Stand: 06.02.2020 12:16 Uhr  | Archiv

Dömitz - eine Stadt, die verbindet

Lange Eisenbahnbrücke über einem vom Regen getränkten Feld © NDR Foto: Rüdiger Diehn aus Neuleben
Von der ehemaligen Eisenbahnbrücke steht nur noch ein Teil am Ufer.

Dömitz - der Name steht für Teilung und Wiedervereinigung. Es sind vor allem zwei Brücken über die Elbe, die die Stadt im Südwesten Mecklenburgs bekannt gemacht haben. Bereits 1873 wurde eine Eisenbahnbrücke eingeweiht, mit 20 Pfeilern und einer Länge von 1.050 Metern ein gewaltiges Bauwerk. 1936 folgte eine Straßenverbindung, zwölf Meter hoch, 154 Meter Spannweite - damals eine der größten Brücken Deutschlands. Den Zweiten Weltkrieg überstanden beide Bauwerke nicht. Bombenangriffe in den letzten Kriegstagen zerstörten sie.

Elbbrücke verbindet Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen

Elbbrücke bei Dömitz © Axel Franz Foto: Axel Franz
Die moderne Brücke überspannt nicht nur den Fluss, sondern auch die angrenzende Elbtalaue.

Erst nach der Wiedervereinigung wurde die Straßenbrücke neu aufgebaut und 1992 eröffnet. Die blaue Stahlkonstruktion gilt nun als Symbol der überwundenen Teilung Deutschlands. Als wichtiger Verkehrsweg über die Elbe verbindet sie Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Von der ehemaligen Eisenbahnbrücke steht nur noch eine Ruine am westlichen Ufer. Sie wurde bereits teilweise saniert und soll zukünftig Touristen zugänglich gemacht werden, Machbarkeit und Finanzierung sind allerdings noch offen.

Eine Festung im Renaissance-Stil

Luftaufnahme der Dömitzer Festung © NDR Foto: Andreas Vones aus Dersau
Die mittelalterliche Festung ist gut erhalten und lohnt einen Besuch.

Das Wahrzeichen der mehr als 775 Jahre alten Stadt Dömitz ist eine gut erhaltene Festung. Sie zählt zu den bedeutendsten Flachlandfestungen Nordeuropas. Herzog Albrecht I. von Mecklenburg ließ die ehemalige Burg im 16. Jahrhundert von dem italienischen Baumeister Francesco a Bornau aus Brescia zu der fünfeckigen Festung ausbauen. Bastionen, Wassergraben, Wälle und Kasemattengewölbe zeigen die Wehrarchitektur der Renaissance. Noch heute füllt sich der Graben mit Wasser, wenn der Pegel der nahen Elbe ansteigt.

Der berühmte Häftling Fritz Reuter

Zugbrücke und Eingang der Festung Dömitz © Marina Möller Foto: Marina Möller
Die Festung ist von einem Wassergraben umgeben und über eine Zugbrücke zu erreichen.

Im 18. und 19. Jahrhundert diente der Bau mit seinen dicken Mauern vor allem als Zuchthaus. Der niederdeutsche Dichter Fritz Reuter musste dort 1839/40 das letzte von sieben Jahren Haft verbringen - die Strafe für seine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft. Seine Erlebnisse und Eindrücke in Haft verarbeitete Reuter in dem autobiografischen Roman "Ut mine Festungstid" und machte Dömitz damit weit über Mecklenburgs Grenzen hinaus bekannt.

Seit 1975 steht die Festungsanlage unter Denkmalschutz. Der Komplex beherbergt auch mehrere Ausstellungen, unter anderem zur Geschichte der Stadt und der Region, über Fritz Reuter sowie ein Informationszentrum des UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe.

Fachwerk und eine neugotische Kirche

Johanneskirche in Dömitz © Axel Franz Foto: Axel Franz
Die Kirche mit dem 50 Meter hohen Turm wurde 1872 eingeweiht.

Die lange Geschichte der Stadt zeigt sich auch im historischen Zentrum mit vielen Fachwerkhäusern. Sie stammen, wie das zweigeschossige Rathaus aus dem Jahr 1820, überwiegend aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1809. Eines der wenigen Backstein-Gebäude ist die neugotische Johanneskirche. Ihr Turm überragt alle anderen Gebäude.

Touren für Radler und Freizeitkapitäne

Zahlreiche Besucher kommen mit dem Fahrrad auf dem Elberadweg nach Dömitz. Wassersportler erreichen die Stadt auf der Elbe oder der Müritz-Elde-Wasserstraße, die bis nach Schwerin und in die Mecklenburgische Seenplatte führt. Im Elbhafen sowie oberhalb der Schleuse an der Elde gibt es Liegeplätze, Gaststätten und Versorgungsmöglichkeiten. Wer kein eigenes Boot besitzt, kann sich Kanus ausleihen oder eine Rundfahrt mit einem Passagierschiff unternehmen.

Binnendünen im Elbtal bei Klein Schmöllen © Marina Möller Foto: Marina Möller
Die Dünen mit ihrer speziellen Vegetation stehen unter Naturschutz.

Ein interessanter Ausflug führt nach Klein Schmölen, südlich von Dömitz. Dort haben sich vor etwa 12.000 Jahren Binnendünen gebildet, gut 40 Meter hoch und zwei Kilometer lang. Von der Wanderdüne aus bietet sich Besuchern ein weiter Blick über den Naturpark Mecklenburgisches Elbetal und die Stadt.

Karte: Sehenswertes in Dömitz und Umgebung

Weitere Informationen
Eine grüne Flusslandschaft © ndr.de Foto: Heinz Galling

Elbtalauen: Ausflüge ins Biosphärenreservat

Fischotter, Biber, Störche und seltene Pflanzen: Die Flusslandschaft Elbe besticht durch ihren Artenreichtum. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordmagazin | 05.02.2020 | 19:30 Uhr

Radfahrer entspannt im Gras neben einem Baum © Fotolia.com Foto: Dudarev Mikhai

Ausflugstipps: Entdecke den Norden

Radtour, Wanderung oder ein Tag am Strand: Der Norden bietet viele Ziele. Einfach Wunschkriterien auswählen und Tipps bekommen. mehr

In einem Klassenraum stehen die Stühle auf den Tischen. © imago images / stpp

So geht der Norden 2021/22 in die Schulferien

Die Ferientermine der norddeutschen Bundesländer auf einen Blick. mehr

Urlaubsregionen im Norden