Stand: 23.01.2020 12:01 Uhr

Die stillen Bernsteinbäder auf Usedom

Radfahrer vor einer Radkarte auf Usedom © imago/alimdi
Das Fahrrad ist ein ideales Verkehrsmittel auf Usedom.

An der schmalsten Stelle der Insel Usedom liegen die vier Bernsteinbäder. Dieser Name für die kleinen Seebäder Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz bezieht sich auf Bernsteine, die sich dort an den Stränden noch recht häufig findet. Besonders nach Stürmen können Sammler Glück haben. Ihren besonderen Charme verdanken die Bernsteinbäder aber weniger den goldgelben Halbedelsteinen, als der fast unberührten Natur und der maritimen Lage zwischen der Ostsee und dem Achterwasser, einer Lagune der Peene.

Die Bernsteinbäder: lange Strände, weitläufige Wälder

Neben den langen, feinsandigen Stränden der Ostsee prägen Buchenwälder und Steilküsten die Landschaft. Am Achterwasser liegen kleine Sportboothäfen, auch Surfer und Angler finden an dem im Schnitt nur etwa drei Meter tiefen Wasser ein ideales Revier. Rund 15 Kilometer lang und bis zu zehn Kilometer breit ist die Wasserfläche, die von der Insel Usedom und dem Festland fast komplett umschlossen ist.

VIDEO: Bernsteinführungen auf Usedom (4 Min)

Lüttenort: Usedoms schmalste Stelle

Zwischen den malerisch gewundenen Küsten des Achterwassers und der Ostsee liegen viele lohnende Ausflugsziele. Dazu gehört die Rieck, eine Bucht an der schmalsten, nur rund 300 Meter breiten Stelle der Insel zwischen Zempin und Koserow. Dort liegt auch Lüttenort, die Heimat des Usedomer Malers Otto Niemeyer-Holstein. Besucher können das mit vielen Werken des 1984 verstorbenen Künstlers ausgestattete Wohnhaus, das Atelier und einen modernen Galerie-Anbau sowie den schön gestalteten Garten besichtigen.

Koserow - das größte der Bernsteinbäder

Blick auf den Strand und die Seebrücke in Koserow auf Usedom © imago images / Westend61
Bei Koserow fällt die Küste steil zur Ostsee ab.

Koserow ist das größte der vier Bernsteinbäder. Aushängeschild ist der lange Strand mit feinem, hellen Sand. An der 261 Meter langen Seebrücke legen Ausflugsschiffe in Richtung Swinemünde ab. Sehenswert im Ort ist die im 13. Jahrhundert erbaute Feldsteinkirche, die in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder verändert und erweitert wurde. Weiterer Anziehungspunkt ist der Streckelsberg, auf den mehrere Wanderwege hinaufführen. Von der Kuppe des 58 Meter hohen Hügels bietet sich ein schöner Blick über die Ostsee, bei sehr klarer Sicht sind sogar die Kreidefelsen auf Rügen zu sehen. Besonders schön ist eine Wanderung auf den Streckelsberg im Frühling, wenn Teppiche blauer Leberblümchen den Weg säumen. Um den Streckelsberg ranken sich mehrere Sagen und Mythen: So soll in den Höhlen des Bergs einst der berüchtigte Seeräuber Klaus Störtebeker untergeschlüpft sein. Auch die sagenumwobene Handelsstadt "Vineta" soll vor der Küste des Berges vom Meer verschlungen worden sein.

Loddin - Seebad mit Fischerdorf-Charme

Eine sonnendurchflutete Waldlichtung © NDR Foto: Anne-Katrin Dorst aus Stralsund
Die Landschaft rund um die Bernsteinbäder ist Schauplatz mehrerer Sagen. Auch dieser Wald im Hinterland wirkt wie verzaubert.

Mit schönen, reetgedeckten Häusern hat sich Loddin den Charme eines alten Fischer- und Bauerndorfes erhalten. Wälder und Wiesen umgeben das ruhige Seebad, das sich vom Achterwasser bis zur Ostsee erstreckt. Zwischen Buchenwald und dem malerischen Kölpinsee liegt der Ortsteil Stubbenfelde mit einem Campingplatz direkt hinter den Dünen. Lohnend ist ein Abstecher auf den Teufelsberg an der Steilküste. Der Sage nach soll der Teufel persönlich dort gelebt haben. Von dem rund 40 Meter hohen Berg bietet sich ebenfalls ein weiter Blick, eine Treppe führt hinunter zum Strand.

Ein schöner Aussichtspunkt ist das Loddiner Höft, eine kleine Halbinsel am Achterwasser. Von dort reicht der Blick bis zum Lieper Winkel, zur Halbinsel Gnitz und zum Festland. Im Sommer ist das Höft der ideale Standort, um bei schönem Wetter die malerischen Sonnenuntergänge über dem Achterwasser zu genießen.

Zempin - Usedoms kleinstes Seebad

Sehr sommerlich kommt dieses Foto des Hafens Zempin von Joachim Grimm aus dem Ostseebad Karlshagen daher. © NDR Foto: Joachim Grimm Ostseebad Karlshagen
Im kleinen Hafen von Zempin geht es idyllisch zu.

Der historische Ortskern von Zempin, dem kleinsten Seebad der Insel, liegt am Achterwasser. Charakteristisch sind die reetgedeckten Häuser im südlichen Teil des Ortes. Einst prägte die Fischerei das Dorf, sechs Räuchereien verarbeiteten den Fang. Im früheren Schulhaus erinnert die kleine Ausstellung "Fischerei in Zempin" an diese Zeit. Dort ist auch ein kleiner Laden mit einer Einrichtung von 1928 zu sehen.

Zempin ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Ein Gürtel aus idyllischen Laub- und Kiefernwäldern umgibt den Ort. Im Frühling überziehen Tausende weißer Anemonen den Waldboden.

Ückeritz - Künstlerkolonie und Wassersportrevier

Ein Boot segelt über glitzerndes Wasser. © NDR Foto: Max Bachmann aus Sassnitz
Das flache Achterwasser eignet sich hervorragend für Wassersport.

Das alte Fischerdorf Ückeritz ist das südöstlichste der Bernsteinbäder und liegt überwiegend am Achterwasser. So ist der Ort zu einem kleinen Zentrum des Wassersports wachsen. Ob Segeln, Wind- oder Kitesurfen - das flache Achterwasser eignet sich für Anfänger und Könner. Im Ort selbst zeugen die niedrigen Häuser von der Vergangenheit des Seebads als Fischer- und Bauerndorf. Erst mit der Entwicklung des Badewesens wurden Ende des 19. Jahrhunderts einige größere Gästehäuser im Villenstil erbaut. Umgeben ist Ückeritz von schilfbewachsenen Uferzonen, Wäldern und Wiesen. Am sieben Kilometer langen Sandstrand wechseln sich Steilküsten und flache Zonen ab. Die abgeschiedene Lage inmitten der Natur zog ab den 1930er-Jahren viele Künstler an. Bis heute ist Ückeritz als Künstlerkolonie bekannt.

Karte: Die Bernsteinbäder auf Usedom
Weitere Informationen
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