Stand: 23.04.2019 13:51 Uhr

Welterbe Wismar: Hafenflair und Backstein

Imposante Backsteinkirchen, schön restaurierte Giebelhäuser und ein geschäftiges Hafenviertel, in dem Ausflugsboote, Fischkutter und Jachten festmachen - so präsentiert sich die altehrwürdige Hansestadt Wismar ihren Besuchern. Seit 2002 gehört die Altstadt gemeinsam mit der Altstadt von Stralsund zum Welterbe der UNESCO.

Gullydeckel mit dem Wappen Wismars und dem Schriftzug Hansestadt Wismar. © NDR

Tietzer reist: Wismar - Hansestadt an der Ostsee

Mein Nachmittag -

Die altehrwürdige Stadt Wismar präsentiert sich ihren Besuchern mit besonderem Hafenflair und imposanten Backsteinkirchen. Reporter Sven Tietzer gibt Tipps für einen Besuch.

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Großer Marktplatz im Zentrum

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Von der Wasserkunst auf dem Wismarer Marktplatz schweift der Blick zum Turm der Marienkirche.

Im Stadtkern mit seinen zahlreichen schönen Bürgerhäusern liegt der quadratische Marktplatz, einer der größten in Norddeutschland. In seiner Mitte befindet sich die "Wasserkunst": Ein Brunnenbauwerk im Renaissancestil aus dem 17. Jahrhundert. Bis 1897 diente es der Trinkwasserversorgung der Stadt. Fast die gesamte Nordseite des Platzes nimmt das mächtige klassizistische Rathaus in Anspruch.

Wer den Platz am Rathaus vorbei in nordwestlicher Richtung verlässt, steht schon bald vor dem ersten Karstadt-Kaufhaus. Im Erdgeschoss des Stammhauses erinnert ein kleines Museum an den Gründer Rudolph Karstadt und die Anfangsjahre des Unternehmens im späten 19. Jahrhundert. Über die Straßen Hinter dem Rathaus, Altböterstraße und ABC-Straße geht es zum Schabbellhaus. In dem prächtigen Renaissancebau, der nach einem früheren Bürgermeister benannt und jahrelang restauriert wurde, ist das stadtgeschichtliche Museum untergebracht.

An der Grube durch die Altstadt

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Über dem Wasserlauf Grube liegt das sogenannte Gewölbe. Dort konnte das Wasser aufgestaut werden - etwa, um Brände zu löschen.

Beim Schabbellhaus verläuft die Mühlengrube, auch Runde Grube genannt. Sie ist einer der ältesten künstlichen Wasserläufe in einer deutschen Stadt und verbindet den Schweriner See mit der Ostsee. Im Mittelalter diente das Wasser der Grube zum Trinken, Waschen und Löschen und trieb zahlreiche Mühlräder an. Heute bietet sie Besuchern eine gute Orientierung und führt an vielen sehenswerten Gebäuden vorbei bis zum Hafen.

Auf der dem Schabbellhaus gegenüber liegenden Seite der Grube erhebt sich mit der Nikolaikirche eine der drei monumentalen gotischen Sakralbauten Wismars. Über die sogenannte Schweinsbrücke mit ihren kleinen, metallenen Schweineskulpturen gelangen Besucher an dieser Stelle über den Wasserlauf.

Gotische Pracht: Die Backsteinkirchen der Altstadt

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Die Georgenkirche wurde erst nach 1990 wiederaufgebaut. Sie war im Krieg stark beschädigt worden.

Neben St. Nikolai prägen der Turm der Marienkirche und die Kirche St. Georgen das Panorama der alten Hansestadt. Die Georgenkirche ist die größte und gleichzeitig die jüngste unter ihnen. Der im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichtete Bau erhebt sich hoch über die Dächer der Altstadt. Der Turm an der Westfassade ist unvollendet.

Im Zweiten Weltkrieg wurden St. Georgen und St. Marien weitgehend zerstört. Von der Marienkirche ist bis heute nur der Turm erhalten, St. Georgen wurde nach der Wende wiederaufgebaut. Heute dient die Kirche in den Sommermonaten als Spielstätte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Ein Aufzug führt auf den 36 Meter hohen Turm von St. Georgen zu einer Aussichtsplattform, die einen schönen Blick auf Stadt und Ostsee bietet.

Konzerte im früheren Hospital

Konzerte finden auch in der Heiligen-Geist-Kirche in der Lübschen Straße statt. Sie gehörte früher zu einem mittelalterlichen Hospital, das um 1250 gegründet wurde. Das lange Haus, auch Siechenhaus genannt, wurde 1411 erbaut. Der Durchgang zum Kirchenraum war während der Reformationszeit vollständig geöffnet, die Kranken sollten am Gottesdienst teilhaben dürfen. Auch als Herberge für Pilger und Obdachlose wurde der Kirchenraum genutzt.

In zwei mittelalterlichen Giebelhäusern in der Nähe (Lübsche Straße 23) befindet sich das Welt-Erbe-Haus. Im Inneren informiert eine Ausstellung über Wismars Geschichte und den Weg der Hansestadt zum Welterbe. Sehenswert ist auch das sogenannte Tapetenzimmer mit wertvollen Papierdrucken aus dem Jahr 1823, die Szenen aus der griechischen Mythologie zeigen.

Spuren der Schwedenzeit

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Die Schwedenköpfe sind barocke Herkulesbüsten. Sie standen im 17. Jahrhundert in der Hafeneinfahrt.

Von 1648 bis 1803 gehörte Wismar zum schwedischen Königreich. In dieser Zeit wurde die Stadt zu einer der größten Seefestungen Nordeuropas ausgebaut. An die Schwedenherrschaft erinnern heute noch die hölzernen "Schwedenköpfe" vor dem Baumhaus im Alten Hafen. Sie sind originalgetreue Kopien der Köpfe aus dem 17. Jahrhundert, die einst auf Dalben in der Hafeneinfahrt standen. Das Baumhaus selbst war Sitz der sogenannten Bohmschlüter. Sie bewachten die Hafeneinfahrt, die nachts mit einem quergelegten Baumstamm abgesperrt wurde.

Streifzug durch Wismar

Hafen, Hansekogge und Heringstage

Zur Hansezeit wurden im Alten Hafen Salz, Getreide, Wolle, Fische und vieles mehr umgeschlagen. Bis heute hat sich die Form des historischen Hafens nicht verändert, allerdings ist er nicht mehr von wirtschaftlicher Bedeutung, sondern ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen.

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Die Kogge "Wissemara" an ihrem Liegeplatz im Alten Hafen.

Wer Glück hat, trifft bei einem Besuch im Alten Hafen auf die Kogge "Wissemara". Wenn sie nicht gerade unterwegs ist, macht sie dort fest. Das Schiff ist ein fast originalgetreuer Nachbau der sogenannten Poeler Kogge aus dem 14. Jahrhundert, einem Schiffswrack, das 1997 vor der Insel Poel entdeckt wurde. Der Verein Poeler Kogge bietet regelmäßig Mitsegeltörns auf die Ostsee an (Telefon 03841/30 43 10).

Ein Fest für den Hering

Kurz vor Ostern feiert die Stadt alljährlich ihre Heringstage. Dann wird der frische Hering im Alten Hafen angelandet. Von dort bringen ihn Köche mit musikalischer Begleitung zum Marktplatz, wo er, verschiedenartig zubereitet, probiert werden kann. Im Juni steht dann beim viertägigen Hafenfest der Alte Hafen selbst im Mittelpunkt - mit Live-Musik, Fahrgeschäften und abendlichem Feuerwerk.

Erlebnismuseum Phantechnikum

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Nicht nur für Kinder ein Spaß: Eine Fahrt im Propellerkarussel des Phantechnikkums.

Etwas außerhalb der Innenstadt in einem umgebauten Kasernenkomplex befindet sich das Erlebnismuseum Phantechnikum. Besucher können dort zahlreiche Modelle und Originale aus der Technikgeschichte bestaunen, darunter das Modell eines Jagdfliegers, einen riesigen Schiffsmotor und eine mehr als 100 Jahre alte Dampfmaschine. Außerdem können sie in einem Strömungskanal, einem Propellerkarussell, an einem virtuellen Schweißtrainer und etlichen weiteren Erlebnisstationen naturwissenschaftliche und technische Phänomene hautnah selbst erleben.

Radfahren an der Küste

Durch Wismar verläuft der Ostseeküstenradweg, der - einige Kilometer von der Küste entfernt - nach Rerik und Kühlungsborn und von dort aus immer entlang der Küste bis nach Warnemünde führt. Von dort empfiehlt sich für die Weiterfahrt nach Rostock die S-Bahn oder das Schiff (Dauer eine Stunde), da es keine attraktive Radroute in die Stadt gibt.

Ausflugsziele Poel und Rerik

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Lohnenswert ist von Wismar aus ein Ausflug auf die Insel Poel, die man entweder mit der Fähre oder von Groß Strömkendorf aus über einen Damm erreicht. Sie ist besonders bei Naturliebhabern wegen ihrer reichen Tier- und Pflanzenwelt und der naturbelassenen Strände beliebt. Die Insel lässt sich bestens per Fahrrad erkunden. Eine 20 Kilometer lange Strecke führt einmal um die Insel und bietet dabei immer einen freien Blick aufs Wasser.

Nordöstlich von Wismar - zwischen Ostsee und Salzhaff - liegt das kleine Ostseebad Rerik. Seine Lage zwischen Ostsee und dem flachen Salzhaff macht den Ort zu einem idealen Urlaubsziel sowohl für Badeurlauber als auch für Segler und Surfer.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 26.04.2019 | 18:30 Uhr

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