Stand: 28.04.2017 14:01 Uhr  | Archiv

Marktkirche: Hannovers größtes Gotteshaus

Ein mächtiges Gebäude, gut 60 Meter lang und fast 100 Meter hoch - so zeigt sich die Marktkirche in der Altstadt von Hannover. Ihr markanter viereckiger Turm überragt alle anderen Gebäude des Viertels bei Weitem. Seit dem Mittelalter zählt sie zu den Wahrzeichen der Stadt. Das Gotteshaus im Stil der norddeutschen Backsteingotik stammt aus dem 14. Jahrhundert. Gemeinsam mit dem benachbarten Alten Rathaus gilt die Marktkirche als südlichstes Beispiel für diesen Baustil. Das Innere der Hallenkirche beeindruckt heute als schlichter Raum von stattlicher Höhe. Vier Paare mächtiger runder Pfeiler aus Ziegelstein tragen das Deckengewölbe und gliedern das Gotteshaus.

Schlichte Schönheit: Hannovers Marktkirche

Wiederaufbau nach dem Weltkrieg

Zu den einschneidendsten Ereignissen in der Geschichte der Marktkirche St. Georgii et Jacobi - so der offizielle Name - gehört die Reformation im frühen 16. Jahrhundert. Mit der 1536 erlassenen Kirchenordnung wurde das Gotteshaus lutherisch. In den Wirren des Umsturzes verschwanden viele Kunstschätze aus dem einst reich verzierten Kirchenschiff. So soll es 1436 zwölf Altäre gegeben haben. Der heutige Hochaltar stammt noch aus dem 14. Jahrhundert, war lange Zeit ausgelagert und kehrte erst beim Wiederaufbau der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg an seinem ursprünglichen Ort zurück. Dieter Oesterlen, der Architekt des Wiederaufbaus, fand "das eigentliche Wesen und die Schönheit des Baues und seines Innenraumes (...) in der schmucklosen Wucht und ruppigen Großartigkeit".

Der geschrumpfte Turm

Das trifft auch auf den Turm der Marktkirche zu. Der wuchtige viereckige Backsteinbau wurde nicht in die Kirchenhalle eingebunden, sondern steht eigenständig an dem Gebäude - ungewöhnlich für die damalige Zeit in Norddeutschland. Ursprünglich sollte er noch höher werden als die heutigen 98 Meter. Doch den damaligen Bauherren gingen wohl Geld und Geduld aus. So wurde der geplante steile und hohe Helm des Turms nie realisiert, sondern durch ein deutlich bescheideneres Dach ersetzt.

Besichtigungen und Turmbesteigung

Die Kirche ist täglich für Besucher geöffnet. Regelmäßig finden dort Gottesdienste und Konzerte statt, ebenso wie Trauerfeiern für verstorbene Prominente der Stadt. Von Januar bis November lädt die Kirchengemeinde samstags um 12 Uhr zu Führungen ein. Immer wieder gibt es auch die Gelegenheit, den Turm der Marktkirche zu besteigen. Interessenten müssen sich im Gemeindebüro anmelden. Um die rund 630 Stufen zu bewältigen, ist einige Kondition und Schwindelfreiheit erforderlich. Am Ende bietet sich aus 75 Metern Höhe ein Blick über Hannovers Dächer.

Die größte Glocke des Landes

Das Geläut der Marktkirche ist das größte in Niedersachsen, bestehend aus elf Glocken. Für jede Kirchenjahreszeit und jeden Feiertag ertönt eine andere Melodie. Die große "Christus- und Friedensglocke" aus dem Jahr 1960 ist mit fast 2,5 Metern Durchmesser und rund zehn Tonnen Gewicht die größte Glocke des Bundeslandes. Sie erklingt nur an Festtagen und zu besonderen Anlässen.

Marktkirche in Hannover © HTS/VV Foto: Frank Rex

Glocken der Marktkirche St. Georgii in Hannover

NDR Kultur

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Karte: Marktkirche Hannover
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