Stand: 17.01.2018 16:46 Uhr

Goslar: Kulturstadt am Harz

Mittelalterliche Handesmetropole und Machtzentrum der deutschen Kaiser - Goslars mehr als tausendjährige Geschichte ist noch heute überall sichtbar. Die prächtige Kaiserpfalz, die Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung, zahlreiche Kirchen und gut erhaltene bunte Fachwerkhäuser laden zu einem Besuch in die Vergangenheit ein. Seit 1992 gehört die Altstadt Goslars gemeinsam mit dem Erzbergwerk Rammelsberg zum Weltkulturerbe der UNESCO, seit 2010 zählen auch die Wasserleitsysteme des Oberharzer Wasserregals dazu.

Marktbrunnen auf dem Marktplatz von Goslar

Tietzer besucht die Weltkulturerbe-Stadt Goslar

Mein Nachmittag -

Reporter Sven Tietzer schaut sich in Goslar am Harz die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und das Erzbergwerk Rammelsberg an, die beide zu den Weltkulturerbestätten zählen.

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Spaziergang über den Markt

Mittelpunkt der Altstadt ist der Marktplatz mit dem von einem goldenen Adler bekrönten Brunnen und dem Rathaus. Spitzbogenfenster und ein Arkadengang prägen das Gebäude. Sehenswert im Inneren ist der reich verzierte Huldigungssaal aus dem frühen 16. Jahrhundert mit seinen farbigen hölzernen Tafelgemälden an Wänden und Decken. In unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses steht das frühere Gildehaus von 1494 mit seiner auffälligen roten Fassade. Hinter dem Markt geht es zur Marktkirche St. Cosmas und Damian mit ihren beiden unterschiedlichen Türmen. Der 66 Meter hohe Nordturm ist täglich zwischen 11 und 17 Uhr begehbar. Von oben bietet sich ein wunderschöner Blick über die Stadt.

Das Glocken- und Figurenspiel am Kämmereigebäude, eine Attraktion aus neuerer Zeit, erklingt viermal täglich und führt die Geschichte des Bergbaus am Rammelsberg vor. Ein Bergbaukonzern stiftete es 1968 anlässlich des 1.000-jährigen Bestehens des Erzbergwerks.

Vom Markt durch die Altstadt

Vom Marktplatz aus lohnt ein Spaziergang zum nahegelegenen Schuhhof - Goslars ältestem Platz - und durch die engen, Kopfstein gepflasterten Gassen. Sie werden von zahlreichen alten Häusern gesäumt. Ob Bäckergildehaus, Kemenate Röver oder Großes Heiliges Kreuz: Jedes Gebäude hat seine eigene Geschichte. Nicht weit vom Markt entfernt liegt auch das Siemenshaus aus dem Jahr 1693 der Stammsitz der Industriellenfamilie.

Wer mehr über Goslars Altstadt erfahren möchte, kann einen Stadtrundgang bei der Tourist-Information buchen. Es gibt ein großes Angebot mit unterschiedlichen Themen, etwa dem mittelalterlichen Goslar, dem jüdischen Leben in der Stadt oder technischen Bauwerken rund um Bergbau und Trinkwasserversorgung. Auch Rundfahrten mit der Kutsche oder der Bimmelbahn sind möglich.

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In dem romanischen Bau machten die deutschen Kaiser einst Weltpolitik. Heute zählt die Kaiserpfalz mit der Altstadt von Goslar zum UNESCO-Welterbe. mehr

Nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt thront auf einem Hügel der imposante romanische Bau der Kaiserpfalz. Als Wanderkaiser zogen die Herrscher im Mittelalter von Pfalz zu Pfalz, denn keine Stadt konnte den Hofstaat das ganze Jahr über versorgen. Die burgartige Palastanlage in Goslar ließ Heinrich III. im 11. Jahrhundert erbauen und machte den Ort zu einem wichtigen Herrschaftszentrum.

Erzbergwerk Rammelsberg

Unmittelbar hinter der Kaiserpfalz liegt der mehr als 600 Meter hohe Rammelsberg. Das ehemalige Erzbergwerk gehört gemeinsam mit der Altstadt seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es war das erste industrielle Baudenkmal in Deutschland, das die UNESCO zum Welterbe erhob.

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Jahrhundertelang förderten Menschen am Rammelsberg Erze. Die Anlagen sind zum Teil noch erhalten und gehören zum UNESCO-Welterbe. mehr

Bereits vor 3.000 Jahren betrieben die Menschen am Rammelsberg Bergbau, unter der Herrschaft der Ottonen begann vor etwa 1.000 Jahren die systematische Erzgewinnung. Erst 1988 wurde das Bergwerk stillgelegt. Heute besteht der Komplex aus einem großen Museum und einem Besucherbergwerk.

Welten unter Tage entdecken

Das Museum in den Anlagen über Tage informiert über die Geschichte, Technik und Kultur des Bergbaus. Im Besucherbergwerk können Interessierte die geheimnisvolle Untertagewelt zu Fuß oder per Grubenbahn erkunden. Führungen finden mehrmals täglich statt. Eine Tour durch den Roeder-Stollen mit seinem über 200 Jahre alten Stollensystem führt vorbei an Wasserrädern und Schächten. Der Richtschacht aus dem 20. Jahrhundert ist per Grubenbahn zu erreichen, mit der es rund 500 Meter tief in den Berg hineingeht.

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Wasserräder versorgten Teile des Rammelsberg wie den rund 200 Jahre alte Roeder-Stollen mit Energie.

Ein besonderes Abenteuer ist eine Tour durch den Rathstiefste Stollen aus dem 12. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um den ältesten erhaltenen Wasserlösungsstollen in Europa und einen wesentlichen Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Rammelsberg. Er wurde im Mittelalter per Hand mit einfachstem Werkzeug in den Berg getrieben. Bis heute leitet der Stollen Grubenwasser aus dem Berg heraus. Teilnehmer der Führung passieren im Schein der Grubenlampen enge Stollen, alte Abbauorte und farbiges Gestein. Die vierstündige Tour im Besucherbergwerk Rammelsberg findet nur auf Anmeldung statt, körperliche Fitness und ein Mindestalter von 16 Jahren sind Voraussetzung.

Stadtgeschichte, Zinnfiguren und moderne Kunst

Wer mehr über die Stadtgeschichte Goslars erfahren möchte, ist im Goslarer Museum richtig. In den alten Stiftsräumen von 1514 befinden sich umfangreiche historische und kunsthistorische Sammlungen, darunter wertvolle Stücke wie ein Altar aus dem 12. Jahrhundert, ein Evangeliar aus dem 13. Jahrhundert und das Original des Adlers vom Marktbrunnen aus dem 14. Jahrhundert.

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Im Mittelalter mussten Wasserknechte die Gruben entwässern - Szene aus dem Bergbau im Museum.

Geschichtsvermittlung auf eine ganz besondere Art bietet das Zinnfiguren-Museum. Hier sind alle wichtigen Stationen der Stadtgeschichte en miniature dargestellt - zum Beispiel Szenen aus dem Bergbau, eine Schlacht im Dreißigjährigen Krieg oder die großen Brände im 18. Jahrhundert.

Auch Liebhaber moderner Kunst kommen im mittelalterlich anmutenden Goslar auf ihre Kosten: Das Mönchehaus ist zwar ein historisches Gebäude, beherbergt aber das Museum für moderne Kunst mit einer umfangreichen Sammlung von Bildern, Skulpturen und Installationen namhafter Künstler der Avantgarde. Hier findet auch einmal jährlich die Verleihung des Kaiserrings, eines international bekannten Kunstpreises, statt.

Ausflüge in die Bergwelt des Harzes

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Auf Wanderungen lassen sich die Bauwerke des Oberharzer Wasserregals erkunden.

Goslar, am nördlichen Rand des Harzes gelegen, bietet sich außerdem als Ausgangspunkt für Ausflüge und Wanderungen in die reizvolle Landschaft des Mittelgebirges an. Etwa 16 Kilometer sind es zum Ortsteil Hahnenklee, wo zahlreiche Wege die Besucher erwarten. Ähnlich nah liegt der Okerstausee mit seinen vielen Buchten. Bei einer eineinhalb Stunden langen Bootsfahrt können Besucher die Landschaft rund um den See genießen und einen Blick auf die gigantische, 260 Meter lange Staumauer werfen.

Gut 20 Kilometer von Goslar entfernt beginnt das Gebiet des Oberharzer Wasserregals. Das System aus kilometerlangen Gräben, Teichen und unterirdischen Wasserläufen steht seit 2010 als Erweiterung der Welterbestätte "Altstadt Goslar und der Rammelsberg" auf der UNESCO-Welterbeliste. Einzelne Teilstücke lassen sich ebenfalls gut zu Fuß erkunden.

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Karte: Goslar und der Rammelsberg

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 01.02.2019 | 16:20 Uhr

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