Stand: 26.01.2017 09:55 Uhr

Atemlose Stille bei Gwildis' "Schimmelreiter"-Abend

von Jan Ehlert

"Der Schimmelreiter", das ist wohl die bekannteste Novelle des norddeutschen Schriftstellers Theodor Storm. In diesem Jahr wäre der gebürtige Husumer 200 Jahre alt geworden - die Legende um den Deichgrafen Hauke Haien, der mit dem Teufel im Bunde scheint, fasziniert noch heute. Auch den Sänger Stefan Gwildis. Er hat - rechtzeitig zum Storm-Jahr - ein "Schimmelreiter"-Programm erstellt, mit Musik und natürlich mit einer Lesung aus dem Text.

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Stefan Gwildis setzt mit seinen Musikern Theodor Storms "Schimmelreiter" in Szene.

Wind bläst über die Bühne des Rolf-Liebermann-Studios, ein großes Segel, das von der Decke hängt, bauscht sich im Wind. Und dahinter leuchtet er - mal verlockend, mal dämonisch: Der Kopf eines Pferdes. Mit Licht, Geräuschen und diesen wenigen Utensilien schaffen Stefan Gwildis und seine Musiker Hagen Kuhr am Cello und Tobias Neumann am Klavier die richtige Atmosphäre für die norddeutsche Legende vom Schimmel, den der Teufel schuf. Für die Geschichte um den Deichgrafen Hauke Haien.

"Haien hat mich fasziniert", sagt Stefan Gwildis. Diese Begeisterung für den Text merkt man Stefan Gwildis an. Er liest eine gekürzte Version - Dramaturgin Sonja Valentin hat den Kern der Geschichte klug herausgearbeitet und verzichtet auf die schachtelartige Einführung, in der mehrere Erzähler zu Wort kommen. Sofort sind wir mitten drin im Geschehen an der Nordseeküste, wo nur der Deich die Menschen vor der grausamen Gewalt des Wassers schützt. Und an der Hauke Haien versucht, einen neuen, einen besseren Deich zu bauen - gegen alle Widerstände.

Gwildis erweckt die einzelnen Charaktere zum Leben

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Norddeutsch-knorrige Stimmen, die perfekt in Storms Novelle passen - so erweckt Gwildis die Charaktere zum Leben.

Großartig, wie Stefan Gwildis die einzelnen Charaktere zum Leben erweckt. Norddeutsch-knorrige Stimmen, die perfekt in Storms Novelle passen. Und dass Gwildis eher ein Sänger als ein Vorleser ist, merkt man kaum: Kleine Schwächen, die sich einschleichen, kompensiert er mit Charme und Selbstironie.

Dazu die Musik, die Gwildis selbst komponiert hat: Ein wiederkehrendes Walzerthema, mal dramatisch, mal romantisch, je nach Stimmung. Das fügt sich zu einer wunderbar dichten Atmosphäre zusammen - was sich auch an der atemlosen Stille im Publikum während der fast 80-minütigen Lesung zeigte. Die Legende vom "Schimmelreiter" - sie fasziniert noch immer. Ganz besonders, wenn Sie so leidenschaftlich vorgetragen wird wie von Stefan Gwildis.

Die gesamte Lesung können Sie bei auf NDR Kultur am 17. März ab 20 Uhr hören.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 26.01.2017 | 06:40 Uhr

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