Stand: 26.06.2019 10:39 Uhr

Sternstunden erleben in Hamburg-Bergedorf

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An den Wochenenden können Besucher das Gelände der Sternwarte auf Führungen erkunden.

Seit 1912 steht sie auf dem Gojenberg in Hamburgs östlichstem Stadtteil Bergedorf: die Sternwarte. Trotzdem ist das historische Astro-Observatorium, das bei seiner Einweihung als das modernste und größte Europas galt, selbst vielen Hamburgern kein Begriff. Dabei lohnt der in einem Parkgelände gelegene Gebäudekomplex, der im Juni 2019 nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet wurde, einen Besuch.

Weitläufige Anlage mit Bäumen und Grünflächen

Auf dem parkähnlichen Gelände in Bergedorf befinden sich mehrere neobarocke Kuppelbauten mit Teleskopen, außerdem Werkstätten, Wohngebäude für die damaligen Mitarbeiter, Laborgebäude und eine Direktorenvilla. Herzstück der Anlage ist der Kuppelbau mit dem sogenannten Großen Refraktor. Dieses historische Teleskop aus dem Jahr 1911 gilt als eines der größten Linsenteleskope in Deutschland und ist ein wichtiges Zeugnis der Wissenschaftsgeschichte. Das Objektiv hat einen Durchmesser von 60 Zentimetern und neun Meter Brennweite.

Lippert-Astrograph der Sternwarte Hamburg. © Hamburger Sternwarte

Hamburg damals: Bergedorfer Sternwarte

Hamburg Journal -

Mit dem Bau der Sternwarte im Jahr 1912 wurde Hamburg zum Mekka für Astronomen. Damals sorgte jede neue Entdeckung für helle Aufregung in der Bevölkerung.

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Führungen jedes Wochenende

Besucher können die Kuppelbauten und viele historische Gebäude auf Führungen über das Gelände der Sternwarte besichtigen, die an den Wochenenden (Sa 14 Uhr, So 12 und 14 Uhr) stattfinden. An einem Teil der Teleskope dürfen sie im Winterhalbjahr außerdem an bestimmten Abenden die Sterne beobachten. Der Große Refraktor steht aber derzeit noch nicht wieder für Sternbeobachtungen zur Verfügung. Noch ist unklar, wann das wieder der Fall sein wird. In der historischen Bibliothek auf dem Gelände finden zudem regelmäßig Vorträge zu naturwissenschaftlichen Themen statt.

Auch unabhängig von Führungen und Veranstaltungen lohnt sich ein Spaziergang durch die weitläufige Parkanlage, die jeweils an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr zugänglich ist. Seit 2008 gehört die Sternwarte offiziell zu den "national bedeutsamen Kulturdenkmälern".

Ursprünge der Sternwarte liegen im 19. Jahrhundert

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Der Kuppelbau mit dem sogenannten Großen Refraktor ist ein wichtiges wissenschaftshistorisches Zeugnis.

Die Anfänge der Hamburger Sternwarte liegen im frühen 19. Jahrhundert. 1802 gründete der Feinmechaniker Johann Georg Repsold ein kleines privates Institut auf dem Stintfang über dem Hafen. Unter der napoleonischen Besatzung aufgelöst, wurde das Observatorium 1825 am Millerntor wiedereröffnet und 1833 vom Hamburger Senat übernommen. Doch der Standort im Herzen der Stadt entwickelte sich nach und nach zum Problem für die Sternenforscher: In der rasant wachsenden Metropole wurde die Luft immer schmutziger, elektrisches Licht erhellte die Nächte - schlechte Arbeitsbedingungen für Astronomen.

Sternenkataloge und Zeitmessung für die Schifffahrt

Nach der Umsiedlung nach Bergedorf verfügte Hamburg ab 1912 über eine der größten und bedeutendsten Sternwarten Europas. Für die Hafenstadt war sie damals von immenser Bedeutung, da die Schiffskapitäne bei der Navigation noch auf Sternenkarten und die genaue Uhrzeit angewiesen waren. Weltberühmt wurden die Bergedorfer Sternenkataloge, die das Institut bis in die 1960er-Jahre erstellte.

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Die Bauten der Sternwarte wurden bis Juni 2019 umfassend restauriert und sind heute barrierefrei zugänglich.

Eine weitere Hauptaufgabe der Sternwarte war die Zeitmessung. Auf Grundlage von Himmelsbeobachtungen bestimmten die Astronomen auf dem Gojenberg die Uhrzeit schon vor mehr als 100 Jahren auf die Zehntelsekunde genau. Die Messwerte wurden bis Mitte der 30er-Jahre täglich auf eine Lichtzeichenanlage und einen "Zeitball" im Hamburger Hafen übertragen: Um exakt 12 Uhr Greenwich-Zeit fiel der große schwarze Ball herunter, weithin sichtbar für die Kapitäne. Hamburgs Astronomen untersuchten aber auch die physikalischen Eigenschaften der Sterne sowie die Sternverteilung in der Milchstraße und anderen Galaxien. 1930 entwickelte der Optiker Bernhard Schmidt in Bergedorf zudem das bahnbrechende Schmidt-Spiegelteleskop für die Himmelsfotografie - für Astronomen damals eine Weltsensation.

Das Observatorium im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Sternenforscher auch für militärische Aufgaben eingespannt, lieferten unter anderem aerodynamische Berechnungen für den Flugzeugbau und überwachten die Sonnenfleckentätigkeit, um Störungen der Kurzwellen-Übertragungen voraussagen zu können.

Die Sternwarte überstand den Krieg fast unbeschädigt und kehrte schon zu Beginn der 50er-Jahre zum normalen Forschungsbetrieb zurück. Ein Meilenstein in der Geschichte des Instituts war die Gründung der Europäischen Südsternwarte (engl. European Southern Observatory - ESO) 1962 in Bergedorf. Ihr Hauptziel war die Erforschung des Südsternhimmels - zu diesem Zweck finanzierte die ESO ein großes Observatorium in Chile.

Die Sternwarte heute

Sternwarte Hamburg

Gojenbergsweg 112
Besucherzentrum: August-Bebel-Str. 196
21029 Hamburg
Tel. (040) 64 68 29 75

Informationen zu Führungen und Veranstaltungen auf der Website des Besucherzentrums

Anfahrt:
Buslinie 332 oder 135 ab S-Bahnstation Bergedorf

Die große Zeit der Hamburger Sternwarte ist heute längst Geschichte. Anderswo auf der Welt sind die Sterne einfach häufiger zu sehen als am oft bewölkten Hamburger Himmel. Die modernen Observatorien stehen heute in der chilenischen Atacama-Wüste oder auf dem Calar Alto in Südspanien. In Bergedorf betreibt man seit den 70er-Jahren in erster Linie Grundlagenforschung auf den Gebieten Kosmologie, Quasare und Stellarphysik. Seit 1968 gehört das Institut zum Fachbereich Physik der Uni Hamburg.

Unterschied zwischen Sternwarte und Planetarium

Eine Sternwarte ist übrigens etwas ganz anders als ein Planetarium. Als Planetarium bezeichnete man ursprünglich ein mechanisches Modell, mit dessen Hilfe die Gestirne und Planeten dargestellt wurden. Heute ist damit ein spezieller Projektor gemeint, der den Sternenhimmel und andere Himmelskörper auf die Innenseite einer halbkugelförmigen Kuppel projiziert. Auch das dazugehörige Gebäude wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Planetarium bezeichnet. Das Hamburger Planeterium befindet sich Stadtpark.

Weitere Informationen
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Hamburg Journal

Heimatkunde: Hamburg und die Sterne

Hamburg Journal

Hamburg hat einen besonderen Bezug zu den Sternen: Durchs Weltall fliegen 45 Objekte, deren Namen mit der Hansestadt verbunden sind. Kometen mochten die Hamburger weniger gern. Video (02:24 min)

Karte: Die Sternwarte in Hamburg Bergedorf

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.06.2019 | 18:00 Uhr

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