Stand: 26.02.2020 13:09 Uhr

Museum zeigt Noldes kleinformatige Bilder

Außenansicht des Nolde Museums Seebüll in Neukirchen. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder/dpa
Das Haus von Emil Nolde in Seebüll stammt aus der Zeit um 1930.

1927 zieht der expressionistische Maler Emil Nolde (1867-1956) mit seiner Frau Ada nach Seebüll, einem Teil der kleinen Gemeinde Neukirchen nahe der dänischen Grenze. Dort, im heutigen Nordfriesland, erwirbt er eine Warft und lässt darauf - im bewussten Kontrast zur traditionellen Architektur der Region - nach eigenen Entwürfen ein modernes Wohnhaus mit Atelier errichten. Zahlreiche seiner Werke, wie auch die sogenannten ungemalten Bilder, entstehen dort. Der Künstler schafft sie, obwohl ihm die Nationalsozialisten verboten hatten, sich künstlerisch zu betätigen. Obwohl er als "entarteter Künstler" gilt, bleibt Nolde NS-Parteimitglied und überzeugter Nationalsozialist. Nach Noldes Tod 1956 wird Seebüll gemäß seinem Wunsch Teil einer Stiftung und steht seitdem Besuchern als Museum offen.

Jahresausstellung "Der Zauber des kleinen Formats"

In jeder Saison präsentiert die Nolde-Stiftung in Seebüll eine neue Ausstellung mit Werken des Künstlers. 2020 heißt das Thema "Der Zauber des kleinen Formats". Die 185 gezeigten Exponate stammen aus vielen Schaffensperioden Noldes und repräsentieren alle Motivwelten wie Menschen, Meere, Landschaften und Blumen. "Die kleinformatigen Ölbilder haben eher einen privaten Charakter gehabt", so Stiftungsdirektor Christian Ring. Einige Werke sind Fragmente größerer Bilder, die Nolde zerschnitten hatte, weil er mit der Wirkung nicht zufrieden war.

Ausstellung erstmals im Besucherforum

Da das einstige Wohn- und Atelierhaus Noldes derzeit denkmalgerecht saniert wird, findet die 64. Jahresausstellung erstmals im modernen Besucherforum des Museums statt. Um die kleinformatigen Ölbilder zur Geltung kommen zu lassen, wurden im Obergeschoss Räume umgestaltet. Im historischen Bildersaal könnten sie nicht gehängt werden, sagte Ring.

Biografie und Werk unter einem Dach

Nolde Museum Seebüll

Seebüll 31
25927 Neukirchen
Tel. (04664) 98 39 30

Öffnungszeiten
1. März bis 1. November
täglich 10-18 Uhr

Eintritt
Erwachsene: 6 Euro
Schüler ab 13 Jahren, Studenten: 3 Euro

Das Museum besteht aus mehreren Teilen: dem historischen Noldehaus, dem Staudengarten sowie einem modernen Gebäude, das eine biografische Ausstellung zu Noldes Leben zeigt. Im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers gibt es drei verschiedene Bereiche. Im Erdgeschoss, wo früher Noldes Atelier lag, finden Besucher heute die religiösen Bilder des Künstlers. Außerdem blieben Wohnräume mit den Möbeln des Paares erhalten. Der Bildersaal im ersten Stock mit etwa 30 Gemälden wird in der Regel für die aktuelle, jährlich wechselnde Ausstellung genutzt. In den früheren Wohnräumen der Noldes auf dieser Etage entstanden Kabinette für grafische Arbeiten und Aquarelle.

Blütenpracht und satte Farben im Staudengarten

Blick aus dem historischen Garten auf das ehemalige Nolde-Wohnhaus, heute Teil des Museums. © picture-alliance / HB-Verlag Foto: K.-H. Raach
Vom Garten fällt der Blick auf das ehemalige Wohnhaus des Künstlers.

Nolde liebte die Farben von Blumen Zeit seines Lebens und legte überall, wo er sich niederließ, einen Garten an. Blütenpracht und Grün inspirierten den Künstler und dienten ihm als Motiv für seine zahlreichen Garten- und Blumenbilder. In Seebüll legten Nolde und seine Frau Ada einen besonders prächtigen Staudengarten an, noch heute ist die Gestaltung der Wege in Form der Buchstaben A und E (für Ada und Emil) erhalten. Neben Rasenflächen und einzelnen Gehölzen blühen dort von April bis Oktober zahlreiche Stauden wie Schwertlilie, Rittersporn, Sonnenbraut, Lupine und Storchschnabel.

Kurzbiografie

7.8.1867 Emil Nolde kommt als vierter Sohn eines Bauern im Dorf Nolde an der dänischen Grenze zur Welt.
bis 1888 Lehre als Holzbildhauer und Zeichner
bis 1891 Wanderjahre als Schnitzer und Zeichner
bis 1897 Lehrer für Zeichnen und Modellieren in der Schweiz
bis 1900 Besuch von Schulen und Akademien
1902 Hochzeit mit dänischer Schauspielerin Ada Vilstrup
bis 1907 Mitglieder der Künstlergruppe "Brücke"
1909 erste religiöse Bilder
bis 1912 Ausstellungen, Mitglieder der "Neuen Sezession"
bis 1914 Reise durch Sibirien in die Südsee
1920 Nolde wird dänischer Staatsbürger
bis 1932 Bau des Hauses in Seebüll, Ehrendoktorwürde der Uni Kiel
1937 Die Nationalsozialisten beschlagnahmen 1.052 Werke Noldes, einige werden später in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt
1941 Ausschluss aus Reichskunstkammer und Berufsverbot
1944 Bomben zerstören Noldes Berliner Wohnung, 3.000 Werke vernichtet
1946 seine Frau Ada stirbt, zwei Jahre später Hochzeit mit Jolanthe Erdmann
13.4.1956 Emil Nolde stirbt im Alter von 88 Jahren in Seebüll

Karte: Nolde Museum Seebüll
Jahresausstellung 2019
Ein Mann steht vor Bildern von Emil Nolde im Bildersaal des Nolde Museums Seebüll in Neukirchen. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder/dpa

Emil Noldes Menschenbilder

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Weitere Informationen
Emil-Nolde Haus Seebüll mit original erhaltenem Garten  Foto: Burkhard Juettner

Der Maler und sein Garten

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Dieses Thema im Programm:

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