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Sternwarte Hamburg-Bergedorf: Kuppelbauten und Teleskope

Stand: 03.11.2021 15:16 Uhr

Die 1912 eröffnete Sternwarte in Hamburg-Bergedorf war einst ein Observatorium von Weltrang. Heute ist der in einem Parkgelände auf dem Gojenberg gelegene Gebäudekomplex ein lohnendes Ausflugsziel.

Bei seiner Einweihung galt das Astro-Observatorium als das modernste und größte Europas. Trotzdem ist es heute selbst vielen Hamburgern kein Begriff. Dabei handelt es sich bei der Sternwarte in Bergedorf um ein bedeutendes Kulturdenkmal, deren technische Anlagen noch original erhalten und vielfach noch voll funktionsfähig sind.

Bewerbung um UNESCO-Welterbetitel

Die Stadt Hamburg hat daher beschlossen, sich mit der Sternwarte bei der deutschen Kultusministerkonferenz für die deutsche Vorschlagsliste für den Titel des UNESCO-Welterbes zu bewerben. Ab 2025 könnte die Anlage dann offiziell einen Antrag auf Eintragung in die Welterbeliste stellen.

Weitläufige Anlage mit Bäumen und Grünflächen

Die Sternwarte in Hamburg-Bergedorf © dpa Foto: Ulrich Perrey
An den Wochenenden können Besucher das Gelände der Sternwarte auf Führungen erkunden.

Auf dem parkähnlichen Gelände in Bergedorf befinden sich mehrere neobarocke Kuppelbauten mit Teleskopen, außerdem Werkstätten, Wohngebäude für die damaligen Mitarbeiter, Laborgebäude und eine Direktorenvilla. Herzstück der Anlage ist der Kuppelbau mit dem sogenannten Großen Refraktor. Dieses historische Teleskop aus dem Jahr 1911 gilt als eines der größten Linsenteleskope in Deutschland und ist ein wichtiges Zeugnis der Wissenschaftsgeschichte. Das Objektiv hat einen Durchmesser von 60 Zentimetern und neun Meter Brennweite.

Führungen jedes Wochenende

Besucher können die Kuppelbauten und viele historische Gebäude auf Führungen über das Gelände der Sternwarte besichtigen, die an den Wochenenden stattfinden. An einem Teil der Teleskope dürfen sie im Winterhalbjahr jeweils am ersten Mittwochabend im Monat die Sterne beobachten (jeweils 19 bis 22 Uhr, nur bei klarem Himmel).

Das Hauptgebäude der Sternwarte Hamburg. © NDR Foto: Irene Altenmüller
In dem ehemaligen Hauptdienstgebäude ist eine Bibliothek mit bedeutenden historischen Büchern untergebracht.

In der historischen Bibliothek auf dem Gelände finden zudem regelmäßig Vorträge zu naturwissenschaftlichen Themen statt. Einen Eindruck vom Inneren des Großen Refraktors und der Bibliothek vermittelt ein virtueller Rundgang auf der Website der Sternwarte.

Auch unabhängig von Führungen und Veranstaltungen lohnt sich ein Spaziergang durch die Parkanlage, die jeweils an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr zugänglich ist. Ein Planetenweg zeigt anschaulich die Dimensionen der einzelnen Planeten und ihrer Abstände innerhalb unseres Sonnensystems.

Ursprünge der Sternwarte liegen im 19. Jahrhundert

Außenaufnahme der Sternwarte in Bergedorf. © NDR.de Foto: Anna Rüter
Der Kuppelbau mit dem sogenannten Großen Refraktor ist ein wichtiges wissenschaftshistorisches Zeugnis.

Die Anfänge der Hamburger Sternwarte liegen im frühen 19. Jahrhundert. 1802 gründete der Feinmechaniker Johann Georg Repsold ein kleines privates Institut auf dem Stintfang über dem Hafen. Unter der napoleonischen Besatzung aufgelöst, wurde das Observatorium 1825 am Millerntor wiedereröffnet und 1833 vom Hamburger Senat übernommen.

Doch der Standort im Herzen der Stadt entwickelte sich nach und nach zum Problem für die Sternenforscher: In der rasant wachsenden Metropole wurde die Luft immer schmutziger, elektrisches Licht erhellte die Nächte - schlechte Arbeitsbedingungen für Astronomen.

Sternenkataloge und Zeitmessung für die Schifffahrt

Teleskop in einer der Kuppelbauten auf dem Gelände der Sternwarte Hamburg. © NDR Foto: Irene Altenmüller
Bis heute sind einige Teleskope voll funktionsfähig. Auf Führungen können Besucher sie besichtigen.

Nach der Umsiedlung nach Bergedorf verfügte Hamburg ab 1912 über eine der größten und bedeutendsten Sternwarten Europas. Für die Hafenstadt war sie damals von immenser Bedeutung, da die Schiffskapitäne bei der Navigation noch auf Sternenkarten und die genaue Uhrzeit angewiesen waren. Weltberühmt wurden die Bergedorfer Sternenkataloge, die das Institut bis in die 1960er-Jahre erstellte.

Eine weitere Hauptaufgabe der Sternwarte war die Zeitmessung. Auf Grundlage von Himmelsbeobachtungen bestimmten die Astronomen auf dem Gojenberg die Uhrzeit schon vor mehr als 100 Jahren auf die Zehntelsekunde genau. Die Messwerte wurden bis Mitte der 30er-Jahre täglich auf eine Lichtzeichenanlage und einen "Zeitball" im Hamburger Hafen übertragen: Um exakt 12 Uhr Greenwich-Zeit fiel der große schwarze Ball herunter, weithin sichtbar für die Kapitäne.

Die Hamburger Sternwarte. © picture alliance/Markus Scholz/dpa Foto: Markus Scholz/dpa
Viele Bauten der Sternwarte wurden bis 2019 umfassend restauriert.

Hamburgs Astronomen untersuchten aber auch die physikalischen Eigenschaften der Sterne sowie die Sternverteilung in der Milchstraße und anderen Galaxien. 1930 entwickelte der Optiker Bernhard Schmidt in Bergedorf zudem das bahnbrechende Schmidt-Spiegelteleskop für die Himmelsfotografie - für Astronomen damals eine Weltsensation.

Das Observatorium im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Sternenforscher auch für militärische Aufgaben eingespannt, lieferten unter anderem aerodynamische Berechnungen für den Flugzeugbau und überwachten die Sonnenfleckentätigkeit, um Störungen der Kurzwellen-Übertragungen voraussagen zu können.

Die Sternwarte überstand den Krieg fast unbeschädigt und kehrte schon zu Beginn der 50er-Jahre zum normalen Forschungsbetrieb zurück. Ein Meilenstein in der Geschichte des Instituts war die Gründung der Europäischen Südsternwarte (engl. European Southern Observatory - ESO) 1962 in Bergedorf. Ihr Hauptziel war die Erforschung des Südsternhimmels - zu diesem Zweck finanzierte die ESO ein großes Observatorium in Chile.

Die Sternwarte heute

Sternwarte Hamburg

Gojenbergsweg 112
Besucherzentrum: August-Bebel-Str. 196
21029 Hamburg
Tel. (040) 64 68 29 75

Informationen zu Führungen und Veranstaltungen auf der Website des Besucherzentrums. Es gelten die aktuellen Corona-.Bestimmungen.,

Anfahrt: Buslinie 332 oder 135 ab S-Bahnstation Bergedorf

Die große Zeit der Hamburger Sternwarte ist heute längst Geschichte. Anderswo auf der Welt sind die Sterne einfach häufiger zu sehen als am oft bewölkten Hamburger Himmel. Die modernen Observatorien stehen heute in der chilenischen Atacama-Wüste oder auf dem Calar Alto in Südspanien. In Bergedorf betreibt man seit den 70er-Jahren in erster Linie Grundlagenforschung auf den Gebieten Kosmologie, Quasare und Stellarphysik. Seit 1968 gehört das Institut zum Fachbereich Physik der Uni Hamburg.

Seit 2008 gehört die Sternwarte offiziell zu den "national bedeutsamen Kulturdenkmälern", im Juni 2019 wurde sie nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wiedereröffnet.

Unterschied zwischen Sternwarte und Planetarium

Eine Sternwarte ist übrigens etwas ganz anders als ein Planetarium. Als Planetarium bezeichnete man ursprünglich ein mechanisches Modell, mit dessen Hilfe die Gestirne und Planeten dargestellt wurden. Heute ist damit ein spezieller Projektor gemeint, der den Sternenhimmel und andere Himmelskörper auf die Innenseite einer halbkugelförmigen Kuppel projiziert. Auch das dazugehörige Gebäude wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Planetarium bezeichnet. Das Hamburger Planeterium befindet sich im Stadtpark im Stadtteil Winterhude.

Karte: Die Sternwarte in Hamburg Bergedorf

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 03.11.2021 | 06:00 Uhr

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