VIDEO: Finkenwerder, die Insel mitten in Hamburg (4 Min)

Finkenwerder: Hamburgs maritimer Stadtteil

Stand: 18.10.2019 13:25 Uhr

Früher waren es Schiffe und Fischerei, heute ist Hamburg-Finkenwerder vor allem für das Airbuswerk bekannt. Zugleich bietet der Stadtteil auf der Elb-Südseite viel Grün.

Hightech-Industrie und Naturlandschaften, Apfelplantagen und Werften: Finkenwerder zählt zu den vielseitigsten Stadtteilen Hamburgs. Früher war der südlich der Elbe gelegene Stadtteil vor allem für Fischerei und Schiffbau bekannt, heute ist er ein wichtiger Standort der Luftfahrttechnik. Rund 15.000 Menschen arbeiten dort beim Flugzeugbauer Airbus. Dauerhaft leben dagegen nur knapp 12.000 Menschen in Finkenwerder.

186 Fischkutter lagen einst in Finkenwerder

Das Lotsenhaus Seemannshöft in Hamburg-Finkenwerder. © NDR Foto: Kathrin Weber
Das Lotsenhaus am Eingang zum Hafen von Finkenwerder wurde 1914 nach Plänen von Fritz Schumacher errichtet.

Bis in die 1970er-Jahre war Finkenwerder bekannt für den Schiffbau. Etliche Werften, darunter eine der bedeutendsten Hamburger Werften, die Deutsche Werft, hatten sich dort angesiedelt. Heute existieren nur noch wenige kleine Schiffsbauer. Auf dem einstigen Gelände der Deutschen Werft, die 1968 mit den Howaldtswerken fusionierte, befindet sich jetzt der Rüschpark.

Außerdem war in Finkenwerder einst eine große Fischereiflotte ansässig, bereits im 17. Jahrhundert fuhren die Fischer von der Elbinsel auf die Nordsee hinaus. Ende des 19. Jahrhunderts lagen im Hafen von Finkenwerder rund 186 Fischkutter. Einer von ihnen war der 1889 erbaute Hochseekutter "Landrath Küster". Das historische Segelschiff liegt heute im Kutterhafen. Es ist noch immer fahrtüchtig und bietet regelmäßig Törns auf der Elbe an.

Der Finkenwerder Hochseekutter "Landrath Küster" im Kutterhafen von Finkenwerder © NDR Foto: Petra Volquardsen
Der hölzerne Hochseekutter "Landrath Küster" bietet an ausgewählten Tagen Törns auf der Elbe an.

An die lange Geschichte Finkenwerders als Fischerort erinnert heute vor allem das blau-weiß gestreifte "Finkenwerder Fischerhemd" und das Traditionsgericht Scholle Finkenwerder Art, für das der Fisch mit einer Speckstippe serviert wird.

Elternhaus des Heimatdichters Gorch Fock

An einigen Stellen hat sich der Stadtteil bis heute einen dörflichen Charakter bewahrt. So finden sich etwa in der Straße Steendiek mehrere hübsche historische Backsteinhäuser. Sehenswert ist auch das Gorch-Fock-Haus am Neßdeich. Das 1880 erbaute Elternhaus des bekannten Heimatdichters wurde nach längerer Sanierung 2018 wiedereröffnet. Heute steht es Besuchern jeden ersten Donnerstag im Monat offen (14-18 Uhr).

Per Fähre in 30 Minuten zu den Landungsbrücken

Die Hafenfähre "Övelgönne" in Hamburg.
Mit der Elbfähre ist die Fahrt nach Finkenwerder eine kleine Hafenrundfahrt.

Zugleich punktet der Stadtteil mit seiner Nähe zur Innenstadt: Per Fähre erreicht man die Landungsbrücken in einer halben Stunde. Wegen seiner guten Erreichbarkeit mit den Hafenfähren ist Finkenwerder vor allem an den Wochenenden ein beliebtes Ausflugsziel - allerdings verlassen die meisten Fahrgäste das Schiff am Hafen von Finkenwerder gar nicht, sondern fahren gleich wieder zurück. Sie nutzen die Fähre zum Sightseeing und genießen den schönen Blick über Elbufer und Hafen.

Grünes Finkenwerder

Dabei lohnt es sich auszusteigen, denn Finkenwerder ist sehr grün. Bis heute prägt der Obstanbau große Flächen im Süden des Stadtteils. Traditionell werden hier vor allem Äpfel angebaut, die alte Apfelsorte "Finkenwerder Herbstprinz" stammt von der Elbinsel.

Das Naturschutzgebiet alte Süderelbe in Hamburg-Finkenwerder. © imago images Foto: Lars Berg
Das Naturschutzgebiet Alte Süderelbe gilt noch als Geheimtipp unter den grünen Ausflugszielen in Hamburg.

Mit den Westerweiden und der Alten Süderelbe, dem ehemaligen südlichen Seitenarm der Elbe, besitzt der Stadtteil außerdem zwei Naturschutzgebiete. Im Westen zum Airbusgelände hin ist die Süderelbe durch einen Damm abgetrennt. Er wurde nach der großen Sturmflut von 1962 angelegt, bei der auf Finkenwerder die Deiche an mehreren Stellen gebrochen waren. Seitdem ist Finkenwerder keine Insel mehr. Zuvor gab es aber bereits eine Straßenverbindung zum Festland.

Finkenwerder ist auch ein guter Ausgangspunkt für Spaziergänge entlang der Deiche oder Radtouren ins Alte Land. Wer den Stadtteil im Sommer besucht, kann zudem einen Abstecher zum Freibad einplanen, das sich nicht weit vom Fähranleger befindet. Besonderheit: Von der Liegewiese aus kann man die riesigen Containerfrachter beobachten, die auf der Elbe fahren.

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