Rundlingsdörfer im Wendland erkunden

Stand: 27.07.2020 12:00 Uhr

Alle Häuser weisen zu einem zentralen Platz: Im Wendland existiert eine ganz besondere Siedlungsform, die sogenannten Rundlingsdörfer. Ihre Ursprünge gehen offenbar auf die Slawen zurück.

Sie heißen Gühlitz oder Köhlen, Jabel oder Meuchefitz: Kleine Dörfer im Wendland, die aus kaum mehr als einem Dutzend Häusern bestehen. Was sie verbindet, ist die Anordnung der einzelnen Gebäude: Die Giebelseiten der Bauernhäuser, meist typisch norddeutsche Hallenhäuser, zeigen alle zu einem zentralen Platz in der Mitte des Ortes, sodass sich eine runde Form ergibt. Sie brachte den Dörfern die Bezeichnung Rundlinge ein. Besonders viele Rundlinge finden sich westlich von Lüchow. Rund 100 solcher Dörfer gehören zu der heutigen Samtgemeinde

Alte Bauernhäuser aus dem 18. Jahrhundert

Dorfplatz im Rundlingsdorf Bussau © Marketingbüro Wendland.Elbe
Die Giebelseiten aller Häuser zeigen zum Dorfplatz. Warum das so ist, ist historisch ungeklärt.

Die historische Siedlungsform entstand im Mittelalter und ist weltweit nahezu einzigartig. Die ältesten Rundlingsdörfer bestehen seit mehreren Hundert Jahren. Die meisten erhaltenen Häuser der Rundlingsdörfer stammen aus dem 18. Jahrhundert. Da die Orte teilweise kaum gewachsen sind, hat sich ihre charakteristische Form erhalten. Damit das so bleibt, stehen viele Häuser in den Rundlingen und zum Teil ganze Dörfer wie etwa Saaße oder Jabel unter Denkmalschutz.

Wie entstand die runde Siedlungsform?

Bis heute ist nicht endgültig geklärt, warum die Dörfer einst in dieser Form gebaut wurden, ob sie sich etwa aus ehemaligen Wehrdörfern oder Kultplätzen entwickelten. Klar scheint nur, dass Slawen im 12. Jahrhundert die ersten Orte in dieser Form anlegten. Historiker vermuten, dass die regionalen Grundherren in den runden Dörfern Siedler zusammenfassten, die zuvor vereinzelt wohnten.

Rundlingsdörfer zu Fuß oder per Rad entdecken

Zwei Radfahrer betrachten ein Haus im Rundlingsdorf Satemin. © dpa - Bildarchiv Foto: Hans-Jürgen Wege
Die runden Dörfer lassen sich ideal auf einer Radtour erkunden.

Wer die außergewöhnlichen Dörfer näher kennenlernen möchte, kann vier dieser Orte - Satemin, Jabel, Meuchefitz und Gühlitz - auf einem sieben Kilometer langen Rundlingsweg zu Fuß erkunden. Mit dem Fahrrad kommt man auf einem 22 Kilometer langen Rundweg an weiteren Dörfern wie Lübeln oder Jeetzel vorbei. In Lübeln lohnt ein Besuch des Rundlingsmuseums Wendlandhof. Das Freilichtmuseum informiert über die Geschichte der Rundlingsdörfer und widmet sich mit verschiedenen Erlebnisstationen auf dem Gelände und 13 historischen Gebäuden dem Landleben vor rund 200 Jahren.

Urlauber willkommen

Urlauber können in den meisten Rundlingsdörfern auch übernachten. In vielen der alten Bauernhäuser wurden Ferienwohnungen oder Gästezimmer eingerichtet, einige der Ferienhöfe bieten auch die Möglichkeit zur preiswerten Übernachtung im Heu. Einen Überblick über Quartiere und Freizeitangebote in der Region geben die Websites von Wendland.Elbe und des Wendland Regionalmarketings.

Karte: Ausgewählte Rundlingsdörfer im Wendland

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