Die St. Michaelis Kirche in Hildesheim © Hildesheim Marketing Foto: Nina Weymann

St. Michaelis: Hildesheims romanische Gottesburg

Stand: 20.05.2022 15:30 Uhr

Von außen wehrhaft und trutzig, von innen lichtdurchflutet und harmonisch: Wegen ihrer beispielhaften frühromanischen Architektur zählt die Hildesheimer Michaeliskirche zum UNESCO-Welterbe.

Gemeinsam mit dem Mariendom steht sie seit 1985 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Ihre leicht erhöhte Lage sowie die dicken Türme und Mauern verleihen der Kirche etwas Wehrhaftes, Festungartiges - ein Eindruck, der gewollt ist: Die Burg steht in der christlichen Symbolik für Gott als rettende Zuflucht.

Beim Betreten der Kirche fällt die strenge Symmetrie des Bauwerks ins Auge. Sie lässt den Bau mit seinen gleichmäßigen, rot-weiß-gemusterten Bögen und Pfeilern besonders harmonisch wirken. Auf diese Weise soll die Kirche die Schönheit und Vollkommenheit Gottes widerspiegeln.

Bischof Bernward entwarf die Kirche

Blick in den Innenraum der St. Michaelis Kirche in Hildesheim. © NDR Foto: Kathrin Weber
Schlicht und harmonisch: der Ostchor der Kirche mit seinen Fenstern.

1033 von Bischof Godehard geweiht, wurde die Michaeliskirche nach den Ideen seines Vorgängers, Bischof Bernward, erbaut. Der ließ im Jahr 996 auf einem Hügel nahe der Hildesheimer Domburg eine Kapelle errichten und dort einen Splitter des heiligen Kreuzes aufbewahren, den er von seinem früheren Schüler Kaiser Otto III. als Geschenk erhalten hatte.

Inspirieren ließ sich der Bischof beim Bau der Kirche von frühromanischen Kirchen aus ganz Europa. Zahlensymbolik spielt bei dem Bauwerk eine bedeutende Rolle: So entsprechen die neun Kapellen der Kirche den neun Engelschören, die laut christlicher Lehre den Himmel bevölkern. Der Grundriss der Kirche besteht aus neun Quadraten, wobei jedes Quadrat für die Zahl Vier steht, die wiederum das Kreuz symbolisiert.

Prachtvolle Holzdecke und Krypta mit Grab Bernwards

Blick in den Innenraum der St. Michaelis Kirche in Hildesheim. © NDR Foto: Kathrin Weber
Die bemalte Holzdecke gehört zu den besonderen Schätzen der Kirche.

Eine besonderer Kunstschatz der Kirche ist die prachtvoll bemalte, fast 28 Meter lange und neun Meter breite Holzdecke. Sie gilt als eines der größten Malereien des Mittelalters und entstand im 13. Jahrhundert. Gezeigt wird die "Wurzel Jesse", also die Vorfahren Christi und ihn selbst.

Bei einem Rundgang sollten Besucher auch einen Blick in die Krypta werfen. Bischof Bernward plante sie als seine eigene Ruhestätte und weihte sie im Jahr 1015, sieben Jahre vor seinem Tod. Sein Grab besteht aus einem leicht in den Boden eingelassenen steinernen Sarkophag.

Bis heute ist die Krypta ein katholisches Gotteshaus. Die Michaeliskirche dagegen ist seit der Reformation eine evangelische Pfarrkirche. Von der ursprünglichen Klosteranlage, zu der die Michaeliskirche gehörte, ist noch ein Kreuzgang erhalten. 

Im Bombenkrieg zerstört und wiederaufgebaut

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei der Bombardierung Hildesheims am 22. März 1945 zerstört. Die wertvolle Holzdecke und andere Kunstschätze überstanden den Krieg unversehrt, weil sie zuvor eingelagert worden waren.

Von 1950 bis 1960 wurde die Kirche wieder aufgebaut, 1985 ernannte die UNESCO sie gemeinsam mit dem Hildesheimer Dom zum Weltkulturerbe. Eine besondere Ehre wurde der Michaeliskirche 2014 zuteil: Sie ziert seitdem die Rückseite vieler deutscher Zwei-Euro-Stücke.

St. Michaelis in Hildesheim

Michaelisplatz 2
31134 Hildesheim
E-Mail: kg.michaelis.hildesheim@evlka.de
Tel. (05121) 344 10

Die Gemeinde bietet regelmäßig offene Kirchenführungen an.
Gruppenführungen (gegen Gebühr) und größere Besuchergruppen nur nach Voranmeldung.

Weitere Informationen zu Preisen, Führungen und Öffnungszeiten auf der Website der Kirchengemeinde.

 

Karte: Michaeliskirche Hildesheim

Weitere Informationen
Nord-West-Ansicht des Hildesheimer Doms © NDR Foto: Axel Franz

Hildesheim: Ein Dom und seine Schätze

Die romanische Kirche birgt einzigartige Kunstschätze: Das macht den 1.200 Jahre alten Hildesheimer Dom zum Weltkulturerbe. mehr

Blick auf den Hildesheimer Marktplatz mit seinen historischen Gebäuden und Rolandbrunnen. © Picture-Alliance / Bildagentur-online/ Klein

Hildesheim: Welterbe-Kirchen und Fachwerkhäuser

Der Hildesheimer Mariendom und die Michaeliskirche gehören zum UNESCO-Welterbe. Prächtige Fachwerkhäuser säumen den Marktplatz. mehr

Das Holstentor in Lübeck, ein Wahrzeichen der Stadt © Tourismusamt Lübeck Foto: Torsten Krüger

Norddeutschlands UNESCO-Welterbe entdecken

Alte Hansestädte oder die Wikingersiedlung Haithabu: Zehn norddeutsche Standorte stehen offiziell auf der UNESCO-Welterbe-Liste. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 16.04.2022 | 18:00 Uhr

Wanderer zwischen Kiefern auf dem Wanderweg Dör't Moor © Touristikverband Landkreis Rotenburg (Wümme) Foto: Ingrid Krause

Ausflugstipps: Entdecke den Norden

Der Herbst ist ideal für ausgedehnte Spaziergänge durch den Norden. Einfach Wunschkriterien eingeben und Tipps bekommen. mehr

In einem Klassenraum stehen die Stühle auf den Tischen. © imago images / stpp

So geht der Norden 2022/2023 in die Schulferien

Die Ferientermine der norddeutschen Bundesländer auf einen Blick. mehr

Urlaubsregionen im Norden