Die neue Schwebefähre quert 2022 den Nord-Ostsee-Kanal unter der Rendsburger Hochbrücke. © picture alliance/dpa Foto: Marcus Brandt

Schwebefähre Rendsburg: Industriedenkmal am Nord-Ostsee-Kanal

Stand: 09.03.2022 13:12 Uhr

Die Rendsburger Eisenbahn-Hochbrücke gilt als herausragendes Industriedenkmal - auch wegen ihrer Schwebefähre. Sie wurde bei einer Kollision schwer beschädigt. Seit März 2022 fährt eine Ersatzfähre.

Wer mit der Eisenbahn zwischen Hamburg und Flensburg unterwegs ist, überquert bei Rendsburg den Nord-Ostsee-Kanal - auf einer spektakulären Hochbrücke. Die Stahlkonstruktion des Ingenieurs Friedrich Voss entstand zwischen 1911 und 1913. Mit fast 2,5 Kilometern Länge und 68 Metern Höhe zählt sie zu den größten Brücken Europas.

Doch erst die dazugehörige Schwebefähre, die unter der Brücke den Kanal quert, macht sie zu etwas Außergewöhnlichem. Die Fähre war Anfang 2016 mit einem Frachter zusammengestoßen und dabei so schwer beschädigt worden, dass sie abgehängt werden musste. Eine Reparatur war nicht möglich, deshalb wurde für 13 Millionen Euro eine Ersatzfähre gebaut, die im März 2022 eingeweiht wurde.

Die Schwebefähre quert den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg. © imago/penofoto Foto: Guenter Nowack
Die Schwebefähre verkehrt nach Fahrplan und ist kostenlos.

Die neue Fähre kann bis zu 100 Menschen und vier Autos befördern, auf die alte Fähre passten 60 Fußgänger und sechs Autos. Damit sich der Unfall nicht wiederholen kann, verfügt sie über bessere Sicherheitssysteme als ihre Vorgängerin. Die Fähre hängt unter der Hochbrücke und überquert den Kanal auf ihrer rund 125 Meter langen Strecke in drei Metern Höhe über dem Wasser. Die Überfahrt dauert nur 1,5 Minuten. Die Schwebefähre verkehrt alle 15 Minuten nach Fahrplan, der Betrieb startet täglich um 5 Uhr. Im Sommer ist um 23 Uhr, im Winter um 22 Uhr Feierabend. Zweimal am Tag ist Pause - von 10.30 Uhr bis 11 Uhr sowie von 19.30 Uhr bis 20 Uhr.

Flexibel und sparsam

Schwebefähren haben den Vorteil, dass sie keine besonderen Zufahrtrampen benötigen und den Schiffsverkehr nicht unterbrechen wie etwa Klappbrücken. Auch bei Eisgang oder starker Strömung können sie problemlos fahren und benötigen weniger Energie als ein Fährschiff. Genau genommen schwebt die Fähre gar nicht: Der Rumpf hängt an Seilen am größten Wahrzeichen Rendsburgs, der Hochbrücke. So überquert eine Schwebefähre das Wasser, ohne es zu berühren.

Auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe

Geht es nach dem Willen der Stadt Rendsburg, soll die Schwebefähre bald zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen - zusammen mit sechs weiteren Schwebefähren im niedersächsischen Osten, im französischen Rochefort, im argentinischen Buenos Aires sowie in den britischen Orten Warrington, Middlesbrough und Newport. Aufgrund der internationalen Gemeinschaftsbewerbung rechnen sich die einzelnen Städte bessere Chancen auf Anerkennung aus. Das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Weltweit gibt es nur wenige Schwebefähren: Einst waren es 20, heute sind nur noch acht aktiv, darunter die Schwebefähre Puente de Vizcaya im spanischen Bilbao. Sie trägt bereits seit 2006 den Welterbetitel und gilt als die älteste Schwebefähre der Welt.

Rendburger Hochbrücke: Ein Bauwerk der Extraklasse

Blick auf die die Eisenbahnhochbrücke mit der Schwebefähre aus dem Jahr 1913 © NDR Foto: Dennis Brandau
Von fast jedem Punkt aus haben Spaziergänger einen beeindruckenden Blick auf die Hochbrücke mit der Schwebefähre.

Auch die zweispurige Eisenbahnhochbrücke, an der die Scshwebefähre in Rendsburg hängt, ist ein beeindruckendes Baudenkmal. Sie ersetzte 1913 zwei einspurige Drehbrücken, die einer Verbreiterung des Nord-Ostsee-Kanals im Weg standen. 42 Meter Durchfahrtshöhe für Schiffe waren von anderen Brücken am Kanal vorgegeben. Die größte Herausforderung für die Planer bestand darin, die Züge mit geringer Steigung auf die Hauptbrücke über dem Kanal fahren zu lassen. Dafür wurden die Gleise auf fast 2,2 Kilometer lange Stahlrampen verlegt und zusätzlich 2,2 Kilometer lange Anfahrdämme aufgeschüttet.

Blick auf die Eisenbahn-Hochbrücke Rendsburg über den Nord-Ostsee-Kanal © WSA Kiel-Holtenau
Die längste Eisenbahnbrücke Deutschlands steht auf mehr als 50 Pfeilern.

Die geringe Distanz zwischen Kanal und Rendsburger Bahnhof wurde mit einem großen Kreis, der sogenannten Schleife, um fast sechs Kilometer verlängert. Die Dimensionen des Baus sind gewaltig: Die Oberfläche der Stahlkonstruktion beträgt 240.000 Quadratmeter, 3,2 Millionen Nieten stecken im Metall und allein die 295 Meter lange Hauptbrücke wiegt 3.700 Tonnen. Von Mai bis September finden sonntags Führungen an der Brücke statt. Dabei geht es auf der Südseite eine Wendeltreppe mit 178 Stufen hinauf zu den Bahngleisen.

Karte: Rendsburger Hochbrücke

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Blick auf die die Eisenbahnhochbrücke mit der Schwebefähre aus dem Jahr 1913 © NDR Foto: Dennis Brandau

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