Stand: 05.12.2019 12:00 Uhr

Die Halligen: Wind, Wellen und Einsamkeit

Sie heißen Langeneß, Hooge, Nordstrandischmoor, Oland, Gröde, Habel, Norderoog, Süderoog, Südfall und Hamburger Hallig und sind einzigartig. Die Halligen, zehn kleine, maximal 9,6 Quadratkilometer große Inseln in der Nordsee. Wie verlorene Landflecken liegen sie vor der Küste Schleswig-Holsteins im Wattenmeer.

VIDEO: Ein Halligtraum? Neuanfang im Wattenmeer (59 Min)

Mit Ausnahme eines Sommerdeichs auf Hooge sind die Halligen nicht eingedeicht, werden daher regelmäßig überflutet. Damit Menschen und Tiere die Sturmfluten unbeschadet überstehen, stehen die Häuser auf sogenannten Warften, künstlich aufgeschütteten Erdhügeln. Steigt der Wasserstand der Nordsee stark an, was bis zu 30 Mal im Jahr vorkommen kann, besonders im Herbst und Winter, heißt es auf den Halligen "Land unter". In Extremfällen ragen dann nur noch die Häuser auf den Warften aus dem Wasser.

Nur wenige Menschen leben hier

Steckbrief - die zehn Halligen

Langeneß - 9,56 km² - ständig bewohnt
Hooge - 5,74 km² - ständig bewohnt
Gröde - 2,77 km² - ständig bewohnt
Nordstrandischmoor - 1,75 km² - ständig bewohnt
Hamburger Hallig - 1,10 km² - unbewohnt, Restaurant, Naturschutzgebiet
Oland - 0,96 km² - ständig bewohnt
Süderoog - 0,60 km² - ständig bewohnt, Naturschutzgebiet
Südfall - 0,56 km² - ständig bewohnt, Naturschutzgebiet
Norderoog - 0,09 km² - unbewohnt, Naturschutzgebiet
Habel - 0,036 km² - im Sommer von einem Vogelwart bewohnt, Naturschutzgebiet

Nur sieben der zehn Halligen sind ständig bewohnt. Ein beliebtes und viel besuchtes Ausflugs- und Urlaubsziel ist die Hallig Hooge - nicht zuletzt, weil sie unabhängig von Ebbe und Flut gut mit der Fähre zu erreichen ist. Auch Langeneß, Oland, Gröde und Nordstrandischmoor bieten Ausflugslokale und Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste an. Mit jeweils etwas mehr als 100 Einwohnern sind Hooge und Langeneß die Halligen mit den meisten Menschen.

Auf Süderoog und im Sommer auch auf Südfall leben jeweils nur zwei Menschen. Beide Halligen gehören zur Schutzzone 1 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und dürfen nur im Rahmen spezieller Führungen betreten werden. Habel und Norderoog stehen ebenfalls unter Schutz. Der Verein Jordsand hat Habel vom Land Schleswig-Holstein gepachtet, im Sommer lebt ein Vogelwart in dem einzigen Haus der Hallig. Norderoog befindet sich im Privatbesitz des Vereins, fachkundige Führungen werden von Hooge aus angeboten.

Mit dem Schiff, zu Fuß oder dem Fahrrad

Die meisten Halligen werden von Schiffen angesteuert - allerdings in der Regel nur während der Saison von April bis Oktober. Schon die Überfahrt ist für viele Besucher ein Erlebnis. Zu manchen Halligen können Bewohner und Besucher bei Ebbe zu Fuß durch das Watt laufen, etwa nach Nordstrandischmoor. Ausgangspunkt ist der Ort Lüttmoorsiel im Beltringharder Koog nördlich von Husum. Aber Vorsicht: Das Wasser kommt bei einsetzender Flut sehr schnell - und vor allem für Festländer unberechenbar - zurück. Deswegen sollten Besucher immer mit einem Wattführer unterwegs sein und das Wetter genau beobachten.

Ein vier Kilometer langer Damm verbindet die Hamburger Hallig mit dem Festland. Besucher können zu Fuß, mit dem Rad oder Auto (gegen Gebühr) auf die kleine Halbinsel gelangen. Dort gibt es ein Restaurant und eine Badestelle. Außerdem ist die Hallig Naturschutzgebiet und ein ideales Ziel um Vögel zu beobachten.

Ziele nicht nur für einen Tag

Ringelgänse rasten auf einer Wiese auf der Hallig Hooge im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. © dpa Foto: Klaus Günter
Im Frühjahr rasten Zehntausende Ringelgänse auf den Halligen - ein Naturschauspiel.

Radfahren, Wattwandern und Teetrinken sind die beliebtesten Aktivitäten von Hallig-Touristen. Auch das "Hallig-Hopping", von einer Insel zur nächsten zu reisen, ist sehr gefragt. Interessenten sollten direkt am Hafen nachfragen, ob sie mit einem Boot mitfahren können. Viele Gäste sind Tagestouristen, andere verbringen mehrere Urlaubstage auf einer der Inseln. Interessant ist ein Besuch besonders zum Biikebrennen im Februar, zu den Ringelganstagen im Frühjahr oder zur Strandflieder-Blüte im Sommer.

Sehenswertes auf Hallig Hooge

Hallig Hooge © picture-alliance / dpa / dpaweb
Tourismus ist der Haupterwerbszweig auf der Hallig Hooge.

Hallig Hooge ist die zweitgrößte und bekannteste Hallig. Knapp zwölf Kilometer lang ist der Weg, der auf dem Deich einmal um das Eiland herumführt. Im Sommer kommen rund 800 Tagesbesucher mit der Fähre auf die Insel. Die Überfahrt ab Schlüttsiel dauert gut eine Stunde. Wer möchte, kann auch länger bleiben und seinen Urlaub mitten im Wattenmeer verbringen. Es gibt verschiedene Unterkünfte mit insgesamt mehr als 500 Betten - vom Privatzimmer bis zum kleinen Hotel.

Auf der Hanswarft, mit Panoramablick auf das Watt, liegt die Schutzstation Wattenmeer. Besucher können sich dort in einer Wattwerkstatt, einem Gezeitenbecken und der Ausstellung "Mensch und Watt" umfassend informieren. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Heimatmuseum, die Halligkirche aus dem 17. Jahrhundert auf der Kirchwarft und der sogenannte Königspesel auf der Hanswarft.

Unterkunft für den König

Blick in den Königspesl, einen Raum eines historischen Hauses auf der Hanswarft auf der Hallig Hooge. © picture-alliance / HB Verlag
Die holländischen Fliesen im Königspesel tragen meist biblische Motive.

Die Friesenstube im 1776 erbauten Kapitänshaus von Tade Hans Bendix zeigt ein Stück friesische Wohnkultur und zeugt vom Wohlstand der Seefahrer-Ära. Sogar der dänische König Friedrich VI. soll hier eine Nacht geschlafen haben, nachdem er 1825 bei einer Besichtigungstour von einer Sturmflut überrascht wurde. Seitdem heißt die gute Stube Königspesel. Der Raum ist mit blau-weißen Fliesen verkleidet und steht unter Denkmalschutz. Auch das Mobiliar ist original erhalten geblieben. Alles Notwendige wie zum Beispiel das Bett oder ein Schrank für Geschirr sind in den Wänden eingebaut.

Selbst einen Kinosaal hat Hallig Hooge zu bieten. Dort laufen allerdings keine Hollywood-Streifen, sondern ein Film über Sturmfluten.

Die Entstehung der Halligen

Die Entstehungsgeschichte der einzelnen Halligen ist sehr unterschiedlich. Einige wurden durch den Wechsel von Flut und Ebbe aufgeschwemmt, andere bestehen aus Resten des Festlandes oder von Inseln, die früheren Sturmfluten standgehalten haben. Vor allem zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert kam es häufig zu besonders starken Sturmfluten. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich ein mehr oder weniger geschlossenes und von Menschen kultiviertes Marschland im Gebiet der heutigen Halligen. Doch die Sturmfluten, besonders die "Grote Mandränke" von 1362, trugen massenhaft Sedimente ab und zerrissen das Marschland.

Stetige Veränderung

Wind, Wellen und der Mensch haben in den vergangenen Jahrhunderten diese Landschaft weiter verändert. Heute sind von den etwa 100 Halligen, die es im Mittelalter gegeben haben soll, nur noch zehn übrig. Die meisten Halligen sind im Laufe der Geschichte Opfer der Fluten geworden oder durch Eindeichung "landfest" gemacht worden, so zum Beispiel der heutige Haupthafen in Dagebüll. Andere wuchsen zusammen, so etwa Nordmarsch, Butwehl und Langeneß - sie wurden 1802 zu der heute noch bestehenden Hallig Langeneß.

Karte: Die zehn nordfriesischen Halligen
Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

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