In der Neuen Galerie der Otto-Niemeyer-Holstein-Gedenkstätte in Lüttenort auf der Ostseeinsel Usedom ist auf einer Staffelei ein Foto des Malers bei der Arbeit zu sehen. © dpa - Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Otto Niemeyer-Holstein: Der Usedom-Maler

Stand: 25.05.2021 13:59 Uhr

Anfangs hat der Berliner aus Schleswig-Holstein auf der Ostseeinsel Usedom nur die Sommer verbracht. Ende der 30er-Jahre zog der Maler Otto Niemeyer-Holstein ganz nach Usedom.

Otto Niemeyer wurde am 11. Mai 1896 in Kiel geboren. Nach der Schulausbildung meldete Otto Niemeyer sich mit 18 als Freiwilliger zum Militärdienst und absolvierte eine Ausbildung zum Husar. Eine Kriegsverletzung beendete 1916 seine Soldatenlaufbahn. Noch während des Ersten Weltkriegs erhielt er in der Schweiz Unterricht in der Malerei. Er begann intensiv zu zeichnen und zu malen, vervollständigte seine Ausbildung an der damaligen Kunst-Akademie in Kassel. Bald fügte er auf Anraten eines befreundeten Schriftstellers seinem Familiennamen die Bezeichnung seiner Herkunft hinzu. Fortan nannte er sich Otto Niemeyer-Holstein - oder auch gern kurz "ONH".

Usedom: Seine Insel der Inspiration

In den 20er-Jahren hatte er schon die ersten eigenen Ausstellungen, er begegnete Künstlern wie Lyonel Feininger und Paul Klee, später Otto Manigk und Herbert Wegehaupt, mit denen er sich austauschte. Als Otto Niemeyer-Holstein Anfang der 30er-Jahre mit seinem Segelboot "Lütter" vor der Insel Usedom unterwegs war, fand er an ihrer schmalsten Stelle einen Ort, an dem er sich niederlassen wollte. Damals war es eine sandige Einöde - er machte den Ort zu etwas ganz Besonderem. Zwischen den Seebädern Koserow und Zempin lag das kleine Anwesen, genannt "Lüttenort". 50 Jahre lang bis zu seinem Tod lebte und arbeitete Niemeyer-Holstein hier in der Nähe von Koserow zusammen mit seiner zweiten Frau Annelise.

Otto Niemeyer-Holsteins Haus und Garten sind ein Kunstwerk

Das von Skulpturen umgebene und mit Pflanzen zugewachsenen Atelier Otto Niemeyer-Holstein zählt zu den besonderen Anziehungspunkten auf der Ostseeinsel Usedom. © ZB - Fotoreport Foto: Stefan Sauer
Otto Niemeyer-Holstein hatte verfügt, dass Lüttenort nach seinem Tod so wie zu seinen Lebzeiten erhalten bleiben soll.

"Lüttenort" nannte er sein Anwesen mit Atelier. Er malte dort vor allem norddeutsche Landschaften in impressionistischer Manier. Aber auch Atelier, Haus und Garten sind ein Werk des Künstlers. Er formte und veränderte sein "Lüttenort" immer wieder. Heute ist die Bebauung durch die dichte Vegetation nur noch zu erahnen. Das Anwesen ist mit Skulpturen seiner Künstler-Freunde umgeben, unter anderem von Wieland Förster, Jo Jastram und Werner Stötzer. Das Atelier ist, wie er es wünschte, nach seinem Tod unverändert geblieben und zählt heute zu den Anziehungspunkten auf Usedom.

Heimatverbunden und reiselustig

Im Haus des Künstler Otto Niemeyer-Holstein: "Lüttenort" auf Usedom.  Foto: Helmut Soldner
Neben Ölgemälden und Aquarellen beschäftigt sich Niemeyer-Holstein ab 1958 auch mit Holzschnitten, Radierungen und Lithografien.

So sehr er Usedom liebte - Niemeyer-Holstein reiste auch gern und viel. In den 20er-Jahren entdeckte er Italien und Frankreich, danach Nordeuropa. Besonders viel unterwegs war er in den 50er-Jahren, zu einer Zeit, in der er Usedom schon als seine Heimat betrachtet und sich feinfühlig mit ihrem Farbreichtum beschäftigt. 1954 bis 1963 führen ihn die Reisen in die Schweiz, auf den Balkan, ans Mittelmeer und nach China.

"Aufgefüllt mit neuen Eindrücken bin ich nun wieder am geliebten Ostseestrand, auf unser reich bewaldetes Usedom zurückgekehrt", schrieb er 1959. "Und - liegt es nun an dem schnellen Wechsel der Eindrücke, an dem starken Kontrast des hellen, weichen Lichtes und der kargen Landschaft des süd-östlichen Italiens zu dem unendlich satten Grün der heimatlichen Natur, in die ich eintauche, wie in ein frisches Bad - ich bin aufs neue überwältigt, schaue staunend um mich."

Otto Niemeyer-Holstein: Unangepasstes Vorbild

Seine Biografen berichten, dass Niemeyer-Holstein während des Nazi-Regimes zurückgezogen lebte, sich und seine Kunst bedeckt hielt. Einige seiner Bilder, die bereits öffentlich waren, beschlagnahmten die Nazis. Sehr bald nach Kriegsende stellte Otto Niemeyer-Holstein wieder aus. 1964 wurde er Professor und 1969 Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Doch er kam immer wieder in Konflikt mit der Staatsmacht. Unter anderem, weil er sich weigerte, der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 offiziell zuzustimmen. Jahrelang wurde der Künstler von der Stasi bespitzelt.

Otto Niemeyer-Holstein war der erste Präsident des internationalen Komitees für die Biennale der Ostseeländer und ein Vorbild für jüngere Künstler, die seit den 60er-Jahren in den Norden kamen, um in der Küstenlandschaft Anregungen zu finden.

Seine letzte Ruhestätte fand der "Käpt'n", wie Freunde und Bekannte Otto Niemeyer-Holstein nannten, auf dem Friedhof in Benz, zusammen mit seiner zweiten Frau Annelise, genannt "Stürmann" (Steuermann). Sie starb kaum mehr als ein halbes Jahr nach ihm.

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NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 11.05.2021 | 19:00 Uhr