Stand: 03.05.2019 09:53 Uhr

Insel Hiddensee: Kleinod in der Ostsee

Bild vergrößern
Der nur zehn Meter hohe Leuchtturm am Gellen steht im Süden der Insel.

Ein autofreies Stückchen Erde, ruhig, ursprünglich und von Wasser umgeben: Hiddensee ist ein Ort für Romantiker. Die kleine Ostseeinsel liegt - nur durch eine Sandbank getrennt - westlich von Rügen. Sie ist knapp 17 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle nur 250 Meter breit. Rund 1.000 Einwohner leben in den vier Orten Kloster, Grieben, Vitte und Neuendorf. Die Natur bestimmt das Leben der Menschen und ist zugleich Magnet für rund 50.000 Touristen, die die Insel pro Jahr besuchen.

Pferde, Kutsche und Reiter gemeinsam auf dem Bild.

Mit der Kutsche über Hiddensee

Nordtour -

Familie Neubauer betreibt auf Hiddensee den Fuhrmannshof: Bei Planwagenfahrten und Reitausflügen können Urlauber die autofreie Insel entdecken.

4,8 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Naturparadies mit verschiedenen Vegetationszonen

Landschaftlich lässt sich die Insel in drei Abschnitte unterteilen: Im Norden liegt das Hochland Dornbusch mit dem gleichnamigen Leuchtturm und der bis zu 60 Meter hohen Steilküste Dornbuschkliff, in der Mitte das Flachland mit Dünenheide und langen Sandstränden und im Süden der "Gellen" - ein sandiges Schwemmland, das zum größten Teil Vogelschutzgebiet und deshalb nicht zugänglich ist.

Bild vergrößern
Die Dünenheide prägt einen Teil der Insel, Sandwege führen hindurch.

Die Dünenheide zählt zu den letzten großen Küstendünenheiden an der deutschen Ostseeküste. Sie erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 120 Hektar zwischen den Orten Vitte und Neuendorf. Auf zahlreichen kleinen Sandwegen können Besucher diese Landschaft zu Fuß erkunden. Die meterhohen Dünen sind mit Besenheide, Kriechweide und Krähenbeere bewachsen. Besonders schön anzusehen ist die Heide im August und September, wenn sie in voller Blüte steht.

Führungen mit dem Ranger

Große Teile der Insel gehören zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Viele Vogelarten, darunter auch bedrohte, finden hier Brut- und Rastplätze. Außerdem gibt es Wildkaninchen, verschiedene Bienenarten und viele Schmetterlinge. Auch für mehrere Hundert Blütenpflanzen, Moose und Flechten bietet die Insel ein ideales Habitat. Das Nationalparkhaus in Vitte informiert in einer Ausstellung über den Park und seine Ziele. Von Juni bis September werden außerdem regelmäßig naturkundliche Führungen angeboten. Der neue Erlebnispfad "De lütt Küst" erklärt Besuchern spielerisch die Küstendynamik, der die Landschaft auf Hiddensee ausgesetzt ist.

Wanderung zum Leuchtturm Dornbusch

Bild vergrößern
Der Leuchtturm Dornbusch im Norden ist das Wahrzeichen von Hiddensee.

Auch der Weg zum Leuchtturm am Dornbusch führt die letzten Meter durch den Nationalpark. Der Turm - das wohl beliebteste Fotomotiv auf der Insel - liegt auf einem etwa 70 Meter hohen Hügel. Der 27 Meter hohe Turm wurde 1888 in Betrieb genommen. Er ist Wahrzeichen und aktives amtliches Seezeichen zugleich. Wer den Aufstieg zur Aussichtsplattform geschafft hat, wird mit einem schönen Rundblick über Hiddensee belohnt.

Gerhart Hauptmanns Vermächtnis

Hiddensee wird oft als Künstlerinsel bezeichnet, denn zu Beginn des vorigen Jahrhunderts verlebten zahlreiche Maler, Schriftsteller, Tänzer und Schauspieler den Sommer auf der Insel: Käthe Kruse und Stummfilm-Diva Asta Nielsen, Albert Einstein und Carl Zuckmayer, Thomas Mann, Sigmund Freud und vor allem Gerhart Hauptmann. Der Schriftsteller kaufte 1930 das Haus "Seedorn" in Kloster, in dem er zuvor viele Jahre die Sommermonate mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Margarete Marschalk verbracht hatte.

Bild vergrößern
Das Haus "Seedorn", in dem Hauptmann meist den Sommer verbrachte, ist heute ein Museum.

Das Haus diente später als Sommerresidenz des Paares, dort schrieb Hauptmann viele seiner Werke. Seit 1956 ist es als Erinnerungsstätte und Literaturmuseum geöffnet. Die Wohnräume des Schriftstellers sind noch im Originalzustand erhalten. Unweit seines ehemaligen Domizils liegt Hauptmann begraben - auf dem kleinen Friedhof von Kloster. Heute wird das Gerhart-Hauptmann-Haus auch als Veranstaltungsort für Lesungen und Konzerte genutzt. Die Dänin Asta Nielsen verbrachte mehrere Sommer in einem Haus am Nordende von Vitte, das sie 1929 gekauft hatte. 2015 wurde das "Karusel" grundlegend saniert und ist nun für Besucher geöffnet.

Vitte: Sandstrand und Seebühne

Bild vergrößern
Mit seinen handgefertigten Marionetten spielt Karl Huck in Vitte klassische Stücke und Märchen.

Mit rund 650 Einwohnern ist Vitte der Hauptort der Insel und gleichzeitig Sitz der Inselverwaltung und -schule. Außerdem finden Besucher dort ein Theater, ein Kino, einen Seglerhafen sowie viele Unterkünfte, Cafés und Restaurants. Der schöne, breite Sandstrand lädt zum Baden oder Spazierengehen ein. Abends lohnt sich ein Besuch der Seebühne. In seinem hübschen Minitheater inszeniert Schauspieler und Puppenspieler Karl Huck Stücke mit handgefertigten Marionetten. Etwa 30 Personen haben in dem märchenhaften Saal Platz. Eine rechtzeitige Reservierung ist empfehlenswert.

Kloster: Das kulturelle Zentrum

Bild vergrößern
Salzwiesen und dichter Wald umrahmen den Ort Kloster.

Im Norden Hiddensees liegt Kloster. Der meistbesuchte Ort der Insel war ursprünglich Sitz des Zisterzienserordens, der Hiddensee vom Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert beherrschte. Ein richtiges Kloster gibt es heute nicht mehr, geblieben sind nur die Überreste der alten Grundmauern. Kloster ist das kulturelle Zentrum Hiddensees: Dort stehen das Heimatmuseum, das Gerhart-Hauptmann-Haus und die weiß getünchte Inselkirche. Sie wurde 1332 als Kirche vor dem Klostertor geweiht und ist das letzte erhaltene Bauwerk aus der Zeit der Zisterzienser. Am Hafen hat das Wetterstudio Hiddensee seinen Sitz. Im Sommer ist Kloster recht belebt - wie Perlen einer Kette reihen sich Souvenirgeschäfte, Restaurants und Cafés aneinander. Auf einem Hügel über dem Ort thront eines der größten privaten Gebäude der Insel, die Lietzenburg. Der Kaufmann und Maler Oskar Kruse-Lietzenburg ließ die wuchtige Villa 1904 erbauen.

Klein, aber fein: Grieben und Neuendorf

Grieben - ursprünglich ein eigenständiger Ort aus der Slawenzeit - ist heute ein Ortsteil von Kloster. Der älteste und kleinste Inselort erstreckt sich bis zum Dornbusch nach Norden. Im Süden des Flachlandes liegt Neuendorf - der ruhigste und ursprünglichste Inselort. Das alte Fischerdorf mit seinen schönen, weiß getünchten Reetdachhäusern steht komplett unter Denkmalschutz, ein Fischereimuseum erinnert an alte Zeiten. Wiesen und ein breiter Sandstrand prägen das Landschaftsbild.

Unterwegs zu Fuß, mit Rad, Kutsche oder Boot

Bild vergrößern
Romantisch und umweltschonend: Mit dem Pferdewagen-Taxi können Touristen die Insel erkunden.

Da Hiddensee relativ klein ist, können Besucher die Insel gut zu Fuß erkunden. Die Entfernung zwischen Neuendorf im Süden und Kloster im Norden beträgt ganze acht Kilometer. Von Ost nach West sind es an der breitesten Stelle 3,7 Kilometer. Wer ungern wandert, kann sich an einer der Verleihstationen ein Fahrrad mieten. Noch bequemer ist eine Tour mit dem Pferdewagen. Mehrere Fuhrbetriebe bieten Kutschfahrten über die Insel an.

Von den Häfen der kleinen Insel starten in den Sommermonaten fast täglich Ausflugsfahrten in die Gewässer rund um Hiddensee. Besonders beliebt sind Boddenfahrten. Auch Segeltörns mit dem Zeesenboot oder eine Rundfahrt um die Insel mit einem Kutter sind empfehlenswert. Im Herbst finden außerdem regelmäßig Kranichfahrten zu den Rastplätzen der beeindruckenden Vögel statt, die sich um diese Jahreszeit zu Zehntausenden in der Boddenlandschaft aufhalten. Informationen über Abfahrtszeiten und Preise bekommen Besucher bei der Tourismusinformation der Insel in Vitte und Kloster.

Anreise

Hiddensee ist für den privaten Autoverkehr fast vollständig gesperrt. Besucher erreichen die Insel von Stralsund, von Rügen (Schaprode, Wiek, Dranske, Breege) sowie von Zingst aus mit der Fähre. Zudem verkehren Wassertaxis zu individuellen Zeiten ab Schaprode und Stralsund. Mit dem Auto fahren Urlauber zunächst über den Rügendamm oder die Rügenbrücke auf der B 96 bis Samtens auf Rügen und von dort über Gingst nach Schaprode. Dort können sie ihr Auto auf einem bewachten Parkplatz abstellen. Wer mit der Bahn anreist, fährt am besten bis Stralsund und setzt von dort auf die Insel über.
Vermieter auf Hiddensee bieten ihren Gästen meist einen Gepäcktransport an oder stellen Bollerwagen bereit. Zusätzlich warten an den drei Anlegern in Neuendorf, Vitte und Kloster Pferdewagen-Taxis auf die Touristen. Die Fahrzeit von Schaprode nach Neuendorf beträgt etwa 30, nach Vitte und Kloster jeweils 45 Minuten. Von Stralsund aus dauert die Überfahrt rund drei Stunden.

Karte: Die Insel Hiddensee auf einen Blick
Weitere Informationen

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Dünen, Wälder und viel Wasser prägen den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft an der Ostsee. Besucher erwartet dort eine ganz spezielle Tier- und Pflanzenwelt. mehr

03:29
Nordtour

Dreharbeiten für den Film "Kruso" auf Hiddensee

Nordtour

Am 26. September zeigt die ARD den Film "Kruso", nach dem gleichnamigen Roman von Lutz Seiler. Die Handlung spielt auf der Insel Hiddensee - in der Gaststätte und Pension Klausner. Video (03:29 min)

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 04.05.2019 | 18:00 Uhr

Urlaubsregionen im Norden

Mehr Ratgeber

09:43
Mein Nachmittag
08:53
Mein Nachmittag