Stand: 12.12.2019 09:54 Uhr

Celle: Fachwerkstadt mit Charme

Pipenposten-Brunnen auf dem Großen Plan in Celle © CTM GmbH; www.celle-tourismus.de
Schöne Fachwerkhäuser stehen auch am Großen Plan. Der "Pipenposten" mit Löwenwappen diente einst der Wasserversorgung.

Eine stimmigere Fachwerk-Altstadt, in der gleichzeitig reges Leben herrscht, findet man in Niedersachsen kaum. Die Straßen und Gassen im historischen Teil von Celle sind gesäumt von etwa 500 liebevoll restaurierten, unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäusern. In die Erdgeschosse der uralten Häuser, die teils noch aus dem 16. Jahrhundert stammen, sind viele interessante, kleine Läden eingezogen.

Celler Altstadt: Ein Blick vom Kirchturm

Besonders romantisch ist die enge Kalandgasse, in der die Lateinschule von 1602 steht. Die Gasse mündet in die Stechbahn, den früheren Turnierplatz mit der mehr als 700 Jahre alten Stadtkirche St. Marien. 235 Stufen führen auf ihren Turm, von dem sich ein toller Ausblick auf den Ort und das Umland bietet (Dienstag bis Sonnabend bei gutem Wetter). In der Fürstengruft der Kirche haben die Welfen-Herzöge und ihre Angehörigen in teils prächtigen Särgen ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Rathaus im Stil der Weserrenaissance und Weihnachtsmarkt

An die Stadtkirche grenzt das Alte Rathaus, ein beeindruckendes Zeugnis der herzöglichen Herrschaft. Es wurde im 14. und 16. Jahrhundert ausgebaut und reich verziert. Der Nordgiebel gilt als Meisterwerk der Weserrenaissance, im Ratskeller befinden sich gotische Kreuzgewölbe. Einige Schritte weiter, in der Poststraße, treffen Besucher auf das Hoppener-Haus von 1532. Bunt bemalte Schnitzereien an der Fassade des Fachwerkgebäudes zeigen Handwerker, Teufel, Narren und Fratzen. Vor dem Haus steht ein "Pipenposten", einer von drei erhaltenen Brauchwasserbrunnen aus dem 16. Jahrhundert. Zum Jahresende verwandeln sich große Teile der Altstadt in einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.

Barockes Schmuckstück: Das Celler Schloss

Am westlichen Rand der Altstadt steht das bedeutendste Bauwerk der Stadt, das Schloss. Es geht auf eine Burganlage aus dem 13. Jahrhundert zurück. Celle, 1292 gegründet, war ab Mitte des 15. Jahrhunderts für knapp 300 Jahre ständige Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Um- und Ausbauten Ende des 17. Jahrhunderts gaben dem Schloss sein bis heute barockes Äußeres.

Porträt
Blick auf das Herzogschloss in Celle. © picture-alliance/dpa Foto: Poguntke

Celles weißes Schloss auf dem grünen Hügel

In Celle steht eines der schönsten Schlösser der Welfen. Das Gebäude hat viele Jahrhunderte überdauert und bietet heute einen Blick in die lange Geschichte des Adelsgeschlechts. mehr

Die Schlosskapelle gilt als einzige noch unversehrt erhaltene frühprotestantische Hofkapelle in Deutschland. Die historischen Räume, darunter die restaurierten Staatsgemächer des letzten dort residierenden Herzogpaares und der Königssaal, sind Teil des Residenzmuseums und können besichtigt werden. Außerdem werden regelmäßig öffentliche Führungen angeboten, die auch einen Einblick in die Schlosskapelle und -küche ermöglichen. Eine Besonderheit ist das Theater mit 300 Sitzplätzen, eines der ältesten erhaltenen Hoftheater, das bis heute mit eigenem Ensemble bespielt wird.

Das Schloss steht auf einer Anhöhe inmitten einer gepflegten Parkanlage mit altem Baumbestand, Alleen, Wiesen und Wasserläufen. Am Schlossplatz gibt das 1892 eröffnete Bomann-Museum einen umfassenden Einblick in die Geschichte Celles und der Region.

Moderne Kunst im 24-Stunden-Museum

Die Fassade des Kunstmuseums Celle strahlt in Orange. © Kunstmuseum Celle
Abends erstrahlt die Fassade des Celler Kunstmuseums manchmal in Orange.

Nebenan präsentiert das Celler Kunstmuseum moderne und zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Robert Simon. Dazu gehören Werke von Timm Ulrichs, Joseph Beuys und Peter Basseler. Das Museum versteht sich als erstes 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt. Zwar schließen sich die Türen am Abend, für Kunstfreunde lohnt sich dennoch ein Besuch, denn dann zeigt das Museum an seiner gläsernen Fassade Klang- und Lichtkunst.

Bauhaus-Architektur im Otto-Haesler-Museum

Weniger bekannt ist, dass es in Celle auch zahlreiche Gebäude im Stil der Bauhaus-Architektur aus den 1920er-Jahren gibt. Gebaut hat sie der Architekt Otto Haesler. Gemeinsam mit Walter Gropius gehörte er zu den Begründern des Neuen Bauens. Um die große Wohnungsnot jener Jahre zu bekämpfen, entwarf Haesler in Celle unter anderem mehrere Arbeitersiedlungen mit gemeinschaftlichen Gärten und Einrichtungen wie Kindergärten. Zwei Kleinstwohnungen in der Siedlung "Blumläger Feld", die samt Möbeln im Original-Zustand hergerichtet wurden, beherbergen heute ein Museum, dass dem Schaffen des Architekten in Celle gewidmet ist.

Ziel für Pferdefans: Das Landgestüt Celle

Reiter in historischen Kostümen bei der Hengstparade in Celle © CTM GmbH; www.celle-tourismus.de
Bei den jährlichen Hengstparaden präsentiert das Gestüt seine Tiere.

Tiere der Rasse Hannoveraner sind weltweit als Reit- und Turnierpferde bekannt und begehrt. Das Landgestüt Celle, gegründet 1735 auf Erlass von Kurfürst Georg II. von Hannover, ist das Zentrum für die Zucht der Hannoveraner. Jährliche Höhepunkte sind die traditionellen Hengstparaden im August. Dabei werden die Tiere in zahlreichen Vorführungen präsentiert und geritten - von Mitarbeitern in teils prachtvollen historischen Uniformen.

Natur im Heilpflanzengarten

Wer sich für Pflanzen interessiert, findet in Celle ein spannendes Ziel, den Heilpflanzengarten. Der 7.000 Quadratmeter große Garten an den Dammaschwiesen ist einer der größten seiner Art in Europa. In Themenbeeten zu Duft- und Aromapflanzen oder Gift- und Färberpflanzen gedeihen rund 300 verschiedene Heilpflanzen. Besucher erfahren auf Tafeln oder bei einer Führung von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Pflanzen. Der terrassenförmig angelegte Garten hat von März bis November täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt frei.

Weitere Informationen
Kajaks an einem Sommertag auf der Örtze © dpa Foto: Susann Prautsch/dpa

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Unterwegs auf Aller und Örtze

Auch das Umland von Celle hat einiges zu bieten. Prägend ist die Aller, ein Nebenfluss der Weser. Flussabwärts, auf der Unteraller Richtung Winsen, ist von Mai bis Anfang Oktober ein Personenschiff unterwegs. Es startet im Celler Hafen und fährt durch die idyllische Landschaft der Südheide. Die Oberaller zwischen Celle und Gifhorn eignet sich zum Paddeln und Wasserwandern. Ein besonders schönes Ausflugsgebiet für Freizeitsportler und Naturliebhaber ist das Flüsschen Örtze. Eine Kanutour auf der Örtze bietet Möglichkeiten zu ausgedehnten Naturbeobachtungen: Eisvögel, seltene Libellenarten, Fische und Greifvögel leben in dieser Landschaft. Zahlreiche Verleihstationen bieten Kanus und Kajaks an.

Karte: Die Innenstadt von Celle

Dieses Thema im Programm:

NDR Plus | Ausflugstipps – Entdecke den Norden | 13.12.2019 | 07:30 Uhr

Blühende Landschaft in der Lüneburger Heide. © Picture-Alliance / Bildagentur Huber Foto: F. Damm

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