Stand: 10.03.2017 16:39 Uhr

Lüneburg: Salz, Stint und Studenten

Weiß, kostbar und weltweit begehrt: Salz bestimmte mehr als 1.000 Jahre die Geschicke Lüneburgs. Die Saline machte die Stadt im Nordosten der Lüneburger Heide reich und berühmt. Sie wurde eine der führenden Handelsstädte im Norden und Mitglied der Hanse. Heute prägen neben der sehenswerten Altstadt gut 8.000 Studierende der Leuphana-Universität die 72.000-Einwohner-Stadt an der Ilmenau.

Alte verwinkelte Fachwerkhäuser.

Lüneburg - die Hansestadt auf dem Salz

Nordtour -

Lüneburg begeistert durch prächtige Giebelhäuser und mittelalterliche Gassen. Bei einem Spaziergang mit dem Stadtarchäologen Edgar Ring entdeckt man aber noch einiges mehr.

4,67 bei 21 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Einzigartige Backsteindenkmäler

Vom einstigen Reichtum Lüneburgs zeugen die schönen Backstein-Giebelhäuser. Das mittelalterliche Stadtbild Lüneburgs ist von Krieg und Katastrophen verschont geblieben und nahezu vollständig erhalten. Mittelpunkt ist das prunkvolle Rathaus, dessen älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Die Barockfassade wurde im 18. Jahrhundert vollendet.

Der Alte Kran an der Ilmenau im Lüneburger Wasserviertel, links die Fassade des Alten Kaufhauses, fotografiert von Ann-Kristin Mennen © NDR Fotograf: Ann-Kristin Mennen

Alter Kran - Wahrzeichen von Lüneburg

NDR Info - Kultur -

Am einstigen Hafen an der Ilmenau im Herzen von Lüneburg steht der Kran aus Holzfachwerk.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Im Rathausturm hängt ein Glockenspiel mit 41 Glocken aus Meissener Porzellan, das täglich Melodien von Johann Abraham Peter Schulz spielt. Der Komponist von "Der Mond ist aufgegangen" war ein Sohn der Stadt. Das Rathaus selbst, eines der bedeutendsten in Norddeutschland, ist heute größtenteils ein Museum. Fast rund ums Jahr gibt es mehrmals täglich Führungen durch die Räume, die in verschiedenen Epochen entstanden sind. Auf dem Marktplatz davor wird es mittwochs und sonnabends bunt, wenn die Landwirte aus der Region ihre frischen Waren anbieten.

Cafés und Kneipen dicht an dicht

Schon vor Jahrzehnten hieß es gerüchteweise, in Lüneburg gäbe es pro Kopf gerechnet die meisten Zapfhähne der Republik. Damals war Lüneburg eine Garnisonsstadt voll durstiger Soldaten. Nach der Wende ist in eine der ehemaligen Kasernen die junge Universität eingezogen. Seitdem hat sich die Gastronomieszene noch weiter ausgebreitet. Das Wasserviertel rund um den Stintmarkt, wo früher der beliebte Fisch gehandelt wurde, ist das Kneipenzentrum der Stadt. Auch in der Schröderstraße hinter dem Rathaus und in der Heiligengeiststraße liegen Cafés, Restaurants und Kneipen dicht an dicht. Sogar über einen bekannten Gourmet-Tempel und eine Schokoladenmanufaktur verfügt die Heidestadt.

Auf Salz gebaut

Bild vergrößern
Auf schmalen Gassen mit Kopfsteinpflaster geht es durch die Lüneburger Altstadt.

Zwischen dem Marktplatz und dem Platz Am Sande, an dem sich der leicht schiefe Turm von St. Johannis erhebt, liegt das Haupteinkaufsviertel. Weiter westlich schlängeln sich schmale Kopfsteinpflasterstraßen durch ein stilleres Altstadtgebiet, das Wohnviertel rund um die Michaeliskirche. So manches Haus hier wirkt krumm und schief oder hat tiefe Risse: Der späte Tribut, den die Stadt für ihre salzige Glanzzeit zahlt. Aufgrund des unterirdischen Salzabbaus senkte sich ab etwa dem Jahr 1830 das Gebiet zwischen der ehemaligen Saline und dem Kalkberg um mehrere Meter ab. Dutzende Häuser und die ehemalige Lambertikirche fielen der Senkung zum Opfer. Ein markantes Zeugnis für die immensen Erdbewegungen findet sich in der Frommestraße: Hier haben sich zwei gußeiserne Torflügel allmählich übereinandergeschoben.

Lüneburgs "Bachkirche": St. Michaelis

Bild vergrößern
Der mächtige Bau der Michaeliskirche stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Im Gebiet der westlichen Altstadt können Besucher noch mehr unterirdische Zeugnisse der Vergangenheit entdecken. Ausgrabungen legten Reste eines ehemaligen Benediktinerklosters frei. Die alten Gewölbe sind vermutlich Teil des Kapitelsaals, des Hauptversammlungsraums der Mönche. Sie liegen gleich nördlich der St.-Michaelis-Kirche, deren trutziger Turm von einer barocken Haube mit Dachlaterne gekrönt wird. Urkunden belegen, dass schon im Jahr 956 ein Michaeliskloster in der Burg der Billunger auf dem Kalkberg stand.

St. Johannis in Kürze

Bauzeit: 1289-1308, Erweiterungen im 14. und 15. Jh.
Besonderheit: Der mehr als 108 m hohe Turm ist einer der höchsten Kirchtürme Niedersachsens; durch eine Verformung des Dachstuhls wirkt er von allen Seiten aus betrachtet schief.
Architektur: St. Johannis liegt wie ihre Nachbarinnen St. Nicolai und St. Michaelis an der Europäischen Route der Backsteingotik
Konfession: evangelisch-lutherisch

Nachdem die Festung 1371 zerstört wurde, wurden Kirche und Kloster innerhalb der Stadtmauern neu aufgebaut - leider auf der Abbruchkante eines Salzstocks, was die Pfeiler im Kirchenschiff bis zu 70 Zentimeter aus dem Lot brachte. St. Michaelis wird auch "die Bachkirche des Nordens" genannt, denn hier hat einst Johann Sebastian Bach musiziert, der um 1700 als Jugendlicher die Partikularschule des Klosters besuchte.

Die jüngste Hauptkirche Lüneburgs ist St. Nicolai, deren Backsteinturm erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.

Salz, Geschichte und mehr: Besuch im Museum

Weitere Informationen
mit Video

"Weißes Gold" brachte Lüneburg den Wohlstand

Salz machte Lüneburg im Mittelalter zu einer reichen Stadt. Wie die Lüneburger ihr Salz förderten, zeigt die lebendige und informative Ausstellung des Deutschen Salzmuseums. mehr

Salz, das "weiße Gold", bestimmte jahrhundertelang die Geschichte der Stadt. Es war wertvoll und begehrt, wurde über Lübeck im ganzen Ostseeraum gehandelt und diente in erster Linie zur Konservierung von Lebensmitteln wie Hering. Aus Salzstollen, die bis zu 20 Meter unter die Erde führten, beförderten die Lüneburger die Sole, eine Salzwasserlösung, an die Erdoberfläche. Dort wurde die Sole in Wannen auf Feuer erhitzt: Das Wasser verdampfte, das Salz kristallisierte aus. Wie das genau funktioniert und wie sich Salzkristalle anfühlen, können Besucher im Deutschen Salzmuseum erfahren. Das Haus steht am Ort der alten Produktionsstätten, die 1980 geschlossen wurden, und versteht sich als "Museum zum Anfassen". Es vermittelt auf anschauliche Weise Wissenswertes über Salz und dessen Bedeutung.

Einen sehr plastischen Überblick über die Geschichte der Stadt gibt auch das Lüneburg Museum. Die neu konzipierte Ausstellung verbindet Naturkunde, Archäologie und Stadtgeschichte und spannt einen Bogen von der Eiszeit über das Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei geht es um so unterschiedliche Themen wie Landschaft, Kunst, die Hanse, den Nationalsozialismus und die Anti-Atom-Bewegung.

Entspannen in der Salztherme

Salz ist auch das Thema im "Salü" - der Salztherme am alten Kurpark. Dort können Besucher in verschiedenen Salzwasserbecken, zum Beispiel einem Wellenbad und einem Sole-Außenbecken, baden und entspannen. Das Wasser enthält bis zu vier Prozent Sole. Zusätzlich bietet die Therme verschiedene Saunen, Wellness-Anwendungen, ein spezielles Kinderbecken und eine Riesenrutsche.

Weitere Informationen
mit Video

Lösecke-Haus wieder aufgebaut: Mieter ziehen ein

Über drei Jahre nach dem Brand beziehen die ersten Mieter das wiederaufgebaute Lösecke-Haus in Lüneburg. Doch nicht jedem gefällt der Nachbau des historischen Gebäudes. mehr

02:35

Salz: Der Reichtum Lüneburgs

18.12.2016 11:30 Uhr
Landpartie - Im Norden unterwegs

So gewannen die Lüneburger Sülfmeister Salz. Es war im Mittelalter so kostbar wie Gold. Mit Salz wurden Speisen haltbar gemacht. Video (02:35 min)

Auf Nebenstrecken durch die Heide

Ob mit dem Triebwagen oder im historischen Zug mit der Diesellok: Der Heide-Express fährt auf landschaftlich reizvollen Routen durch die Lüneburger Heide und an die Elbe. mehr

Unterwegs auf der Straße des "weißen Goldes"

Im Mittelalter brachten Händler ein kostbares Gut von Lüneburg nach Lübeck: Salz. Heute können Radfahrer den alten Handelsweg großteils entlang des Elbe-Lübeck-Kanals erkunden. mehr

Auf den Spuren des Mittelalters in Bardowick

Das Wahrzeichen Bardowicks ist unübersehbar der Dom - eine von zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die den Ort bei Lüneburg prägen. Reizvoll ist auch die beschauliche Umgebung. mehr

Karte: Sehenswertes in Lüneburgs Altstadt

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 11.03.2017 | 18:00 Uhr

Mehr Ratgeber

02:04
06:59

Horror-Urlaub auf dem "Traumschiff"

25.09.2017 20:15 Uhr
Markt
06:37