Stand: 07.06.2019 15:14 Uhr

St. Michaelis: Hildesheims romanische Gottesburg

Von außen wehrhaft und trutzig, von innen lichtdurchflutet und harmonisch: Die Michaeliskirche in Hildesheim zählt zu den schönsten frühromanischen Kirchen Deutschlands. Gemeinsam mit dem Mariendom steht sie seit 1985 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Ihre leicht erhöhte Lage, die dicken Türme und Mauern verleihen der Kirche etwas Wehrhaftes, Festungartiges - ein Eindruck, der gewollt ist: Die Burg steht in der christlichen Symbolik für Gott als rettende Zuflucht.

Architekturwunder St. Michaelis

Beim Betreten der Kirche fällt die strenge Symmetrie des Bauwerks ins Auge. Sie lässt den Bau mit seinen gleichmäßigen, rot-weiß-gemusterten Bögen der Pfeiler besonders harmonisch wirken. Auf diese Weise soll die Kirche die Schönheit und Vollkommenheit Gottes widerspiegeln.

Bischof Bernward entwarf die Kirche

1033 von Bischof Godehard geweiht, wurde die Michaeliskirche nach den Ideen seines Vorgängers, Bischof Bernward, erbaut. Der ließ im Jahr 996 auf einem Hügel nahe der Hildesheimer Domburg eine Kapelle errichten und dort einen Splitter des heiligen Kreuzes aufbewahren, den er von seinem früheren Schüler Kaiser Otto III. als Geschenk erhalten hatte.

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Das Kirchenschiff strahlt kühle Eleganz aus.

Inspirieren ließ sich der Bischof beim Bau der Kirche von frühromanischen Kirchen aus ganz Europa. Zahlensymbolik spielt bei dem Bauwerk eine bedeutende Rolle: So entsprechen die neun Kapellen der Kirche den neun Engelschören, die laut christlicher Lehre den Himmel bevölkern. Der Grundriss der Kirche besteht aus neun Quadraten, wobei jedes Quadrat für die Zahl Vier steht, die wiederum das Kreuz symbolisiert.

Holzdecke zeigt Vorfahren Jesu

Eine besonderer Kunstschatz der Kirche ist die prachtvoll bemalte, fast 28 Meter lange und neun Meter breite Holzdecke. Sie gilt als eines der größten Malereien des Mittelalters und entstand im 13. Jahrhundert. Gezeigt wird die "Wurzel Jesse", also die Vorfahren Christi und ihn selbst.

Krypta mit Grab Bernwards

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Die Grabplatte Bernwards zeigt den Bischof mit seinem Gotteshaus, der Michaeliskirche, in der Hand.

Bei einem Rundgang sollten Besucher auch einen Blick in die Krypta werfen. Bischof Bernward plante sie als seine eigene Ruhestätte und weihte sie im Jahr 1015, sieben Jahre vor seinem Tod. Sein Grab besteht aus einem leicht in den Boden eingelassenen steinernen Sarkophag.

Bis heute ist die Krypta ein katholisches Gotteshaus. Die Michaeliskirche dagegen ist seit der Reformation eine evangelische Pfarrkirche. Von der ursprünglichen Klosteranlage, zu der die Michaeliskirche gehörte, ist noch ein Kreuzgang erhalten. 

Im Bombenkrieg zerstört und wiederaufgebaut

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei der Bombardierung Hildesheims am 22. März 1945 zerstört. Die wertvolle Holzdecke und andere Kunstschätze überstanden den Krieg unversehrt, weil sie zuvor eingelagert worden waren.

Von 1950 bis 1960 wurde die Kirche wieder aufgebaut, 1985 ernannte die UNESCO sie gemeinsam mit dem Hildesheimer Dom zum Weltkulturerbe. Eine besondere Ehre wurde der Michaeliskirche 2014 zuteil: Sie ziert seitdem die Rückseite vieler deutscher Zwei-Euro-Stücke.

Das Holstentor in Lübeck mit wachendem Bronze-Löwen. © Fotolia Foto: Wolfgang Jargstorff

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