Blick auf beleuchtete Gebäude der Speicherstadt und ein Fleet bei Nacht. © HHLA Foto: Thies Rätzke

Hamburgs Speicherstadt entdecken

Stand: 02.06.2022 15:50 Uhr

Der riesige Lagerhauskomplex der Hamburger Speicherstadt gehört zum UNESCO-Welterbe. Hinter den Backsteinfassaden locken zahlreiche Freizeitangebote - vom Kaffeemuseum bis zur Modelleisenbahn.

Brücken, Kanäle und imposante Backsteingebäude, die sich im Wasser spiegeln: Im nordöstlichen Teil des Hamburger Hafens, zwischen Deichtorhallen und Baumwall, liegt ein architektonisch und historisch besonders interessantes Viertel: die Speicherstadt. Der weltgrößte zusammenhängende Lagerhauskomplex entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Charakteristisch sind die wilhelminische Backsteinarchitektur der Gründerzeit mit schönen Giebeln, Erkern und Türmen sowie die vielen Fleete und Brücken zwischen den historischen Speichergebäuden.

Unterwegs auf dem Wasser

Blick auf die Hamburger Katharinenkirche und die Speicherstadt sowie ein Fleet. © imago images Foto: Jürgen Ritter
Gegenüber der Speicherstadt liegt die Hauptkirche St. Katharinen. Sie ist traditionell die Kirche der Kaufleute.

Um einen Eindruck zu bekommen, empfiehlt es sich, die Speicherstadt vom Wasser aus zu erkunden. Die Barkassen-Törns starten am Vorsetzen und fahren unter anderem durch das enge Kehrwiederfleet. Von dort fällt der Blick auf die alten Bauten, auf deren Speicherböden früher empfindliche Güter wie Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Tabak lagerten. Heute befindet sich in der Speicherstadt das größte Orientteppichlager der Welt - es nimmt 20 Prozent der Gesamtfläche der Speicherstadt ein. Außerdem haben sich viele Kreative, Museen und gastronomische Betriebe in den schönen alten Gebäuden eingemietet.

Vom Arbeiter-Wohnviertel zur Freihandelszone

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Sandtorhafen, etwa 1889: Seeschiffe liegen umringt von kleineren Schuten an der Kaimauer, dahinter die gerade errichtete Speicherstadt. © Hamburger Hafen und Logistik AG

Speicherstadt: Ein Wohnviertel wird Warenlager

Ein bautechnisches Meisterwerk auf Eichenpfählen: Am 29. Oktober 1888 weiht Wilhelm II. die Hamburger Speicherstadt ein. Tausende Wohnungen mussten den Lagerhäusern weichen. mehr

Vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhundert war das Gebiet zwischen Zollkanal und Sandtorhafen ein Wohnviertel für Hafenarbeiter und Handwerker. Sie wurden zwangsumgesiedelt, als dort 1885 der Bau eines neuen Lagerhauskomplexes begann. Hintergrund für diese Maßnahme: Die Hamburgische Bürgerschaft hatte beschlossen, sich dem Zollgebiet des Deutschen Reiches anzuschließen und musste als Konsequenz die Zollfreiheit, die bis dahin für das gesamte Stadtgebiet gegolten hatte, aufgeben. Lediglich das Freihafengebiet blieb zollfrei. Deshalb sollten dort Lagerhäuser entstehen.

1888 wurde die Speicherstadt eingeweiht und in den Folgejahren bis 1927 weiter ausgebaut. Heute steht sie unter Denkmalschutz und zählt seit Juli 2015 zusammen mit dem nahe gelegenen Kontorhausviertel zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Speicherstadt- und Zollmuseum

Nicht nur ihre außergewöhnliche Architektur macht die Speicherstadt zu einer Touristenattraktion, sondern auch die Ausstellungen, Restaurants, Cafés und Museen. Das Speicherstadtmuseum informiert umfassend über die Entstehung der Gebäude, ihre Nutzung als Lager für edle Güter und den Handel mit Kaffee und Tee. Im ehemaligen Zollamt Kornhausbrücke ist das Deutsche Zollmuseum untergebracht, es widmet sich der Arbeit des Zolls vom Altertum bis in die Gegenwart. Heute gehören Tätigkeitsfelder wie Artenschutz und Produktpiraterie dazu.

Museen für Kaffee und Gewürze

Ausstellung im Speicherstadtmuseum Hamburg. © SHMH Foto: Sinje Hasheider
Das Speicherstadtmuseum zeigt unter anderem, wie in vergangener Zeit Waren im Hafen umgeschlagen wurden.

Im Kaffeemuseum Burg erfahren Besucher alles über die Welt der Kaffeebohne und können unter anderem einen historischen Trommelröster aus dem Jahre 1925 in Betrieb sehen. Wer Gewürze mag, und diese nicht nur riechen, sondern auch in einem Original-Speicher sehen und anfassen möchte, sollte das Gewürz-Museum "Spicy's" besuchen. Etwas Besonderes ist die Ausstellung "Dialog im Dunkeln": Der lichtlose Parcours lässt die Besucher in die Welt von Blinden eintauchen, sie müssen sich im Rahmen einer Führung nur durch Tasten, Fühlen, Hören und Schmecken zurechtfinden.

"Miniatur Wunderland" und "Dungeon"

Zwei der wichtigsten Attraktionen der Speicherstadt, zumindest was die Besucherzahlen angeht, liegen in den Gebäuden Kehrwieder 2 und 4: das Gruselkabinett "Dungeon" und das benachbarte "Miniatur Wunderland". Während das "Dungeon" dunkle Ereignisse der Hamburger Geschichte in schaurigen Shows und Geisterbahnfahrten nachstellt, zeigt die größte Modelleisenbahn-Anlage der Welt Städte, Regionen und Länder im Kleinformat. Mehr als eine Million Besucher kommen jährlich dorthin, um Züge, selbst fahrende Feuerwehrautos und die Alpen, Italien, Rio de Janeiro oder Hamburg en miniature zu bestaunen.

Wer sich für Schifffahrt interessiert, sollte einen Abstecher in die angrenzende Hafencity machen. Dort präsentiert das Internationale Maritime Museum in einem denkmalgeschützten Speichergebäude von 1878 rund 40.000 Schiffsmodelle, 5.000 Gemälde und Tausende weiterer maritimer Gegenstände.

Illuminierte Speicherstadt

Besonders stimmungsvoll ist ein Besuch der Speicherstadt am späten Abend, wenn nicht mehr viele Menschen dort unterwegs sind: Viele Brücken und Gebäude sind dann - im Rahmen eines ausgefeilten Lichtkonzeptes beleuchtet und die Atmosphäre ist einzigartig.

Karte: Die Speicherstadt

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