Stand: 10.01.2020 14:33 Uhr

Der Brocken: Sagenumwobener Berg im Harz

Schnee liegt auf dem Brocken. © NDR Foto: Matthias Strauß
Zur DDR-Zeit war das Brocken-Plateau militärisches Sperrgebiet, heute ist es beliebtes Ausflugsziel.

Der Brocken im Harz ist mit 1.141 Metern der höchste Berg in Norddeutschland. Auf dem nahezu baumfreien, sagenumwobenen Gipfel sollen angeblich Hexen, der Teufel und Gespenster ihr Unwesen treiben. Im Volksmund wird er auch Blocksberg genannt. Seit langem ist der Brocken ein beliebtes Wanderziel, schon Goethe bestieg ihn vier Mal und setzte dem Berg mit der Walpurgisnacht-Szene in "Faust I" ein literarisches Denkmal. Heute stehen auf dem flachen Brocken-Plateau mehrere Gebäude und ein 123 Meter hoher Funkturm, der kilometerweit zu sehen ist und die Silhouette des Berges prägt.

Der Brocken: Sperrzone während der deutschen Teilung

Schon 1736 errichtete der damalige Besitzer, Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode, auf dem Brocken eine kleine Schutzhütte aus Stein für Wanderer, das heute noch existierende "Wolkenhäuschen". Im Sommer 1800 eröffnete das erste Gasthaus, das später mehrfach erneuert und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Während der deutsch-deutschen Teilung lag der Berg im Grenzgebiet der DDR und war als militärische Sperrzone bis 1989 für Zivilisten nicht zugänglich.

Jüngere Geschichte
Menschen stehen am 3. Dezember 1989 vor dem Brockenplateau und warten darauf, dass der Grenzzaun fällt. © NDR Foto: Hansjörg Hörseljau

Der Mauerfall auf dem Brocken

Nach dem Mauerfall warten die Menschen im Harz darauf, den Brocken zu besteigen. Am 3. Dezember 1989 wird das Tor zum Plateau geöffnet. Video

Umgestaltung des Plateaus nach der Wende

Nach der Wiedervereinigung wurde das Plateau renaturiert. Unter anderem wurden der Brockengarten mit rund 1.500 Hochgebirgspflanzen aus aller Welt wie Enzian und Edelweiß wieder eröffnet und das Brockenhaus neu gestaltet. Das Nationalpark-Besucherzentrum ist ganzjährig geöffnet und beherbergt neben einem Café eine Ausstellung über die Geschichte und die Magie des Berges. Außerdem geht es um die Pflanzenwelt, das Wetter und die Spuren des Klimawandels. Daneben steht das Brockenhotel mit der höchst gelegenen Gaststätte in Norddeutschland und einer markanten Kuppel auf dem Dach eines Turms mit Aussichtsplattform.

Extreme Klimabedingungen auf dem Brocken

Wanderer kämpfen auf dem Brocken im Harz mit stürmischen Böen. © dpa-Bildfunk
Keine Seltenheit: Wanderer kämpfen auf dem Brocken mit stürmischen Böen.

Die Region über 700 Metern Höhe wird als Hochharz bezeichnet und unterscheidet sich klimatisch deutlich vom umliegenden Oberharz. Tiefe Temperaturen, hohe Niederschlagsmengen und starke Winde sind charakteristisch für den Hochharz. Wegen seiner freien, ungeschützten Lage - die umliegenden Berge sind rund 200 Meter niedriger - wachsen auf dem Brockengipfel keine Bäume. Dort herrschen extreme Klimabedingungen, die denen auf Island ähneln. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt nur 2,9 Grad, an mehr als 300 Tagen im Jahr steckt der Gipfel zumindest zeitweise im Nebel. Seit mehr als 120 Jahren befindet sich dort eine Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes in einem etwas abseits stehenden Turm.

Wanderwege zum Gipfel

Mehrere Wanderwege führen auf den Brocken. Einer ist der zwölf Kilometer lange (eine Richtung) Heinrich-Heine-Weg. Er beginnt auf dem Marktplatz von Ilsenburg und führt in rund vier Stunden teils steil hinauf zum Gipfel. Auch auf den Spuren Goethes lässt sich der Brocken erkunden. Vom Altenauer Ortsteil Torfhaus aus können Wanderer als eine der kürzesten Routen den Gipfel über den Goetheweg erklimmen. Hin- und Rückweg sind zusammen 16 Kilometer lang, die Tour dauert etwa sechs Stunden. Als besonders anspruchsvoll gilt die Brockenbesteigung über den Teufelsstieg. Er führt von zwei Seiten auf und über den Berg: Entweder von Bad Harzburg oder von dem kleinen Ort Elend. Beide Strecken sind etwa 13 Kilometer lang.

An schönen Tagen mit Sonne und klarer Luft wird die Wanderung auf den Berg mit einer atemberaubenden Fernsicht von bis zu 180 Kilometern belohnt. Oft ist es auf dem Brocken jedoch wolkig und stürmisch und in den Wintermonaten liegt teils meterhoch Schnee. Wer den Berg besteigt, sollte deshalb auf jeden Fall die passende Kleidung dabei haben. Oft ist es auf dem Gipfel empfindlich kalt, an 85 Tagen im Jahr liegt die Temperatur unter null Grad.

Mit der Dampflok auf den Berg

Die Brockenbahn fährt durch eine verschneite Landschaft. © NDR Foto: Matthias Strauß
Ob Sommer oder Winter: Die Brockenbahn schnauft täglich zum Gipfel.

Eine romantische und bequeme Art, den Berggipfel zu erreichen, ist eine Fahrt mit der Brockenbahn. Die alten Dampfloks und Personenwagen bringen Touristen mit der Kraft von 700 PS und 3,5 Tonnen Kohle auf den Berg. Im Winter bietet der Blick aus dem Fenster auf die dick verschneite Landschaft ein besonders idyllisches Bild. Die Harzer Schmalspurbahn startet mehrmals täglich von Wernigerode aus Richtung Brocken. Die Fahrt dauert gut eineinhalb Stunden und führt durch den waldreichen Ostteil des Nationalparks Harz mit dem Quellgebiet der Bode. Private Fahrzeuge dürfen nicht auf den Brocken fahren, obwohl eine Straße aus Richtung Schierke existiert.

Die Hexe als Symbol des Harzes

Die Hexe ist noch heute eine Harzer Symbolfigur und ein beliebter Souvenirartikel. Jedes Jahr versammeln sich am Abend des 30. April in Thale wie auch in anderen Harz-Orten zahlreiche "echte" Hexen, um mit einem großen Show- und Musikprogramm die Walpurgisnacht zu feiern. Der Wanderweg Harzer Hexenstieg führt von West bis Ost rund 100 Kilometer durch das Mittelgebirge.

Karte: Wanderwege auf den Brocken (grober Verlauf)

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 10.01.2020 | 16:20 Uhr

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