Stand: 15.04.2020 11:51 Uhr

Hamburgs Nationalpark im Watt rund um Neuwerk

Kutschwagen mit jeweils mehreren Personen werden bei Ebbe von Pferden von Cuxhaven durch das Wattenmeer zur Insel Neuwerk gezogen. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Mitten im Wattenmeer liegt die Hamburger Insel Neuwerk. Sie ist nur per Schiff oder Kutsche zu erreichen.

Der Hamburgische Nationalpark Wattenmeer ist der kleinste und jüngste an der deutschen Nordseeküste. Zwischen seinen großen Brüdern in Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegt er mit nur 13,7 Quadratkilometern Fläche vor Cuxhaven an der westlichen Elbmündung. Gegründet wurde das Schutzgebiet am 9. April 1990 und zählt heute gemeinsam mit den anderen Nationalparks im Wattenmeer zum UNESCO-Weltnaturerbe. Dass Hamburg einen Nationalpark im Watt besitzt, verdankt die Stadt ihrem Außenposten in der Nordsee - der Insel Neuwerk, gut 100 Kilometer Luftlinie von Rathaus und Alster entfernt. Nur etwa 30 bis 40 Menschen leben dauerhaft in dem Schutzgebiet.

Umso vielfältiger ist die Natur im Nationalpark. Etwa 2.000 Arten kommen dort vor, davon 250 in den Salzwiesen, einem typischen Element der Wattenmeer-Küste. Außerdem gibt es Robben, Schweinswale sowie rund 40 Fisch- und Dutzende Vogelarten. In kaum einer anderen Region Mitteleuropas leben so viele verschiedene Vögel. Manche kommen nur als Kurzzeitgäste auf ihrem Weg vom Winterquartier im Süden zu den Brutplätzen im Norden vorbei, um sich für den Weiterflug zu stärken. Andere wie Austernfischer oder Möwen leben dort dauerhaft. In dem weltweit einzigartigen Lebensraum Wattenmeer haben sich Tiere und Pflanzen auf die speziellen Bedingungen mit Süß- und Salzwasser, Nass- und Trockenphasen eingestellt.

Informationszentrum im Nationalpark-Haus

Weitere Informationen
Ein gelber Wattwagen vor dem Leuchtturm der Insel Neuwerk © imago/blickwinkel

Unterwegs in Hamburgs Nationalpark

Rund um die Insel Neuwerk liegt der kleinste und jüngste der drei Nationalparks in der deutschen Nordsee. Bildergalerie

Im Nationalpark-Haus auf Neuwerk informiert eine interaktive Ausstellung über das Schutzgebiet und seine Besonderheiten. Besucher können dort zudem Wattorganismen unter die Lupe nehmen und verschiedene Naturfilme, aber auch die zwei bekannten Tatort-Folgen, die auf Neuwerk spielen, ansehen.

In Zusammenarbeit mit dem Verein Jordsand bietet die Nationalparkverwaltung außerdem verschiedene geführte Touren und Wanderungen über die Insel und durchs Watt an. Sie vermitteln dem Besucher einen direkten Eindruck vom Lebensraum Wattenmeer. Ein Flyer informiert über die Veranstaltungen.

Wanderung nach Scharhörn

Wattwanderer vor der Insel Scharhörn © Freie und Hansestadt Hamburg Foto: Peter Körber
Nur angemeldete Wattwanderer dürfen die Vogelschutzinsel Scharhörn besuchen.

Eine Wanderung führt zu der etwa acht Kilometer entfernt gelegenen Düneninsel Scharhörn. Sie verändert ihre Lage in der Nordsee permanent, verliert im Westen an Fläche und gewinnt im Südosten hinzu. Scharhörn steht ebenso wie die größere Nachbarinsel Nigehörn, die nicht betreten werden darf, als Rückzugsgebiet für Vögel unter besonderem Schutz. Nigehörn ist die jüngste Insel im Hamburgischen Wattenmeer. Sie wurde 1989 künstlich aufgespült, um zusätzliche Brutplätze für Vögel zu schaffen.

Hamburgisches Wattenmeer: Seit 1990 unter Schutz

Nachdem Schleswig-Holstein sein Wattenmeer 1985 als Nationalpark ausgewiesen hatte und Niedersachsen ein Jahr später folgte, stellte auch Hamburg seine Fläche 1990 unter Schutz. Als die Nachbarländer bei der UNESCO für die Wattenmeer-Flächen den Titel des Weltnaturerbe anstrebten, scherte Hamburg jedoch zunächst aus. Der Senat befürchtete Schwierigkeiten bei der geplanten Vertiefung der Elbe als Schifffahrtsweg. Erst nachdem die UNESCO dem niedersächsischen und schleswig-holsteinische Wattenmeer 2009 den Welterbetitel verliehen hatte, reichte auch Hamburg seine Bewerbung ein. 2011 stimmte die UNESCO dem Antrag zu.

Konflikt um den Naturschutz

Diese Entwicklung verdeutlicht den stetigen Konflikt zwischen Naturschutz, wirtschaftlichen Interessen und Tourismus im Wattenmeer. Allein den Hamburgischen Nationalpark besuchen pro Jahr bis zu 120.000 Menschen. Viele fahren mit den markanten, von Pferden gezogenen Wattwagen bei Ebbe von Cuxhaven über den Meeresboden nach Neuwerk. Ziel der Nationalparks bleibt es jedoch, der Natur eine großflächige, ungestörte Entwicklung zu ermöglichen. Mehr als 90 Prozent der Nationalparkfläche zählen daher zur Schutzzone I, in der Besucher die markierten Wege nicht verlassen dürfen.

Karte: Wattenmeer-Nationalparks an der Elbmündung

Rücksicht bitte!

Das Nationalparkgesetz begrenzt auch die Nutzung des Schutzgebietes. Besucher sollten diese Grundregeln einhalten:

  • Alles, was in den Park mitgenommen wird, auch wieder mit herausnehmen.
  • Hunde immer an der Leine halten.
  • Keine Lenkdrachen steigen lassen.
  • Hinweise auf besonders geschützte Flächen ernst nehmen.
  • Markierte Wege in den Ruhezonen nicht verlassen.

Weitere Informationen
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