Stand: 27.02.2014 11:19 Uhr

Die ganze Welt der Schifffahrt in einem Haus

von Janine Kühl, NDR.de
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Imposant: Im ältesten erhaltenen Speicher der Hansestadt befindet sich das Internationale Maritime Museum.

Ein 300 Meter langes Containerschiff per Simulator in den Hafen steuern - mit diesem Versprechen lockt das Internationale Maritime Museum meine Familie in die Hamburger Hafencity. Die Größe des imposanten Kaispeichers B lässt ahnen: Die Ausstellungsfläche ist riesig. Wir durchqueren den angenehm klein gehaltenen Museumsshop. Ein offenes Treppenhaus führt über zehn Stockwerke, die sogenannten Decks, hoch bis zum Dach des Gebäudes.

Auf Deck 1 staunen die Kinder im Bereich Navigation über alte, noch sehr ungenaue Weltkarten. Zwei Sextanten stehen bereit, um die eigene Position auf dem Breitengrad zu ermitteln. Mithilfe einer guten Anleitung klappt das tatsächlich.

"Ruder hart Backbord": Einmal Kapitän sein

Dann ist es so weit - der ehrenamtliche Mitarbeiter und ehemalige Kapitän Hans Köhn bittet auf die Brücke des 300 Meter langen Containerschiffes "Tokyo Express". Dank eines Schiffssimulators fühlen wir uns wie auf der Brücke eines Ozeanriesen, inklusive elektronischer Seekarte und Radar. Während zwei Kinder uns abwechselnd von Blankenese in den Köhlbrandhafen steuern, scharen wir übrigen uns um den Steuerstand und die drei Bildschirme, auf denen wir die Einfahrt in den Hamburger Hafen erleben.

Dabei kommt Nebel auf, wir müssen anderen Schiffen ausweichen und kommen beim Wenden mithilfe der Schlepper fast ins Schwitzen. Launig und fachkundig führen Köhn und sein Kollege Jan Martens als Schlepperkapitän mit Funkgerät und Hamburger Witz durch 45 kurzweilige Minuten. Köhns Anweisungen versteht jeder Amateursteuermann schnell: "10 Grad Steuerbord, mittschiffs, Ruder hart Backbord, Maschine stopp" - wer wissen will, wie moderne Seefahrt funktioniert, erfährt es hier hautnah. Überwiegend ehrenamtliche Kapitäne im Ruhestand bringen Jung und Alt das Steuern eines Containerschiffes nahe.

Auf Schatzsuche mit Käpt’n Kuddel

Weiter geht es auf Deck 2. Während ich die historische Entwicklung der Seefahrt spannend finde, interessieren sich die Kinder mehr für das ausgestellte Tauwerk. Piraten sind ein weiteres Thema sowohl auf dem Deck als auch auf der Schatzkarte von Käpt'n Kuddel, die unsere Kinder an der Kasse bekommen haben und nun akribisch bearbeiten. Die Fragen führen die jungen Besucher zu den spannendsten Stellen des Museums und zu wichtigen Ereignissen oder Objekten. Auf Deck 2 wird die Frage geklärt, wozu es Segelschulschiffe gibt. Ein Film über den Alltag an Bord eines Segelschulschiffs packt alle Familienmitglieder - bis hierher kommt keine Langeweile auf.

Vom Einbaum zum Containerschiff

Ein aus einem Baumstamm gehauener Einbaum erwartet uns auf Deck 3. Schiffsbau ist das übergreifende Thema der Etage. Zu sehen sind jede Menge Maschinen und Antriebsmodelle. Eher etwas für Spezialisten, finden wir. Auch für Laien interessant sind dagegen die Schleppmodelle der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt, die testet, welche Rumpfformen am besten durchs Wasser gleiten. Einer der großen Pluspunkte dieses Museums ist, dass es zwar oft sehr weit in die Tiefe geht, aber immer wieder Fragen aufgreift, die jeden interessieren. So auch die nach den Kosten für ein Frachtschiff, nach Größe und Ladung.

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Fast vier Meter lang ist dieses imposante Modell der "Wapen von Hamburg III".

Erst drei Stockwerke geschafft, aber wir befinden uns bereits seit zwei Stunden im Museum: Zeit für eine Pause. Auf dem Weg ins Café bewundern wir das größte Modell des Hauses: Der Dreimaster "Wapen von Hamburg III" schwebt mit seinen vier Metern Länge eindrucksvoll im Luftraum zwischen den Decks.

Seeschlachten und weltweiter Handel

Besucher ohne militärhistorische Affinität können Deck 4 getrost auslassen. Orden, Uniformen, Waffen und Kopfbedeckungen, soweit das Auge reicht. Dieser Themenbereich stand seit der Eröffnung des Museums mehrfach in der Kritik: Viele Militaria seien nicht ausreichend historisch eingeordnet, insbesondere der Umgang mit Fragen der NS-Zeit zu unkritisch, hieß es.

Für unsere Familie ist ohnehin lediglich das Periskop interessant, mit dem man ins nächste Stockwerk gucken kann. Kriegerische Konflikte auf See stehen dort im Mittelpunkt. Für Erwachsene sind die Texte verständlich geschrieben, Kinder konzentrieren sich hier eher auf die Ausstellungsstücke. Schon spannender ist die Abteilung Handelsschifffahrt auf Deck 6, wo eine Kabine des Kreuzfahrtseglers "Sea Cloud II" im Nachbau zu bewundern ist. Zudem werden viele praktische Fragen geklärt: Was passiert im Hafen, wie wird ein Schiff beladen?

Auch die Unterwasserwelt ist ein Thema

Eine Expedition in die Tiefen des Meeres erwartet uns auf Deck 7. Es geht um Lebensformen, Öl und Gas, Fischerei und die Erforschung des Klimawandels. Die kleinere Tochter bekommt in den oft düsteren Bereichen über die Unterwasserwelt Angst, und wir Großen sind nach über drei Stunden bereits zu müde, um uns durch die durchaus interessante Abteilung zu lesen.

36.000 Miniaturmodelle

Internationales Maritimes Museum

Kaispeicher B
Koreastraße 1
20457 Hamburg
Tel. (040) 30 09 23 00

Öffnungszeiten
Di bis So 10 bis 18 Uhr

weitere Informationen auf der Website des Museums

Doch einmal gucken, was noch kommt - das muss sein. Eine imposante Galerie befindet sich auf Deck 8. Bilder vom Meer, von Schiffen, Schlachten und Stränden kommen in der schönen Atmosphäre des alten Speichers gut zur Geltung. Modellbauer kommen eine Etage darüber auf ihre Kosten: Modellschiffe, so weit das Auge reicht, insgesamt 36.000 Stück verschiedener Schiffstypen. Auch wer kein Modellbau-Fan ist, schaut sich vielleicht trotzdem gern das Bremswege-Modell oder die Nachstellungen von Admiral Nelsons Seeschlachten an.

Fazit

Das Maritime Museum bietet in einem stilvollen Rahmen Tausende große und kleine Schiffsmodelle sowie eindrucksvolle Objekte zu jedem maritimen Thema. Die jeweiligen Themenschwerpunkte der einzelnen Decks sind räumlich gut erkennbar in weitere Spezialthemen aufgeteilt. Empfehlenswert ist es, bei einem Besuch eine Vorauswahl zu treffen. Denn das Museum ist einfach zu groß, um an einem Tag alles zu schaffen. Die Begleittexte sind verständlich und sehr informativ, ohne dabei zu lang zu sein. Immer wieder darf auch ausprobiert werden - ein Pluspunkt vor allem für jüngere Besucher. Wünschenswert wäre ein Kombiticket für mehrere Tage. Denn eines ist klar: Es gibt noch viel zu entdecken - auf dem Meer und im Museum.

Karte: Hier liegt das Maritime Museum

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