Blick aus der Vogelperspektive auf das Gelände mit nachgebauten Wikingerhäusern von Haithabu. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Haithabu und Danewerk: Auf den Spuren der Wikinger

Stand: 30.06.2019 13:05 Uhr

Haithabu an der Schlei war im 10. Jahrhundert das größte Handelszentrum Nordeuropas. Dort lebten Wikinger als Handwerker und Kaufleute. Der Grenzwall Danewerk schützte den Ort.

Die frühere Wikingersiedlung Haithabu und der Grenzwall Danewerk in Schleswig-Holstein sind einzigartige Zeugnisse der Wikingerzeit und tragen seit 2018 den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. Haithabu liegt am Ende der Schlei, südlich der Stadt Schleswig, und war im 10. Jahrhundert das größte Handelszentrum Nordeuropas. Es wurde 1066 zerstört, der halbkreisförmige Wall, der die Stadt nach außen sichern sollte, ist noch heute gut zu erkennen.

Schutz und Kontrolle durch das Danewerk

Blick auf die Waldemarsmauer, die ein Teil der mittelalterlichen Verteidigungsanlage Danewerk ist. © dpa-Bildfunk Foto: Markus Scholz
Die 3,5 Kilometer lange Waldemarsmauer aus der Zeit um 1160 steht südlich der Gemeinde Dannewerk und ist gut erhalten.

Das Danewerk gilt als südlicher Schutzwall der Wikinger, die in Dänemark und Skandinavien lebten. Er soll sich von Windeby bei Eckernförde über Haithabu bis nach Hollingstedt erstreckt haben - gut 30 Kilometer. Das Danewerk ist streckenweise gut erhalten und besteht aus einem Erdwall, stellenweise kombiniert mit Steinmauern oder Holzpalisaden.

Erste Teile des Danewerks wurden bereits im 5. Jahrhundert gebaut - und später immer wieder erweitert. Der Wall diente den Wikingern auch dazu, Handelswege zu kontrollieren und hatte nur einen offiziellen Durchlass. Seit 1958 steht er unter Denkmalschutz. Im Ort Dannewerk dokumentiert ein Museum die Geschichte des Danewerks.

Haithabu - größtes Handelszentrum Nordeuropas

Die Wikinger, auch Nordmänner genannt, fuhren im 8. Jahrhundert nach Christus mit ihren schnellen, seetüchtigen Langschiffen bis nach Russland, England, Frankreich und sogar Amerika. Sie trieben Handel, waren aber auch als Krieger und Eroberer gefürchtet. Viele Wikinger ließen sich in den eroberten Gebieten nieder und lebten dort friedlich als Bauern oder Handwerker.

Ihre wichtigste Siedlung entstand in Haithabu an der Schlei - einem strategisch gut gewählten Ort. Der Meeresarm verband Haithabu mit der Ostsee, das Danewerk und der Fluss Treene führten nach Westen zur Nordsee. Außerdem trafen sich dort wichtige Fernhandelswege. In der Blütezeit im 10. Jahrhundert war Haithabu mit seinem Hafen das größte Handelszentrum Nordeuropas. Bis zu 2.000 Menschen lebten dort, hinzu kamen zahlreiche Besucher, vor allem teils weit gereiste Kaufleute.

Die Wikinger als Handwerker und Händler

Ausstellung mit Schaukästen und Erläuterungen über Geweihe im Wikinger-Museums Haithabu. © NDR Foto: Kathrin Weber
Die Wikinger waren geschickte Handwerker. Das Museum in Haithabu zeigt Beispiele.

Die Wikinger in Haithabu waren Händler und Handwerker, stellten unter anderem Tuche, Kämme und Werkzeug her. Außerdem beherrschten sie die Schmiedekunst. Funde zeigen, dass sie mit den einfachen Mitteln der damaligen Zeit Schmuck und begehrte Waffen fertigten. So gehörte ein Wikinger-Schwert zum Wertvollsten, was ein Mann besitzen konnte. Edle Stücke waren an Knauf und Parierstange mit Silber verziert, die Klingen gehärtet.

Die Schmuckstücke waren vielfältig: Neben Gewandnadeln wurden zum Beispiel Amulette in Form germanischer Thorshämmer und christlicher Kreuze gefertigt. Dies gilt als Indiz dafür, dass die Abnehmer auch aus anderen Kulturkreisen kamen und die heidnischen Wikinger geschäftstüchtig und tolerant waren.

Wikinger-Museum und rekonstruierte Siedlung

Drei der filigran gearbeiteten Goldanhänger eines mehr als 1000 Jahre alten Colliers aus Haithabu. © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske
Die Schmuckstücke mit Edelsteinen stammen von Ausgrabungen in Haithabu.

Die vielen Fundstücke, die Archäologen bisher rund um Haithabu entdeckt haben, sind im dortigen Wikinger-Museum zu sehen. Dazu gehören etwa Runensteine, Schmuck, Werkzeuge und ein Langboot. Im Freigelände des Museums wurden einige Häuser der Wikinger-Siedlung nachgebaut. Sie sollen zeigen, wie die Nordmänner einst gelebt haben. Insgesamt ist das historische Gelände in Haithabu 26 Hektar groß - davon sind bisher nur etwa fünf Prozent ausgegraben, im Bereich des Hafens sogar nur ein Prozent.

Auf Haithabu folgt Schleswig

Im Jahr 1066 endete die Geschichte von Haithabu mit einer Katastrophe. Schon mehrfach hatten Feinde die Stadt angegriffen und gebrandschatzt - der Handelsplatz verlor zunehmend an Bedeutung. Nun wurde Haithabu von slawischen Angreifern niedergebrannt und musste vollständig aufgegeben werden. Eine andere Siedlung, nur drei Kilometer entfernt, übernahm Haithabus Erbe: Schleswig. Die Wikinger gingen als Volk unter. Ihre Nachfahren leben in Island und Grönland, auf den Shetland-Inseln, in Russland, Skandinavien und auch in Schleswig-Holstein.

Karte: Haithabu und Teile des Danewerks

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.06.2019 | 19:30 Uhr

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