VIDEO: 65. Emil-Nolde-Bilderschau in Museum in Seebüll (3 Min)

Emil Nolde Museum Seebüll zeigt Jahresausstellung 2021

Stand: 18.03.2021 09:17 Uhr

Das frühere Wohnhaus des expressionistischen Malers Emil Nolde im nordfriesischen Seebüll ist heute ein Museum. Die aktuelle Jahresausstellung trägt den Titel "Emil Nolde - Maler und Graphiker".

Nolde (1867-1956) und seine Frau Ada waren 1927 nach Seebüll gekommen, einem Teil der kleinen Gemeinde Neukirchen nahe der dänischen Grenze. Dort, im heutigen Nordfriesland, erwarb er eine Warft und ließ darauf - im bewussten Kontrast zur traditionellen Architektur der Region - nach eigenen Entwürfen ein modernes Wohnhaus mit Atelier errichten. Zahlreiche seiner Werke, wie auch die sogenannten ungemalten Bilder, entstanden dort. Obwohl er als "entarteter Künstler" galt, blieb Nolde NS-Parteimitglied und überzeugter Nationalsozialist. Nach Noldes Tod 1956 wurde Seebüll gemäß seinem Wunsch Teil einer Stiftung und steht seitdem Besuchern als Museum offen.

Keine Trennung verschiedener Techniken

In jeder Saison präsentiert die Nolde-Stiftung in Seebüll eine neue Ausstellung mit Werken des Künstlers. Die etwa 125 gezeigten Exponate der aktuellen Schau "Emil Nolde - Maler und Graphiker" stammen aus unterschiedlichen Schaffensperioden Noldes und repräsentieren alle Motivwelten wie Figurenbilder, Meere, Landschaften und Blumen. Ein Novum ist, dass die Trennung verschiedener künstlerischer Techniken aufgehoben wurde: Werke auf Papier hängen jetzt neben Ölbildern. Das verdeutliche, wie Nolde die unterschiedlichen Techniken "ins anregende Wechselspiel gesetzt und seine Motive in vielfältigen Variationen betrachtet hat", sagt Christian Ring, Direktor der Stiftung Seebüll.

Nolde: Windmühlen und Sonnenblumen als Lieblingsmotive

Ein Lieblingsmotiv: die Windmühle. Dieses Motiv hatte es Nolde in der flachen nordfriesischen Landschaft angetan. Keine Windkraftanlage, wie heute, sondern eben noch das klassische Modell. Doch wie ein Windpark mutet fast die Häufung an, die die Besucher in der Ausstellung erwartet. Denn rund um Ölgemälde und Aquarell dieser einen Windmühle gruppieren sich Lithografien derselben, aus einer anderen Perspektive, in wechselnden Farben. Ein Experiment, sagt Christian Ring: "Das heißt: Wir haben auf der einen Seite diese wunderbare Fassung mit den unterschiedlichen Blautönen und dann aber auch diese leuchtende Fassung mit den Orange-Rot-Tönen. Und darunter diese etwas dunkleren Fassungen, die in schwarz beziehungsweise Grautönen gedruckt worden sind. Ich glaube, wenn man sich die Werke von Weitem anschaut, würde man gar nicht vermuten, dass es sich um Druckgrafiken handelt, sondern insbesondere die farbigen Arbeiten erscheinen wie Aquarelle."

Noch nie gezeigte Grafiken des Künstlers

Insgesamt sind 72 Grafiken zu sehen, die in Seebüll noch nie gezeigt wurden, während die Ölgemälde meist schon einmal ihren Platz in die jährlich wechselnden Ausstellungen gefunden hatten. Nolde und das "Junge Paar" - ein Mann, eine Frau im Abendkleid, gedruckt in Flensburg. Auch hier die ganze Bandbreite in verschiedenen Versionen, erklärt der Volontär der Nolde-Stiftung, Sören Groß: "Insgesamt kennen wir über 60 verschiedene Farbfassungen."

Nolde und die Sonnenblumen, ein weiteres Lieblingsmotiv, das aber erst in den 1920er-Jahren verstärkt auftaucht. Nicht immer brachten die Grafiken allerdings das gewünschte Ergebnis. "Er erreicht nicht ganz die Farbqualität, die für ihn für die Blumendarstellungen so immens wichtig sind", sagt Groß. Es gibt noch mehr Motive, die in gleichzeitig verschiedenen Techniken vorkommen. So wird aus der farblosen, aber fein strukturierten Radierung "Mann und Frau" von 1911 ein Jahr später das Gemälde "Vater und Tochter". Auch Noldes einziges Mosaik ist zu sehen: die "Madonna". Eine Frau mit Baby.

Schriftwechsel mit Gustav Schiefler

Wie einige der Werke entstanden sind, zeigt eine Vitrine mit Noldes Originalwerkzeug für die Holzschnittbearbeitung. Auch ein wichtiger Förderer Noldes findet seinen Platz in der Ausstellung: Der Hamburger Oberlandesgerichtsdirektor Gustav Schiefler, der 1906 als einer der ersten Sammler überhaupt Noldes Drucke erwarb. Er wurde für Nolde zum Freund. Sie schrieben sich etliche Briefe, weiß die stellvertretende Direktorin der Stiftung, Astrid Becker: "Insgesamt gibt es weit über 1.500. Über die wird übrigens ein Briefwechsel im Oktober 2021 veröffentlicht werden. Es gibt gar nicht so viele andere Korrespondenzpartner, in denen Nolde eröffnet, was er denkt, was er sagt, was er fühlt, aber all das passiert im Briefwechsel zu Schiefler."

Biografie und Werk unter einem Dach

Nolde Museum Seebüll

Seebüll 31
25927 Neukirchen
Tel. (04664) 98 39 30

Öffnungszeiten
18. März bis 31. Oktober
täglich 10-18 Uhr

Eintritt
Erwachsene: 8 Euro
Schüler ab 13 Jahren, Studenten: 3 Euro

 

Wohnräume zum Teil erhalten

Das Nolde Museum besteht aus mehreren Teilen: dem historischen Noldehaus, dem Staudengarten sowie einem modernen Gebäude, das eine biografische Ausstellung zu Noldes Leben zeigt. Im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers gibt es drei verschiedene Bereiche. Im Erdgeschoss, wo früher Noldes Atelier lag, finden Besucher heute die religiösen Bilder des Künstlers. Außerdem blieben Wohnräume mit den Möbeln des Paares erhalten. Der Bildersaal im ersten Stock mit etwa 30 Gemälden wird in der Regel für die aktuelle, jährlich wechselnde Ausstellung genutzt. In den früheren Wohnräumen der Noldes auf dieser Etage entstanden Kabinette für grafische Arbeiten und Aquarelle. Da das Wohnhaus derzeit saniert wird, sind nicht alle Bereiche des Museums für Besucher zugänglich. Die 65. Jahresausstellung findet wegen der Renovierung wie schon 2020 im modernen Besucherforum des Museums statt.

Blütenpracht und satte Farben im Staudengarten

Blick aus dem historischen Garten auf das ehemalige Nolde-Wohnhaus, heute Teil des Museums. © picture-alliance / HB-Verlag Foto: K.-H. Raach
Vom Garten fällt der Blick auf das ehemalige Wohnhaus des Künstlers.

Nolde liebte die Farben von Blumen Zeit seines Lebens und legte überall, wo er sich niederließ, einen Garten an. Blütenpracht und Grün inspirierten den Künstler und dienten ihm als Motiv für seine zahlreichen Garten- und Blumenbilder. In Seebüll legten Nolde und seine Frau Ada einen besonders prächtigen Staudengarten an, noch heute ist die Gestaltung der Wege in Form der Buchstaben A und E (für Ada und Emil) erhalten. Neben Rasenflächen und einzelnen Gehölzen blühen dort von April bis Oktober zahlreiche Stauden wie Schwertlilie, Rittersporn, Sonnenbraut, Lupine und Storchschnabel.

Kurzbiografie

7.8.1867 Emil Nolde kommt als vierter Sohn eines Bauern im Dorf Nolde an der dänischen Grenze zur Welt.
bis 1888 Lehre als Holzbildhauer und Zeichner
bis 1891 Wanderjahre als Schnitzer und Zeichner
bis 1897 Lehrer für Zeichnen und Modellieren in der Schweiz
bis 1900 Besuch von Schulen und Akademien
1902 Hochzeit mit dänischer Schauspielerin Ada Vilstrup
bis 1907 Mitglieder der Künstlergruppe "Brücke"
1909 erste religiöse Bilder
bis 1912 Ausstellungen, Mitglieder der "Neuen Sezession"
bis 1914 Reise durch Sibirien in die Südsee
1920 Nolde wird dänischer Staatsbürger
bis 1932 Bau des Hauses in Seebüll, Ehrendoktorwürde der Uni Kiel
1937 Die Nationalsozialisten beschlagnahmen 1.052 Werke Noldes, einige werden später in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt
1941 Ausschluss aus Reichskunstkammer und Berufsverbot
1944 Bomben zerstören Noldes Berliner Wohnung, 3.000 Werke vernichtet
1946 seine Frau Ada stirbt, zwei Jahre später Hochzeit mit Jolanthe Erdmann
13.4.1956 Emil Nolde stirbt im Alter von 88 Jahren in Seebüll

Karte: Nolde Museum Seebüll

Jahresausstellung 2020
Fotografen nehmen ein Bild von Emil Nolde im Nolde Museum Seebüll in Neukirchen auf. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder/dpa

Rückblick: Jahresausstellung 2020 im Emil Nolde Museum Seebüll

"Der Zauber des kleinen Formats", hieß die Jahresausstellung 2020 des Emil Nolde Museums im nordfriesischen Seebüll. Bildergalerie

Weitere Informationen
Ein Ausschnitt aus einem Plakat der Nolde Stiftung Seebüll © Nolde Stiftung Seebüll

Kulturpartner: Nolde Stiftung Seebüll

Die Nolde Stiftung Seebüll ist Kulturpartner von NDR Kultur. Aktuelle Informationen und Aktionen finden Sie hier. extern

Besucherinnen in einem Ausstellungsraum in Haus Seebüll 1960
1 Min

Damals: Emil Nolde-Ausstellung 1960 in Haus Seebüll

Besucher können im ehemaligen Haus des Künstlers seine Werke in einem Museum bewundern. (Video ohne Ton) 1 Min

Nolde-Museum in Seebüll © NDR Foto: Frank Hajasch

Nolde-Museum in Seebüll wird saniert

Seit Mai 2020 wird das Emil Nolde-Museum im nordfriesischen Seebüll nach modernen Ansprüchen umgebaut. Ein Baustellenbesuch. mehr

Der deutsche Maler und Graphiker Emil Nolde (Porträtfoto, um 1917) © akg-images

Emil Nolde und das Meer in allen Farben

Norddeutsche Landschaften sind ein Schlüsselmotiv im Werk des umstrittenen Malers Emil Nolde. mehr

NDR Intendant Lutz Marmor und zwei Mitarbeiter betrachten das Gemälde "Sonnenblumen" von Emil Nolde © dpa - Bildfunk Foto: Christian Charisius

Kunstraub im NDR: Nolde und die "Sonnenblumen"

Eine Kunst-Geschichte wie ein Krimi: 1979 werden aus Büros des NDR zwei Emil-Nolde-Gemälde gestohlen. Fast 40 Jahre bleiben sie verschollen - bis eines überraschend wieder auftaucht. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.03.2021 | 19:30 Uhr

Menschen wandern im Watt vor der Nordseeinsel Pellworm. © Kur- und Tourismusservice Pellworm

Welterbe Wattenmeer: Im Takt der Gezeiten

Das Wattenmeer ist ein einzigartiges Küstengebiet und seit 2009 Weltnaturerbe. Urlaubern bietet es ein besonderes Naturerlebnis, ist aber nicht immer optimal geschützt. mehr

Ein Segelboot auf der Elbe, im Vordergrund ein Sandstrand. © NDR Foto: Anja Deuble

Ausflugstipps: Entdecke den Norden

Wer Ausflüge in die Natur unternehmen möchte, findet im Norden viele Ziele. Einfach Wunschkriterien auswählen und Tipps bekommen. mehr

Urlaubsregionen im Norden