Landschaft am Fluss Hamme bei Worpswede © fotolia / fotoblo

Worpswede: Lieblingsort der Künstler

Stand: 29.06.2020 11:55 Uhr

Museen, Ateliers und Galerien: Das Örtchen Worpswede bei Bremen steht für Kunst und Kultur. Namhafte Künstler haben dort am Teufelsmoor gelebt und ihre Spuren hinterlassen.

Der Dichter Rainer Maria Rilke sah in Worpswede einen "Himmel von unbeschreiblicher Veränderlichkeit und Größe" und die Malerin Paula Modersohn-Becker schwärmte 1897 von einem "Wunderland". Diese besondere Ausstrahlung hat sich die kleine Gemeinde rund 30 Kilometer nördlich von Bremen bis heute erhalten.

Worpswede: Ein Ort, der inspiriert

Ein Fachwerkhaus im Sommer. © NDR Foto: Gitte Alpen
Stattliche Fachwerkhäuser in einer parkartigen Landschaft prägen das Ortsbild von Worpswede.

Künstler prägen den Ort und der Ort prägt seine Künstler. Gut 9.000 Menschen leben in der Gemeinde Worpswede mit ihren acht Ortsteilen, viele für und von der Kunst. Doch es ist auch die Landschaft, die Bewohner und Besucher an Worpswede fasziniert. Mitten im Teufelsmoor stehen stattliche alte Häuser am Fuß des Weyerbergs, einer bewaldeten Sanddüne. Dazwischen mächtige Bäume, die Schutz und Behaglichkeit ausstrahlen. Ringsum weite Wiesen, Moore und Bäche. Diese Landschaft inspirierte Künstler zu unzähligen Bildern.

Vom Bauerndorf zur Künstlerkolonie

Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich hier - angezogen durch die beeindruckenden Farben der Landschaft, das Licht und den hohen Himmel über dem Moor - die ersten Maler nieder. Ihre Bilder hatten großen Erfolg in der Kunstszene und machten Worpswede schlagartig berühmt. Zu den bekanntesten Künstlern, die dort gelebt und gearbeitet haben, zählen Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Bernhard Hoetger, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und Paula Modersohn-Becker. Noch heute gibt es eine Reihe von Ateliers, Galerien und Werkstätten. Die Website Worpsweder Gegenwartskunst bietet einen Überblick über das künstlerische Schaffen. Stipendiaten aus der ganzen Welt arbeiten in dem Ort. Außerdem bieten viele Künstler Kurse und Seminare in verschiedenen Kunsttechniken und Kunsthandwerken an.

Außergewöhnliche Architektur und mehrere Museen

Käseglocke Worpswede © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
In der "Käseglocke" wohnte einst der Schriftsteller und Gästeführer Edwin Koenemann. Heute ist der Rundbau ein Museum.

Charakteristisch für Worpswede sind die historischen Bauernhöfe, die einst den Ortskern bildeten, die schmalen Kopfsteinpflaster-Straßen und die ungewöhnliche Architektur vieler Häuser. Mittelpunkt des sanierten Ortskerns ist die Kunst- und Kulturmeile Bergstraße. Zur Worpsweder Kunstlandschaft gehören sechs Museen. Vier davon gehören zum Museumsverbund und stimmen unter anderem ihre Ausstellungen aufeinander ab: Barkenhoff, Große Kunstschau, Haus im Schluh und Worpsweder Kunsthalle. Sie bieten mit ihren gemeinsamen Ausstellungsprogrammen Einblicke in den Reichtum und die Vielfalt der Worpsweder Kunst von den Anfängen im Jahr 1889 bis heute. Die Sammlungspräsentationen werden durch Sonderausstellungen ergänzt, die die Worpsweder Kunst im Kontext anderer Kunstströmungen beleuchten.

Das Museum am Modersohn-Haus und das Rundhaus "Käseglocke" komplettieren das Angebot. Das neue Konzept wurde im Rahmen eines "Masterplans Worpswede" und mit Förderung durch die EU erarbeitet und umgesetzt. Dazu gehörte auch, Ausstellungsräume zu renovieren und zu vergrößern.

Wer den Ort näher kennenlernen möchte, kann sich einer der zahlreichen Führungen anschließen, die die Tourist-Information in der Bergstraße organisiert. Neben geführten Radtouren; Spaziergängen und Moorwanderungen bieten die Veranstalter allen Gästen mit Sinn für das Morbide etwas ganz Besonderes: das "Worpsweder Gruselkabinettstückchen", eine Führung mit Schauergeschichten, Mythen und Sagen aus Worpswede und dem Teufelsmoor.

Entdeckungstour im Teufelsmoor

Männer und Frauen in historischen Kostümen fahren auf Torfkähnen auf der Hamme im Teufelsmoor. © dpa Foto: Ingo Wagner
Einst harte Arbeit, heute Touristen-Vergnügen: eine Tour im Torfkahn.

Worpswede und das Umland lassen sich ideal mit dem Rad entdecken, denn es gibt ein gut ausgebautes Radwegenetz. Sechs ausgeschilderte Routen führen rund um den Weyerberg - vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten. Lohnend ist auch ein Ausflug ins Teufelsmoor. Da der größte Teil des Moores unter Naturschutz steht, sollten Besucher an einer Führung teilnehmen. Die Biologische Station Osterholz bietet regelmäßig Erkundungstouren zu Fuß oder per Fahrrad an.

Außerdem fährt der Moorexpress, eine Museumsbahn, zwischen Stade und Bremen. Er hält am restaurierten Jugendstilbahnhof in Worpswede und transportiert auch Fahrräder. Beliebt sind ebenfalls Fahrten mit einem nachgebauten Torfkahn auf dem Fluss Hemme. Die Kähne brachten einst Torf aus dem Teufelsmoor bis nach Bremen und Brake.

Worpsweder Museen

27726 Worpswede
Tel. (04792) 955 05 90

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Webseite der Museen

Karte: Die Region Worpswede

Weitere Informationen
Heinrich-Vogeler Museum © Focke Strangmann

Kulturpartner: Die Worpsweder Museen

Die vier Worpsweder Museen bieten faszinierende Einblicke in die Vielfalt der Worpsweder Kunst von den Anfängen bis heute. extern

Schorse mit Gäste- und Kostümführer Hans-Herrmann Hubert in Worpswede. © NDR Foto: Bernd Drechsler
3 Min

Schorse im Künstlerdorf Worpswede

Im Künstlerdorf Worpswede plaudert Schrose mit Gästeführer Hans-Herrmann Hubert über Ausflugstipps und die Geschichte der Örtchen. Außerdem besucht er Bildhauerin Gisela Eufe in ihrem Atelier. 3 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 29.06.2020 | 07:10 Uhr

Urlaubsregionen im Norden