Stand: 08.10.2018 16:45 Uhr

Kunst und Kultur in Güstrow erleben

Bild vergrößern
Das Rathaus beeindruckt mit einer prächtigen klassizistischen Fassade.

Im Laufe der Jahrhunderte hat Güstrow zahlreiche Beinamen erhalten: Residenzstadt, Paris des Nordens oder Barlachstadt. Sie alle weisen auf die fast 800-jährige wechselvolle Geschichte und die kulturhistorische Bedeutung der Stadt hin. Wallenstein, Zar Peter I., August der Starke, Ernst Barlach - sie alle hinterließen ihre Spuren in Güstrow im Herzen Mecklenburgs.

Mittelalterliches Stadtbild

Bild vergrößern
In Güstrow finden Besucher Gebäude aus mehreren Jahrhunderten.

Kriege haben Güstrow verschont, zumindest aus architektonischer Sicht. So blieb die mittelalterliche Stadtstruktur bis in die Gegenwart erhalten. Wer sich einen Überblick über die Altstadt verschaffen will, kann auf den Turm der Pfarrkirche steigen. Von dort aus zeigt sich ein geschlossenes Bild von Häusergiebeln aus Backsteingotik, Renaissance und Klassizismus.

Hohe Baukunst: Das Güstrower Schloss

Weitere Informationen

Schloss Güstrow: Renaissance in Mecklenburg

Residenz der Herzöge, Lazarett, Altenheim und heute Museum: Schloss Güstrow diente vielen Zwecken. mehr

Einer der bedeutendsten Bauten der 30.000-Einwohner-Stadt ist das Renaissance-Schloss. Herzog Ulrich von Mecklenburg ließ den wahrhaft fürstlichen Prunkbau 1558 als seinen Regierungssitz errichten. Das Schloss kombiniert mitteleuropäische Architektur mit italienischen und französischen Stilelementen. Das Schlossmuseum zeigt unter anderem eine bedeutende Mittelaltersammlung, Kunst- und Kunsthandwerk der Renaissance sowie Glaskunstwerke von der Antike bis zur Gegenwart. Die geometrisch angelegte Gartenanlage rund um das Schloss mit Lavendelbeeten und Wassergräben geht noch auf Ideen des ersten Hofarchitekten zurück.

Mit dem Nachtwächter auf Wallensteins Spuren

Eine eigene Abteilung des Museums würdigt die einjährige Regentschaft Albrecht von Wallensteins in Güstrow während des Dreißigjährigen Krieges. Wallenstein, der die Truppen, mit denen er den Kaiser unterstützte, selbst vorfinanziert hatte, besiegte 1626 Dänenkönig Christian IV. Als Lohn bekam er das Land Mecklenburg mit Güstrow. Auf Wallensteins Spuren ziehen heute regelmäßig Nachtwächter und Touristen durch das abendliche Güstrow - vorbei am sehenswerten Rathaus, dessen Fassade 1798 vor vier bestehende Häuser gesetzt wurde, in die noch typisch mittelalterlich strukturierten Gassen.

Nicht nur zur Weihnachtszeit lohnt zudem ein Besuch im Norddeutschen Krippenmuseum. Es befindet sich in der Heilig-Geist-Kirche, einem schönen mittelalterlichen Backsteinbau. Die Ausstellung zeigt rund 100 Krippen aus aller Welt und aus unterschiedlichsten Materialien Neben einer winzigen Krippe in einer Nuss-Schale zählt auch ein Exemplar aus Stroh und eins aus böhmischen Glas dazu. Wieder andere wurden in Muscheln oder Buddelschiffe hineingebaut. Insgesamt besitzt das Museum rund 600 Krippen, von denen aber jedes Jahr nur ein Teil gezeigt wird. 

Der Dom und seine Schätze

Sehenswert ist auch der mittelalterliche Dom im Stil der Backsteingotik. Langjährige Restaurierungsarbeiten wurden im Oktober 2018 abgeschlossen. Eine Besonderheit ist die hölzerne Zwischenebene, die im Rahmen der Arbeiten über den Sitzbänken eingezogen wurde. Sie ermöglicht es Besuchern, den Innenraum der Kirche aus einer neuen Perspektive zu bestaunen. Mehrere bedeutende Kunstwerke aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit sind im Dom zu sehen. Außerdem hängt dort die wohl bekannteste Bronzefigur des Expressionisten Ernst Barlach, der Schwebende Engel. Es ist allerdings ein Nachguss, da die Nationalsozialisten das Original eingeschmolzen hatten. Zwei weitere Barlach-Werke, "Der Gekreuzigte" sowie das Terrakotta-Relief "Der Apostel" gehören ebenfalls zu den Kunstschätzen im Dom.

Wo Ernst Barlach wohnte und arbeitete

Bild vergrößern
Barlachs Atelierhaus ist seit 1978 ein Museum und zeigt Arbeiten des Künstlers.

Von 1910 bis 1938 wohnte und arbeitete der Bildhauer in der Stadt, zuletzt am Güstrower Inselsee. Ein Spaziergang von der Stadtmitte zu Barlachs Atelierhaus dauert etwa 40 Minuten. Dort steht auch das Ausstellungsforum der Ernst Barlach Stiftung mit einem großen Bestand an Arbeiten und Skizzen des Künstlers, den die Stadt posthum zum Ehrenbürger ernannte.

Baden und wandern am Inselsee

Bild vergrößern
An vielen Stellen umgibt ein dichter Schilf- und Waldgürtel den See.

Der Inselsee ist nicht nur für Kulturinteressierte ein lohnendes Ziel: Im Sommer lockt er mit Badestränden und Wassersportmöglichkeiten. Besucher können auch Bootstouren auf einem Kutter unternehmen. Die im See gelegene Schöninsel ist über eine Holzbrücke mit dem Ufer verbunden. Auf der Insel residierte Wallenstein während seiner kurzen Herrschaft, heute ist sie Naturschutzgebiet. Besucher können die Schöninsel auf einem Rundwanderweg erkunden, ein Aussichtsturm bietet einen Blick über das Wasser.

Wölfe und Bären im Wildpark beobachten

Bild vergrößern
Die Braunbären gehören zu den Publikumslieblingen des Wildparks.

Naturfreunden hat Güstrow ebenfalls einiges zu bieten. Ein gut ausgebautes Reit- und Wanderwegenetz lädt zu Erkundungstouren in die nähere Umgebung ein. Doch auch unmittelbar am Stadtkern lassen sich manchmal Falken und Störche, Eisvögel und Wasseramseln beobachten. Wer größere Wildtiere treffen möchte, ist im Wildpark-MV richtig, dem früheren Natur- und Umweltpark. Dort leben unter anderem Wölfe, Wildschweine, Waschbären und Braunbären. In einem großen Natur-Aquarium schwimmen mehr als 15 heimische Fischarten.

Karte: Güstrow und Umgebung
Weitere Informationen

Zu Besuch in Güstrows Raubtier-WG

So nah wie im Wildpark-MV kommen Menschen heimischen Wildtieren in der Natur kaum. Attraktion des Parks ist die Raubtier-WG mit Braunbären, Wölfen und Luchsen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 22.12.2018 | 18:00 Uhr

Urlaubsregionen im Norden

Mehr Ratgeber

29:31
Sass: So isst der Norden

Grünkohlgerichte aus Bremen

Sass: So isst der Norden
02:17
Hamburg Journal