Stand: 02.07.2018 13:05 Uhr

Haithabu und Danewerk: Auf den Spuren der Wikinger

Die frühere Wikingersiedlung Haithabu und der Grenzwall Danewerk in Schleswig-Holstein sind einzigartige Zeugnisse der Wikingerzeit und tragen ab sofort den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. Das haben Vertreter der internationalen Organisation beschlossen. Haithabu liegt am Ende des Ostseefjordes Schlei, südlich der Stadt Schleswig, und war im 10. Jahrhundert das größte Handelszentrum Nordeuropas. Es wurde 1066 zerstört, der halbkreisförmige Wall, der die Stadt nach außen sichern sollte, ist noch heute gut zu erkennen.

Blick aus der Vogelperspektive auf das Gelände mit nachgebauten Wikingerhäusern von Haithabu. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Haithabu: Für die Wikinger das Tor zur Welt

Schleswig-Holstein Magazin -

Vor mehr als 1.000 Jahren gründeten die Wikinger mit Haitabu eine der ersten Städte Nordeuropas. Hier herrschte ein reger Handel. Für die Wikinger war Haitabu das Tor zur Welt.

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Schutz und Kontrolle durch das Danewerk

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Die 3,5 Kilometer lange Waldemarsmauer aus der Zeit um 1160 steht südlich der Gemeinde Dannewerk und ist gut erhalten.

Das Danewerk gilt als südlicher Schutzwall der Wikinger, die in Dänemark und Skandinavien lebten. Er soll sich von Windeby bei Eckernförde über Haithabu bis nach Hollingstedt erstreckt haben - gut 30 Kilometer. Das Danewerk ist streckenweise gut erhalten und besteht aus einem Erdwall, stellenweise kombiniert mit Steinmauern oder Holzpalisaden. Erste Teile des Danewerks wurden bereits im 5. Jahrhundert gebaut - und später immer wieder erweitert. Der Wall diente den Wikingern auch dazu, Handelswege zu kontrollieren und hatte nur einen offiziellen Durchlass. Seit 1958 steht er unter Denkmalschutz. Im Ort Dannewerk dokumentiert ein Museum die Geschichte des Danewerks.

Haithabu - größtes Handelszentrum Nordeuropas

Die Wikinger, auch Nordmänner genannt, fuhren im 8. Jahrhundert nach Christus mit ihren schnellen, seetüchtigen Langschiffen bis nach Russland, England, Frankreich und sogar Amerika. Sie trieben Handel, waren aber auch als Krieger und Eroberer gefürchtet. Viele Wikinger ließen sich in den eroberten Gebieten nieder und lebten dort friedlich als Bauern oder Handwerker.

Ihre wichtigste Siedlung entstand in Haithabu an der Schlei - einem strategisch gut gewählten Ort. Der Fjord verband Haithabu mit der Ostsee, das Danewerk und der Fluss Treene führten nach Westen zur Nordsee. Außerdem trafen sich dort wichtige Fernhandelswege. In der Blütezeit im 10. Jahrhundert war Haithabu das größte Handelszentrum Nordeuropas, Zentrum der Stadt war der Hafen. Ein halbkreisförmiger Wall sicherte die Stadt nach außen. Bis zu 2.000 Menschen lebten dort, hinzu kamen zahlreiche Besucher, vor allem teils weit gereiste Kaufleute.

Die Wikinger als Handwerker und Händler

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In Haithabu wurden sieben Wikinger-Häuser und ein Steg nach originalen Baubefunden rekonstruiert.

Die Wikinger in Haithabu waren Händler und Handwerker, stellten unter anderem Tuche, Kämme und Werkzeug her. Außerdem beherrschten sie die Schmiedekunst. Funde zeigen, dass sie mit den einfachen Mitteln der damaligen Zeit Schmuck und begehrte Waffen fertigten. So gehörte ein Wikinger-Schwert zum Wertvollsten, was ein Mann besitzen konnte. Edle Stücke waren an Knauf und Parierstange mit Silber verziert, die Klingen gehärtet. Die Schmuckstücke waren vielfältig: Neben Gewandnadeln wurden zum Beispiel Amulette in Form germanischer Thorshämmer und christlicher Kreuze gefertigt. Dies gilt als Indiz dafür, dass die Abnehmer auch aus anderen Kulturkreisen kamen und die heidnischen Wikinger geschäftstüchtig und tolerant waren.

Wikinger-Museum und rekonstruierte Siedlung

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Die Schmuckstücke mit Edelsteinen stammen von Ausgrabungen in Haithabu.

Die vielen Fundstücke, die Archäologen bisher rund um Haithabu entdeckt haben, sind im dortigen Wikinger-Museum zu sehen. Dazu gehören etwa Runensteine, Schmuck, Werkzeuge und ein Langboot. Im Freigelände des Museums wurden einige Häuser der Wikinger-Siedlung nachgebaut. Sie sollen zeigen, wie die Nordmänner einst gelebt haben. Insgesamt ist das historische Gelände in Haithabu 26 Hektar groß - davon sind bisher nur etwa fünf Prozent ausgegraben, im Bereich des Hafens sogar nur ein Prozent.

Auf Haithabu folgt Schleswig

Im Jahr 1066 endete die Geschichte von Haithabu mit einer Katastrophe. Schon mehrfach hatten Feinde die Stadt angegriffen und gebrandschatzt - der Handelsplatz verlor zunehmend an Bedeutung. Nun wurde Haithabu von slawischen Angreifern niedergebrannt und musste vollständig aufgegeben werden. Eine andere Siedlung, nur drei Kilometer entfernt, übernahm Haithabus Erbe: Schleswig. Die Wikinger gingen als Volk unter. Ihre Nachfahren leben in Island und Grönland, auf den Shetland-Inseln, in Russland, Skandinavien und auch in Schleswig-Holstein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 30.06.2018 | 06:00 Uhr

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