Foto: Bruno Terenzi Neumann
In Kloster Nütschau leben seit 1961 Benediktiner-Mönche.

Bei Bad Segeberg lohnt sich ein Abstecher zu dem etwa 20 Kilometer südlich gelegenen Kloster Sankt Ansgar in Nütschau, dem einzigen noch aktiven Kloster am Mönchsweg. Das nördlichste deutsche Benediktiner-Kloster wurde erst 1951 in einem früheren Wasserschloss aus dem 16. Jahrhundert gegründet. Die Mönche bauten die Anlage aus und ergänzten sie unter anderem um eine Kirche. Die 17 Mönche und zwei Schwestern führen ihr Kloster als offenes Haus, bieten die Möglichkeit, den Klosteralltag auf Zeit kennenzulernen und organisieren zahlreiche Seminare. Pilger auf dem Mönchsweg sind auch für eine Nacht willkommen.

Mönchsweg trifft auf Jakobsweg

In Bad Bramstedt trifft der Mönchsweg auf einen der bekanntesten Pilgerwege, den Jakobsweg ins spanische Santiago de Compostela. Ein Bildnis am Altar der Maria-Magdalenen-Kirche zeigt den heiligen Jakobus mit einer Muschel, die zum Symbol vieler Pilgerwege wurde.

Das ehemalige Benediktinerkloster Cismar.  Foto: Imago/imagebroker
In den 80er-Jahren wurde die Klosteranlage in Cismar umfassend renoviert.

Gegen Ende der Radreise liegt in dem kleinen Ort Cismar nahe der Ostseeküste ein weiteres Klostergelände mit Kirche am Weg. Die Benediktinerabtei aus der Zeit um 1300 wurde zwar schon 1541 aufgelöst, das Gebäude im Stil der Backsteingotik ist aber bis heute ein Schmuckstück. Im Sommer finden dort Kunstausstellungen statt und im August lockt jährlich ein Klosterfest Zehntausende Besucher an.

Von Cismar verläuft die Strecke des Mönchswegs weiter über Oldenburg mit der Kirche St. Johannis und Heiligenhafen bis nach Puttgarden auf Fehmarn, wo sie endet. Wer noch weiterradeln möchte, setzt mit der Fähre ins dänische Rødby über und folgt dort dem Mönchsweg (Munkevejen) bis nach Roskilde.

Karte: Der Mönchsweg

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