Blick auf den Moorseee im Hamburger Wittmoor. © imago images Foto: CHROMORANGE
Blick auf den Moorseee im Hamburger Wittmoor. © imago images Foto: CHROMORANGE

Ausflug ins Hamburger Wittmoor

Stand: 17.12.2020 17:15 Uhr  | Archiv

An der Grenze von Hamburg und Schleswig-Holstein liegt mit dem Wittmoor eines der wenigen Hochmoore Norddeutschlands. Ein Rundweg führt zum Moorsee und durch Heideflächen.

"O schaurig ist's, über's Moor zu gehn …", schrieb einst die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff in ihrem Gedicht "Der Knabe im Moor". Und obwohl der Mensch die Moorlandschaften über Jahrhunderte immer weiter zurückgedrängt hat, haben sie bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Die fast schon unheimliche Stille, der dunkle Moorsee und die Stümpfe abgestorbener Birken, die im Wittmoor aus dem Wasser ragen, sorgen vor allem an dämmrigen Winter- oder Herbstnachmittagen für wohlige Schauerstimmung beim Spaziergang. Nicht nur ängstlichen Gemütern kommen unwillkürlich alte Gruselgeschichten über Moorleichen und Geister in den Sinn. 

Auf einem alten Damm zum Moorsee

Der Moorseee im Wittmoor an der Grenze von Hamburg und Schleswig-Holstein mit den Stümpfen abgestorbener Birken © imago images Foto: CHROMORANGE
Mittelpunkt der kargen Landschaft ist der dunkle Moorsee.

Auf dem alten Damm einer Förderbahn, die früher für den Torfabbau genutzt wurde, führt ein Fußweg mitten hinein ins Wittmoor und zum Moorsee. Vom Damm aus bietet sich ein schöner Blick über das Gebiet mit seinem ganz speziellen, morbiden Charme. Ganz nebenbei lernen Besucher die typische Beschaffenheit des Moorbodens kennen: Er federt beim Gehen unter den Füßen.

Heimat von Moorfrosch und Sonnentau

Hochmoore wie das Wittmoor unterscheiden sich von Niedermooren dadurch, dass sie keine Verbindung zum Grundwasser haben. Ihre Feuchtigkeit beziehen sie allein durch den Niederschlag.

Rundblättriger Sonnentau © imago images / blickwinkel
Der Sonnentau ist eine fleischfressende Pflanze und in Mooren zu Hause.

Bis 1958 wurde im Wittmoor Torf abgebaut. An einigen Stellen sind noch heute die Abstichkanten zu erkennen. In den 1970er-Jahren wurden die Moorflächen wieder vernässt, die Natur eroberte sich das Gebiet zurück. Heute leben in dem Naturschutzgebiet wieder so seltene Arten wie Moorfrosch und Heidelibelle, Sonnentau und Wollgras.

Von der erfolgreichen Wiedervernässung des Wittmoors künden die abgestorbenen Birken. Sie zeigen, dass sich auf den relativ trockenen Flächen wieder neues Moor gebildet hat. Ursprünglich kamen die Bäume nur an den Rändern der Moore vor.

Heideflächen und Birkenwäldchen am Rand des Moores

Eine Rundwanderung durch das Wittmoor dauert je nach gewählter Wegstrecke ein bis zwei Stunden. Die längere Route führt um das gesamte Moorgebiet herum und passiert dabei auch schöne Heideflächen und Zonen mit dicht stehenden Birken.

Gedenkstein erinnert an KZ Wittmoor

An einem der Wege steht ein Denkmal. Es erinnert an die Häftlinge des KZ Wittmoor, des ersten Hamburger Konzentrationslagers. Die überwiegend aus politischen Gründen inhaftierten Männer mussten ab April 1933 im Torfabbau schuften. Im Oktober 1933 ließen die Nazis das KZ vollständig räumen, die Gefangenen wurden ins KZ Fuhlsbüttel überstellt.

Nach starkem Regen auf Besuch verzichten

Abgestorbene Baumstümpfe ragen aus dem Wasser im Hamburger Wittmoor. © NABU Hamburg Foto: D. Esfandiari
Abgestorbene Baumstümpfe und Moose schaffen zu jeder Jahreszeit eine ganz besondere, morbide Stimmung.

Nach längeren Regenfällen sollte man das Wittmoor nicht besuchen, denn dann sind die Wege sehr matschig.

Zu erreichen ist das Wittmoor mit der Buslinie 276 von der Haltestelle Fiersbarg in etwa 20 Minuten Fußweg. Pkw-Parkplätze befinden sich an der Straße Am Wittmoor.

Karte: Wanderwege im Wittmoor (grober Verlauf)

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Schlager | Ausflugstipps – Entdecke den Norden | 18.12.2020 | 07:30 Uhr

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