Stand: 19.12.2017 16:43 Uhr

Comic-Zeichnerin Lona Rietschel gestorben

von Axel Seitz
Die Comic-Zeichnerin Lona Rietschel 1996 in ihrem Atelier in Berlin beim Zeichnen von Bildern für das Heft "Abrax und die 40 Räuber". Sie ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

"Junker Jörg jagt keine Hasen" - so heißt das aktuellste Abenteuer der drei Abrafaxe. Seit fast 42 Jahren sind Abrax, Brabax und Califax in Raum und Zeit unterwegs und erleben in Deutschlands auflagenstärkstem Comic immer wieder neue Abenteuer. Dass das "Mosaik" so erfolgreich geblieben ist, verdanken die Macher nicht zuletzt auch Lona Rietschel, die Mitte der 70er-Jahre die drei Abrafaxe erfunden hatte. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Zeichnerin im Alter von 84 gestorben ist.

Mitte der 70er-Jahre: Geburtsstunde der Abrafaxe

1975 war das entscheidende Jahr für das "Mosaik"-Heft. Sein Erfinder Hannes Hegen wollte mit seinen Kobolden, den Digedags, in der DDR nicht mehr so weiter arbeiten wie die 20 Jahre zuvor. Und er trennte sich vom Verlag Junge Welt, der allerdings verdiente mit dem "Mosaik" enorm und wollte den Comic fortsetzen - mit drei neuen Hauptfiguren. "Natürlich im Anschluss an die Digedags - es sollten wieder drei sein", erzählte Lona Rietschel noch im vergangenen Sommer in einem Interview mit dem NDR anlässlich des 500. Hefts mit ihren Abrafaxen. "Für uns stand damals fest: Das müssen Kobolde sein, die keinen Bartwuchs haben und nicht altern. Dementsprechend habe ich mich hingesetzt und Männekens entwickelt", erinnerte sich Rietschel lachend. "Und ich glaube, die sind ganz gut angekommen."

Angst, dass neue Figuren nicht angenommen werden

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Damals, Mitte der 70er-Jahre, hätte es mit Abrax, Brabax und Califax durchaus auch schiefgehen können. "Der Verlag Junge Welt hatte ganz fürchterliche Angst, dass diese neuen Figuren vom Leser nicht angenommen werden. Der Chefredekteur Wolfang Altenburger sagte zur mir: 'Kannst du das so zeichnen, dass es gar nicht auffällt, dass es andere Figuren sind als die Digedags? Nicht, dass die Leser ausbleiben", beschrieb Rietschel die Situation. "Na ja, ein bisschen anders habe ich sie dann schon gemacht."

Auch die Digedags zeichnete Lona Rietschel

Anders als die Digedags, klar, aber auch die  - nämlich Dig, Dag und Digedag - hatte Lona Rietschel bereits seit 1960 gezeichnet. "Wer die ersten Hefte hat, sieht ja, wie die Figuren zu Beginn aussahen. Sie wurden anfangs immer als 'zu hässlich' kritisiert", erinnerte sich Rietschel. Sie habe dann den Job eines Kollegen übernommen, der bei "Mosaik" aufgehört hatte. "Er hatte sich bereits große Mühe gegeben, die Dinger hübscher, ein bisschen niedlicher zu machen. Und ich habe sie dann noch niedlicher gemacht."

Modegrafik und Zeichentrick studiert

Lona Rietschel wurde am 21. September 1933 geboren und verbrachte ihre Kindheit im brandenburgischen Reppen, das heute zu Polen gehört. Sie studierte Modegrafik und Zeichentrick. Und kam schließlich am 1. Mai 1960 als junge Frau zum "Mosaik" von Johannes Hegenbarth alias Hannes Hegen. "Wir waren ein netter Haufen. Hegenbarth konnte sehr komisch und lustig sein", so Rietschel. Bei einem Besuch im Pflegeheim habe sie zu ihm gesagt: "Es verging doch kaum ein Tag, wo wir uns nicht gekrümmt haben vor Lachen."

Der Mosaik-Erfinder Johannes Hegenbarth starb im November 2014, der wichtige Texter der "Mosaik"-Abenteuer, Lothar Dräger, im Juli 2016. Am Dienstag nun ist die große Zeichnerin des "Mosaik" - Lona Rietschel - gestorben.

2000 zeichnete Rietschel ihr letztes Titelbild

Bis ins hohe Alter verfolgte sie, wie sich das "Mosaik" im Laufe der Jahre weiterentwickelte - im Dezember 2000 schuf sie ihr letztes Titelbild für das Heft Nummer 300. In wenigen Tagen erscheint das 505. Comic mit den Abrafaxen, aktuell unterwegs zur Zeit der Reformation an der Seite von Martin Luther und Lukas Cranach - einer Serie, von der Lona Rietschel sehr schwärmte. Sie sei ganz begeistert, dass die Thematik der Reformation aufgenommen worden sei, sagte sie noch im Sommer.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 19.12.2017 | 19:00 Uhr

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